Jürgen Petersohn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jürgen Petersohn (* 8. April 1935 in Merseburg) ist ein deutscher Historiker mit den Schwerpunkten Mittelalter und nordostdeutsche Landesgeschichte.

Jürgen Petersohn legte das Abitur am Gymnasium Ernestinum Coburg ab. Von 1954 bis 1960 studierte er Geschichte, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Würzburg, Marburg und Bonn. Ab 1955 hatte er ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. An der Universität Bonn wurde er 1959 promoviert. Sein akademischer Lehrer war Otto Meyer. Die erste Staatsprüfung für das höhere Lehramt in den Fächern Deutsch und Geschichte legte er 1960 ab. Von 1961 bis 1964 war er Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von 1964 bis 1970 war Petersohn wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Würzburg. 1970 wurde er in Würzburg für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften habilitiert. Von 1970 bis 1972 war er Oberassistent am Institut für Geschichte an der Universität Würzburg. An der Universität Tübingen hat er von 1971 bis 1973 Lehrstuhlvertretungen wahrgenommen. In Würzburg lehrte er seit 1975 als außerplanmäßiger und seit 1978 als außerordentlicher Professor. Von 1981 bis 2000 war er Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Marburg. Dort war er 1985/86 und 1993/94 Dekan des Fachbereichs Geschichtswissenschaften. Seit 1983 ist er Mitglied und war von 1998 bis 2001 Vorsitzender des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte. Petersohn ist u.a. Mitglied der Historischen Kommission für Pommern (1959), der Gesellschaft für fränkische Geschichte (1968), der Historischen Kommission für Hessen (1985). Ihm wurde 1976 die Ehrengabe zum Georg Dehio-Preis und 1988 der Pommersche Kulturpreis verliehen.

Schwerpunkte seiner Forschung sind Rom und das Kaisertum im Hochmittelalter, Geschichte der Heiligsprechungen und ihrer Instrumentalisierung durch die Kaiser und die Konziliare Bewegung im 15. Jahrhundert. Zuletzt standen Viten und Nachleben Ottos I. von Bamberg im Mittelpunkt, verbunden mit Studien zu Ethnogenese und Selbstverständnis Frankens im Mittelalter sowie zu Überlieferung und Bildung im Mittelalter. Der heilige Otto ist zugleich Eckpunkt für Studien zu Mission, Kult und Kirche im mittelalterlichen Pommern. In seinen landesgeschichtlichen Arbeiten behandelt Petersohn auch frühneuzeitliche Themen. Außerdem untersucht er die Mittelalterforschung im 19. und 20. Jahrhundert. Die Ergebnisse sind in vierzehn Monographien und über hundert Aufsätzen veröffentlicht. Seine Darstellung über die Wandlungen des Begriffs Franken von den Karolingern bis zum 16. Jahrhundert widmete er seinem Lehrer Meyer.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Fürstenmacht und Ständetum in Preußen während der Regierung Herzog Georg Friedrichs. 1578–1603 (= Marburger Ostforschungen. Bd. 20, ISSN 0542-6537). Holzner, Würzburg 1963.
  • Das Breviarium Caminense der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek. Ms. theol. lat. 208 der Westdeutschen Bibliothek in Marburg (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 5: Forschungen zur Pommerschen Geschichte. H. 3, ISSN 0440-9582). Böhlau, Köln u. a. 1963.
  • Der südliche Ostseeraum im kirchlich-politischen Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemarks vom 10. bis 13. Jahrhundert. Mission, Kirchenorganisation,Kultpolitik (= Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart. Bd. 17). Böhlau, Köln u. a. 1979, ISBN 3-412-04577-2 (Zugleich: Würzburg, Universität, Habilitations-Schrift, 1970: Sakralstruktur und Kultgeschichte des südlichen Ostseeraumes von den Anfängen der Slavenmission bis zum Abschluß der deutschen Kolonisation (10.–13. Jahrhundert).).
  • Ein Diplomat des Quattrocento. Angelo Geraldini (1422–1486) (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 62). Niemeyer, Tübingen 1985, ISBN 3-484-82062-4.
  • als Herausgeber: Diplomatische Berichte und Denkschriften des päpstlichen Legaten Angelo Geraldini aus der Zeit seiner Basel-Legation (1482–1483) (= Historische Forschungen. Bd. 14). Steiner-Verlag-Wiesbaden, Stuttgart 1987, ISBN 3-515-05026-4.
  • Rom und der Reichstitel „sacrum Romanum Imperium“ (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 32, 4). Steiner, Stuttgart 1994, ISBN 3-515-06562-8.
  • als Herausgeber: Die Prüfeninger Vita Bischof Ottos I. von Bamberg nach der Fassung des Großen Österreichischen Legendars (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 7, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi. Bd. 71). Hahn, Hannover 1999, ISBN 3-7752-5471-4.
  • Heinrich Raspe und die Apostelhäupter oder: Die Kosten der Rompolitik Kaiser Friedrichs II. (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 40, 3). Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08211-5.
  • Franken im Mittelalter. Identität und Profil im Spiegel von Bewußtsein und Vorstellung (= Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte. Vorträge und Forschungen. Sonderbd. 51). Thorbecke, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-6761-9.
  • Kaisertum und Rom in spätsalischer und staufischer Zeit. Romidee und Rompolitik von Heinrich V. bis Friedrich II. (= Monumenta Germaniae Historica. Schriften. Bd. 62). Hahn, Hannover 2010, ISBN 978-3-7752-5762-6 (Rezension).

Literatur[Bearbeiten]

  • Roderich Schmidt: Laudatio auf Professor Dr. Jürgen Petersohn. In: Pommern. Kunst – Geschichte – Volkstum 26 (1988), S. 1–4.
  • Matthias Thumser (Hrsg.): Studien zur Geschichte des Mittelalters. Jürgen Petersohn zum 65. Geburtstag. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1448-4.
  • Eintrag Jürgen Petersohn. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Band 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5, S. 333–340.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jürgen Petersohn: Franken im Mittelalter. Identität und Profil im Spiegel von Bewußtsein und Vorstellung. Ostfildern 2008.