Cewe

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CEWE Stiftung & Co. KGaA
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Rechtsform Stiftung & Co. KGaA
ISIN DE0005403901
Gründung 1961
Sitz Oldenburg, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 3.500[1]
Umsatz 593,1 Mio. Euro[2]
Branche Fototechnik, Druckerei
Website www.cewe.de
Stand: 8. Juni 2017 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2017

Cewe, verkörpert durch die Cewe Stiftung & Co. KGaA (Eigenschreibweise: CEWE) mit Sitz in Oldenburg, ist Europas größter Fotodienstleister mit 12 Produktionsstandorten. Über die Marken cewe-print.de, Saxoprint und viaprinto bietet Cewe als Online-Druckerei auch Geschäftsdrucksachen wie z. B. Flyer, Plakate, Broschüren und Visitenkarten an. Mit den Handelsketten Fotojoker (Polen), Japan Photo (Skandinavien), Fotolab (Tschechien und Slowakei) sowie Wöltje (Deutschland) ist das Unternehmen zudem im Foto-Einzelhandel aktiv.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1912 gründete August Friedrich Carl Wöltje im niedersächsischen Oldenburg eine „Photographische Anstalt“. Ab 1924 erweiterte er sein Geschäft um den Verkauf von Kameras und Zubehör. Kurz nach der Währungsreform 1948 trat sein Schwiegersohn Heinz Neumüller in das Unternehmen ein.

1950 eröffnete Carl Wöltje eines der ersten Farblabore im Bundesgebiet und versorgte mit 17 Mitarbeitern einen Stammkundenkreis von mehreren 100 Fotogeschäften. Cewe wurde unter dem Namen Cewe Color im Jahr 1961 von Heinz Neumüller in Oldenburg gegründet. Der heutige Name kam dadurch zustande, dass er die Initialen seines Schwiegervaters Carl Wöltje zu dessen Ehre in die Firma mit aufnahm.

Um der steigenden Nachfrage nach Colorfotos gerecht zu werden, baute Cewe 1964 auf einem 50.000 m2 großen Gelände in Oldenburg-Kreyenbrück ein Foto-Großlabor. 1971 wurde das Unternehmen erstmals im Ausland aktiv und erschloss den niederländischen Markt. 1973 fusionierte Cewe mit der Vereinigten Color in Hamburg und Bremen. Die Firmenbezeichnung lautete von da an Vereinigte Cewe Color Betriebe. Im Laufe der folgenden Jahre übernahm Cewe noch weitere Labore im In- und Ausland und wurde im Zuge des Übergangs von der Schwarzweiß- zur Farbfotografie in den 70er Jahren zum Marktführer für Fotoentwicklung in Deutschland.[3]

Ab 1980 wurden in zahlreichen Verbrauchermärkten und Innenstädten Foto-Einzelhandelsgeschäfte eröffnet. Diese firmierten unter den Namen Ivema oder Fotopoint. Zudem war es ab sofort möglich, Fotos auf Geschenkartikel wie Tassen oder T-Shirts drucken zu lassen.

Von 1986 an eröffnete das Unternehmen weitere Betriebe in Mönchengladbach, Paris, Berlin, Worms und Dresden. 1989 führte Cewe die Eurocombi-Tasche zur Aufbewahrung von Fotoaufträgen ein. 1992 wurde die Firmengruppe unter dem Dach der Cewe Color Holding AG neu strukturiert und 1993 von Hubert Rothärmel an die Börse gebracht. Anschließend expandierte Cewe in Frankreich, Skandinavien und Osteuropa. Seit 1993 sind die Aktien des Unternehmens an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.
Bereits 1994 stellte sich Cewe auf den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie ein und investierte in einen Printer, der Digitalfotos auf Fotopapier drucken konnte. Zudem war kurz zuvor der Cewe Photoindex eingeführt worden, eine Karte mit Miniaturfotos, die nach Ausbelichtung eines Films zusammen mit den fertigen Fotos und Negativen an den Kunden ausgeliefert wurde. Dies vereinfachte die Nachbestellung der Bilder. Der Cewe Photoindex war das erste digitale Massenprodukt überhaupt und gilt heute als Grundstein für die Digitalisierung des Unternehmens und der Branche im Allgemeinen.[4]
Bis zum 15. Juni 2007 war das Unternehmen im SDAX gelistet und stieg am 4. März 2009 erneut in den SDAX auf.[5] Daneben ist Cewe im niedersächsischen Aktienindex Nisax20 notiert.

2007 kam es zu einem Konflikt zwischen dem Cewe-Management und dem Aktionär M2 Capital Management AG, einer Schweizer Private-Equity-Gesellschaft. M2 Capital forderte eine drastische Erhöhung der Dividende, die nach Ansicht des Cewe-Vorstands sowie einiger Großaktionäre die Umstrukturierung und langfristige Ausrichtung des Unternehmens gefährdet hätte.[6][7][8] Die an M2 Capital beteiligten Investmentfonds warfen dem Cewe-Vorstand und -Aufsichtsrat Versagen vor und forderten den Rücktritt des Managements.[9] Der Angriff blieb ohne Erfolg. Sebastian Freitag, der als Inhaber der Investmentbank Freitag & Co. die beiden Hedgefonds M2 Capital und K Capital beriet und als deren Interessenvertreter im Cewe-Aufsichtsrat saß, trat am 8. Februar 2007 zurück.[10] Für das Geschäftsjahr 2007 wurde eine unveränderte Dividende von 1,20 Euro ausgeschüttet.[11] Sechs Jahre nach dem Konflikt änderte Cewe die Gesellschaftsform von einer Aktiengesellschaft (Cewe Color Holding AG) in eine Stiftung & Co. KGaA[12] und beschnitt damit die Einflussmöglichkeiten der Aktionäre.

