Mauvezin (Gers)

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Mauvezin
Wappen von Mauvezin
Mauvezin (Frankreich)
Mauvezin
Region Okzitanien
Département Gers
Arrondissement Condom
Kanton Gimone-Arrats
Gemeindeverband Bastides de Lomagne
Koordinaten 43° 44′ N, 0° 53′ OKoordinaten: 43° 44′ N, 0° 53′ O
Höhe 115–202 m
Fläche 32,18 km2
Einwohner 2.158 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 67 Einw./km2
Postleitzahl 32120
INSEE-Code

Mauvezin – Zentraler Platz und Markthalle

Mauvezin ist eine Gemeinde mit 2158 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Gers in der südfranzösischen Region Okzitanien. Im 13. Jahrhundert wurde die Oberstadt (ville haute) in Form einer Bastide umgestaltet. Die Gemeinde gehört zum Kanton Gimone-Arrats und war bis 2015 Hauptort des Kantons Mauvezin.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauvezin liegt etwa 60 Kilometer (Fahrtstrecke) in nordwestlicher Richtung von Toulouse entfernt. Auch, die Hauptstadt des Départements Gers, befindet sich weitere 30 Kilometer südwestlich. Gimont, Hauptort der ehemaligen Vizegrafschaft Gimois, liegt etwa 15 Kilometer südlich. Die beiden Flüsse Arrats und Gimone sind für die Bewässerung der Felder von Bedeutung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 1.857 1.756 1.705 1.671 1.642 1.804

Bereits im ausgehenden Mittelalter war Mauvezin eine wichtige Stadt mit über 2.000 Einwohnern.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt dient seit Jahrhunderten als handwerkliches und wirtschaftliches Zentrum für die von der Landwirtschaft geprägten Dörfer des Umlandes. Das Stopfen von Gänsen (oies) und Enten (canards) war schon vor Jahrhunderten Bestandteil der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden im Périgord und in der Gascogne. In früheren Zeiten geschah dies – je nach Verfügbarkeit – mit Hafer, Gerste und Weizen; seit dem zunehmenden Bekanntheitsgrad von Mais im 19. Jahrhundert wird diese – ursprünglich aus Mittelamerika stammende – Agrarpflanze auch bei der Tiermast eingesetzt und entsprechend häufig angebaut. Die Gänseleberpastete (pâté de foie gras) wird nur selten frisch angeboten, sondern meist in Gläsern oder Dosen konserviert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arkadenhäuser und Markthalle
Markthalle
Kirche Saint-Michel

Mauvezin war Hauptort der historischen Vizegrafschaft (vicomté) Fézensaguet, die im Jahre 1402 Teil der Grafschaft Armagnac und zusammen mit dieser im Jahre 1589 unter Heinrich IV. endgültig Teil der französischen Krondomäne (Domaine royal) wurde, nachdem der bereits im Jahre 1472 unter Ludwig XI. unternommene Eingliederungsversuch nur vorübergehend Bestand hatte.

In der Zeit der religiösen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten ergriffen die Einwohner von Mauvezin mehrheitlich Partei für die protestantische Seite – der Ort erhielt in dieser Zeit den Beinamen 'Kleines Genf' (Petite Genève). Da es aber zu Streitereien unter der Stadtbevölkerung kam, bemächtigte sich Heinrich von Navarra im Jahre 1576 der Stadt und die Katholiken wurden vertrieben. In den Hugenottenkriegen (1562–1598) wurde die Kirche in Teilen demoliert. Nach der Ermordung Heinrichs IV. im Jahr 1610 begannen die religiösen Auseinandersetzungen von Neuem; unter Ludwig XIII. wurde die Stadt von Truppen eingeschlossen und kapitulierte im Jahre 1621.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der zentrale Platz der Bastide mit seinen Arkadenhäusern ist die optische und historische Hauptattraktion von Mauvezin.
  • Der Dachstuhl der großen – auf 36 gemauerten Rundpfeilern aufruhenden – Markthalle (halle) stammt möglicherweise noch aus dem 14. Jahrhundert; einige Balken wurden jedoch zwischenzeitlich ausgetauscht. Die Halle bildet immer noch den eigentlichen Mittelpunkt der Stadt und wird auch für Tanz- und Festveranstaltungen genutzt.
  • Von der Kirche des ausgehenden 13. Jahrhunderts ist nur noch der aus Haustein errichtete gotische Glockenturm erhalten, der von einem quadratischen Grundriss im Erdgeschoss in einen achteckigen Grundriss der beiden oberen Geschosse übergeführt wird. Die Ecken des Turms werden von Strebepfeilern stabilisiert. Der eigentliche Kirchenbau fiel den protestantischen Übergriffen während der Religionskriege zum Opfer und wurde erst wieder im Jahre 1829 in seiner heutigen basilikalen Gestalt errichtet. Im äußerst zurückhaltend gestalteten Innern finden sich ein Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert, welches wohl aus der Kirche von Barran stammt, ein Altarbaldachin aus dem 16. und eine Orgel aus dem 19. Jahrhundert.
  • In der Unterstadt steht ein quadratischer Turm (Tour Jeanne d’Albret).
  • Die protestantische Kirche (temple protestant) wurde im Jahr 1684 weitgehend zerstört. Der heutige Bau mit seiner einfachen Fassade stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mauvezin (Gers) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien