Fabian oder Der Gang vor die Hunde

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Film
OriginaltitelFabian oder Der Gang vor die Hunde
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 176 Minuten
Stab
Regie Dominik Graf
Drehbuch Dominik Graf,
Constantin Lieb
Produktion Felix von Boehm
Musik Florian van Volxem,
Sven Rossenbach
Kamera Hanno Lentz
Schnitt Claudia Wolscht
Besetzung

Fabian oder Der Gang vor die Hunde ist ein Filmdrama von Dominik Graf nach dem Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner, das im Juni 2021 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Premiere feiern soll. Der Kinostart in Deutschland ist am 1. Juli 2021 geplant. Die Geschichte spielt in Berlin Anfang der 1930er Jahre.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berlin, Anfang der 1930er Jahre in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Um seine Miete bezahlen zu können arbeitet der 32-jährige Germanist und angehende Schriftsteller Dr. Jakob Fabian tagsüber als Werbetexter für einen Zigarettenhersteller. Deutschland befindet sich im Niedergang, nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich und politisch.

Nachts zieht Fabian mit seinem besten Freund Stephan Labude, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, durch Berlins Bars und Kneipen, Bordelle und Künstlerateliers. Die beiden jungen Männer kennen sich noch aus Studienzeiten. Labude ist Doktorand, beschäftigt sich in seiner Arbeit mit dem Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing und glaubt, trotz seines familiären Hintergrunds, fest an die Linken als politische Kraft. Als Fabian aufgrund der Weltwirtschaftskrise seine Anstellung als Werbetexter verliert und das Geld zum Leben immer knapper wird, ist es auch an ihm, sich anzupassen. Als die reiche Nymphomanin Irene Moll ein Auge auf Fabian wirft, muss auch er in eine andere Rolle schlüpfen, um von ihr unterstützt zu werden.

Eines Nachts lernt Fabian in einem Nachtclub Cornelia Battenberg kennen, die als Bardame arbeitet. Die weiß nicht, ob sie als Anwältin oder doch lieber als Schauspielerin arbeiten soll. Sie wohnt zufälliger Weise auch noch im gleichen Haus wie Fabian, und er verliebt sich in sie. Cornelia ist an einer romantischen Beziehung nur wenig interessiert, sondern vielmehr an ihrem beruflichen Weiterkommen. Fabian verliert sie an einen Filmproduzenten und dann auch noch Labude.[1][2][3][4][5][6]

Literarische Vorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fabian 1931.jpg

Der Film basiert auf dem Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner aus dem Jahr 1931

Der Film basiert auf dem Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner aus dem Jahr 1931. Darin wird der Protagonist, der Germanist Dr. phil. Jakob Fabian, der als Werbetexter beziehungsweise Propagandist tätig ist, mit dem Unmoralischen im Berliner Nachtleben konfrontiert. Auch wenn er in Bordellen, Unterweltkneipen und Künstlerateliers verkehrt, bleibt er dennoch dort ein einigermaßen distanzierter Beobachter. Während er anfangs vieles noch ironisch betrachtet, entwickelt sich Fabian im Laufe des Romans zum Realisten, nachdem er immer wieder von den Menschen enttäuscht wurde. Nach der Begegnung mit Cornelia Battenberg beginnt er daran zu arbeiten, seine pessimistische Grundhaltung aufzugeben, nur um auch von ihr enttäuscht zu werden, als er seine Arbeit verliert. Nach dem Suizid seines Freundes Labude kehrt Fabian in seine Heimatstadt Dresden zurück, wo er bald bei dem Versuch ertrinkt, einen in den Fluss gefallenen Jungen zu retten.

Der titelgebende Protagonist trägt autobiografische Züge seines Autors. Wie Fabian trug auch Kästner aus dem Ersten Weltkrieg ein Herzleiden davon. Als damals 18-jähriger Rekrut blieb Kästner, im Gegensatz zu Fabian, hierdurch ein Kampfeinsatz erspart. Die Erfahrungen machten Kästner zum Pazifisten, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die Remilitarisierung aussprach. Diese Einstellung teilt er mit Fabian, der es ablehnt auf Tontauben zu schießen und wegen der Salven zusammenschreckt.[7]

Das Schlüsselwerk von Erich Kästner sollte ursprünglich unter dem Titel Der Gang vor die Hunde erscheinen, musste dann aber gekürzt werden und wurde mit dem neuen Titel versehen, der weniger negativ wirken sollte. Von den Nationalsozialisten wurde der Roman als "entartet" erachtetet und fiel den Bücherverbrennungen zum Opfer. Im Jahr 2013 erschien der Roman in der wie von Kästner ursprünglich vorgesehenen Fassung.[8]

