International Psychoanalytic University Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
International Psychoanalytic University Berlin
Logo
Gründung 2009
Trägerschaft Stiftung
Ort Berlin
Bundesland Berlin
Land Deutschland
Präsidentin Ilka Quindeau
Studierende 632 WS 2017/18[1]
Mitarbeiter 115 wissenschaftliche Mitarbeiter (Stand: 25. August 2018)[2]
Website www.ipu-berlin.de

Die International Psychoanalytic University Berlin (kurz IPU Berlin oder auch IPU) ist eine staatlich anerkannte und vom Wissenschaftsrat akkreditierte[3] private Hochschule mit Universitätsstatus.[4] Träger ist die International Psychoanalytic University gemeinnützige Berlin GmbH deren alleinige Gesellschafterin die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Journalistin Manuela Heim nannte die Verhaltenstherapie im Jahr 2012 das „Lieblingskind“ der akademischen Psychologie. Dadurch sei die Psychoanalyse in einen „Teufelskreis“ geraten. „Wo soll der Nachwuchs an psychoanalytischen Professoren und Forschern da herkommen?“, zitierte sie die Psychoanalytikerin Christa Rohde-Dachser, die nach „13 Jahren im akademischen Lehrbetrieb“ einen „radikalen Schluss“ gezogen habe: „Die Unternehmererbin gründete mit 6 Millionen Euro Stiftungskapital eine eigene Hochschule für Psychoanalyse.“[5] Mit dem Erbe des Vaters rief Rohde-Dachser zunächst die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse ins Leben.[6] Hintergrund war eine Entwicklung, auf die Heim angespielt und die dazu geführt hatte, dass psychologische Lehrstühle über viele Jahre hinweg immer seltener mit Psychoanalytikern besetzt wurden.[7] Mit Hilfe der Stiftung hat Rohde-Dachser die erste psychoanalytische Hochschule in Deutschland finanziert.[8] 2009 hat sie dann zusammen mit Jürgen Körner die IPU Berlin gegründet.[9]

„Damit sollte der Psychoanalyse innerhalb der deutschen Universitätslandschaft, in der sie durch die naturwissenschaftliche Orientierung der akademischen Psychologie in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurückgedrängt wurde, wieder ein akademischer Standort geschaffen werden, in dem Lehre und Forschung nicht nur auf psychologischer, sondern auch auf psychoanalytischer Grundlage wieder wachsen und gedeihen konnten.“

Rohde-Dachser: IPU[10]

Die IPU hat sich über die Jahre entwickelt, inhaltlich, aber auch quantitativ, was sich am Ausbau der Curricula und an der wachsenden Zahl der Studierenden und der Mitarbeiter zeigt. Im Wintersemester 2017/18 gab es 632 Studierende (gegenüber 583 Studierenden im Wintersemester 2015/16[11]) und 115 wissenschaftliche Mitarbeiter. Um auch weniger begüterten Interessenten die Möglichkeit eines Studiums zu eröffnen, wurde ein Finanzierungsmodell entwickelt, das unter dem Begriff umgekehrter Generationenvertrag angeboten wird. Den Teilnehmern an diesem Programm wird das Studium finanziert und „im Gegenzug“ zahlen sie einen „prozentualen Anteil“ für die „Finanzierung weiterer Studienplätze“ zurück, sobald sie „über ein Mindesteinkommen verfügen“.[12]

Akkreditierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IPU Berlin ist vom Wissenschaftsrat mit Wirkung vom 27. November 2014 institutionell akkreditiert und vom Berliner Senat als Hochschule mit Universitätsstatus staatlich anerkannt worden. Damit sind die zu erwerbenden Abschlüsse aller Studiengänge rechtlich denen jeder anderen deutschen Universität gleichgestellt. Die Curricula des Bachelor- und des Masterstudiengangs „Psychologie“ stellen bei konsekutiver Absolvierung die allgemein anerkannten Voraussetzungen für eine anschließende Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ebenso wie eine einschlägige wissenschaftliche Befähigung sicher.[3][4]

Der Bachelor- als auch der Masterstudiengang Psychologie an der IPU Berlin wurden durch die vom deutschen Akkreditierungsrat zertifizierte Akkreditierungsagentur ACQUIN zertifiziert.[13]

Studienmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der IPU wird das Fach Psychologie mit Ausbildungsinhalten angeboten, die eine geisteswissenschaftliche Orientierung der psychoanalytischen Psychologie mit der naturwissenschaftlichen Ausrichtung der akademischen Psychologie integrierend verknüpft. Aktuell (mit Stand Sommersemester 2018) werden ein Bachelor of Science Studiengang für Psychologie und fünf Master of Arts-Programme angeboten. Wie jede deutsche Hochschule kann die IPU eigenständig darüber entscheiden, welchen akademischen Grad sie vergibt.

