Dürr AG

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Dürr AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005565204
Gründung 1895
Sitz Stuttgart, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 14.800 (2016)
Umsatz 3.767 Mio. Euro (2015)
Branche Maschinen- und Anlagenbau, Automobilzulieferer
Website www.durr.com

Die Dürr AG mit Sitz in Stuttgart und Hauptverwaltung in Bietigheim-Bissingen ist ein börsennotierter Maschinen- und Anlagenbauer, der 1895 in Cannstatt durch Paul Dürr (1871–1936) gegründet wurde. Zu den Kunden zählen Automobilhersteller und -zulieferer. Weitere Abnehmerbranchen sind zum Beispiel der Maschinenbau, die Chemie- und Pharmaindustrie und die holzbearbeitende Industrie.

Das Unternehmen gehört zu den Weltmarktführern mit durchschnittlichen Marktanteilen von jeweils 30 bis 60 Prozent. Über 80 Prozent des Umsatzes wird im Ausland generiert.[1] Dürr hatte 2014 50 eigene Produktions- und Montagestätten und ein Vertriebs- und Servicenetzwerk mit 93 Standorten in 28 Ländern.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Unternehmens begann im Jahr 1895 mit der Gründung einer Bauklempnerei in der Brunnenstraße in Cannstatt durch Paul Dürr.[3] 1898 wird der Betrieb erweitert durch ein Wohnhaus mit Lagerräumen an der Ecke Hofener Straße/Olgastraße in Cannstatt.

Das Dach des Kunstgebäudes in Stuttgart

Für eine Arbeit am Dach des Stuttgarter Kunstgebäudes bekommt er 1913 den Titel Königlich Württembergischer Hofflaschner. 1917 wurde der Betrieb auf Blechbearbeitung ausgeweitet und Kontakte zur Fahrzeugindustrie aufgebaut.

Dürr liefert während des Kriegs die Blechteile für das NSU-Kettenkrad

1932 übergab Paul Dürr das Unternehmen an seinen Sohn Otto Dürr. 1936 entsteht in Stuttgart-Zuffenhausen ein Zweigbetrieb. 1938 wird ein Konstruktionsbüro eingerichtet und ein Ingenieur beschäftigt, so dass auch komplizierte Blechteile produziert werden können. Der Betrieb wird während des Zweiten Weltkriegs in die Rüstungsproduktion einbezogen, die Blechteile für das NSU-Kettenkrad stammen von der Firma Dürr. 1943 wird das Stammwerk in Bad Cannstatt bei einem Bombenangriff zerstört.

Im Jahr 1950 wurde mit dem Anlagenbau begonnen, es entsteht eine Anlage für die chemische Oberflächenbehandlung. 1963 installiert Dürr im Ford-Werk Genk die erste Anlage zur elektrophoretischen Tauchlackierung. 1964 und 1966 wurden Tochterunternehmen in Brasilien und Mexiko gegründet.

1978 weitete Dürr sein Unternehmen auf die Bereiche Automatisierung und Fördertechnik aus. 1989 geht Dürr an die Börse und übernimmt die Behr-Gruppe. Somit sind alle Kernkompetenzen des Lackieranlagenbaus in einem Unternehmen vereinigt. 1999 übernahm Dürr das französische Unternehmen Alstom Automation, im Jahr 2000 wird auch der Messtechnik-Konzern Carl Schenck Teil der Dürr-Gruppe. 2003 erhielt Dürr seinen bislang größten Auftrag: General Motors bestellt drei Lackierereien für Nordamerika.

Im Zuge der Neuausrichtung der Konzernstruktur und der Konzentration auf seine Kernkompetenzen im Maschinen- und Anlagenbau veräußerte Dürr 2005 Randaktivitäten, die es als nicht mehr in das Portfolio des Geschäftsmodells mit Fokus auf die Automobilindustrie passend betrachtete. Im Sommer 2009 verlagerte Dürr seinen Konzernverwaltung an den Standort nach Bietigheim-Bissingen.

2011 baut Dürr das Geschäftsfeld der Energieeffizienz aus. Dazu zählen neben der Abluftreinigungstechnik auch Verfahren zur Nutzung von Energie aus industrieller Abwärme. Nach 23 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats der Dürr legte Heinz Dürr sein Amt im April 2013 nieder. Zu seinem Nachfolger wählte der Aufsichtsrat Klaus Eberhardt, der dem Kontrollgremium seit 2012 angehört. 2014 hat Dürr mit Homag den Marktführer für Maschinen und Systeme in der holzbearbeitenden Industrie erworben.

Börse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dürr ist seit dem 4. Januar 1990 an der Börse notiert; die Aktie ist im MDAX und Stoxx 600 vertreten.

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
25,3 % Heinz Dürr GmbH, Berlin
71,2 % Institutionelle und private Investoren, davon Deutsche Bank mit 4,7 %, Morgan Stanley mit 4,0 %, der Alecta Pensionsförsäkring 3,2 % sowie die Vorstandsmitglieder der Dürr AG mit 0,5 %
3,5 % Heinz und Heide Dürr Stiftung, Berlin

Stand: 13. Mai 2016

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konzern agiert mit drei globalen Marken Dürr Systems AG, Carl Schenk AG, Homag Group AG und fünf Geschäftsbereichen:

Geschäftsbereich (nur in englischer Sprache) Beschreibung Umsatz Mitarbeiter
Paint and Final Assembly Systems Lackapplikations-, Klebe- und Nahtabdichtungstechnik;
Produkte für industrielle Lackierung bspw. für die Automobilindustrie
1,4 Mrd. Euro 3.400 Mitarbeiter
Woodworking Machinery and Systems Maschinen und Anlagen für die Holzbearbeitung 1,0 Mrd. Euro 6.000 Mitarbeiter
Measuring and Process Systems Auswucht-, Montage-, Prüf-, Befüll- und Reinigungstechnik 0,6 Mrd. Euro 3.000 Mitarbeiter
Application Technology Robotertechnologien für den automatischen Auftrag von
Lack sowie Dicht- und Klebstoffen
0,6 Mrd. Euro 1.900 Mitarbeiter
Clean Technology Systems Abluftreinigungssysteme, Energieeffizienztechnik 0,2 Mrd. Euro 500 Mitarbeiter

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  2. Dürr AG Geschäftsmodell / Strategie
  3. Inside News, internationales Mitarbeitermagazin für den Dürr-Konzern 2015/12 S. 5.