Seebataillon

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Seebataillon
— SeeBtl —
Wappen
Internes Verbandsabzeichen (Wappen)
Aufstellung 1. April 2014[1]
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr Kreuz.svg Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Marine with lettering.svg Marine
Stärke 800
Unterstellung Wappen EF1.jpg Einsatzflottille 1
Stationierungsort Preusser-Kaserne Eckernförde, Marinestützpunkt Eckernförde, Schleswig-Holstein
Spitzname „Multitool der Marine“[1]
Motto „Vom Land zum Meer – Vom Meer zum Land“[1]
Führung
Kommandeur Fregattenkapitän Axel Meißel

Das Seebataillon (SeeBtl) ist ein Verband der Deutschen Marine in Schleswig-Holstein. Er ist im Marinestützpunkt Eckernförde stationiert und untersteht der Einsatzflottille 1 in Kiel. Da die Infrastrukturmaßnahmen in Eckernförde noch nicht abgeschlossen sind, ist der Verband zum Teil derzeit auch in der Eckernförder Preusser-Kaserne und beim Lufttransportgeschwader 63 in Alt Duvenstedt untergebracht.

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr erfolgte auch die Neuaufstellung eines 800 Mann starken Seebataillons. Es besteht aus den bisherigen Marineschutzkräften, der Boardingkompanie der Deutschen Marine und den Minentauchern. Zusätzlich soll ein 42 Mann starker Küsteneinsatzzug in der Küsteneinsatzkompanie (KEK) als Verstärkungsreserve aufgestellt werden. In der KEK werden hauptsächlich Marinesicherungssoldaten dienen, die Hafenanlagen und Schiffe schützen oder militärische Evakuierungen durchführen können.

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Niederländischen Marine ist geplant, das Seebataillon bis 2018 in diese einzugliedern.[2] Im Zuge dieser maritimen Kooperation erhält die Deutsche Marine ein Mitnutzungsrecht an dem Mehrzweckversorgungsschiff Karel Doorman.[3]

Im Jahr 2016 wurde bekanntgegeben, dass im Rahmen des geplanten Personalaufwuchses der Bundeswehr eine zweite Boardingkompanie im Seebataillon aufgestellt werden soll. Dies solle die durch Einsätze stark belasteten Boardingsoldaten entlasten.[4]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schutz von Seewegen, Schiffen, Häfen und operativ bedeutsamer Positionen
  2. Hilfs-, Rettungs- und Evakuierungseinsätze
  3. Bekämpfung von Kampfmitteln unter Wasser und an Land
  4. Schutz gegen terroristische Angriffe
  5. Kampf gegen Piraterie

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab
Sanitätseinsatzgruppe (SanEintzGrp)
Personalwerbetrupp
Gruppe Weiterentwicklung Spezialkräfte der Marine (GrpWE SpezlKrM)
Kompanien
Ausbildungszentrum (AusbZent)
Unterstützungskompanie (UstgKp)
Einsatzkompanien
Küsteneinsatzkompanie (KEK)
Aufklärungskompanie (AufklKp)
Bordeinsatzkompanie (BEK)
(geplant: 2. Bordeinsatzkompanie)
Minentaucherkompanie (MiTaKp)

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
2. Fregattenkapitän Axel Meißel 29. September 2016 -
1. Fregattenkapitän Arne Björn Krüger 1. April 2014[5] 29. September 2016[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichische Marine und Seesoldaten um 1820
Seesoldat des II. Seebataillons in Felddienstuniform um 1910
Hauptmann der Marine-Feldbatterie im Dienstanzug, Braundrell (Tropendienstanzug) um 1910

Das Seebataillon besteht aus infanteristischen Kräften der Marine in Bataillonsstärke. Den Verbandstyp eines Seebataillon gab es schon bei der Aufstellung der Bundesmarine und wieder seit 2014 bei der Deutschen Marine.

Den Verbandstyp eines Seebataillons gab es auch in der Königlich Preußischen Marine, der Marine des Norddeutschen Bundes, der Kaiserlichen Marine und der Kriegsmarine der Wehrmacht. Dem Seebataillon der Königlich Preußischen Marine ging das brandenburgische Marinier-Corps voraus, das am 1. Oktober 1684 etwa gleichzeitig mit der kurbrandenburgischen Marine gegründet wurde und bis 1744 existierte.

Deutscher Bund, Königlich Preußische Marine, Norddeutscher Bund und Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügte die Österreichische Marine über Seesoldaten. Ob diese nach der Reorganisierung 1848/49 beibehalten wurden, ist offenbar unklar.

