Steffisburg

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Steffisburg
Wappen von Steffisburg
Staat: Schweiz
Kanton: Bern BE
Verwaltungskreis: Thunw
BFS-Nr.: 0939i1f3f4
Postleitzahl: 3612, 3613
UN/LOCODE: CH SBG
Koordinaten: 614868 / 181370Koordinaten: 46° 47′ 0″ N, 7° 38′ 0″ O; CH1903: 614868 / 181370
Höhe: 585 m ü. M.
Fläche: 13.35 km²
Einwohner: i15'703 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 1176 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
9,5 % (2009)[2]
Arbeitslosenquote: 2,4 % (2010)[3]
Gemeindepräsident: Jürg Marti (SVP)
Website: www.steffisburg.ch
Luftaufnahme von Steffisburg

Luftaufnahme von Steffisburg

Karte
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Steffisburg ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Thun des Kantons Bern in der Schweiz. Der Name Steffisburg bildet sich aus dem Heiligennamen Stephan und dem althochdeutschen Gattungswort Burg. Obwohl der Ort in den letzten Jahrzehnten auf städtische Grösse mit 15'400 Einwohnern angewachsen ist, bezeichnet sich Steffisburg immer noch als ein „Dorf“.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steffisburg liegt in einer voralpinen Hügellandschaft an der Zulg, am Rand des Berner Oberlandes. Steffisburg ist ein Vorort nördlich von Thun. Die Nachbargemeinden Steffisburgs sind Thun, Schwendibach, Homberg, Fahrni, Unterlangenegg, Uetendorf und Heimberg. Das Zentrum liegt auf einer Höhe von 585 m.ü.M., der höchste Punkt auf 890 m.ü.M.

Etwas getrennt vom Dorf, unmittelbar vor den ehemaligen Stadttoren Thuns, befinden sich die Quartiere Schwäbis und Sonnenfeld. Hier haben sich neben grossen Wohnüberbauungen, Schulen und Kirche unter anderem eine Molkerei, Sägerei und ein Teil des Waffenplatzes Thun angesiedelt.

Wappen und Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort der auf dem Wappen abgebildeten Burg ist heute unklar. Sie könnte einerseits am jetzigen Standort der Kirche, der kleinen Nagelfluhrippe über dem Oberdorf, gestanden haben. Der Bezeichnung „Burg“ wäre diesen Vermutungen zufolge der Name des Schutzheiligen der errichteten Kirche, Stephanus, vorangestellt worden. