Essenheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Essenheim
Essenheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Essenheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 56′ N, 8° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Nieder-Olm
Höhe: 210 m ü. NHN
Fläche: 10,51 km2
Einwohner: 3439 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 327 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55270
Vorwahl: 06136
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 017
Adresse der Verbandsverwaltung: Pariser Straße 110
55268 Nieder-Olm
Webpräsenz: www.essenheim.de
Ortsbürgermeister: Hans-Erich Blodt (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Essenheim im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild

Essenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Nieder-Olm an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weinort Essenheim liegt in Rheinhessen ca. 10 Kilometer südwestlich von Mainz. Zu Essenheim gehört auch der Wohnplatz Neumühle.[2] Nachbargemeinden sind im Nordosten Ober-Olm sowie knapp 3 Kilometer entfernt der Mainzer Stadtteil Lerchenberg, im Osten Nieder-Olm und im Südwesten Stadecken-Elsheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essenheim erscheint urkundlich unter dem Namen Hesinesheim (1023), später Heisinesheim (1026), Hesonesheim (1140), Isenheim (1147), Yesenheim (1256), Isensheim (1259), Ysenheim (1288), Eisenheim (1295), Hesenheim (1297) und Eysenheim (1457). Das Kloster St. Maximin bei Trier besaß schon früh große Güter in Essenheim, in deren Besitz es durch Kaiser Heinrich II. 1023, durch Kaiser Konrad II. 1026, durch Kaiser Heinrich IV. 1066, durch Papst Innozenz II. 1140 und durch Kaiser Friedrich I. 1182 bestätigt wurde. Auch das St. Mariengredenstift in Mainz besaß um diese Zeit reiche Güter zu Essenheim. Die Vogtei über den Ort lag als mainzisches Lehen samt den damit verbundenen Gütern und Rechten in den Händen der Herren von Bolanden. Werner IV. von Bolanden hatte die Vogtei 1259 seinem jüngeren Sohn Philipp als Erbteil ausgesetzt, weshalb dieser den Namen Bolanden zu Essenheim führte.[3][4]

Graf Friedrich von Veldenz, hatte seine Erbtochter Anna (als einzige Erbin), gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Pfalzgrafen Herzog Stephan, um 1422 in die Grafschaft Veldenz eingesetzt, zu der auch das Dorf Essenheim mit allen seinen Zubehörungen zählte. Kurz vor seinem Ableben teilten Graf Friedrich von Veldenz und sein Schwiegersohn Pfalzgraf Herzog Stephan am 23. September 1444 ihre Lande unter des Letzteren Kinder. Der vierte Sohn Ludwig, genannt der Schwarze, erhielt die Grafschaft Veldenz, das spätere Herzogtum Pfalz-Zweibrücken mit dem Mainzer Erzamt und damit auch als Lehensparzell das Dorf Essenheim.[5]

Die Zeit des 30-jährigen Krieges brachte Zerstörungen, Seuchen und Not, um 1631 kämpften hier die Schweden und quartierten sich ein. Einige schwedische Soldaten siedelten sich hier an. Dadurch hat nicht nur schwedisches Blut seine Spuren hinterlassen, sondern es bildete sich auch in nächster Nähe von Mainz, dem Sitz des Erzbischofs und Kurfürsten, eine evangelische Enklave.[6]

Nunmehr bleiben Essenheim mit Mölsheim und später Stadecken als einzige rheinhessische Orte bis ins Jahr 1733 beim Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Ab dahin werden Essenheim und Stadecken durch Vertrag an die Kurpfalz abgetreten, bei der sie bis zum Niedergang dieser in der französischen Revolution 1797 verbleiben. Von 1797 bis 1815 herrschen die Franzosen, 1816 kommt Essenheim als Teil der Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen.[5]

Im 18. Jahrhundert wanderten viele Essenheimer nach Pennsylvania aus und siedelten dort vor allem in der Gegend des Kreutz Creek im heutigen York County. Die Sprache der Auswanderer – das Pennsylvaniadeutsche – hat sich dort bis heute erhalten. Auch der bekannteste pennsylvaniadeutsche Mundartdichter Henry Harbaugh (1817–1867) hat familiäre Wurzeln in Essenheim.

