Bildungssystem in Berlin

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Präsidialamt der Freien Universität Berlin

Das Bildungssystem in Berlin umfasst eine Vielzahl an öffentlichen und privaten Institutionen und ist eng verknüpft mit der Bildungslandschaft in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1717 führte König Friedrich Wilhelm I. in Preußen die allgemeine Schulpflicht für Kinder zwischen dem fünften und zwölften Lebensjahr ein.[1] Unterrichtet wurden zunächst vor allem Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen.

Die Berliner Bauakademie wurde als Lehranstalt des Bauwesens 1799 von König Friedrich Wilhelm III. gegründet.

Kindertagesstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindergarten in Wittenau

In Berlin besteht ab dem vollendeten ersten Lebensjahr für jedes Kind ein Rechtsanspruch auf eine tägliche Halbtagsförderung von bis zu sieben Stunden in einer Kindertagesstätte bzw. in der Kindertagespflege. Krippenplätze sind seit 2018 beitragsfrei.[2] Etwa 46 % der unter Dreijährigen in der Stadt und etwa 95 % der 3- bis 6-Jährigen wurden im Jahr 2016 in Kitas betreut.[3]

Die Berliner Kindertagesstätten hatten 2017 im bundesdeutschen Vergleich einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit Sprachdefiziten in der Umgangssprache Deutsch im letzten Kitajahr zu verzeichnen. Durch den schwach ausgeprägten deutschen Sprachschatz bei etwa 15–20 % der Kita-Kinder eines Jahrgangs ergeben sich für diese Gruppe Lernprobleme bei der Teilnahme in den schulischen Folgeeinrichtungen.[4][5]

Schulsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin hat eine sechsjährige Grundschule und seit 2010 ein sich anschließendes zweigliedriges Oberschulsystem mit Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien. Im Schuljahr 2015/16 gab es in Berlin knapp 340.000 Schüler an 799 allgemeinbildenden Schulen, darunter 138 Privatschulen. Das Land verfügt über 433 Grund- und 165 integrierte Sekundarschulen, des Weiteren 113 Gymnasien, 10 Waldorf- und 77 Sonderschulen.[6]

Im Februar 2004 wurde ein neues Schulgesetz verabschiedet. Wesentliche Reformen waren die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur (Allgemeine Hochschulreife) von dreizehn auf zwölf Jahre, der in der zehnten Klasse stattfindende Mittlere Schulabschluss und eine schriftliche Prüfung zum Erhalt des Realschulabschlusses. Diese Prüfung wird auch an den Gymnasien abgelegt. Das Zentralabitur wurde in den Fächern Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen eingeführt. An dreizehn Gymnasien mit „Schnellläuferprogramm“ ist es möglich, das Abitur ein Jahr früher abzulegen, das heißt, seit dem Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes nach elf Jahren.

Berufsschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max-Taut-Schule (Oberstufenzentrum)

Insgesamt 38.633 Lehrlinge befanden sich 2016 in einer Berufsausbildung, darunter 9.355 im Handwerk.[7] Die am stärksten besetzten Ausbildungsberufe in Berlin waren in dem Jahr Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement (2.572) gefolgt von Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel (2.251).[8] 18.273 Azubis erwarben einen Berufsabschluss.

Hochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin schaut auf eine mehr als 200-jährige Wissenschaftsgeschichte zurück. 40 Nobelpreisträger lehrten und arbeiteten an den Instituten und Hochschulen der Stadt. In Berlin konzentrieren sich auch gegenwärtig eine Vielzahl von international ausstrahlenden Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Als Universitätsstadt zählt Berlin zu den weltweit angesehenen Bildungsstandorten.[9]

In Berlin waren im Wintersemester 2016/17 an insgesamt 42 Universitäten und Hochschulen, darunter vier Kunsthochschulen, rund 180.000 Studenten eingeschrieben.[10] Damit verzeichnet die Stadt die größte Anzahl an Studierenden in Deutschland. Im globalen Umfeld zählt Berlin zu den Weltstädten mit sehr vorteilhaften Studienbedingungen.[11]

Hochschule für Technik und Wirtschaft

Die vier Berliner Universitäten stellen gemeinsam etwa 110.000 Studenten. Es sind die Humboldt-Universität zu Berlin mit rund 34.200 Studenten, die Freie Universität Berlin mit rund 36.000 Studenten, die Technische Universität Berlin mit rund 34.000 Studenten sowie die Universität der Künste Berlin mit etwa 4500 Studenten. Die Beuth Hochschule für Technik zählt über 12.000 Studierende, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hat über 13.000 Immatrikulierte und an der Charité studieren rund 7200 Lernende.

