Jävenitz

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Jävenitz
Wappen von Jävenitz
Koordinaten: 52° 31′ 25″ N, 11° 29′ 57″ O
Höhe: 65 m
Fläche: 53,72 km²
Einwohner: 903 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 039086
Jävenitz (Sachsen-Anhalt)
Jävenitz

Lage von Jävenitz in Sachsen-Anhalt

Jävenitz ist ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jävenitz liegt etwa in der Mitte der Altmark am nördlichen Rand der Colbitz-Letzlinger Heide. Das Dorf befindet sich in der Niederung eines kleinen Baches auf einer Talsandinsel; die Moordämme und das Jävenitzer Hochmoor zeigen heute das durch die Eiszeit entstandene charakteristische Bild.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Jävenitz ist slawisch und bedeutet so viel wie Weidental. Es ist ein Runddorf, die Häuser zeigten eine fächerförmige Anlage, die Höfe eine Trapezform.

Im Jahre 1291 wurde Jävenitz erstmals in einer Schenkungsurkunde der Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg als wendisches Dorf genannt. Es hatte nicht mehr als 100 Einwohner. 1457 bestätigte Markgraf Friedrich der Jüngere Jävenitz als Klostereigentum des Zisterzienser-Nonnenklosters in Neuendorf. Daraufhin mussten die Bewohner des Dorfes sowohl an das Kloster als auch an den Vogt der Hansestadt Gardelegen Abgaben, Hand- und Spanndienste leisten. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurden diese Lasten auf Bemühung des damaligen Landvogts in Gardelegen abgelöst.

Vor allem im 16. und 17. Jahrhundert starben so viele Einwohner an der Pest, dass nur noch vier Haushalte übrig geblieben waren. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde auch Jävenitz von lüneburgischen, brandenburgischen, französischen und schwedischen Truppen ausgeplündert. Noch schlimmer waren die Leiden in der Zeit der Franzosen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Truppendurchmärsche, Rekrutierungen und Plünderungen ließen die Einwohnerzahl merklich schrumpfen. Im Jahr 1840 zählte Jävenitz wieder 308 Einwohner, es gab 59 Haushaltungen, zwei Krüge, einen Schmied, einen Stellmacher und 1853 den ersten Briefkasten.

Die damals regierenden Hohenzollern führten ihre Hofjagden in der Letzlinger Heide durch und sorgten damit für Verdienstmöglichkeiten der Einwohner. Der Bau der Berlin-Lehrter Eisenbahn 1870 hatte für Jävenitz zur Folge, dass es auf 585 Einwohner im Jahr 1885 anwuchs. Die meisten arbeiteten bei der Eisenbahn.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Tausende Morgen Wald der Heide abgeholzt. Zwei Sägewerke entstanden und 1910 zählte die Zahl der Einwohner 893 und das Dorf erhielt elektrisches Licht. Trotz der wirtschaftlichen Einschnitte durch den Ersten Weltkrieg bauten die Jävenitzer ihre Kirche auf dem Friedhof.

Jävenitz erhielt 1922–1924 eine Wasserleitung und 1927 eine Straßenbeleuchtung.

Seit Juli 1945 gehörte Jävenitz zur sowjetischen Besatzungszone [1], später zum Bezirk Magdeburg in der DDR. Umsiedler ließen die Einwohnerzahl auf 1327 ansteigen. 1953 wurde die erste LPG gegründet, weitere Betriebszusammenschlüsse folgten 1958 und 1964. Die Viehbestände wurden erhöht, die Erträge der Pflanzenproduktion gesteigert. Das kulturelle Leben der Dorfbewohner bestand aus eine Laienspielgruppe, einer Schalmeienkapelle, eines Dorfclubs sowie eines Sportlerheimes. 1971 wurde der Neubau der Schule eingeweiht. 1981 wurde der Ort medizinisches Betreuungszentrum für die umliegenden Dörfer mit einer Arzt- und Zahnarztpraxis und einer Gemeindeschwesternstation.

Einen neuen Umbruch brachte die Wende 1989 und die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Im Ort wurden neue Wohngebiete entwickelt, es gibt einen Sportverein, die Freiwillige Feuerwehr sowie einen Schützenverein.

Am 1. Januar 2011 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde mit dem Ortsteil Trüstedt und dem Wohnplatz Jäskau zusammen mit 17 weiteren Gemeinden in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet.

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Gemeindewappen wurde am 8. Dezember 1998 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Grün ein aus dem unteren Schildrand wachsender goldener Hirschrumpf mit zwölfendigem Geweih.“

Die Farben des Ortes sind Grün - Gelb.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Lutz Döring aus Erdeborn gestaltet.

Die Flagge war Grün - Gelb - Grün (1:4:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Gemeinde auf dem breiteren gelben Mittelstreifen.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Reihengrabanlage auf dem Ortsfriedhof sind 28 KZ-Häftlinge begraben, die bei der Irrfahrt eines Transportzuges aus dem KZ Dora-Mittelbau, der bei Letzlingen endete, von den SS-Mannschaften im April 1945 ermordet wurden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jävenitz liegt an der Berlin-Lehrter Eisenbahn. Am Bahnhof Jävenitz halten alle zwei Stunden Regionalbahnen der DB Regio AG; wochentags fahren die Züge zeitweise stündlich. Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 188 WolfsburgStendal.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudi Fischer: 800 Jahre Calvörde – Eine Chronik bis 1991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jävenitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien