Eckert & Ziegler

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Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005659700
Gründung 1997
Sitz Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 788[1]
Umsatz 168,7 Mio. (2018)[1]
Branche Medizintechnik und Pharmazie
Website www.ezag.de
Stand: 31. Dezember 2018

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG entwickelt und produziert isotopentechnische Komponenten für die medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Anwendung. Das Unternehmen beschäftigte 788 Mitarbeiter zum Jahresende 2018. Der Konzernumsatz betrug im Geschäftsjahr 2018 168,7 Mio. €.[1] Seit 24. Juni 2019 ist die Aktie des Unternehmens Bestandteil des SDAX der Deutschen Börse.[2]

Hauptanwendungsgebiete für die Erzeugnisse der Gruppe sind die Medizintechnik, insbesondere die Krebstherapie, die nuklearmedizinische Bildgebung, die Radiopharmazie und die industrielle Messtechnik. Im medizinischen Bereich wenden sich Eckert & Ziegler und ihre Tochterunternehmen vor allem an Strahlentherapeuten (Radioonkologen) sowie an Nuklearmediziner.

Ein weiterer Unternehmens-Schwerpunkt liegt bei der Entsorgung von schwach bis mittelradioaktiven Abfällen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung von Eckert & Ziegler geht auf das Zentralinstitut für Isotopentechnik, ein Forschungsinstitut der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR, zurück. Nach der Wende gründeten Jürgen Ziegler, ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für angewandte Isotopenforschung, und Andreas Eckert 1992 die BEBIG Isotopentechnik und Umweltdiagnostik GmbH. Aus der Abwicklung des Instituts übernahmen sie die Räumlichkeiten und Patente und begannen mit der Produktion von schwach radioaktiven Strahlenquellen für industrielle und medizinische Anwendungen.[3] Im ersten offiziellen Geschäftsjahr 1994 machte das neue Unternehmen 253.000 D-Mark Umsatz.[4]

Mittlerweile ist die BEBIG GmbH eine Tochtergesellschaft der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, die im Juli 1997 als Holdinggesellschaft gegründet wurde.[5] Seit 1999 ist das Unternehmen börsennotiert.[6]

Im Jahr 2008 wurde Eckert & Ziegler als Preisträger im Wettbewerb Großer Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.[7]

Im Jahr 2009 übernahm Eckert & Ziegler den Braunschweiger Isotopenspezialisten Nuclitec GmbH.[8] Der größte Wettbewerber von einst firmiert heute als Eckert & Ziegler Nuclitec GmbH. Am Firmenstandort Braunschweig erfolgt die Rücknahme isotopentechnischer Reststoffe mit geringer Aktivität, beispielsweise aus Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen.

Geschäftsergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzernzentrale im Campus Berlin-Buch, Robert-Rössle-Straße 10

Eckert & Ziegler zählt zu den Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke im Bereich der Krebstherapie, nuklearmedizinischen Diagnostik und industriellen Radiometrie.[9]

Das Unternehmen ist weltweit tätig. Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr 2018 bei 168,7 Mio. Euro.[10]

Der mit 112,3 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2018 größte Konzernbereich, „Isotope Products“, umfasst die Herstellung von Strahlenquellen für bildgebende Verfahren, Messungen und Analysen, Qualitätssicherung und Umweltüberwachungen. Das Portfolio reicht von Kalibrierquellen für PET-Kameras in Krankenhäusern bis hin zu Strahlenquellen für radiometrische Füllstandmessungen.[10] 2017 hat das Unternehmen wesentliche Teile der sächsischen Gamma-Service-Gruppe übernommen, darunter einen Hersteller von Blutbestrahlungsgeräten, einen Spezialisten für den Bau von Labor- und Handhabungseinrichtungen sowie einen Produzenten von industriellen Strahlenquellen.[11]

In dem Konzernbereich „Radiopharma“ betrug der Umsatz 2018 31,5 Mio. Euro.[10] Zu den Produkten des Segments „Radiopharma“ zählen Geräte für Radiosynthesen und Qualitätskontrolle sowie Radiopharmazeutika für die Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Ein weiteres Produkt des Segments sind langlebigere Radioisotope für pharmazeutische Anwendungen. Diese Substanz wird unter anderem für die Herstellung von Radioembolisatoren zur Behandlung von Lebertumoren eingesetzt.[10]