Ein Master of Arts-Programm in Psychologie stellt innerhalb der deutschen Hochschullandschaft ein Alleinstellungsmerkmal dar, ansonsten werden im Fach Psychologie die akademischen Grade Bachelor bzw. Master of Science vergeben. Dadurch wird die geisteswissenschaftliche Verortung der psychoanalytischen Psychologie von der IPU besonders betont. Anders stellt sich die Situation in den USA dar, wo Studienprogramme in Psychologie häufig im Rahmen von Bachelor of Arts bzw. Master of Arts-Programmen angeboten werden.[14] Die IPU stellte zum Wintersemester 2017/2018 den Bachelor of Arts Psychologie auf den Bachelor of Science Psychologie um, da sie den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie folgte, welche neuerdings den Bachelor of Science in Psychologie als Zugangsvoraussetzung für ein konsekutives Master-Programm empfiehlt.

Übersicht:[15]

  • Bachelor of Science (BSc)[16]
  • Master of Arts (MA) Psychologie (Ausrichtung „Klinische Psychologie und Psychoanalyse“)[17]
  • Master of Arts (MA) English track (seit WS 2017/18)[18][19]
  • Master of Arts (MA) Interdisziplinäre Psychosentherapie[20]
  • Master of Arts (MA) Psychoanalytische Kulturwissenschaften[21]
  • Master of Arts (MA) Leadership und Beratung[22]

Die Studienbewerber müssen sich einem zweistufigen Auswahlverfahren durch die Hochschule stellen: Neben der schriftlichen Bewerbung findet ein Auswahlgespräch statt. Die IPU Berlin erhebt keinen Numerus clausus (NC) auf die Studiengänge.[23] In Kooperation mit der Humboldt-Universität (Institut für Rehabilitationswissenschaften) bietet die IPU das Promotionsbegleitprogramm Postgraduate Study Programme to Accompany Individual Doctoral Dissertations (kurz: PSAID) an, das von Michael B. Buchholz geleitet wird.[24]

Ranking[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Master of Arts Psychologie belegte bei seiner erstmaligen Teilnahme am CHE-Masterranking (2016) auf Anhieb den ersten Platz vor der Universität Mannheim als bester staatlicher Universität. Die IPU Berlin liegt in 12 der insgesamt 13 untersuchten Kategorien in der Spitzengruppe. Damit ist sie insgesamt die beste Universität für ein Masterstudium im Fach Psychologie.[25][26]   

Hochschullehrer (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochschullehrer[27]

  • Bernd Ahrbeck
  • Rainer Bösel - Im Ruhestand
  • Michael B. Buchholz
  • Heinrich Deserno - Im Ruhestand
  • Tamara Fischmann
  • Lilli Gast - Im Ruhestand
  • Benigna Gerisch
  • Dorothea von Haebler
  • Andreas Hamburger
  • Insa Härtel
  • Dorothea Huber
  • Horst Kächele
  • Christine Kirchhoff
  • Annette M. Klein
  • Rainer Krause - Im Ruhestand
  • Lars Kuchinke
  • Thomas Kühn
  • Phil C. Langer
  • Susanne Lanwerd
  • Elfriede Löchel
  • Christiane Ludwig-Körner
  • Gunther Meinlschmitt
  • Simone Salzer
  • Konrad Schnabel
  • Christine Stelzel
  • Annette Streeck-Fischer
  • Birgit Stürmer
  • Lutz Wittmann

International Advisory Board[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Advisory Board[28]

Hochschulambulanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IPU unterhält seit November 2011 eine von Heinrich Deserno gegründete psychotherapeutische Hochschulambulanz, die nach §117 SGB V ermächtigt ist, die dort erbrachten Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.[29] Seit 2015 obliegt ihre Leitung dem Hochschullehrer Lutz Wittmann. Die klinische Arbeit ist in die Lehre und Forschung der IPU eingebettet.

Das Leistungsspektrum umfasst Diagnostik, Therapie und Krisenintervention bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Angeboten werden alle anerkannten Richtlinienverfahren, also die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie und diese, je nach Indikation, im einzel- oder gruppentherapeutischen Setting. Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen und schließt keine infragekommenden Störungsbilder aus. Darüber hinaus wird eine Eltern-Säuglings-Kleinkind-Psychotherapie (EKSP) auf analytischer Grundlage angeboten. Beratung und Behandlungen in englischer Sprache sind möglich.[30]

Die Hochschulambulanz betreibt eine sogenannte Forschungswerkstatt mit jährlich organisierten Veranstaltungen, die jeweils spezifische Themen aus der Arbeit mit den Patienten vorstellen.[31] Sie nahm ihre Arbeit im Jahr 2012 auf mit der Debatte um die Diagnostik der Struktur. Danach befasste sie sich mit dem Erstgespräch (2013), mit qualitativer Sozialforschung in der Psychoanalyse (2014), mit Psychotherapie im dritten Lebensalter (2015), mit Angst und Persönlichkeit (2016) und mit dem Traumabegriff (2017). Im November 2018 wird es um die Debatte über Nebenwirkungen von Psychotherapie gehen.