Zum 200-jährigen Jubiläum von Rheinhessen im Jahr 2016 wurde durch den Essenheimer Geschichtsverein mit der "Straße der Geschichte" ein viel beachtetes Ausstellungsprojekt realisiert.[7] In zehn privaten Höfen, der evangelischen Kirche und der Alten Schule wurde die geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung des Dorfes der letzten zweihundert Jahre während der einzelnen Zeitabschnitte mit den verschiedenen politischen Entwicklungen dargestellt.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Essenheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[8][1]

Jahr Einwohner
1786 754
1815 729
1835 1.106
1871 1.216
1905 1.313
1939 1.298
1950 1.537
Jahr Einwohner
1961 1.491
1970 1.555
1987 2.058
1997 2.836
2005 3.187
2015 3.439

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Essenheim

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Essenheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FWG GAL Gesamt
2014 11 2 5 2 20 Sitze
2009 11 2 5 2 20 Sitze
2004 10 4 4 2 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm
  • GAL = Grün-Alternative Liste Nieder-Olm e.V.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essenheim unterhält seit 1978 Beziehungen zu vier Partnergemeinden in der Champagne in Frankreich, die alle im Umkreis weniger Kilometer beieinander liegen:[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenbeschreibung:

„Gespalten von Schwarz und Gold (Gelb); vorn ein rotbewehrter und gekrönter goldener (gelber) linksgerichter Löwe und hinten ein blaubewehrter doppelschwänziger roter Löwe.“

Wappenbegründung:

Das Wappen zeigt im geteilten Schild auf der linken Seite den Pfalz-Zweibrücker Löwen in Gold auf schwarzem Grund mit roter Krone, auf der rechten Hälfte sehen wir den Kurpfälzer Löwen in Rot auf goldenem Grund mit blauer Zunge. Das heutige Wappen Essenheims wurde von Prof. Leitermann aus Mainz entworfen.[5] Zur weiteren Wappenbegründung, siehe den Abschnitt #Geschichte.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher fand jedes Jahr die Essenheimer Kerb Ende August statt. Ab 2007 ist sie auf das 2. Wochenende im September verschoben.

Weiterhin feiern die Essenheimer jedes Jahr im Juli das Domherrnfest. Neben ausgesuchten Weinen bietet das gut besuchte Straßen- und Hoffest auch eine Vielzahl kulinarischer Highlights mit musikalischer Untermalung durch verschiedene Künstler.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Pfarrkirche

Essenheim ist geprägt vom Wein- und Obstbau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 63 mit der Anschlussstelle Nieder-Olm (4). Ein Bahnhof der Deutschen Bahn befindet sich im benachbarten Nieder-Olm.

Zwei Stadtbuslinien und eine Regionalbuslinie führen direkt durch Essenheim: Linie 66 der MVG (Mainz nach Nieder-Olm/Zornheim), Linie 75 der MVG und ORN (Mainz nach Ingelheim) und Linie 650 der ORN (Mainz nach Sprendlingen). Die Linien ergänzen sich von Montag bis Samstag in der Hauptverkehrszeit zu einem 30-Minuten-Takt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Mossel, Adam Braunewell, Emil Weichlein, Markus Würz: Essenheim. Geschichte und Geschichten. Hrsg.: Stefan Mossel. 1. Auflage. Leinpfad, Ingelheim 2013, ISBN 978-3-942291-72-9.
  • Chronik des Dorfes Essenheim bei Mainz. Zugleich die Geschichte der Freireligiösen Gemeinde Essenheim; nach den Aufzeichnungen des Johann Probst, 1864. Mainz: Freireligiöse Gemeinde, 1992.
  • Literatur über Essenheim in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Essenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, S. 106 (PDF; 2,3 MB)
  3. Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  4. Stefan Grathoff, Sarah Traub: Zur Geschichte von Essenheim. regionalgeschichte.net, 7. April 2016, abgerufen am 20. Juni 2016.
  5. a b c Geschichte der Gemeinde Essenheim.http://www.vg-nieder-olm.de/vg_niederolm/Aktuelles/einwohnerbroschuere_2010.pdf (Memento vom 30. April 2014 im Internet Archive)
  6. vg-nieder-olm.de: Ortsgemeinde Essenheim
  7. Dorf- und Geschichtsverein Essenheim: Straße der Geschichte auf regionalgeschichte.net
  8. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  10. RGE: Essenheim