Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları

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Logo der TCDD
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Die Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları (TCDD) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft der Türkei.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach Gründung der Türkischen Republik 1923 war ein Ziel der Eisenbahnpolitik, die Bahnen, die sich weitgehend in ausländischem Eigentum befanden, in eine türkische Staatsbahn zu überführen. Das Gesetz Nr. 506 vom 22. April 1924 beschloss so folgerichtig den Ankauf der Anatolischen Eisenbahn (CFOA) durch die Türkische Republik. Mit einem weiteren Gesetz vom 24. Mai 1924 wurde die CFOA einer türkischen Generaldirektion unterstellt, der Anadolu-Bağdad Demiryolları, der Vorgängerorganisation der TCDD. Diese wurde dann durch ein Gesetz vom 23. Mai 1927 geschaffen.

Zum 1. Januar 1937 übernahm die TCDD die Compagnie des Chemins de fer Orientaux und damit den gesamten Bahnbetrieb im europäischen Teil der Türkei.[1]

Netzstruktur[Bearbeiten]

Das Netz der TCDD ist dreigeteilt:

  • das Netz im europäischen Teil der Türkei mit den Strecken nach Griechenland und Bulgarien
  • das Zentralnetz im asiatischen Teil der Türkei, das den größten Teil der Strecken umfasst
  • die vom Zentralnetz durch den Vansee getrennte Strecke von Van in den Iran. Der Schienenstrang endet von Ankara kommend in Tatvan. Zwischen Tatvan und Van verkehren eine Eisenbahnfähre und Omnibusse.

In Istanbul existieren deshalb zwei Bahnhöfe. Der Bahnhof Sirkeci liegt im europäischen Teil der Stadt, der Bahnhof Haydarpaşa im asiatischen Teil. Zwischen beiden Stationen verkehren Eisenbahnfähren, die allerdings nur Güterwaggons befördern. Es wird derzeit ein Eisenbahn-Tunnel unter dem Bosporus errichtet (Projekt Marmaray [2]). Ob dieser nur für Güter- und S-Bahnverkehr genutzt werden wird oder ob auch Fernzüge hindurch fahren werden, ist noch nicht entschieden.

Die Länge des Schienennetzes beträgt heute 10.984 km. Davon werden ca. 20 % elektrisch in vier Teilnetzen als Inselbetrieb betrieben:

Betrieb[Bearbeiten]

Personenverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Sirkeci in Istanbul, heutiger Eingang

Bis Mitte der 50er Jahre war die Eisenbahn in der Türkei das wichtigste Landverkehrsmittel. Seitdem wurde sie durch den Straßenverkehr marginalisiert. Der Personenfernverkehr der TCDD ist so vergleichsweise spärlich. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt unter der, die mit dem recht dichten Netz des öffentlichen Busverkehrs erreicht wird. Jedoch ist der Komfort in den Zügen weit höher. Auf den bedienten Strecken verkehrt in der Regel ein Fernzug pro Tag, meist als Nachtverbindung. Einige Strecken werden noch seltener bedient. Ausnahme ist die Strecke Istanbul–Ankara, auf der mehrere Tag- und Nachtverbindungen angeboten werden. In dieser Relation wurde am 13. März 2009 auch ein Teilstück der Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara–Istanbul zwischen Esenkent und Eskişehir mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h eröffnet. Dort muss für die Weiterfahrt nach Istanbul umgestiegen werden. Im Jahr 2010 wurde die Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara–Konya in Betrieb genommen.

Hinzu kommen auf einigen Streckenabschnitten „Regionalzüge“, auch meist nur einer pro Tag. Einen S-Bahn-Verkehr gibt es in Istanbul (Banliyö Trenleri), in Izmir, Ankara und zwischen Adana und Mersin.

