Stadler EC250

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EC250
Stadler EC250 Innotrans 2016 09.jpg
Hersteller: Stadler Rail
Baujahr(e): 2017 (Inbetriebnahme)
Achsformel: 2'Bo'Bo'2'2'2'2'Bo'Bo'2'2'2'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 202 m
Höhe: 4,255 m
Breite: 2,900 m
Drehgestellachsstand: 2750 mm (Triebdrehgestelle)
2700 mm (Laufdrehgestelle)
Leermasse: 380 t
Dienstmasse: 433 t 2 Stehplätze/m²
454 t 4 Stehplätze/m²
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Kurzzeitleistung: 6000 kW ~, 5400 kW[1]/4800 kW =
Dauerleistung: 4720 kW ~, 3920 kW =
Anfahrzugkraft: 300 kN
Raddurchmesser: 920 mm neu
840 mm abgefahren
Stromsystem: 15 kV / 16,7 Hz ~,
25 kV / 50 Hz ~,
3000 V =
Stromübertragung: 1450 mm und 1950 mm breite Stromabnehmer
Anzahl der Fahrmotoren: 8
Sitzplätze: 117 1. Klasse
286 2. Klasse
4 Rollstuhlplätze
Stehplätze: 426
Fußbodenhöhe: 567/765 mm Trittstufe
682/880 mm Einstiegsbereich
950 mm Rollstuhlbereich
1080–1200 mm Hochflurbereich
Niederfluranteil: 27 %[A 1] (550 mm CH, I, D)

100 % (760 mm D)

Der Stadler EC250 oder Giruno[2] ist ein geplanter 200 Meter langer 11-teiliger Gliederzug von Stadler Rail. Die Wagen sind mit Jakobsdrehgestellen verbunden.[3] Stadler Rail hat bei der Entwicklung des Zuges auf Komponenten der bisherigen Fahrzeugfamilien zurückgegriffen.[3] Am Projekt waren 30 Ingenieure beteiligt. Die Ausarbeitung des Projekts bis zur Angebotsreife hat 12,5 Millionen Franken gekostet. Ab 2019 sollen die Züge durch den neuen NEAT-Gotthard-Basistunnel zum Einsatz kommen.[4]

Ausschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) hatten im Jahr 2012 unter dem Projektnamen «BeNe» (Beschaffung Neue internationale Züge) insgesamt 29 Züge für den Nord-Süd-Verkehr ausgeschrieben. Die Züge sollten einstöckig und nicht mit Neigetechnik ausgestattet sein, im Unterschied zu den Fahrzeugen des Ost-West-Verkehres, für den die SBB 2010 den Twindexx Swiss Express bei Bombardier Transportation bestellt hatten. Neben den etablierten Herstellern von Fernverkehrszügen Alstom Transport, Siemens Rail Systems und Patentes Talgo beteiligte sich an der Ausschreibung auch der Schweizer Hersteller Stadler.[5] Stadler baute erfolgreich Regionalzüge, konnte als Fernverkehrsprodukte jedoch nur modifizierte Regionalzüge vorweisen, die nach Österreich und Norwegen geliefert worden waren.[6] Nachdem keiner der Anbieter die erforderlichen Anforderungen erfüllen konnte, wurde eine zweite Ausschreibungsrunde gestartet, bei der sich Siemens nicht mehr beteiligte. Am 9. Mai 2014 wurde bekanntgegeben, dass die SBB für 980 Millionen Franken den EC250 ausgewählt haben.[7] Ausserdem bestehe eine Option für den Kauf von 92 weiteren Kompositionen.[7] Stadler Rail konnte sich gegen die Konkurrenzangebote von Alstom und Talgo durchsetzen.[6]

Allerdings erhoben beide Wettbewerber Einspruch gegen die Vergabe, weshalb die SBB den Vertrag mit Stadler zunächst nicht unterschreiben durften.[8] Zwar zog Alstom seinen Einspruch im September 2014 zurück,[9] doch die Auftragserteilung blieb weiter blockiert, bis das Bundesverwaltungsgericht im Oktober 2014 in einem Zwischenbescheid die Klage seitens Talgo als «weitgehend offensichtlich unbegründet»[10] einstufte und daher die Auftragsvergabe ermöglichte. Am 30. Oktober wurden die Verträge zwischen der SBB und Stadler Rail unterzeichnet.[11] Talgo hatte moniert, dass das Angebot von Stadler Rail, das teurer als das eigene sei, von den SBB als das wirtschaftlich günstigste angesehen worden war. Dem hält das Gericht entgegen, dass nicht allein die Anschaffungskosten, sondern auch die künftigen Kosten in die Rechnung einbezogen werden können.[10]

