Tokelau

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Dieser Artikel behandelt das abhängige Gebiet Tokelau, zur gleichnamigen Hautflechte siehe Tinea imbricata
Tokelau
Flagge Tokelaus
Wappen Tokelaus
Flagge Symbol
Amtssprache Tokelauisch, Englisch
Hauptstadt Fakaofo (Verwaltungssitz)
Staatsform koloniale Besitzung Neuseelands
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.
Regierungschef Administrator Jonathan Kings
Ulu-o-Tokelau Salesio Lui
Fläche 12,2 km²
Einwohnerzahl 1.411 (Zensus Oktober 2011)[1]
Bevölkerungsdichte 122 Einwohner pro km²
Währung Neuseeland-Dollar
Zeitzone UTC +13
Internet-TLD .tk
Telefonvorwahl +690
Japan Nördliche Marianen Palau Mikronesien Osttimor Indonesien Midwayinseln Hawaii Johnston-Atoll Wake Papua-Neuguinea Marshallinseln Nauru Kiribati Französisch-Polynesien Pitcairninseln Tokelau Cookinseln Salomonen Norfolkinsel Neuseeland Vanuatu Tuvalu Wallis und Futuna Tonga Niue Australien Samoa Amerikanisch-Samoa Fidschi Howlandinsel Bakerinsel Palmyra Kingmanriff Jarvisinsel Neukaledonien Japan Antarktika Russland Chile (Osterinsel) Vereinigte Staaten (Alaska) Kanada Mexiko Vereinigte Staaten Nordkorea Südkorea Volksrepublik China Republik China Vietnam Laos Kambodscha Thailand Philippinen China Singapur Malaysia BruneiTokelau on the globe (Polynesia centered).svg
Über dieses Bild
Tokelau.png

Tokelau ist der von Neuseeland abhängige Teil der Union-Inseln mit 1411 Einwohnern (Oktober 2011) und einer Fläche von 12 km². Tokelau besteht aus den Atollen Atafu, Nukunonu und Fakaofo und liegt im Südpazifik.

Geographie[Bearbeiten]

Tokelau besteht aus folgenden Atollen:

Atoll Koordinaten Fläche
km²
Lagune
km²
Bevölkerung
(2011)[1]
davon
anwesend
Atafu 8° 33′ S, 172° 30′ W-8.5516666666667-172.50083333333 3,5 17 482 385
Nukunonu 9° 10′ S, 171° 49′ W-9.1683333333333-171.80972222222 4,7 98 397 309
Fakaofo 9° 22′ S, 171° 13′ W-9.3652777777778-171.215 4,0 50 490 449
Tokelau 9° S, 172° W-8.9657666666667-171.85737222222 12,2 165 1369 1143

Die Atolle liegen im Zentrum des Pazifischen Ozeans nördlich von Neuseeland und östlich von Neuguinea. Zwischen Tokelau und der nächstgelegenen Inselgruppe Samoa liegen etwa 480 km.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung von Tokelau lebt in drei Dörfern auf den jeweiligen Atollen. Die Bewohner sprechen Tokelauisch und zumeist nur ein paar Worte Englisch. Die Isolation der Atolle und das Fehlen natürlicher Ressourcen behindern die ökonomische Entwicklung des Gebietes, die landwirtschaftliche Produktion bewegt sich am Subsistenzniveau. Gemeinsam mit der Überbevölkerung des Gebiets führt dies zu einer anhaltenden Emigration vieler Atollbewohner nach Neuseeland (der Bevölkerungsrückgang beträgt 0,9 % pro Jahr).

Religion

Auf dem Atoll Atafu bekennen sich fast alle Einwohner mit 89,8 % zur Congregational Christian Church of Samoa (Ekalesia Fa’apotopotoga Kerisiano I Amerika Samoa), 3,4 % zur römisch-katholischen Kirche, auf Nukunonu mit 93,9 % fast alle zur römisch-katholischen Kirche. Auf Fakaofo sind beide Konfessionen vertreten, wobei die Congregational Christian Church mit 68,9 % gegenüber den Katholiken mit 25,9 % dominiert.[2]

Gesundheit

Laut einem Bericht der WHO[3] hat die Bevölkerung von Tokelau mit 93,6 % den höchsten Anteil an übergewichtigen Menschen im Südpazifik. Die Diabetesrate liegt bei 43,6 %.

