Matthias Bundschuh

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Matthias Bundschuh (* 1966 in Gütersloh) ist ein deutscher Schauspieler, Drehbuchautor und Theaterautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundschuh verbrachte seine Schulzeit in Bonn. Er studierte 1987/1988 mit einem Stipendium Schauspiel und Theaterwissenschaften am Royal Holloway College der Universität London. Es folgte eine Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar in Wien (1988/1989) und von 1990 bis 1994 ein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Sein Diplom als Bühnenschauspieler bestand er mit Auszeichnung.

Theaterarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundschuh hatte mehrere feste Theaterengagements, zunächst von 1994 bis 1996 am Staatstheater Cottbus. Es folgte ein Engagement am Hebbel-Theater in Berlin, wo er in Robert Wilsons Inszenierung von Dr. Faustus lights the lights auftrat. An der Schaubühne am Lehniner Platz spielte er in dem Theaterstück Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten von Peter Handke (Regie: Luc Bondy). Von 1998 bis 2000 war er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert. Dort trat er unter anderem als Sir Galahed in Merlin von Tankred Dorst unter der Regie von Jossi Wieler auf. Außerdem spielte er den Raimond, einer der Freier der Jeanne d’Arc, in Schillers Trauerspiel Die Jungfrau von Orleans, Regie: Matthias Hartmann.

2000 hatte er Engagements bei den Bad Hersfelder Festspielen (Mortimer in Maria Stuart) und am Theater Bremen (Kaiser und Euphorion in Faust II). 2000/2001 spielte er in Berlin in den Sophiensaelen den Monolog Ippolit hat sein Sterben auf übermorgen verschoben, um sich mit Ihnen zu treffen nach Motiven von Dostojewski, den er gemeinsam mit dem Regisseur Boris von Poser geschrieben hatte. Er gastierte damit auch am Schauspielhaus Zürich, am Schauspiel Hannover und an den Münchner Kammerspielen (2001).

Von 2001 bis 2006 war er festes Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen. Er trat dort unter anderem als Komponist Zamrjaki in Der Marquis von Keith von Frank Wedekind (Regie: Peter Kastenmüller, Spielzeit 2001/02), als Malcolm in Macbeth (Regie: Calixto Bieito, Spielzeit 2001/02), als Legendre in Dantons Tod (Regie: Lars-Ole Walburg, 2001–2003), als Prinzessin von Eboli [sic!] in Don Karlos (Regie: Sebastian Nübling, Spielzeit 2003/04) und als Pjotr Sergejewitsch Trofimow in Der Kirschgarten (Regie: Lars-Ole Walburg, Spielzeit 2005/06) auf. Mit der Inszenierung von Macbeth gastierte Bundschuh 2001 auch bei den Salzburger Festspielen.

Von 2006 bis 2009 gehörte Bundschuh zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin, wo er unter anderen in Ein Sommernachtstraum (als Peter Squenz und als Elfe, 2007), in Was ihr wollt (als Kammermädchen Maria [sic!], Regie: Michael Thalheimer, 2006), in Ein Traumspiel (2008) und 2008 in dem Theaterstück Groß und klein von Botho Strauß spielte. Im Februar 2009 übernahm er die Sprechrolle des Haushofmeisters in der Oper Ariadne auf Naxos an der Deutschen Oper Berlin in einer Inszenierung von Robert Carsen. Im September/Oktober 2009 spielte er am Schauspielhaus Zürich die Titelrolle des Iwan Alexandrowitsch Chlestakow in der Komödie Der Revisor von Nikolai Gogol; in der Spielzeit 2010/11 übernahm er dort den Antonio in Shakespeares Komödie Viel Lärm um nichts. Für das Deutsche Theater Berlin schrieb und spielte er auch den Theatermonolog Jakob von Gunten (Uraufführung 2006) nach dem Roman von Robert Walser.

In der Spielzeit 2011/12 gastierte er am Schauspielhaus Zürich als Fleischer Oskar in Geschichten aus dem Wiener Wald (Regie: Karin Henkel); in der Spielzeit 2012/13 folgte der Oronte in Der Menschenfeind (Regie: Barbara Frey). 2013–2015 trat er wieder am Hamburger Schauspielhaus auf, u. a. als Hilfsschreiber Wilhelm Foldal in dem Ibsen-Stück John Gabriel Borkman (2015, Regie: Karin Henkel).

