Schloss Thorberg

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Schloss Thorberg, alte Radierung
Justizvollzugsanstalt Thorberg heute

Das Schloss Thorberg ist eine ehemalige Kartause und heutige Justizvollzugsanstalt in der Gemeinde Krauchthal, Kanton Bern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der urkundlich erstmals 1175 erwähnten Burg der Herren von Thorberg ist nur noch ein Rest des Turmfundamentes erhalten. Das Geschlecht starb mit dem letzten Ritter Peter von Thorberg aus. Er vermachte seine vielen Güter 1397 dem Kartäuserorden.

Bis zur Einführung der Reformation im Jahre 1528 lebten Mönche und Laienbrüder auf dem Thorberg, danach ging der ganze Klosterbesitz an Bern über.
Bei der Aufhebung der Kartause 1528 in der Reformation in Bern begaben sich die meisten der 17 Patres in den Thurgau in die Kartause Ittingen, so auch Pater Melchior Mörlin, dessen Liste von 33 Büchern überliefert ist, die er 1528 nach Ittingen mitgenommen hat; von diesen sind heute noch 6 Bücher in der Kantonsbibliothek Thurgau nachzuweisen.[1] Vier weitere Handschriftenbände aus der Kartause Thorberg sind überliefert in der Burgerbibliothek Bern, je eine weitere Handschrift befindet sich in den Stadtbibliotheken von Grenoble und Vesoul.[2]
Die Einkünfte der Vogtei Thorberg wurde von einem Landvogt aus dem bernischen Patriziat verwaltet. Bis 1798 waren hier auch verschiedene Fürsorgeinstitutionen, ein Gefängnis und ein Spital untergebracht.

1805 wurde das damalige Pfründerhaus, das zuvor der Armenfürsorge gedient hatte, erstmals als Zwangserziehungsanstalt, Musterschule und "Hilfsirrenanstalt" verwendet. Dazu kam 1807 eine sog. Enthaltungsanstalt für solche, die "nicht eigentlich Zuchthausstrafe verdient" hätten. An die Stelle der Fürsorgeinstitutionen trat am 1. November 1849 eine Zwangsarbeitsanstalt. Nach der Eröffnung der psychiatrischen Klinik Waldau bei Bern konnte 1855 die "Hilfsirrenanstalt", als deren Insasse 1838 der Bildhauer Joseph Maria Christen gestorben war, aufgehoben werden. 1893 wurde ein neu errichteter Zellenbau als Zuchthaus eingeweiht; im Laufe des 20. Jahrhunderts folgten weitere Umbauten, zuletzt 1998.

Vom Kartäuserkloster sind noch das Frauengasthaus und die zwischen 1510 und 1515 entstandene Kapelle erhalten, deren Fresken die Anbetung des kleinen Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige und die Hirten darstellen. Ein von Erhart Küng, Werkmeister am Berner Münster, geschaffener Schmerzensmann aus dem ehemaligen Klosterbesitz wird heute im Historischen Museum Bern aufbewahrt. Der Bau des barocken Schlosses geht auf die Zeit der Landvögte zurück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Armand Baeriswyl: Burg, Kartause, Zuchthaus. Die archäologischen Rettungsgrabungen auf dem Thorberg. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins. Jg. 1, Nr. 4, 1996, ISSN 1420-6994, S. 70–76, doi:10.5169/seals-164552.
  • Bernhard Schmid: Die Kartause Torberg. Einleitung und Erläuterung zu einem unbekannten Grundrissplan vom Jahre 1672. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. Bd. 6 (1944), S. 81–111, doi:10.5169/seals-240384.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Thorberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urs Leu: Europäischer Inkunabeldruck und Thurgauer Lesekultur; in: Marianne Luginbühl, Heinz Bothien: Meisterwerke des frühen Buchdrucks: die Inkunabel-Schätze der Kantonsbibliothek Thurgau aus den Klöstern von Ittingen, Fischingen und Kreuzlingen; Verlag Huber, Frauenfeld 2011, LXII, 673 Seiten, ill., mit 1 CD-ROM; ISBN 978-3-7193-1346-3, besonders Seiten XIII-XLVII, darin: Bücher aus der Berner Kartause Thorberg, mit Liste des Melchior Mörlin OCart S. XXXVII-XL und S. 645.
  2. Martin Germann: Die Abteilung Bongarsiana-Codices, in: Die Burgerbibliothek; Bern 2002, ISBN 3-7272-1220-9, S. 92–120, bes. S. 111–112.

Koordinaten: 47° 0′ 9″ N, 7° 33′ 52″ O; CH1903: 609568 / 205724