Politik[Bearbeiten]

Tokelau ist ein integraler Teil Neuseelands. Seine Angelegenheiten werden vom neuseeländischen Außen- und Handelsminister geregelt, der seit 1980 zur Verwaltung der drei Atolle einen Administrator of Tokelau ernennt. Ein Großteil der Verantwortung wurde allerdings der tokelauischen Bevölkerung, insbesondere dem Ältestenrat (Taupulega), übertragen, so dass der Administrator quasi nur als Schnittstelle zwischen der Kolonie und dem Mutterland fungiert. Basis der tokelauischen Gesetzgebung, Verwaltung und Justiz bildet der so genannte „Tokelau Islands Act“ von 1948.[4]

Jedem der Atolle steht ein Faipule vor, der die jeweiligen Räte (Village Council) leitet und auch rechtsprechende Funktionen wahrnimmt. Exekutivorgane sind die drei Pulenuku, die sich als Bürgermeister bezeichnen lassen. Intern besteht keine administrative Trennung der drei Inseln, die insgesamt 21 Repräsentanten in das Parlament (General Fono) von Tokelau entsenden (Nukunonu: 6 Sitze, Fakaofo: 7 Sitze, Atafu: 8 Sitze). Der Vorsitz im General Fono rotiert jährlich zwischen den Atollen. Die jeweiligen Faipule nehmen in dieser Zeit auch die Funktion des Regierungschefs (Ulu-o-Tokelau) ein.

Am 2. Dezember 1980 wurde auf Atafu der Tokehega-Vertrag unterzeichnet, ein Abkommen zwischen Neuseeland und den USA über den maritimen Grenzverlauf zwischen Tokelau und Amerikanisch-Samoa, das unter anderem die Ansprüche auf die Insel Olohega (auch Swains Island) zugunsten der USA klärte. Bemerkenswert an diesem Vertrag sind insbesondere folgende Umstände:

  1. Der Vertrag wurde in Tokelau unterzeichnet.
  2. Der Vertrag wurde sowohl auf Englisch als auch auf Tokelauisch verfasst.
  3. Als Vertreter Neuseelands traten die drei Faipule der Atolle auf.

Am 11. November 2004 kamen Neuseeland und Tokelau überein, Verhandlungen über einen Vertrag aufzunehmen, der den politischen Status Tokelaus in einen unabhängigen Staat in freier Assoziation mit Neuseeland umwandeln würde, ähnlich dem gegenwärtigen Status der Cookinseln und Niues. Zwischen dem 13. und 15. Februar 2006 wurde ein von den Vereinten Nationen finanziertes Referendum über die Unabhängigkeit abgehalten. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit zur Loslösung wurde mit 349 Stimmen gegen 232 bei einer Wahlbeteiligung von 95 % verpasst. Die Gegner einer Loslösung fürchten vor allem das Ende der finanziellen Unterstützung durch Neuseeland. Ein erneutes Referendum fand im Oktober 2007 statt. Auch in diesem erhielt der Vorschlag einer losen Bindung mit Neuseeland nicht die notwendige Mehrheit.[5]

Das Pacific Islands Forum gewährte Tokelau im Oktober 2005 Beobachterstatus.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Atolle wurden von Polynesiern über die umliegenden Inseln besiedelt. Bis zum 19. Jahrhundert waren die Inseln autark. Durch Krankheiten, die Walfänger mitbrachten, peruanische Sklavenhändler und Missionare, die versuchten, 500 Menschen umzusiedeln, überlebte nur die Hälfte der ursprünglichen Bevölkerung.

1877 wurden die Inseln zum britischen Schutzgebiet erklärt. Die entsprechenden formellen Erklärungen und die Flaggenhissung wurden 1889 von Commodore Oldham, Royal Navy, HMS Egeria, auf den jeweiligen Inseln vorgenommen. 1893 wurden die Union Islands (wie die Tokelau-Inseln bis 1946 hießen) dem neu gegründeten Schutzgebiet der Gilbert- und Elliceinseln zugeordnet und von Tarawa und später von Ocean Island aus verwaltet. 1916 wurden die Tokelau-Inseln auf Wunsch der Einwohner in das Vereinigte Königreich aufgenommen. Damit wurden sie Teil der Gilbert-Ellice-Kolonie und die Verwaltung wurde vom Bezirksverwalter (District Officer) in Funafuti übernommen. Am 4. November 1925 wurden die Inseln unter die Verwaltung von Neuseeland gestellt. Dadurch wurden sie automatisch dem Verwalter (Administrator) des Westsamoa-Territoriums zugeordnet.

Im gleichen Jahr wurde die bis dahin zum Verband der Union Islands gehörende Insel Olohega (heute Swains Island) von England an die USA abgetreten. Olohega liegt zirka 160 km südlich von Fakaofo.

