Joachim Kerzel

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Joachim Kerzel (* 10. Dezember 1941 in Hindenburg) ist ein deutscher Schauspieler, Synchron-, Hörspiel- und Off-Sprecher. Als deutsche Stimme internationaler Charakterdarsteller wie Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper, Harvey Keitel und Anthony Hopkins gehört er zu den profiliertesten Sprechern im deutschsprachigen Raum. Bekannt ist er zudem als Hörbuchinterpret sowie als Off-Sprecher in zahlreichen Kino-Trailern und Dokumentarfilmen. Für seine Synchronisation von Jack Nicholson in About Schmidt erhielt Kerzel 2003 den Deutschen Preis für Synchron.

Joachim Kerzel im März 2007

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Flucht im Jahr 1945 wuchs Joachim Kerzel in Augsburg auf und absolvierte von 1958 bis 1961 eine Ausbildung zum Schlosser und Ölheizungsmonteur. Im Anschluss leistete er seinen Wehrdienst als Funker bei der Bundesmarine. Von 1963 bis 1966 besuchte er in Hannover die Hochschule für Musik, Theater und Medien und ließ sich dort zum Schauspieler ausbilden. 1965 debütierte er im Rahmen der Kreuzgangspiele Feuchtwangen als Lionel in Schillers Tragödie Die Jungfrau von Orléans. Nach bestandener Bühnenreifeprüfung folgte ein zweijähriges Engagement am Stadttheater Hildesheim. Dort agierte Kerzel unter anderem als gleichnamiger Protagonist in Wilhelm Tell, als Tellheim in Minna von Barnhelm und in Von Mäusen und Menschen. Von 1969 bis 1978 gehörte er zum Ensemble der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin und stellte dort unter anderem Tusenbach in Tschechows Drama Drei Schwestern und Domingo in Schillers Drama Don Karlos dar. Im Anschluss war Kerzel als freischaffender Schauspieler tätig und trat als solcher insbesondere im Theater am Kurfürstendamm auf, darunter in Komödien wie Freunde in der Not (1979)[1] und Drei Schlafzimmer (1980) von Alan Ayckbourn, die unter der Regie von Wolfgang Spier inszeniert und ins Fernsehen übertragen wurden. Unter der Regie von Rolf von Sydow spielte Joachim Kerzel in Laus im Pelz (1987) an der Seite von Dieter Hallervorden. 1996 verkörperte er an der Berliner Tribüne Theobald Maske in Carl Sternheims Lustspiel Die Hose. Von 1989 bis 1992 leitete er in Berlin das Intime Theater.

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parallel zu seiner Bühnentätigkeit war Kerzel mit Beginn der 1970er Jahre auch sporadisch vor der Kamera aktiv, so in Wolf Dietrichs Mehrteiler Das Jahrhundert der Chirurgen (1972), in Der Zweck heiligt die Mittel (1973) unter der Regie von Fritz Umgelter, Keine Spürhunde für den Fiskus (1974) von Thomas Fantl und in Hartmut Griesmayrs Literaturverfilmung Meister Timpe (1980). In der zwölfteiligen ZDF-Serie Lukas und Sohn (1989) stellte Kerzel die Figur des Karl dar, Episodenrollen übernahm er unter anderem in Café Wernicke (1978), Berliner Weiße mit Schuß (1985), Weiberwirtschaft (1987), Diese Drombuschs (1992) und zuletzt in den Kriminalserien Im Namen des Gesetzes (1996) und Hinter Gittern – Der Frauenknast (2002).

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

9. Februar 2007: Joachim Kerzel bei der Vertonung der N24-Reportage „Rogue Waves“ in einem Schnittraum.

Während der 1980er Jahre verlagerte Kerzel seinen schauspielerischen Schwerpunkt zunehmend auf die Filmsynchronisation und entwickelte sich durch zahlreiche Hauptrollen in kommerziell erfolgreichen Kinoproduktionen zu einem der bekanntesten und profiliertesten Sprecher der Gegenwart. Seit Die Hexen von Eastwick (1987) wird er regelmäßig für die Synchronisation von Jack Nicholson eingesetzt, seit Hook (1991) für Dustin Hoffman und seit Beginn der 2000er Jahre für Anthony Hopkins. Darüber hinaus lieh Kerzel wiederkehrend Dennis Hopper seine Stimme, darunter in Mad Dog (1976), Blue Velvet (1986), Speed (1994) und Apocalypse Now (2001, Redux-Version). Zu einer Auswahl weiterer Synchronrollen gehören Fredric March in der Fernsehsynchronisation der erstmals 1931 aufgeführten Verfilmung Dr. Jekyll und Mr. Hyde, ferner Harvey Keitel in Die Duellisten (1977) und Das Piano (1993), Jean Reno in Léon – Der Profi (1994) und Die purpurnen Flüsse (2000) sowie Robert De Niro in Es war einmal in Amerika (1984) und The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987).

Serienhauptrollen übernahm er für Robert Wagner als Jonathan Hart in Hart aber herzlich (1979–1984 und 1993–1996) und als Al Mundy in Ihr Auftritt, Al Mundy (1968–1970), Lloyd Bochner als Cecil Colby in Der Denver-Clan (1981–1982) sowie Vul Kuolun in der 40-teiligen Zeichentrickserie Captain Future (1980). Dialogregie führte Kerzel unter anderem in der Kriminalserie Twin Peaks (1990–1991) und den Kinofilmen Rendezvous mit Joe Black (1998), Spy Game – Der finale Countdown (2001) und Der Manchurian Kandidat (2004).

