Kars

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Kars; für weitere Bedeutungen siehe Kars (Begriffsklärung).

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Kars
Wappen von Kars
Kars (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Kars
Koordinaten: 40° 36′ N, 43° 6′ O40.60694444444443.0930555555561768Koordinaten: 40° 36′ 25″ N, 43° 5′ 35″ O
Höhe: 1768 m
Einwohner: 76.928[1] (2011)
Telefonvorwahl: (+90) 474
Postleitzahl: 99 000
Kfz-Kennzeichen: 36
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gliederung: 22 Mahalle
Bürgermeister: Nevzat Bozkuş (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Kars
Einwohner: 111.008[1] (2011)
Fläche: 1.805 km²
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Blick über Kars

Kars (armenisch Ղարս = Ghars oder Կարս, aserbaidschanisch Qars, kurdisch Qers) ist das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz Kars in der Türkei. Die 76.928 Einwohner zählende Garnisonsstadt liegt im Nordosten Anatoliens, etwa 45 km westlich der Grenze zu Armenien und 65 km südlich der türkisch-georgischen Grenze, auf einer Höhe von 1768 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Ani war Kars von 933 bis 957 die Hauptstadt eines von den Bagratiden regierten, armenischen Königreiches. Im 11. Jahrhundert wurde Kars von Alp Arslan (König der seldschukischen Türken), im 13. Jahrhundert von Mongolen und 1387 von Tamerlan erobert und zerstört.

Nachdem Kars und die umgebende Region 1514 Teil des Osmanischen Reiches geworden waren, war die 1152 erbaute Zitadelle von Kars in späteren Jahrhunderten jedoch stark genug, 1731 der Belagerung durch persische Truppen unter dem Turkmenen Nadir Schah und 1807 den russischen Truppen standzuhalten. Am 23. Juni 1828 ergab sich die Stadt dem russischen Generalfeldmarschall Iwan Paskewitsch und 11.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft.

Kars zwischen Russen und Osmanen[Bearbeiten]

Während des Krimkrieges befehligte der britische Oberst William Fenwick Williams die türkischen Truppen in der Festung Kars. Mit 40.000 Mann erreichte 1855 der russische General Murawjew die Festung. Die 30.000 Verteidiger unter Williams konnten den Angriff der Russen abwehren. Deshalb führte Murawjew von Anfang Juni bis Ende November 1855 die Belagerung der Festung Kars durch. Nach einem vergeblichen Entsatzversuch durch Omar Pascha zwangen die Cholera und Engpässe in der Lebensmittelversorgung die Garnisonsstadt am 29. November 1855 zur Kapitulation. Dieser Erfolg gestattete Russland, trotz des Verlustes von Sewastopol moderate Friedensverhandlungen zu führen.

Im Russisch-Türkischen Krieg von 1877/78 wurde die Festung während der Schlacht von Kars abermals gestürmt und schließlich mit dem Frieden von San Stefano an Russland abgetreten. Zwischen 1878 und 1881 verließen daraufhin 82.000 Muslime die Stadt und emigrierten in das Osmanische Reich. Gleichzeitig wanderten viele Armenier, Griechen und Russen aus der Türkei und dem Kaukasus in die Region um Kars. Nach dem russischen Zensus von 1892 stellten die Russen 7 %, Griechen 13,5 %, Kurden 15 %, Armenier 21,5 %, Türken 24 %, Karapapaken 14 % und Turkmenen 5 % der Bevölkerung der Oblast Kars aus.[2]

Erster Weltkrieg und Republik Türkei[Bearbeiten]

Russland wiederum verlor Kars (zusammen mit Ardahan und Batumi) durch den Frieden von Brest-Litowsk am 3. März 1918. Am 25. April 1918 wurde Kars wieder von Türken besetzt und in der Region wurde die „Südwest-Kaukasische Republik“ ausgerufen. Allerdings zog sich die osmanische Armee nach dem Waffenstillstand von Mudros bereits im Oktober 1918 wieder hinter die Grenzen von 1914 zurück. Britische Truppen besetzten Batumi, während die Osmanen sich weigerten, Kars aufzugeben. Eine provisorische Regierung unter der Führung von Fahrettin Pirioğlu wurde eingerichtet, welche die osmanische Herrschaft über Kars und die türkischsprachigen und islamischen Nachbarregionen Batumi und Alexandropol proklamierte. Das Gebiet wurde im Januar 1919 von Armenien besetzt, doch die pro-türkische Regierung fand bis zur Ankunft britischer Truppen Unterstützung, die selbige am 19. April 1919 auflöste und ihre Führung nach Malta abschob. Kars und seine Umgebung wurden im Mai 1919 an Armenien abgetreten, Ardahan, Çıldır und Posof an Georgien. Die Gebiete gingen nach dem Türkisch-Armenischen Krieg (September - Dezember 1920), der große Verluste unter der muslimischen und christlichen Zivilbevölkerung in und um Kars mit sich brachte, mit dem Vertrag von Alexandropol am 2. Dezember 1920 an die Türkei zurück.