Das erste Seebataillon Preußens ging am 13. Mai 1852 aus dem zwei Jahre zuvor in Stettin aufgestellten Königlich Preußischen Marinierkorps hervor. Es erfüllte u. a. die Aufgabe der Marineinfanterie an Bord der Kriegsschiffe. 1870 hatte das Seebataillon eine Stärke von fünf Kompanien mit 22 Offizieren und 680 Unteroffizieren und Mannschaften, Standort des Bataillonsstabs war Kiel. Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der Umwandlung in die Kaiserliche Marine wurde das Seebataillon um eine sechste Kompanie verstärkt. Am 1. Oktober 1886 wurde das Seebataillon geteilt, Stab und I. Halbbataillon blieben in Kiel, während das II. Halbbataillon nach Wilhelmshaven verlegt wurde. Am 12. März 1889 wurden die beiden Halbbataillone in eigenständige Seebataillone zu vier Kompanien umgewandelt. Am 3. Dezember 1897 wurde ein drittes Seebataillon aus der 1. und 2. Kompanie des I. Seebataillons und der 3. und 4. Kompanie des II. Seebataillons gebildet und zum Schutz des Deutschen Pachtgebiets Kiautschou nach Tsingtau verlegt. Die 1889 errichtete Inspektion der Marineinfanterie Kiel unterstand dem Stationschef der Marinestation Ostsee. Das III. Stammseebataillon – der Verband, der den Personalersatz für die Verwendung in China ausbildete – wurde auf Grund allerhöchster Kabinettsorder vom 31. Mai 1905 aufgestellt.

Ab 1854 war die Marine-Stabswache bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1881 dem Seebataillon angegliedert bzw. unterstellt. Die Angehörigen der Marine-Stabswache hatten den Kommandanten bei der Aufrechterhaltung der Disziplin und Ordnung an Bord zu unterstützen.

Die Offiziere der Marineinfanterie ergänzten sich seit 1866 nur noch aus der Armee, wohin sie nach ihrer Dienstzeit (in der Regel zwei Jahre) wieder zurückkehrten. Die Unteroffiziere kamen zum Teil aus Armee-, zum Teil aber auch aus verschiedenen Marinelaufbahnen. Die Mannschaften kamen aus der nichtseemännischen Bevölkerung.

Standorte und Garnisonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahne des III. Seebataillons, stationiert in Tsingtau (ca. 1914)

1914 bestanden folgende Seebataillone:

Hinzu kam das Ostasiatische Marine-Detachement (OMD) in Peking und Tientsin und eine Kompanie aus Soldaten des I. und II. Seebataillons als Marine-Detachement im international besetzten Skutari in Albanien.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angehöriger des Seebataillons in Tsingtau, 1912
Offiziere und Mannschaften vom Seebataillon und der Marinedivision vor Antwerpen 1914/15

Seit 1895 wurden Seesoldaten nicht mehr an Bord von Kriegsschiffen eingesetzt, sondern die Seebataillone als Interventionstruppe in den Kolonien. So wurde eine Kompanie 1894 aufgrund des Dahomey-Aufstands nach Kamerun entsandt, 1904 ging während des Aufstands der Herero und Nama ein Verband in Bataillonsstärke zur Unterstützung der Schutztruppe nach Deutsch-Südwestafrika. 1905/1906 unterstützte ein Detachement Marineinfanterie die kaiserliche Schutztruppe während des Maji-Maji-Aufstands in Deutsch-Ostafrika. Während der Intervention in China 1900/01 wurden das I. und II. Seebataillon unter Verstärkung durch eine Pionier­kompanie und eine Feldbatterie als Marine-Expeditionskorps nach Ostasien entsandt. Mit Ende der Belagerung von Tsingtau am 7. November 1914 kapitulierten die deutschen Truppen in Kiautschou. Dadurch kamen etwa 4700 Deutsche in japanische Kriegsgefangenschaft. 76 Schwerverwundete wurden den Briten überstellt.

Im August 1914 bildeten Teile der Seebataillone und Reservisten die Marine-Infanterie-Brigade unter Generalmajor Carl von Wichmann, die am 23. August zur Marine-Division erweitert wurde und nur bis zum 28. November 1914 bestand. Bereits am 24. November war die 2. Marine-Division gebildet worden. Die ehemalige Marine-Division wurde dann als 1. Marine-Division neu aufgestellt. Beide Divisionen bildeten das Marinekorps Flandern unter Admiral Ludwig von Schröder (genannt der „Löwe von Flandern“). Am 3. Juni 1917 wurde die 3. Marine-Division aufgestellt, die dann ebenfalls dem Marinekorps Flandern unterstellt war. Die Stärke des Korps betrug 60.000 bis 70.000 Mann, von denen etwa 10.000 während des Ersten Weltkriegs gefallen sind.