Seit 2015 wird das Projekt bei den SBB unter dem Namen «Giruno» (abgeleitet aus rätoromanisch girùn für «Bussard») geführt.[12]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neuen Züge sollen ab Ende 2019 in der Schweiz und in Italien, zuerst zwischen Zürich bzw. Basel und Mailand, eingesetzt werden. Am Gotthard werden die Züge langfristig die Neigezüge der Typen ICN und ETR 610 ersetzen, die dann auf kurvigen Strecken wie der Jurasüdfusslinie eingesetzt werden.[13] Der EC250 soll auch in Deutschland und Österreich zugelassen werden.[7]

Inbetriebsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Innotrans 2016 präsentierte Stadler am 21. September 2016 im Beisein des CEO der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Andreas Meyer, sowie Peter Spuhler, Group CEO und Eigentümer von Stadler, den neuen Eurocity-Zug Giruno in Form eines fünfteiligen Kurzzuges. Der erste komplett fertiggestellte 11-teilige Zug soll am 18. Mai 2017 den SBB übergeben werden. Ab Dezember 2019 wird der Zug durch den Gotthard-Basistunnel fahren und Basel/Zürich mit Mailand verbinden.[14]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraumansicht: 2. Klasse
Fahrradstellplatz im EC 250

Die Flotte sollte laut ursprünglicher Bestellung aus zwei Varianten bestehen: 19 Züge mit Speisewagen (Typ 1) und 10 Züge ohne Speisewagen, dafür mit einem zusätzlichen Zweitklasswagen (Typ 2). Anfang 2015 haben die SBB beschlossen, alle 29 Züge mit Speisewagen zu bestellen, so dass es keine Unterschiede mehr innerhalb der Flotte geben wird.[12]

Der EC250 wird auf jeder Seite über zwei Einstiege auf 550 mm verfügen (Bahnsteighöhe in der Schweiz, in Italien und teilweise in Deutschland), jeweils an den Wagen vor und nach dem Speisewagen. Zusätzlich wird sich in Wagenmitte aller Wagen auf jeder Seite ein Einstieg auf 760 mm befinden.[15][16]

Bedingt durch die niedrige Einstiegshöhe verfügen die Wagen über kein einheitliches Bodenniveau: An beiden Wagenende, über den Drehgestellen, sind die Sitzplätze auf Podesten angeordnet. Der Mittelgang steigt zum Wagenübergang hin mit Rampen an. Im Gegensatz zu den bisherigen EuroCity-Reisezugwagen der SBB verfügt der Giruno in beiden Wagenklassen auch über Sitze in Reihenbestuhlung. Diese Sitze verfügen über Klapptische am Vordersitz.[17] Die Mehrzahl der Sitze ist jedoch weiterhin vis-a-vis angeordnet. In der 2. Klasse verfügen bei den Vis-a-vis-Sitzgruppen nur die Fensterplätze über Tische, in der 1. Klasse gibt es je Sitzgruppe einen großen gemeinsamen Tisch.

Der EC 250 verfügt über Multifunktions- und Fahrradabteile. Rollstuhlfahrerplätze und die behindertengerechten WCs sind in beiden Wagenklassen zu finden. Die übrigen Toilettenbereiche gliedern sich in je drei Kabinen: ein Unisex-WC, ein für Damen vorbehaltenes WC sowie eine Pissoir-Kabine.[18]

Ein erster verkürzter Zug wurde auf der InnoTrans in Berlin ab dem 20. September 2016 gezeigt.[19][20]

Zugtaufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten 26 Fahrzeuge werden wie die Ae 610 nach den Schweizer Kantonen benannt und die drei letzten erhalten die Namen Gotthard, Simplon und Ceneri.[21]

RABe 501 001 Tessin-coat of arms.svg Kanton Tessin RABe 501 011 Zug-coat of arms.svg Kanton Zug RABe 501 021 Grisons-coat of arms.svg Kanton Graubünden
RABe 501 002 Uri-coat of arms.svg Kanton Uri RABe 501 012 Zurich-coat of arms.svg Kanton Zürich RABe 501 022 Vaud-coat of arms.svg Kanton Waadt
RABe 501 003 Schwytz-coat of arms.svg Kanton Schwyz RABe 501 013 Schaffhouse-coat of arms.svg Kanton Schaffhausen RABe 501 023 Valais-coat of arms.svg Kanton Wallis
RABe 501 004 Lucerne-coat of arms.svg Kanton Luzern RABe 501 014 Berne-coat of arms.svg Kanton Bern RABe 501 024 Neuchatel-coat of arms.svg Kanton Neuenburg
RABe 501 005 Nidwald-coat of arms.svg Kanton Nidwalden RABe 501 015 Thurgovie-coat of arms.svg Kanton Thurgau RABe 501 025 Coat of Arms of Geneva.svg Kanton Genf
RABe 501 006 Obwald-coat of arms.svg Kanton Obwalden RABe 501 016 Glaris-coat of arms.svg Kanton Glarus RABe 501 026 Jura-coat of arms.svg Kanton Jura
RABe 501 007 Argovie-coat of arms.svg Kanton Aargau RABe 501 017 Fribourg-coat of arms.svg Kanton Freiburg RABe 501 027 Gotthard
RABe 501 008 Solothurn-coat of arms.svg Kanton Solothurn RABe 501 018 St.Gallen-coat of arms.svg Kanton St. Gallen RABe 501 028 Simplon
RABe 501 009 BaleCampagne-coat of arms.svg Kanton Basel-Landschaft RABe 501 019 AppenzellRI-coat of arms.svg Kanton Appenzell Innerrhoden RABe 501 029 Ceneri
RABe 501 010 Bale-coat of arms.svg Kanton Basel-Stadt RABe 501 020 AppenzellRE-coat of arms.svg Kanton Appenzell Ausserrhoden