Mit dem Unternehmen diron aus Münster übernahm die Cewe Stiftung & Co. KGaA im Jahr 2008 einen Anbieter von Software und Beratungsdienstleistungen rund um den gewerblichen Druck. Anfang 2010 startete diron zunächst mit dem Piloten aprinto.de, daraus entstand das Unternehmen viaprinto, einer Online-Druckerei für Unternehmen. Im Januar 2012 hat Cewe die Dresdner Saxoprint GmbH (370 Mitarbeiter, Umsatz 2011: 31,4 Millionen Euro) übernommen. Damit ist das Unternehmen in den Markt der Online-Druckereien und den Geschäftskundenmarkt mit Auflagen bis zu 200.000 Exemplaren eingestiegen.[13]

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Erbengemeinschaft des Unternehmensgründers, die seit 2007 durch Realisierung von Bezugsrechten mit 27,4 % vom Grundkapital die größte Aktionärin ist, halten Schroders plc, London, 3,00 %, Fidelity Investments 2,98 % und Sparinvest Holdings SE, Luxembourg, 2,74 % der Aktien. An eigenen Aktien werden 2,5 % gehalten. Der Rest ist breit gestreut.[14]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cewe erzielt seinen Hauptumsatz mit der Produktion von Digitalbildern, Fotobüchern, personalisierten Geschenkartikeln, analogen Filmentwicklungen und Online-Druckaufträgen.

Das Unternehmen verfügt über 11 Fotoentwicklungsbetriebe in Europa[15] und beschäftigt 3.219 Mitarbeiter.

Cewe führt für viele große Handelsketten und Drogeriemärkte die Fotoarbeiten aus. Durch Kooperation mit etwa 30.000 Handelspartnern in 24 europäischen Ländern werden täglich Kunden mit Fotoarbeiten sowohl über Verkaufsorte und Sofortfotostationen als auch über den Postversand beliefert.

Der Umsatz des Unternehmens betrug im Jahr 2013 523,8 Mio. Euro. Es wurden 2,29 Milliarden Fotos entwickelt, davon über 96 % digital. Die Produktion der Fotobücher erreichte 5,9 Millionen Stück.[16]

Produktionsstandorte

Neben dem Unternehmenssitz in Oldenburg unterhält Cewe in Deutschland Produktionsstandorte in Mönchengladbach, Eschbach bei Freiburg, Germering bei München und Dresden. Im europäischen Ausland verfügt Cewe über Standorte in Tschechien (Prag), Frankreich (Rennes, Montpellier), Polen (Koźle), Ungarn (Budapest) und dem Vereinigten Königreich (Warwick).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cewe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dpa/Ini: Fotodienstleister Cewe steigert Gewinn. In: Bild.de. 23. März 2017, abgerufen am 31. Mai 2017.
  2. Judith Grajewski: Cewe schließt Geschäftsjahr 2016 mit Umsatzplus ab. In: print.de. 24. Februar 2017, abgerufen am 31. Mai 2017.
  3. Dr. rer. pol. Johannes Blome-Drees und Reiner Rang: Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland am Beispiel der Cewe Color AG. In: Hans Böckler Stiftung. Juni 2009, abgerufen am 3. März 2017.
  4. Klaus-Peter Jordan: Cewe schafft Zeitenwende. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 23. August 2016, abgerufen am 3. März 2017.
  5. Ftd:Außerplanmäßige Indexumstellung (Memento vom 31. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)
  6. Pressespiegel auf der Homepage von Cewe Color
  7. Süddeutsche Zeitung vom 31. Januar 2007 Hedge-Fonds erpressen CeWe Color
  8. Erbengemeinschaft Neumüller unterstützt Vorstand. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Februar 2007.
  9. Stellungnahme von M2 Capital, Fix CeWe Color Shareholder Site
  10. n-tv, auf Basis einer Pressemitteilung von Cewe Color, 8. Februar 2007.
  11. Geschäftsbericht 2008 der Cewe Color AG, abgerufen am 17. Mai 2014.
  12. CEWE: Aktionäre beschließen Formwechsel , Pressemeldung auf www.dgap.de, 5. Juni 2013, abgerufen am 17. Mai 2014.
  13. Heiko Weckbrodt: CeWe Color übernimmt Online-Druckerei Saxoprint. Abgerufen am 10. Februar 2012.
  14. Aktionärsstruktur. Abgerufen am 17. Mai 2015.
  15. Produktionsstätten in Europa, abgerufen am 18. Februar 2015.
  16. Geschäftsbericht 2014, abgerufen am 17. Mai 2015

Koordinaten: 53° 6′ 3,5″ N, 8° 12′ 43,7″ O