Infolge des Türkischen Befreiungskriegs gab das Osmanische Reich am 23. Oktober 1921 mit dem Vertrag von Kars alle Ansprüche auf Batumi auf und erhielt im Gegenzug Kars, Artvin und Ardahan.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Als Stadt im Schnittpunkt armenischer, georgischer, griechischer, russischer und türkischer Kultur vereint sie eine Vielzahl von Architekturstilen. Vor allem die russische Architektur vom Ende des 19. Jahrhunderts prägt die Stadt. Kars wurde als wichtige russische Garnisonsstadt angesehen.

Kars Kalesi, die erstmals 1152 durch die Saltukiden errichtete, 1386 von Tamerlan zerstörte und 1579 unter Sultan Murad III. von Großwesir Lala Mustafa Pascha wiedererrichtete Zitadelle von Kars, erhebt sich auf einem Plateau oberhalb der Stadt. Die heutigen Strukturen stammen aus dem Jahr 1855.

Zu Füßen des Plateaus liegt die ehemalige armenische Kathedrale von Kars, die „Kirche der Apostel“, armenisch Surb Arak’eloc, erbaut zwischen 932 und 937 von Bagratidenkönig Abas I., heute eine Moschee.

Im Bau befand sich ein 35 Meter hohes Monument, das an die Freundschaft zu Armenien erinnern soll. Es wurde vom türkischen Bildhauer Mehmet Aksoy entworfen. Weil der Standort des Monuments aus historischen Gründen umstritten ist, wurden die Bauarbeiten unterbrochen und im Jahr 2011 von Ministerpräsident Erdoğan der Abriss gefordert.[3][4] Am 18. April 2011 wurde mit dem Abriss des Denkmals begonnen. Im Anschluss an eine Protestkundgebung gegen den Abriss wurden der Maler Bedri Baykam sowie seine Assistentin Tuğba Kurtulmuş niedergestochen und schwer verletzt.[5]

Bildung[Bearbeiten]

In Kars ist die Kafkas Üniversitesi (deutsch: Kaukasus-Universität) angesiedelt. Sie wurde am 11. Juli 1992 gegründet und verfügt über sechs Fakultäten, drei Institute, vier Fachhochschulen und mehrere Forschungs- und Anwendungszentren. Der Universitätscampus liegt 3,5 km südwestlich von Kars.[6]

Verkehr[Bearbeiten]

Kars liegt an der Bahnstrecke IstanbulAnkaraKayseriSivasErzurumGjumri (Armenien). Seit 1994 ist Kars jedoch östliche Endstation, da der Streckenabschnitt nach Gjumri als Folge der Grenzschließung zwischen der Türkei und Armenien im Kontext des Bergkarabachkonflikts stillgelegt wurde. Es verkehrt täglich je ein Zug zwischen Kars und Ankara, sowie Kars und Istanbul (über Ankara). Kars ist der Ausgangspunkt einer umstrittenen Bahnstrecke nach Baku über Achalkalaki und Tiflis, die seit 2007 gebaut wird.

Kars ist mit Erzurum durch eine Autobahn verbunden.

Kars verfügt über einen Flughafen mit täglichen Verbindungen nach Ankara und Istanbul.

Fotogalerie[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Bekanntheit erlangte die Stadt Kars als Schauplatz des Romans „Schnee“ des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk, der 2006 den Literaturnobelpreis erhielt.
  • Modest Mussorgski komponierte 1880 einen Triumphmarsch Einnahme von Kars, der zum 25-jährigen Thronjubiläum von Alexander II. aufgeführt werden sollte. Er verwendete dafür weitgehend Teile seiner unvollendenten Oper Mlada, lediglich ein Alla-Turca-Trio sollte dem Werk Lokalkolorit verleihen.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 22. August 2012
  2. Wikisource: Oblast Kars – Artikel im Enzyklopädischen Wörterbuch von Brockhaus und Efron, Sankt Petersburg 1890–1907 (russisch)
  3. Christopher Torchia: Debate in Turkey over Armenia friendship monument. auf: turkaget.wordpress.com, 10. Januar 2011.
  4. Jürgen Gottschlich: Streit um armenisch-türkisches Denkmal: Erdogan in der Provinzposse. auf: taz.de, 27. Januar 2011.
  5. taz.de vom 19. April 2011
  6. Genel Bilgiler. Kafkas Üniversitesi. (Website der Universität, türkisch, auch engl. verfügbar)
  7. http://www.serhattv.com.tr/haber/116162/kardes-sehirlerimiz-bini-asti.html
  8. Hans Christoph Worbs: Mussorgsky. RoRoRo-Bildmonographien, Reinbek 1976, S. 122.