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadler Rail bezeichnet den EC250 als „weltweit ersten einstöckigen Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug“,[3] obwohl bereits niederflurige Hochgeschwindigkeitszüge existieren (z. B. Talgo 250 und 350 mit einer durchgängigen Fussbodenhöhen von 760 mm). Im Gegensatz zu diesen sind beim EC250 Rampen oder Treppen zu überwinden, um auf die Fussbodenhöhe von 940 mm beziehungsweise 1200 mm (über den Drehgestellen) zu kommen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N.N.: SBB-Entscheid über Züge für Nord-Süd-Verkehr. In: Elektrische Bahnen. Nr. 10/2014. DIV Deutscher Industrieverlag Oktober 2014, ISSN 0013-5437, S. 571.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Starlinger, A./Bühl, R./Legler, T. (2016): Das Zulassungskonzept für den EC 250 / Giruno Hochgeschwindigkeitszug. Seite 13. PDF-Dokument. abgerufen am 14. Mai 2016.
  2. http://bazonline.ch/schweiz/standard/Der-neue-Hochgeschwindigkeitszug-der-SBB-nimmt-Formen-an/story/28358233 (abgerufen am 7. Juli 2015)
  3. a b c Stadler Rail: Stadler Rail gewinnt Ausschreibung für NEAT-Züge, abgerufen am 1. Oktober 2016
  4. Matthias Pfander: Spuhler und das doppelte Nein. Tagesanzeiger, 3. Juni 2014, abgerufen am 5. Juni 2014
  5. Thomas Schlittler: Peinlich: Die SBB finden keinen Zug für den Gotthard-Basistunnel. Aargauer Zeitung, 17. Januar 2014, abgerufen am 23. Februar 2015.
  6. a b Daniel Wachter:SBB-Auftrag für 29 neue Nord-Süd-Züge geht an Stadler. Caboruivo, 9. Mai 2014. Abgerufen am 30. Juni 2014
  7. a b c Neue Zürcher Zeitung: 29 Züge für die SBB: Grossauftrag für Stadler Rail. 9. Mai 2014, abgerufen am 5. Juni 2014
  8. «Beschwerde eingereicht». Watson.ch, 2. Juni 2014
  9. Stadler-Konkurrent Alstom zieht seine Beschwerde zurück. tagesanzeiger.ch, 17. September 2014
  10. a b Katharina Fontana: Sieg für Stadler Rail und SBB. NZZ Online, 30. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014.
  11. SBB und Stadler Rail haben Verträge unterzeichnet. NZZ Online, 31. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  12. a b Alle BeNe-Züge erhalten einen Speisewagen, Schweizer Eisenbahn-Revue 4/2015, Seite 187
  13. Rollmaterial-Beschaffung Nord-Süd-Verkehr: SBB vergibt Auftrag für 29 neue Züge an Stadler Rail. SBB Medienmitteilung, 9. Mai 2014, abgerufen am 5. Juni 2014.
  14. Stadler enthüllt zusammen mit den SBB den EC250 „Giruno“ auf bahnonline.ch vom 23. September 2016
  15. Hans Galli: Was die neuen SBB-Züge mitbringen. Tagesanzeiger, 10. Mai 2014. Abgerufen am 5. Juni 2014
  16. «Giruno» - Das ist der neue Gotthard-Zug in Blick online
  17. siehe https://www.zwomp.de/2014/05/20/nose-ec250-sbb/ Nose gestaltet Neat-Züge, zwomp.de, 20. Mai 2014
  18. Elektrischer Hochgeschwindigkeitstriebzug EC250, Schweizerische Bundesbahnen (SBB), Schweiz, Informationsblatt auf der Internetseite der Stadler Rail AG
  19. EC 250, Fahrzeug von Stadler, Freigelände/T8/40, InnoTrans Virtual Market Place
  20. Stadler an der InnoTrans 2016
  21. Giruno: Erster Stadler EC250 soll Ende 2016 an die SBB übergeben werden in caboruivo.ch

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 3 von 11 Wagen