Das Segment „Strahlentherapie“, unter das Produkte für die Strahlentherapie, insbesondere für die Brachytherapie, fallen, machte 2018 einen Umsatz von 30,6 Mio. Euro.[10] Die Produkte richtet sich an Strahlentherapeuten, eine Ärztegruppe, die auf die Behandlung von Krebs durch Bestrahlung spezialisiert ist. Zu den Produkten gehören radioaktive Kleinimplantate zur Behandlung von Prostatakrebs, sogenannte „Seeds“, Tumorbestrahlungsgeräte, sogenannte „Afterloader“ und Augenapplikatoren zur Behandlung von Aderhautmelanomen (Augenkrebs).[10] Mit der Übernahme der thüringischen WOLF-Medizintechnik GmbH wurde das Portfolio auch um Röntgentherapiegeräte zur Behandlung von oberflächigen Hauttumoren sowie Gelenkerkrankungen erweitert.[12]

Eine Spezialität der Gruppe sind Tumorbestrahlungsgeräte auf der Basis von Kobalt-60-Quellen. Im Gegensatz zur bisher vorherrschenden Iridium-192-Technologie weisen Kobalt-60-Geräte bei gleicher Behandlungseffektivität besonders niedrige Betriebskosten auf. In vielen Schwellenländern bilden sie deshalb das Rückgrat der onkologischen Grundversorgung oder sind in den jeweiligen Ländern überhaupt die ersten Geräte dieser Art, vorzufinden meist in den Zentralkrankenhäusern der Hauptstädte.[13]

In Afrika, Asien und Lateinamerika sind rund 300 Kliniken mit Geräten der Eckert & Ziegler AG ausgerüstet, was einer Kapazität von etwa 100.000 Tumorpatienten pro Jahr entspricht.[14] In die Länder der Europäischen Union und andere Industrieländer werden für Patientenzahlen in ähnlicher Größenordnung vor allem Implantate zur Behandlung von Prostatakrebs exportiert. Umsätze mit der Rücknahme von Strahlenquellen und sonstigen schwachaktiven Abfällen machen weniger als 2 Mio. Euro aus. Das zurückgenommene Abfallvolumen ist seit Jahren rückläufig.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kündigung wegen Behinderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2011 zog das Unternehmen die Kritik der deutschen AIDS-Hilfe auf sich. Im vorliegenden Fall hatte der Arbeitgeber, die Eckert und Ziegler EuroPet GmbH, eine Tochterfirma der Eckert und Ziegler AG, während der Probezeit im Rahmen der betriebsärztlichen Untersuchung einen HIV-Test durchgeführt. Die Kündigung erfolgte mit Verweis auf das positive Testergebnis.[15] Als Begründung gab das Unternehmen an, es müsse seine Kunden vor einer HIV-Infektion schützen. Die AIDS-Hilfe sah hier die Rechte des Angestellten im Rahmen des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) verletzt. Der Verein warf dem Unternehmen fachliches und medizinisches Unwissen vor; eine Beeinträchtigung der Arbeit oder ein Infektionsrisiko für Mitarbeiter oder Kunden sei nicht gegeben.[16]

Der Angestellte klagte vor dem Arbeitsgericht Berlin. Die Klage wurde in erster Instanz mit der Begründung abgewiesen, da es einer Kündigung innerhalb der Probezeit keiner Begründung bedürfe. Ein ungültiger Kündigungsgrund sei in diesem Fall nicht schädlich für die Wirksamkeit der Kündigung.[17] Das Bundesarbeitsgericht stellte jedoch in der Berufung fest, dass eine Diskriminierung gem. AGG vorgelegen hatte und die Kündigung unwirksam war.[18][19]