Inoffizielle Flagge Tokelaus von 1989

Die am 7. Mai 1946 verabschiedete Tokelau-Namensverordnung bezeichnet die Inselgruppe offiziell als Tokelau-Inseln, und mit dem Tokelau-Inseln-Gesetz wird Neuseeland 1948 die Landeshoheit übertragen und dem neuseeländischen Hoheitsgebiet zugeordnet.

Durch die Unabhängigkeitserklärung Westsamoas 1962 wurde der Administrator Hoher Kommissar (High Commissioner) von Neuseeland, behielt aber das Amt des Administrators für die Tokelau-Inseln. Vom 1. Januar 1972 an wurde der Titel Administrator der Tokelau-Inseln dem Minister für Maori- und Inselfragen in Wellington übertragen.

Die Insel war Ziel von Koprahändlern, die das getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnuss, das vor allem für Speiseöl verwendet wird, mit gutem Gewinn weiterverkauften. Ein Postschiff steuerte nur drei bis vier Mal pro Jahr Tokelau an. Die erste Schule Tokelaus entstand 1950.

Weitere Daten zu der Geschichte der Atolle sind unter den Inselnamen Atafu, Nukunonu und Fakaofo zu finden.

Im Gegensatz zu Neuseeland lag Tokelau bis 2011 östlich der Datumsgrenze, wodurch die Zeit im Vergleich zu Neuseeland 22 Stunden hinterherging. Zusammen mit Samoa überging Tokelau jedoch den 30. Dezember 2011 und wechselte somit auf die westliche Seite.[6]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Strand von Tokelau

Tokelau gilt als einer der abgeschiedensten Orte der Welt. Außer wenigen Verkehrsmitteln bieten die Inseln keine nennenswerten Transportmöglichkeiten, geschweige denn öffentliche Bauten wie Gefängnis, Hafen und Flughafen. Die Verbindung zwischen Tokelau und dem nächstgelegenen Inselstaat Samoa wird alle vierzehn Tage per 26- bis 30-stündiger Schifffahrt ermöglicht. Neben Personentransport kommt dem Schiff auch die Aufgabe der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu, da die Inseln von Tokelau außer den einheimischen Kokospalmen und Fischfang keine nennenswerten Ressourcen produzieren können.

Als letzter Staat der Erde wurde Tokelau im Jahr 1994 mit dem internationalen Telefonnetz verbunden. Im September 2003 hat die Stiftung Tokelau eine 384-kbps-Downlink- und eine 64-kbps-Uplink-Internetverbindung via Satellit auf Fakaofo angelegt, die rund um die Uhr aktiv ist.

Tokelau ist der erste Staat der Erde, der sich vollständig mittels Photovoltaik mit Strom versorgt. Dafür wurde 2012 auf den drei Atollen eine insgesamt einen Megawatt große Photovoltaikanlage installiert. Durch die Umstellung von Dieselgeneratoren auf Photovoltaik spart Tokelau nun jeden Tag ca. 200 Liter fossilen Brennstoff ein.[7] Das Tokelau Renewable Energy Project vorsorgt die drei Inseln mit insgesamt einem Megawatt Leistung. [8]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Bewohner versorgen sich durch Fischfang und die Nutzung der Kokospalmen zum großen Teil selbst. Die Gewässer um Tokelau besitzen große Thunfischbestände. Ärztliche Leistungen und Medikamente sind für die Tokelauer kostenlos. Deshalb benötigen sie nur wenig Geld. Tokelau war das letzte Land der Erde, in dem Bargeld eingeführt wurde.

Bekannt geworden ist Tokelau im Internet durch die kostenlose Vergabe der Top-Level-Domain .tk. Es ist aber nicht der Inselstaat selbst, der die Top-Level-Domains vergibt, sondern ein Investor, der das Nutzungsrecht an der Adresse erwarb.

Umwelt[Bearbeiten]

Seit 1846 haben nur drei Wirbelstürme die Inseln verwüstet und fast alle traditionellen Bauten zerstört. Seitdem sind die Kirche, das Versammlungshaus und die Schule die sichersten Orte im Fall einer Flutwelle. So trafen im Februar 1990 die Wellen des Hurrikans „Ofa“ und 1992 des Hurrikan „Val“ die Atolle. [9] Zuletzt traf am 25./26. Februar 2005 der Zyklon „Percy“ auf die Inseln, der auf Nukunonu etwa 80 % der Häuser leicht bis schwer beschädigte, aber keine Menschenleben kostete.