Die Medizinischen Fakultäten der Freien Universität und der Humboldt-Universität wurden 2003 zur Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammengefasst. Seitdem ist diese mit ihren vier Standorten die größte medizinische Fakultät Europas.[12]

Im Rahmen der Exzellenzinitiative wurden die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin in der dritten Förderlinie positiv begutachtet. Das bereits 2007 ausgezeichnete Zukunftskonzept „International Network University“ der Freien Universität wurde in der Evaluation 2012 bestätigt. Die Humboldt-Universität war mit ihrem Konzept „Bildung durch Wissenschaft“ 2012 erfolgreich. Damit zählen beide Hochschulen zu den elf deutschen Eliteuniversitäten.[13][14][15]

Die European School of Management and Technology (ESMT) besitzt Promotionsrecht und gehört zu den führenden Wirtschaftshochschulen in Deutschland und Europa.[16] Die Steinbeis-Hochschule Berlin und der ESCP Europe Campus Berlin besitzen ebenfalls Promotionsrecht und haben somit Universitätsstatus. Unter den Niederlassungen weiterer privater Lehrinstitute sind u. a. die Mediadesign Hochschule, die Games Academy und das SAE Institute.

Forschungsinstitute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik

Berlin ist seit 2012 die forschungsstärkste Region in Deutschland.[17][18] Jährlich werden in Berlin rund 1,8 Milliarden Euro öffentliche Fördermittel in Wissenschaft und Forschung investiert. Laut Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) warben Berliner Wissenschaftler mit 794 Millionen Euro an DFG-Mitteln die meisten Fördergelder im Zeitraum 2014–16 für einen deutschen Forschungsstandort ein.[19]

Sitz des Weltverbandes Internationale Mathematische Union seit 2011

Über 60.000 Beschäftigte lehren, forschen und arbeiten an den über 70 außeruniversitären öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen. Auch die großen nationalen Forschungsorganisationen Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft sind mit mehreren Instituten vertreten, ebenso verschiedene Bundesministerien mit insgesamt acht Forschungsinstituten. Die meisten Einrichtungen der Wissenschaft konzentrieren sich an den Standorten in Buch, Charlottenburg, Dahlem, Mitte sowie am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof. Das Land Berlin ist „Korporativ Förderndes Mitglied“ der Max-Planck-Gesellschaft.[20]

Seit 2011 befindet sich der Sitz der Internationalen Mathematischen Union (IMU) am Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik in Berlin.[21] Die IMU gilt als renommierter Mathematik-Weltverband und verleiht alle vier Jahre die Fields-Medaille, die als international höchste Auszeichnung gilt, die ein Mathematiker erhalten kann.

Zu den Schwächen des Wissenschaftsstandorts Berlin zählt die starke Trennung von Forschung und Lehre und der daraus resultierenden verminderten internationalen Wahrnehmung der Forschungsleistungen. Die nach 1945 eingeleitete Abkehr vom Humboldtschen Bildungsideals in Deutschland und Berlin führte zu einem gespaltenen Forschungs- und Hochschulsystem, dem es im globalen Kontext an Sichtbarkeit fehlt. Spitzenleistungen an Berliner Forschungsinstituten werden deshalb nicht mit städtischen Universitäten in Zusammenhang gebracht.

Volkshochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkshochschule in Friedrichshain-Kreuzberg

In Berlin gründeten sich die Volkshochschulen ab dem Jahr 1945 zunächst im Westen der Stadt.[22] Nach 1990 wurden auch im östlichen Berlin entsprechende Institute gegründet.

Gegenwärtig ist die Volkshochschule (VHS) in allen der zwölf Bezirke in Berlin vertreten. Sie ist ein Fachbereich des Amtes für Weiterbildung und Kultur des jeweiligen Bezirksamtes.[23] Als öffentliche Einrichtung der Erwachsenen- und Weiterbildung soll sie laut § 123 des Schulgesetzes des Landes Berlin die Grundversorgung der Weiterbildung gewährleisten.[24]

Im Jahr 2007 erreichte die Zahl der Kursbelegungen an Berliner Volkshochschulen einen Stand von 232 592 bei insgesamt 18 158 Veranstaltungen. Die Anzahl der Unterrichtsstunden lag bei 602 807.[25]

Bibliotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentralbibliothek der TU und UdK

Mit rund 80 öffentlichen Bibliotheken in der Stadt zählt Berlin zu den wesentlichen Bibliotheksstandorten in Deutschland und Europa. Im Jahr 2014 zählten die Berliner Bibliotheken mehr als 9 Millionen Besucher, die rund 23 Millionen Entleihungen vornahmen.[26]

Die Staatsbibliothek zu Berlin mit über zehn Millionen Druckschriften ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschen Sprachraum. Weitere große wissenschaftliche Bibliotheken sind die Universitätsbibliothek der Freien Universität, die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität und die Zentralbibliothek der TU und UdK. Zur Zentral- und Landesbibliothek Berlin gehört die Amerika-Gedenkbibliothek.