Der Roman wurde zuvor bereits unter dem Titel Fabian mit Hans-Peter Hallwachs in der Titelrolle von Wolf Gremm verfilmt. Der Film wurde 1980 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Dominik Graf, der gemeinsam mit Constantin Lieb auch das auf Kästners Romanvorlage basierende Drehbuch schrieb.[3]

Die Titelrolle von Dr. Jakob Fabian wurde mit Tom Schilling besetzt.[3] In weiteren Rollen sind Albrecht Schuch als sein Freund Stephan Labude, Saskia Rosendahl als Cornelia Battenberg, Michael Wittenborn, Petra Kalkutschke, Elmar Gutmann, Eva Medusa Gühne und Meret Becker zu sehen.[2]

Der Film wurde von der Lupa Film GmbH produziert und entstand in Koproduktion mit DCM Pictures, ZDF und ARTE.[2] Vom Medienboard Berlin-Brandenburg erhielt das Projekt eine Produktionsförderung in Höhe von 450.000 Euro.[9]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reise in das Jahr 1931 beginnt am U-Bahn Heidelberger Platz. Die Kamera geleitet den Zuschauer durch den Bahnhof die Treppe hinauf ins Tageslicht

Die Dreharbeiten wurden am 30. Juli 2019 begonnen.[2] Bis September 2019 entstanden Aufnahmen in Görlitz (zum Beispiel am Neißeviadukt und in der Jakobstraße), Berlin[3] und in den Schwesternhäusern im Bautzener Ortsteil Kleinwelka.[10] Dort entstanden Szenen, die in Fabians Elternhaus spielen. Genau wie bei den Szenen, die in Görlitz aufgenommen wurden, spielt die Handlung dabei eigentlich in Dresden.[11]

Als Kameramann fungierte Hanno Lentz. Während der Dreharbeiten kamen vorwiegend Handkameras zum Einsatz. Lentz drehte im Akademie-Verhältnis 1,33:1 und damit dem gängigen Kinoformat der Zeit, in der Fabian oder Der Gang vor die Hunde spielt.[6][8] Lentz lässt den Film mit einer Kamerafahrt durch den heutigen Berliner U-Bahnhof Heidelberger Platz beginnen, an zahlreichen Menschen vorbei den gesamten Bahnsteig entlang und geleitet den Zuschauer die Treppe hinauf ins Tageslicht mitten in das Jahr 1931 hinein.[5][8]

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Anfang Oktober 2020 wurde das Projekt beim European Work in Progress Cologne vorgestellt.[12] Der erste Trailer wurde im Februar 2021 präsentiert.[13] Im Juni 2021 wird der Film im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin im Wettbewerb gezeigt und soll hier seine Weltpremiere feiern.[14] Ein Kinostart in Deutschland ist am 1. Juli 2021 im Verleih von DCM geplant.[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film schnitt im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International von allen 15 Wettbewerbsfilmen mit 3,1 von vier möglichen Sternen am drittbesten ab (gemeinsam mit dem südkoreanischen Beitrag Inteurodeoksyeon), während der japanische Spielfilm Gūzen to sōzō und die deutsche Dokumentation Herr Bachmann und seine Klasse die Rangliste mit je 3,3 Sternen anführten.[16]

Thomas Schultze von Blickpunkt:Film nennt Fabian Dominik Grafs Meisterwerk, das insofern Erinnerungen an Wolf of Wall Street von Martin Scorsese wecke, als in beiden Fällen erfahrenste Filmemacher alles auf eine Karte setzten, ihr gesamtes Können und Wissen in die Waagschale werfen, um ein Sittengemälde zu entwerfen, das einen Blick zurückwirft, aber mit beiden Beinen fest in der Gegenwart steht. Dabei zehre der Film von Grafs enzyklopädischem Filmwissen und dessen Lust an der unorthodoxen Erzählung.[8]

Carolin Ströbele berichtet in der Zeit, dass Graf „sich zum Maßstab genommen habe, seinen Fabian in etwa so lang zu halten, wie man zum Lesen des Buches brauche. Mit knapp drei Stunden ist ihm das gelungen, und es gibt nur wenige Minuten, die man rückblickend als ‚zu viel‘ bezeichnen möchte“. Grafs Film könne man durchaus als Hommage an das Filmeschaffen selbst sehen: „Weiß, Stummfilm, Tonfilm, körniges Super 8 und hyperrealistische HD-Optiken wechseln sich fast unmerklich ab. Ab und an (und vor allem: nie zu oft) streut Graf ein paar historische Aufnahmen aus den Dreißigern ein, und einmal laufen seine Protagonisten vor ihrer Haustüre über Stolpersteine.“ „Verzweifelt liebende Männer“ seien Grafs Spezialität, und ein Liebesfilm sei Fabian wohl am ehesten, „ein Film über Männer und Frauen, und wenn man zuhört, was Erich Kästner über das Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander wusste, war das schon ziemlich avanciert“.[17]