Strahlenschutz- und Sicherheitsaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Firmengelände von Eckert & Ziegler in Braunschweig grenzt an ein Wohngebiet. Zuvor war dort die Firma Buchler mit ähnlichem Geschäftsfeld tätig. Wegen der bei Eckert & Ziegler gültigen Umgangsgenehmigung für hohe Radioaktivitätsmengen und wegen der häufigen Transporte von radioaktivem Material durch das Wohngebiet hat sich 2011 eine Bürgerinitiative gebildet, welche sich unter anderem gegen angeblich hohe Strahlenbelastungen auch außerhalb des Firmengeländes wehrt.[20][21] Die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung hielt Eckert & Ziegler am Zaun nur wegen einer gesondert genehmigten 2000-Stunden Regel ein.[22] Die Strahlenbelastung am Werkszaun beläuft sich auf 150 Nanosievert pro Stunde. Auch neuere Messungen bestätigen dieses Bild: Die hier genehmigten gesetzlichen Grenzwerte gemäß der Strahlenschutzverordnung wurden durch das Unternehmen 2016 knapp unterschritten, wie die Umgebungsüberwachung durch das Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) belegt.[23] Für 2016 wurden eine maximale jährliche Gamma-Ortsdosisleistung von 1,02 mSv/a sowie eine Neutronen-Ortsdosisleistung von 0,16 mSv/a, beide verursacht durch Eckert&Ziegler, am Zaun gemessen. Wegen der vorgenannten Sondergenehmigung einer maximalen Aufenthaltsdauer von nur 2000 h/a am Zaun wurde der Dosisgrenzwert von 0,3 mSv pro Jahr deshalb auch 2016 noch knapp eingehalten. Es wird vielfach bezweifelt, dass diese Situation mit dem ALARA-Prinzip des Strahlenschutzes vereinbar ist. 2017 war das Unternehmen mit der Stadt im Gespräch wegen eines neuen Bebauungsplans in Thune.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG: Geschäftsbericht 2018. (PDF) Abgerufen am 15. April 2019.
  2. Eckert & Ziegler wird in den SDax aufgenommen. 23. November 2016, abgerufen am 24. Juni 2019.
  3. Geschichte. 9. September 2017, abgerufen am 15. April 2019.
  4. Daniel Kastner, Paradiesvogel und Physiker, Berliner Zeitung, 25. Juni 2009.
  5. Strahlende Zukunft durch medizinische Innovationen, Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1999.
  6. Steffen Uhlmann, „Wir wachsen auch in der Krise“, Süddeutsche Zeitung, 5. November 2009.
  7. OPS Netzwerk GmbH Germany: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG. Abgerufen am 15. April 2019.
  8. Peter Bloed, Jens Jüttner: Die Zeitwende, Focus Money, 22. Juni 2011.
  9. Geschäftsbericht 2016. In: ezag.com. Abgerufen am 15. April 2019.
  10. a b c d e f Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG: Pressemitteilung vom 5. April 2019
  11. Eckert & Ziegler plant Übernahme von Gamma-Service. 23. November 2016, abgerufen am 15. April 2019.
  12. Eckert & Ziegler kauft Hersteller von Röntgentherapiegeräten. 23. November 2016, abgerufen am 15. April 2019.
  13. Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG: Pressemitteilung vom 4. August 2014, Archivlink (Memento des Originals vom 26. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ezag.com
  14. Geschäftsbericht 2014. In: ezag.com. Abgerufen am 15. April 2019.
  15. Alexander Budweg: Prozess: Wegen HIV während der Probezeit rausgeschmissen. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Juli 2011, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 29. April 2018]).
  16. Kündigung in der Probezeit nach positivem HIV-Test. In: Deutsche AIDS-Hilfe. 25. Juli 2011 (aidshilfe.de [abgerufen am 29. April 2018]).
  17. LAG Berlin-Brandenburg: Urteil vom 13. Januar 2012 · Az. 6 Sa 2159/11. In: OpenJur. 13. Januar 2012, abgerufen am 30. April 2018.
  18. Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 19. Dezember 2013 Az. 6 AZR 190/12. In: OpenJur. openJur e.V., 19. Dezember 2013, abgerufen am 30. April 2018.
  19. Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht: Kündigung aufgrund HIV-Infektion ist Diskriminierung wegen Behinderung. In: www.hensche.de. (hensche.de [abgerufen am 29. April 2018]).
  20. Reimar Paul: Imagewandel soll befrieden. taz 19. Dezember 2013
  21. Problemlage | BISS e.V. Abgerufen am 15. April 2019.
  22. Restrisiko in Thune wird untersucht, Braunschweiger Zeitung, 20. Dezember 2013.
  23. Umgebungsüberwachung Braunschweig/Thune und Leese | Nds. Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Abgerufen am 15. April 2019.
  24. Braunschweiger Zeitung - 13. November 2017, Thune - Ein weiterer Schritt zur Lösung?