Roxförde

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Roxförde
Wappen von Roxförde
Koordinaten: 52° 26′ 7″ N, 11° 24′ 21″ O
Höhe: 67 m ü. NN
Fläche: 15,61 km²
Einwohner: 213 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 14 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 039056
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Über dieses Bild
Lage der Ortschaft Roxförde in Gardelegen
Kirche Roxförde

Roxförde ist eine Ortschaft sowie ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Kirchdorf Roxförde liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Calvörde in der Colbitz-Letzlinger Heide an der Wanneweh sowie rund zehn Kilometer südlich der Gardelegener Altstadt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roxförde war ursprünglich ein Rundplatzdorf.[3] Erstmals erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1400 als Rockesvorde.[4] Die früher angenommene Ersterwähnung usque in paludem, que dicitur Rokesford aus dem Jahre 786 hat sich inzwischen als Fälschung herausgestellt.[3][5]

Im Jahr 1986 fand die 1200-Jahr-Feier Roxfördes statt. Die ursprünglich im Jahre 2011 geplante 1225-Jahr-Feier wurde abgesagt, nachdem die Urkundenfälschung im Ortschaftsrat besprochen worden war.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Roxförde aus dem Kreis Gardelegen nach Wannefeld eingemeindet. Ab dem 1. Juli 1989 war Roxförde durch die Ausgliederung aus Wannefeld wieder selbständig.[7] Durch einen Gebietsänderungsvertrag hat der Gemeinderat der Gemeinde Roxförde am 12. Mai 2009 beschlossen, dass die Gemeinde Roxförde in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[8][9]

Nach Eingemeindung der bisher selbständigen Gemeinde Roxförde wurde Roxförde Ortsteil der Hansestadt Gardelegen. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Roxförde und künftige Ortsteil Roxförde wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Gardelegen. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Roxförde wurde ein Ortschaftsrat mit acht Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 93
1772 51
1790 125
Jahr Einwohner
1798 138
1801 124
1818 124
Jahr Einwohner
1840 264
1864 320
1871 318
Jahr Einwohner
1885 294
1895 296
1905 326
Jahr Einwohner
1925 346
1939 320
1946 485
Jahr Einwohner
1964 303
1971 275
1993 253
Jahr Einwohner
2006 222
2016 213

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein schwarzer springender Eber mit roter Bewehrung vor einer grünen bewurzelten Eiche mit schwarzen Eicheln.

Im Jahre 1986 wurde anlässlich der 1200-Jahr-Feier von der Gemeinde ein Wappenbild entworfen, das jedoch in Schildform, Wappengrafik und Tingierung überarbeitet werden musste. Da sich dieses Wappenbild bereits etabliert hatte, beschloss der Gemeinderat, dass die Symbole in heraldisch korrekter Art ins neue Wappen aufgenommen werden. Eiche und Eber wurden von der Gemeinde gewählt, weil sie bis heute charakteristisch für Fauna und Flora der Region sind. Das Wappen wurde 1996 vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist die Backsteinkirche des Dorfes mit der älteste Glocke Sachsen-Anhalts. Sie trägt die Jahreszahl 1505. Thomas Hartwig[10] schreibt dazu: Franz Peter Schilling, Glockengießermeister aus Apolda, charakterisierte die Glocke als bedeutend, da deutsche Inschriften auf vorreformatorischen Glocken nicht häufig sind. Die formvollendeten gotischen Minuskeln können nur aus den Modellen des niederländischen Glockengießers Gerhard van Wou stammen, so Schilling in seiner Dokumentation.[10] 1848 wurde die alte Kirche durch einen Brand zerstört. Ihr Turm wurde im Jahr 2008 saniert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der spätere Inspekteur der Marine, Ansgar Bethge, wurde in Roxförde geboren.

Öffentliches Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roxförde verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr, die seit Jahren mit drei Mannschaften (Männer, Frauen und Jugend) erfolgreich und regelmäßig an Feuerwehrwettkämpfen teilnimmt.

Ein alljährliches Spektakel stellt auch das am ersten Wochenende im neuen Jahr stattfindende Wurstsingen dar.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Ortsfriedhof am südöstlichen Ortsausgang wurde eine Gedenkanlage eingerichtet für die in einem Massengrab beigesetzten 23 KZ-Häftlinge, die im April 1945 bei einem Todesmarsch aus dem KZ Langenstein-Zwieberge, einem Außenlager des KZ Buchenwald, von einer Wehrmachtsstreife erschossen wurden.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Roxförde gehörten früher zur Pfarrei Roxförde.[11] Die Pfarrstelle war seit 1964 unbesetzt und wurde 1999 aufgehoben.[3] Heute gehört die Gemeinde zum Pfarrbereich Letzlingen[12] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher stammen aus dem Jahre 1603.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roxförde. auf gardelegen.de. Abgerufen am 1. November 2018.
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1833–1835.
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 22, 1862, S. 409 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038_00417~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Arend Mindermann: Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden. Von den Anfängen bis 1300. Hrsg.: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden. Band 1. Stade 2001, S. 1.
  6. Stefan Schmidt: Feier-Aus wegen Schummel-Bischof. Roxförde bläst 1225-Jahr-Festivität für das nächste Jahr ab, weil der Ort wohl erst 600 Jahre alt ist. In: Altmark Zeitung. 8. Juli 2010 (https://www.az-online.de/altmark/gardelegen/feier-aus-wegen-schummel-bischof-833921.html (Memento vom 1. November 2018 im Internet Archive)).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 360–362.
  8. Amtsblatt des Landkreises Nr. 10/2009 Seite 280-282
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  10. a b Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 401.
  11. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 63 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 1. November 2018]).
  12. Pfarrbereich Letzlingen. Abgerufen am 1. November 2018.
  13. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 7 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 1. November 2018]).