Die im Fernverkehr eingesetzten Wagen sind in der Regel sehr modern. Das traditionelle Klassensystem wurde abgeschafft und durch eine Einheitsklasse, „Pullman“ genannt, ersetzt. Sitzwagen mit der Sitzanordnung 1 + 2 bieten einen Komfort wie Großraumwagen erster Klasse der mitteleuropäischen Bahnen – zu allerdings sehr viel niedrigeren Preisen. Darüber hinaus werden in Nachtverbindungen Schlafwagen (Zweibettabteile, WL A) und Liegewagen (Vierbettabteile, Ac) angeboten. Wagen älterer Bauart des gehobenen Komforts werden im Regionalverkehr weiter verwendet. Sie sind allerdings nicht umbenannt worden, so dass Garnituren unterwegs sind, die rein aus Wagen erster Klasse oder aus Liegewagen zweiter Klasse gebildet werden. Für alle aber gilt der Einheitspreis „Pullman“.

Die TCDD ist für Nichtanlieger nur schwer zu nutzen. Gedruckte Fahrpläne gibt es schon seit zehn Jahren nicht mehr und im Internet wird nur ein Teil der Verbindungen veröffentlicht.

Internationale Personenzugverbindungen bestehen mit Bulgarien, Serbien, Rumänien, dem Iran und - laut Fahrplan - mit Syrien:

Außerdem halten Züge zwischen Teheran und Damaskus auf beiden Richtungen in Van, Muş, Elazığ und anderen südostanatolischen Städten. Die Zugverbindung zwischen Nusaybin und Bagdad wurde 2003 im Zusammenhang mit dem Irakkrieg auf unbestimmte Zeit eingestellt. Der früher bei Gastarbeitern beliebte Istanbul-Express von Istanbul nach München verkehrt seit dem Beginn der Jugoslawienkriege nicht mehr.[3] Griechenland stellte 2011 aus wirtschaftlichen Gründen sämtliche internationalen Eisenbahnverbindungen ein, damit auch diejenige in die Türkei.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Seit 2002 betreibt TCDD gemeinsam mit den Bahngesellschaften Irans, Kasachstans, Tadschikistans, Turkmenistans, Kirgisistans und Usbekistans den Eurasia Block Container Train. Der Zug verkehrt auf der Strecke Istanbul–Ankara–Teheran–TaschkentAlmaty und transportiert Güter zwischen den sieben beteiligten Ländern.[4]

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken kommen die „Yüksek Hizli Tren“ genannten Hochgeschwindigkeitszüge der Baureihe HT 65000 mit Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h zum Einsatz. Auf dem übrigen elektrifizierten Streckennetz überwiegen zwei Baureihen von Elektrolokomotiven, dies sind die E 43000 im Personen- und Güterverkehr und die von den ŽFBH angemieteten E 52500 im Personenverkehr. Daneben kommen im Raum Istanbul im Regionalverkehr Lokomotiven der Baureihe E 40000 sowie zwei Bauarten elektrischer Triebwagen (E 8000 und E 14000) zum Einsatz.

Auf den nicht elektrifizierten Strecken sowie für Rangierdienste werden verschiedene Bauarten von Dieseltriebwagen und -lokomotiven eingesetzt, hier sind vor allem die 2008 vom südkoreanischen Unternehmen Hyundai Rotem gelieferten Triebwagen DM 15000 sowie die in großer Zahl vertretenen Lokomotiven der Baureihe DE 24000 zu nennen.

Auch einige Fahrzeuge deutscher Hersteller kommen und kamen in der Türkei zum Einsatz, beispielsweise verschiedene Bauarten der MaK-Stangenlokomotiven (Baureihen DH 3600, DH 33100 und DH 44100) oder auch von der DB erworbene Gebrauchtfahrzeuge wie die DB-Baureihe V 60 als Baureihe DH 6500 und Uerdinger Schienenbusse als RM 3000.

Projekte[Bearbeiten]

Hochgeschwindigkeitsstrecken in der Türkei

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.trainsofturkey.com History / CO - Chemins de fer Orientaux (abgerufen am 8. April 2012)
  2. Website des Projekts (englisch, mit Karte des Streckenverlaufs)
  3. http://www.tcdd.gov.tr/tcdding/ortadogu_ing.html
  4. http://www.tcdd.gov.tr/tcdding/almati_ing.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Benno Bickel: Zeittafel Bagdadbahn. In: Jürgen Franzke (Hrsg.): Bagdadbahn und Hedjazbahn – Deutsche Eisenbahngeschichte im Vorderen Orient. Tümmel, Nürnberg 2003, ISBN 3-921590-05-1, S. 160–162.

Weblinks[Bearbeiten]