Off-Stimme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Synchronisation prägt Kerzel als Off-Sprecher gut zwei Drittel der deutschsprachigen Kino-Trailer[2] sowie zahlreiche Dokumentarfilme. So ist er seit 2005 regelmäßig in den kabel eins-Magazinen K1 Extra und K1 Doku zu hören,[3] 2010 stellte er seine Stimme unter anderem der Dokumentation Untergang der Republik zur Verfügung.[4] In der Vergangenheit fungierte Kerzel zudem als Off-Sprecher in den Science-Fiction-Fernsehserien Babylon 5 (1994–1998), Outer Limits – Die unbekannte Dimension (1995–2002) sowie dem pseudowissenschaftlichen Magazinableger Galileo Mystery (2007–2009).

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hörbuchinterpret fand Kerzel vor allem Beachtung mit den von Ken Follett verfassten Bestsellern Die Leopardin (2002), Die Säulen der Erde (2006) und Die Tore der Welt (2008). Für Die Säulen der Erde wurde er 2008 mit dem Publikumspreis Hörkules[5] und einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Weitere verbreitete Lesungen sind Der Exorzist (2001) von William Peter Blatty und Der Fall Maurizius (2003) von Jakob Wassermann sowie die von Stephen King verfassten Werke Das Mädchen (2001), Atemtechnik aus Frühling, Sommer, Herbst und Tod (2002) und Nachtschicht (2008). In den Publikationen Feuerreiter (2004) und Mond und Sterne (2004) vertonte Kerzel Balladen und Gedichte bedeutender Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Theodor Fontane. Seit Mitte der 2000er Jahre ist Kerzel zudem als Sprecher der Hörbücher des französischen Thriller-Autors Jean-Christophe Grangé tätig.

Hör- und Computerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hörspielbereich ist Joachim Kerzel insbesondere durch die seit dem Jahr 2000 erscheinende Neuauflage der Hörspielreihe Geisterjäger John Sinclair bekannt, in der er bis Folge 46 als Erzähler engagiert war. Gesundheitliche Gründe zwangen in den nachfolgenden acht Episoden zu einer Umbesetzung; die Vertretung übernahm Wolfgang Pampel.[6] Im September 2009 meldete sich Joachim Kerzel mit einer kurzen Videonachricht an die Hörerschaft zurück[7] und setzte seine Mitwirkung seit Folge 55 fort. Ab Folge 71 wurde er jedoch von Alexandra Lange abgelöst. Als Erzähler wurde Kerzel ferner in den Hörspielen zu Star Wars eingesetzt, bei denen die Tonspuren der DVD-Versionen Verwendung fanden (2004–2005). In der zehn CDs umfassenden Hörspieladaptation des von Frank Schätzing verfassten Thrillers Der Schwarm (2004) sprach er als Biologieprofessor Sigur Johanson einen der Hauptcharaktere. Aufmerksamkeit erlangte überdies die von Walter Filz konzipierte und mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnete Medien-Satire Pitcher (WDR, 2000), in der Kerzel ironischerweise die Rolle eines „abgehalfterten Synchronsprechers“ übernahm.[8] Seit 2012 ist Joachim Kerzel Erzähler der Hörspielserie Takimo – Abenteuer eines Sternreisenden.

Kerzel setzt seine Stimme nicht zuletzt zur Vertonung von Computerspielen ein, so unter anderem als Erzdämon Legion in Shadow Man (Nintendo 64), als Brian Westhouse und Q'aman in The Longest Journey, als Kaiser Uriel Septim in The Elder Scrolls IV: Oblivion, als Lehrensucher Cho in Mists of Pandaria und als Dr. Blackter in Baphomets Fluch 2.5.[9]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Kerzel ist mit der Schauspielerin Maria Körber verheiratet und lebt in Berlin.

Filmografie (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joachim Kerzel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.zeit.deProgramme deutschsprachiger Bühnen in Die Zeit, 2. November 1979 (aufgerufen am 27. September 2010)
  2. Vertraute Stimmen in Tagblatt, 13. April 2010 (aufgerufen am 27. September 2010)
  3. Sprecher virgofilm.de, aufgerufen am 8. Januar 2012
  4. Der Untergang der Republik: deutsche Synchronisation lotus-online.de, aufgerufen am 8. Januar 2012
  5. Gewinner des Hörkules bei Hörjuwel (aufgerufen am 27. September 2010)
  6. Meldung bei hörspiele.de (aufgerufen am 27. September 2010)
  7. Joachim Kerzel ist zurück Video auf youtube.de, abgerufen am 6. April 2013
  8. Walter Filz erhält den wichtigsten Hörspielpreis bei Deutsche Welle, 26. September 2001 (aufgerufen am 27. September 2010)
  9. Offizielle Seite (aufgerufen am 27. September 2010)
  10. Gold-/Platin-Datenbank des Bundesverbandes Musikindustrie, Abruf vom 3. Juni 2016