2016 gastierte er bei den Salzburger Festspielen als Trinculo in Shakespeares Spätwerk Der Sturm (Regie: Deborah Warner).

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundschuh wirkte in weit über 50 Film- und Fernsehproduktionen mit. Sein Debüt als Filmschauspieler gab Bundschuh 1992 in dem Fernsehfilm Lenz, wo er unter der Regie von Egon Günther die Rolle von Maximilian Klinger spielte. In dem Kinofilm Shoppen (2006) verkörperte er den karriereorientierten Controller Ralf, der beim Speed-Dating versucht, eine Partnerin zu finden.[1]

2018 Hauptrolle (Dirigent Eliasberg) im Spielfilm mit Dokumentarszenen von Carsten Gutschmidt und Christian Frey (Regie): Leningrad Symphonie, eine Stadt kämpft um ihr Leben.

Er wirkte in einer kleinen Rolle in dem Mehrteiler Die Affäre Semmeling (2000) von Dieter Wedel mit. Außerdem hatte er die Rolle eines BND-Beamten in dem Fernsehfilm Mogadischu (2007) von Roland Suso Richter. Einen „bemerkenswerten Auftritt“ hatte er 2007 an der Seite von Hannelore Hoger in der Bella Block-Episode Reise nach China, in der er den skurrilen Ex-Ehemann einer ermordeten Frau spielte.[2] In der Tatort-Episode Salzleiche, mit Maria Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm, verkörperte Bundschuh 2008 den Dorfpolizisten Jakob Halder, den er als „freundlichen, aber undurchsichtigen“ Charakter anlegte.[3] Von 2007 bis 2010 hatte Bundschuh außerdem eine durchgehende Rolle in der ZDF-Fernsehreihe Unsere Farm in Irland. Er spielte den schüchternen, schrulligen Patrick Sinclair, den Inhaber eines Teeladens.

In Margarethe von Trottas biografischen Spielfilm Hannah Arendt (2012) hatte er einem Kurzauftritt als konservativer New Yorker Intellektueller Norman Podhoretz. In der Heinrich George-Filmbiografie George (2013) verkörperte Bundschuh den Schriftsteller und Widerstandskämpfer Günther Weisenborn. In der Literaturverfilmung Nackt unter Wölfen (2015) stellte er den SS-Hauptscharführer Gotthold Zweiling dar. Im Berliner Tatort: Ätzend (Erstausstrahlung: November 2015), dem zweiten Fall des Ermittlerteams Rubin und Karow, war er der Rechtsanwalt Lothar Thielgen.

In der 72. Folge der ZDF-Krimireihe Ein starkes Team (Wespennest, Erstausstrahlung Oktober 2017) spielte er den Nachbarn Stefan Wernicke, der eine Eigenheimsiedlung mit Überwachungskameras ausstattet. Im Münsteraner Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch (Erstausstrahlung: November 2017) spielte er den Hotelportier und Künstler Robert Wenger, der sich am Ende als Serienmörder herausstellt.

Außerdem hatte er Episodenrollen in diversen Fernsehserien (u. a. Alphateam – Die Lebensretter im OP, SOKO Köln, Um Himmels Willen, Die Bergretter und In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte).

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner Arbeit als Schauspieler ist Bundschuh in verschiedenen Funktionen im Bereich des Puppenspiels und des Marionettenspiels künstlerisch tätig. Er war Gründungsmitglied des „Michaelis Puppentheaters“ in Cottbus. Er entwarf dort Bühnenbilder und Kostüme, zeichnete Vorlagen für Marionettenköpfe und war für Regie und Licht verantwortlich.[4][5] 2010 realisierte er den Marionetten-Kurzfilm Wohin ist, der ich war und bin nach einer Erzählung von Franz Werfel, bei dem er neben der Regie auch für das Drehbuch und das Filmdesign verantwortlich war.

Bundschuh lebt in Berlin.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Bundschuh: «Ich vermute, dass mancher sich in dem Film wiederfinden wird.». Interview mit Matthias Bundschuh bei cineman.de.
  2. Bella Block: Reise nach China. www.kino.de
  3. "Das Private und das Politische liegen nah beieinander". Interview mit Matthias Bundschuh bei tatort-fundus.de.
  4. Mathias Bundschuh. Kurzporträt Michaelis Puppentheater
  5. Biographie Matthias Bundschuh Ginger Foot Films