Die Marinedivisionen kamen bei der Belagerung von Antwerpen (1914), in der Zweiten Flandernschlacht, in der Somme-Schlacht, in der Dritten Flandernschlacht und bei der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 zum Einsatz. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1918) bildeten Freiwillige das Freikorps Lützow und das Freikorps Schwarze Jäger, die teilweise in die Reichswehr übernommen wurden.

Kriegsmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in der Kriegsmarine unterstanden dieser nach der Gliederung der Kriegsmarine Kräfte zur infanteristischen Sicherung von Hafenanlagen und für unmittelbar im Zusammenhang mit dem Einsatz von eigenen Kampfschiffen stehenden Landoperationen. So wurde der infanteristische Angriff auf die Westerplatte durch eine Marinestoßtruppkompanie durchgeführt. Nur im kleinen Rahmen erfolgten weitere Einsätze während der Operation Barbarossa. Als Kampfmittel gegen die stärker werdenden alliierten Marinen wurden ab 1944 unter dem Admiral der Kleinkampfverbände die Kleinkampfverbände der Kriegsmarine nach dem Vorbild der italienischen Kampfschwimmer aufgestellt und vor allem im Westen eingesetzt.

Bundesmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesmarine stellte am 1. April 1958 das Marinepionierbataillon auf, das zunächst dem Kommando der Zerstörer unterstellt war. Dieses Bataillon wurde am 10. Oktober 1958 der neu aufgestellten Amphibischen Gruppe unterstellt und 1959 in Seebataillon umbenannt. Es gliederte sich in eine Stabskompanie, eine Strandmeisterkompanie, eine Strandpionierkompanie und eine Bootskompanie.

Am 1. Januar 1965 wurde das Bataillon in Borkum aufgelöst. Die meisten Aufgaben übernahm bis zu ihrer Auflösung 1993 die eigenständige Strandmeisterkompanie.

Vom 30. Dezember 1988 bis 30. September 1990 wurde das Seebataillon im Rahmen eines Truppenversuches für kurze Zeit wieder aufgestellt. Es bestand in dieser Zeit aus der Strandmeisterkompanie und der Kampfschwimmerkompanie. Die Amphibische Gruppe wurde 1993 aufgelöst.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Admiralstab: Das Marine-Expeditionskorps in Südwest-Afrika während des Herero-Aufstandes, Berlin (Mittler) 1905 (Beiheft der Marine-Rundschau).
  • Bernd Martin: Soldatische Radikalisierung und Massaker. Das deutsche Erste und Zweite Seebataillon im Einsatz im „Boxerkrieg“ in China 1900. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift. Bd. 69, 2010, S. 221–241.
  • Walter Nuhn: Kolonialpolitik und Marine. Die Rolle der Kaiserlichen Marine bei der Gründung und Sicherung des deutschen Kolonialreiches. 1884–1914. Bernard & Graefe, Bonn 2002, ISBN 3-7637-6241-8.
  • M. Bunge: In Kriegs- und Friedenszeiten beim III. Seebataillon 1898–1901. Erinnerungen eines ehemaligen Seesoldaten. Haupt in Kommission, Tsingtau 1914.
  • Alexander Heye: Die Marine-Infanterie vom 23. Dezember 1849 bis 1. Oktober 1890. Ein Beitrag zur Geschichte der kaiserlichen Marine. Mittler, Berlin 1891.
  • Rolf Klodt: Zur See und an Land. Zur Geschichte, Einsätzen und Uniformen der deutschen Seesoldaten, Marineinfanteristen, der Marinesicherungstruppe und der Marineschutzkräfte. Report Verlag, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5.
  • Rolf Noeske/Claus P. Stefanski: Die deutschen Marinen 1818-1918. Organisation, Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung, Wien (Verlag Militaria) 2011. ISBN 978-3-902526-45-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seebataillon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Presse- und Informationszentrum Marine: Das „Multitool“ der Marine – Seebataillon in Eckernförde aufgestellt. In: marine.de. 1. April 2014, abgerufen am 5. April 2014.
  2. SZ-Online.de: Deutschland und Marinestreitkräfte zusammen. In: sz-online.de. 4. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016.
  3. BMVg: Deutsch-Niederländische Militärintegration: Kräfte bündeln, Handlungsfähigkeit stärken. In: bmvg.de. 8. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016.
  4. Ministerin informiert zur Trendwende Personal. In: www.dbwv.de. Abgerufen am 5. Juni 2016.
  5. Interview von reservistenverband.de mit Fregattenkapitän Krüger, dem Kommandeur des neuen Seebataillons
  6. Presse- und Informationszentrum Marine: Kommandowechsel beim Seebataillon. Bundeswehr, 26. September 2016, abgerufen am 10. Oktober 2016.