Die Berliner Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin stellt mit ihrem Bestand (ca. 400.000 Bände zur europäischen Kunstgeschichte von der Spätantike bis zur Gegenwart, rund 1400 internationale Zeitschriften) eine der bedeutendsten kunstwissenschaftlichen Spezialbibliotheken in Deutschland dar.

Durch das Förderprogramm Bibliotheken im Stadtteil (BIST) wird der dezentrale Zugang zu Bibliotheken für die Bevölkerung gewährleistet.[27]

Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den staatlichen und privaten Institutionen gibt es Berlin zahlreiche bürgerschaftliche Initiativen, die sich der Bildungsförderung verschrieben haben. Zu den bekanntesten gehört das Bürgernetzwerk Bildung, dass sich insbesondere für Lesepatenschaften in Kindergärten und Schulen engagiert.[28]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 28. Oktober 1717: Einführung der Allgemeinen Schulpflicht durch den Soldatenkönig stösst auf Widerstand, Preussen-Chronik.de, abgerufen am 27. Juli 2018.
  2. Ab Anfang August entfällt die Kita-Gebühr, Tagesspiegel, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  3. Kita-Betreuung Studie kritisiert Erzieher-Mangel in Berlin. In: Berliner Zeitung, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  4. Sprachdefizite bei Kita-Kindern, Berliner Zeitung, abgerufen am 27. Juli 2018.
  5. Kitapflicht wird in Berlin weitgehend ignoriert, Tagesspiegel, abgerufen am 1. August 2018.
  6. Schulstatistik 2016/17, Amt für Statistik Berlin Brandenburg, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  7. Ausbildungstatistik 2016, HWK-Berlin, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  8. Pressemitteilung Nr. 161 vom 5. Juli 2017 (PDF), Amt für Statistik Berlin Brandenburg, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  9. Mapping the World’s Knowledge Hubs, Richard Florida – Citylab.com, abgerufen am 11. Juli 2017.
  10. Darum kommen junge Menschen aus aller Welt nach Berlin, In:Berliner Zeitung, abgerufen am 11. Juli 2017.
  11. Die besten Studentenstädte der Welt, UNICUM, abgerufen am 11. Juli 2017.
  12. Dichte – Vielfalt – Exzellenz. berlin-sciences.com. Archiviert vom Original am 25. August 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin-sciences.com Abgerufen am 21. August 2012.
  13. Entscheidungen in der zweiten Programmphase der Exzellenzinitiative. Pressemitteilung Nr. 26. In: dfg.de. 15. Juni 2012, abgerufen am 21. August 2012.
  14. Exzellenzinitiative für Spitzenforschung an Hochschulen. In: bmbf.de. 15. August 2012, abgerufen am 21. August 2012.
  15. Tilmann Warnecke: Berlin hat jetzt zwei Eliteunis. In: Der Tagesspiegel. 15. Juni 2012, abgerufen am 21. August 2012.
  16. Best International Business Schools 2016, Bloomberg Businessweek, abgerufen am 11. Juli 2017.
  17. DFG stellt „Förderatlas 2012“ vor: Wettbewerb um Drittmittel als „selbstverständlicher Alltag“. Pressemitteilung Nr. 24. In: dfg.de. 24. Mai 2012, abgerufen am 21. August 2012.
  18. Berlin vor München forschungsstärkste deutsche Region. In: focus.de. Deutsche Presse-Agentur, 24. Mai 2012, abgerufen am 21. August 2012.
  19. Berlin forscht am besten, Tagesspiegel, abgerufen am 27. Juli 2018.
  20. Liste der Korporativ Fördernden Mitglieder der MPG (Memento vom 14. Januar 2011 im Internet Archive) (PDF; 445 kB).
  21. Berlin wird Welthauptstadt der Mathematik, IDW, abgerufen am 1. August 2018.
  22. Eduard Ditschek, Sigrid Schulze: 50 Jahre Volkshochschule im Bezirk Wedding von Berlin 1945–1995. In: Eduard Ditschek, Sigrid Schulze (Hrsg.): Volksbildung im Wedding.
  23. Amt für Weiterbildung und Kultur. Bezirksamt Mitte von Berlin, Pressestelle, abgerufen am 28. Januar 2017.
  24. Schulgesetz des Landes Berlin. Abgerufen am 28. Januar 2017.
  25. Statistik der Berliner Volkshochschulen (VHS) im Bildungsjahr 2007, Berlin.de, abgerufen am 27. Juli 2018.
  26. Jahresbericht 2014-Berliner öffentliche Bibliotheken für die Zukunft, jahresbericht_voebb_2014.pdf, abgerufen am 27. Juli 2018.
  27. Bibliotheken im Stadtteil (BIST) (2007–2015) (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) auf dem Bibliotheksportal.
  28. Bürgernetzwerk Bildung Wir unterstützen Berliner Kinder und Jugendliche, VBKI, abgerufen am 1. August 2018.