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Tom Schilling spielt in der Titelrolle Dr. Jakob Fabian

Patrick Wellinski nennt Fabian im Deutschlandfunk Kultur Dominik Grafs „reifsten und besten Spielfilm. (...) Filmisch haben wir es hier mit der sicherlich wichtigsten deutschen Literaturverfilmung seit Volker Schlöndorffs Blechtrommel zu tun. Dominik Graf bemüht die ganze Klaviatur der Filmgeschichte. Zeigt was modernes audiovisuelles Erzählen aussehen kann. Intelligent und verspielt, dramatisch und leicht. Kurzum: Ein großer Wurf!“[18]

Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde Fabian oder Der Gang vor die Hunde mit dem Prädikat Besonders wertvoll versehen. Das Ensemble sei bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig und spielstark besetzt, und als Glücksgriff entpuppe sich das Hauptrollentrio mit Tom Schilling, Saskia Rosendahl und Albrecht Schuch. Schilling sei die ideale Besetzung dieses dahintreibenden Protagonisten, der voller Fatalismus durch ein Berlin im Umbruch flaniert und dann doch bereit ist, an die ganz große Liebe zu glauben, die auch seinem Leben eine Bestimmung gibt.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele Berlin 2021

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Fabian“ – Dominik Graf dreht ZDF-Kinokoproduktion nach Erich Kästner. In: zdf.de, 14. August 2019.
  2. a b c d Drehstart „Fabian“. In: fff-bayern.de, 31. Juli 2019.
  3. a b c d Fabian. In: German Films Quarterly, Ausgabe 3/2019, S. 35. (PDF; 2,1 MB)
  4. Deborah Young: 'Fabian — Going to the Dogs': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 1. März 2021.
  5. a b Jay Weissberg: 'Fabian – Going to the Dogs' Review: An Uneven, Three-Hour Attempt to Capture Weimar Dissipation. In: Variety, 1. März 2021.
  6. a b Ryan Lattanzio: 'Fabian – Going to the Dogs' Review: 3-Hour German Bildungsroman Is More Exhilarating Than It Sounds. In: indiewire.com, 1. März 2021.
  7. Torsten Landsberg: Berlinale: Dominik Graf warnt mit Kästners „Fabian“. In: dw.com, 4. März 2021.
  8. a b c d Thomas Schultze: Berlinale Review: Fabian oder Der Gang vor die Hunde. In: Blickpunkt:Film, 1. März 2021.
  9. 7,5 Förder-Millionen für 38 neue Film- und Serienprojekte in Berlin-Brandenburg. In: medienboard.de, 11. Oktober 2018.
  10. Theresa Hellwig: Filmdreh in Kleinwelka: So sah es am Set aus. In: Sächsische Zeitung. 4. März 2021 (kostenpflichtig online [abgerufen am 5. März 2021]).
  11. Theresa Hellwig: Ein Filmstar in Kleinwelka. In: Sächsische Zeitung. 2. März 2021 (kostenpflichtig online [abgerufen am 5. März 2021]).
  12. Ioana Florescu: The third edition of European Work in Progress Cologne is ready to kick off. In: cineuropa.org, 2. Oktober 2020.
  13. Matthias Hopf: Fabian oder Der Gang vor die Hunde: Erster Trailer zu Dominik Grafs Berlinale-Film. In: dasfilmfeuilleton.de, 18. Februar 2021.
  14. https://www.youtube.com/watch?v=pELwkTG6-t8
  15. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 13. Februar 2021.
  16. Ben Dalton: ‘Wheel Of Fortune And Fantasy’ takes joint lead on Screen’s Berlin jury grid. In: screendaily.com, 5. März 2021 (abgerufen am 5. März 2021).
  17. Carolin Ströbele: Verzweifelt liebende Männer. In: Zeit Online, 1. März 2021.
  18. Patrick Wellinski: Berlinale-Wettbewerb: „Fabian“ von Dominik Graf – Intelligenter Bilderkosmos. In: Deutschlandfunk Kultur, 2. März 2021.
  19. Fabian oder Der Gang vor die Hunde. In: fbw-filmbewertung.com. Abgerufen am 10. April 2021.
  20. Wettbewerb – Neugestaltung filmischer Formen. In: berlinale.de, 11. Februar 2021.