IPU Förderkreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein Freunde und Förderer der IPU e.V. unterstützt Forschung und Ausbildung an der IPU. Ferner bildet er eine Plattform zur interdisziplinären Vernetzung zwischen der IPU und unterschiedlichen Verbänden, Unternehmen und der Politik.[32] Neben natürlichen Personen können auch Organisationen Mitglied werden. Die erste Vorsitzende ist Christa Marahrens-Schürg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistischer Bericht. Studierende an Hochschulen in Berlin Wintersemester 2017/2018. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2017, S. 4, abgerufen am 25. August 2018 (PDF; 220 KB).
  2. Wissenschaftler. IPU, abgerufen am 25. August 2018.
  3. a b Wissenschaftsrat: Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur Akkreditierung der International Psychoanalytic University (IPU), Berlin. 24. Oktober 2014, abgerufen am 25. August 2018 (PDF; 342 KB).
  4. a b IPU Berlin: Staatliche Anerkennung und Akkreditierungen. Abgerufen am 25. August 2018.
  5. Manuela Heim: Freud hat noch eine Couch in Berlin. In: taz. 12. Februar 2012, abgerufen am 25. August 2018.
  6. Martin Teising: IPU News. Hohe Auszeichnung für Frau Prof. Rohde-Dachser. Abgerufen am 25. Februar 2017: „Ziel der Stiftung ist es, die in der universitären Psychologie in den zurückliegenden Jahren zugunsten verhaltenswissenschaftlicher Ansätze vernachlässigte Psychoanalyse mit ihrer Konzentration auf unbewusste Vorgänge wieder zur Geltung zu bringen.“
  7. Edith Kresta: Dumme Vorurteile über Freud. In: taz. 12. Januar 2016, abgerufen am 23. Februar 2017: „Das Paradox fängt an den Universitäten an: Es wird fast nur Verhaltenstherapie gelehrt, obwohl beide Verfahrensweisen, die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse, in Deutschland von den Krankenkassen anerkannt sind.“
  8. IPU News. Hohe Auszeichnung für Frau Prof. Rohde-Dachser. Abgerufen am 25. August 2018.
  9. Die Seele studieren. In: Der Spiegel. 13. Juli 2009, abgerufen am 25. August 2018.
  10. Christa Rohde-Dachser: International Psychoanalytic University Berlin (IPU) – die erste Hochschule für Psychoanalyse in Deutschland. Abgerufen am 25. August 2018.
  11. Studierende an Hochschulen in Berlin Wintersemester 2015/2016. Teil 2: Ausführliche Ergebnisse. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2016, S. 14, abgerufen am 25. August 2018 (PDF; 518,43 KB).
  12. IPU Berlin: Der Umgekehrte Generationenvertrag (UGV). Jetzt studieren – später zahlen. Abgerufen am 25. August 2018.
  13. IPU Berlin: Studiengänge BA und MA Psychologie akkreditiert. Abgerufen am 25. August 2018.
  14. What is a BA in Psychology? In: Careers in Psychology. Abgerufen am 25. August 2018 (englisch).
  15. IPU Berlin: Studienangebot Bachelor- und Masterstudiengänge. Abgerufen am 25. August 2018.
  16. IPU Berlin: Bachelorstudiengang Psychologie PLUS. Abgerufen am 25. August 2018.
  17. IPU Berlin: Masterstudiengang Psychologie. Abgerufen am 26. August 2018.
  18. IPU Berlin: MA Psychology (English track). Abgerufen am 26. August 2018 (englisch).
  19. International Psychanalytic University Berlin: MA Psychology. In: psychology-berlin.com. Abgerufen am 4. Januar 2017 (englisch).
  20. IPU Berlin: Studiengang MA Interdisziplinäre Psychosentherapie. Abgerufen am 25. August 2018.
  21. IPU Berlin: Masterstudiengang Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Abgerufen am 26. August 2018.
  22. IPU Berlin: Studiengang MA Leadership und Beratung. Abgerufen am 25. August 2018.
  23. IPU Berlin: Zulassungsbedingungen und Bewerbungsprozess. Abgerufen am 25. August 2018.
  24. IPU Berlin: Promotionsbegleitprogramm PSAID. Abgerufen am 26. August 2018.
  25. Ranking für Psychologie. Abgerufen am 17. August 2018.
  26. CHE-Masterranking Psychologie: Mannheim ist die beste staatliche Universität für das Studium. Abgerufen am 17. August 2018.
  27. IPU Berlin: Wissenschaftler. Abgerufen am 18. August 2018.
  28. IPU Berlin: International Advisory Board. Abgerufen am 18. August 2018.
  29. IPU Berlin: Psychotherapeutische Hochschulambulanz. Abgerufen am 26. August 2018.
  30. IPU Berlin: Leistungsangebot. Abgerufen am 26. August 2018.
  31. IPU Berlin: Forschungswerkstatt. Abgerufen am 26. August 2018.
  32. IPU Berlin: Verein der Freunde und Förderer der IPU e. V. Abgerufen am 26. August 2018.

Koordinaten: 52° 31′ 26,3″ N, 13° 20′ 33,8″ O