Im Oktober 2011 hat eine ungewöhnliche Dürreperiode zu akutem Trinkwassermangel geführt, der noch monatelang, bis zur nächsten Regenzeit, andauern könnte.[10] Das gleiche Problem trifft auch Tuvalu. Experten befürchten, dass sich der Trinkwassermangel auch auf andere Inseln im gesamten Süd-Pazifik ausweiten könnte. Neuseeland und Australien helfen den Inseln gegenwärtig mit Meerwasser-Entsalzungsanlagen[11]

Sport[Bearbeiten]

Bei den Südpazifikspielen in Apia gewannen tokelauische Sportler 2007 die ersten drei Goldmedaillen in der Geschichte des Staates bei internationalen Wettbewerben.[12] Im Lawn Bowls holten Lotomalie Fakaalofa, Sagato Alefosio und Sakaraia Patelesio die Goldmedaille im Dreier-Wettbewerb der Männer.[13] Zuvor hatten bereits Violina Linda Pedro und Opetera Samakia Ngatoko in derselben Sportart im Paarwettbewerb der Frauen die Goldmedaille gewonnen.[14] Schließlich gewann Violina Pedro im Einzelwettbewerb der Damen ebenfalls Gold, während es für die Männer im Viererwettbewerb noch Silber und für die Frauen im selben Wettbewerb eine Bronzemedaille gab.[15] Lawn Bowls ist in den Staaten des Südpazifik ein populärer Sport. Alle 22 teilnehmenden Nationen stellten Teams für die Wettbewerbe im Lawn Bowls.[16]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anke Richter: Tokelau - 200 Tage. Bericht aus einem sinkenden Paradies, vgs, Köln 2003
  • Matagi Tokelau. History and Traditions of Tokelau (o.A.). Apia/Suva 2001: Office for Tokelau Affairs/ Institute of Pacific Studies/Univ. of the South Pacific.
  • Judith Huntsman, Anthony Hooper: Tokelau – A Historical Ethnography. Auckland 1996: Auckland University Press.
  • Judith Huntsman: Tokelau 1852 Exodus: A Story and its History, in: Journal of Pacific History 39 (2004) S. 23–41.
  • Kelihiano Kalolo: Tokelau, in: The Contemporary Pacific 12 (2000) S. 246–249.
  • A. H. Angelo, Hosea Kirifi: The Treaty of Tokehega – an exercise in law translation, in: Victoria University of Wellington Law Review 17 (1987) S. 125–139.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tokelau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Tokelau – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Final count for the 2011 Tokelau Census of Population and Dwellings (PDF-Datei; 215 kB), englisch, abgerufen am 27. November 2012.
  2. Profile of Tokelau Ata o Tokelau: 2011 Tokelau Census of Population and Dwellings (PDF-Datei; 15,08 MB), S. 30, englisch, abgerufen am 27. November 2012.
  3. Bericht der WHO zur Situation der Pazifik-InselweltVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  4. Tokelau-info.de
  5. The New Zealand Herald: Tokelau votes to remain dependent territory of New Zealand, in Englisch, abgerufen am 25. Oktober 2007
  6. Welt online: Wer braucht schon den 30. Dezember? – Weg damit!, Datumssprung in Samoa, abgerufen am 27. Dezember 2011
  7. Ben Chapman-Smith: NZ company turns on first Tokelau solar system. In: The New Zealand Herald, 10. August 2012, englisch, gesehen am 21. April 2013.
  8. Bericht der WHO zur Situation der Pazifik-Inselwelt – Abgerufen am 16. November 2012
  9. Tokelau Travel Guide (englisch)
  10. vgt. dazu: http://english.aljazeera.net/news/asia-pacific/2011/10/201110364857797250.html sowie http://wetter.t-online.de/pazifik-suedseeparadiese-leiden-unter-trinkwassermangel/id_50323600/index
  11. http://english.aljazeera.net/news/asia-pacific/2011/10/2011108103627660410.html
  12. Tokelau Leader wants more for his gold medal winning nation, Pacific Radio News, 31. August 2007 (11. September 2007)
  13. Gold Medal Winners for Mens Triples …, Website der 13th South Pacific Games, 5. September 2007 (11. September 2007)
  14. Tokelau gets a touch of Gold, Website der 13th South Pacific Games, 2. September 2007 (11. September 2007)
  15. Tokelau, Website der 13th South Pacific Games, 5. September 2007 (11. September 2007)
  16. Lawn Bowls, Website der 13th South Pacific Games, (11. September 2007)

-9.0126706091667-171.90978461389Koordinaten: 9° S, 172° W