European Super League

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Die European Super League ist ein Projekt, welches von den bedeutendsten Fußballvereinen in Europa angetrieben wird. Dabei handelt es sich um eine geplante „geschlossene Liga“, für welche sich außer der an der Planung beteiligten Klubs und „eingeladenen Gastvereinen“ niemand qualifizieren könnte. Die Motive der Vereine sind hauptsächlich finanzieller Natur, da sie die bisherige Vermarktung der UEFA Champions League als nicht ausreichend ansehen.

Spekulationen um solch eine Liga stehen bereits seit den späten 1980er Jahren im Raum, wurden bisher aber immer wieder verworfen, unter anderem weil die UEFA die bestehenden Europapokal-Wettbewerbe, insbesondere die UEFA Champions League immer wieder modernisierte und finanziell lukrativer machte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 stellte Alex Fynn, der damals bei der Werbeagentur Saatchi & Saatchi arbeitete, anlässlich der Vorstellung eines Fußball-Jahrbuch in Großbritannien einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit der der damals kriselnde Fußball modernisiert werden solle. Dabei schlug er vor, dass die führenden Vereine des Kontinents in einer europäischen Superliga spielen sollten. Nachdem Flynn den damaligen Besitzer des AC Mailand Silvio Berlusconi für seine Idee gewann, wurde der UEFA ein Konzept vorgestellt, welches den damaligen Europapokal der Landesmeister reformieren sollte, unter anderem durch eine Modusänderung weg vom K.O.-Modus hin zur Einführung von Gruppen.[1]

Die UEFA lehnte zunächst ab. Nachdem Berlusconi auch andere Klubs wie Real Madrid über seine Pläne informierte und damit den Druck auf die UEFA erhöhte, setzte diese zur Saison 1992/93 dann einen Großteil der Forderungen um, benannte den Europapokal der Landesmeister in UEFA Champions League um und reformierte den Wettbewerb grundlegend, um eine Abspaltung der Top-Vereine zu verhindern.[2] In der Folge wurde die UEFA immer wieder unter Druck gesetzt. Ende der 90er Jahre wurden Pläne der italienischen Werbefirma Media Partners bekannt, die vorsahen, dass sich die 16 wichtigsten europäischen Vereinen von der UEFA abspalten.[2] Erneut wurde gegengesteuert, die Teilnehmerzahl der Champions League von 24 auf 32 erhöht und die Begrenzung von einem teilnehmenden Verein je Nation aufgehoben.

Nachdem es einige Zeit keine neuen Absichten hinsichtlich einer Super League gab, wurden im Frühjahr 2016 gleich mehrere Pläne verschiedener Investoren bekannt. Der chinesische Bauträger Dalian Wanda Group etwa gab bekannt, eine Konkurrenz zur Champions League zu planen, mit oder ohne Beteiligung der UEFA. Der Präsident der European Club Association Karl-Heinz Rummenigge schloss kurz zuvor bereits nicht aus, „dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet, in der die großen Teams aus Italien, Deutschland, England, Spanien und Frankreich spielen, ob von der UEFA oder privat organisiert“. Etwa im selben Zeitraum beriet sich der US-amerikanische Milliardär Stephen M. Ross mit fünf Klubs der englischen Premier League über die Gründung einer European Super League.[1]

Wie ernst diese Überlegungen sind, oder ob es sich nur – wie von einigen Beobachtern vermutet – um eine Drohkulisse gegenüber der UEFA handelt, die Champions League finanziell weiter lukrativer zu machen, ist unklar. Zur Saison 2018/19 bekamen die Vereine aus den wichtigsten europäischen Ligen jedenfalls weitere Planungssicherheit, denn England, Spanien, Deutschland und Italien wurden erstmals vier sichere Startplätze (statt wie bisher drei) zugesichert.[3]

Neue Pläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der FC Liverpool und Manchester United planen ein neues Projekt, wie am 21. Oktober 2020 bekannt wurde. Der Projektname lautet "European Premier League". Geplant sei ein Turnier, das von der FIFA unterstützt werden soll. Das Projekt soll die nationalen Ligen jedoch nicht ersetzten, sondern es soll ein zusätzliches Ereignis sein. Geldgeber sollen das Turnier wohl mit fünf Milliarden Euro unterstützen.[4]

Startpläne für die Saison 2021/22[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumente von Football Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Dokumenten der Enthüllungsplattform Football Leaks geht hervor, dass die Einführung einer Super League konkret bevorstehen soll. Demnach soll die European Super League in der Spielzeit 2021/22 erstmals durchgeführt werden und privat von der spanischen Firma ESLCO betrieben werden, die mit Real Madrid kooperiert.[5] Eine Kooperation mit der UEFA soll in keiner Form stattfinden.[6]

Die elf Gründungsmitglieder sind:

Als „Gastvereine“ sind Borussia Dortmund, Atlético Madrid, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom eingeladen. Die 16 Vereine seien aufgefordert noch im November 2018 die Pläne durch eine „bindende Absichtserklärung“ zu fixieren.[6]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Heinz Rummenigge bekräftigte für den FC Bayern, dass man zur Mitgliedschaft in der Bundesliga und, „solange ich Vorstandvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Klub-Wettbewerben“ steht. Hans-Joachim Watzke bestätigte Gespräche über eine Super League, schloss eine Teilnahme allerdings aus, sollte damit das Ausscheiden von Borussia Dortmund aus der Bundesliga verbunden sein.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Konkurrenz zur Champions League in Planung, auf 11freunde.de
  2. a b Codename Operation Gandalf, auf 11freunde.de
  3. Evolution of UEFA club competitions for 2018-21 cycle, auf uefa.com
  4. Sport1.de: European Premier League: Englische Top-Klubs planen wohl neue Superliga. Abgerufen am 21. Oktober 2020.
  5. Reaktionen zur möglichen Super-Liga, auf sueddeutsche.de
  6. a b Football Leaks: Topclubs planen Super League, auf sportschau.de
  7. Neue Pläne für eine europäische "Super League"?, auf kicker.de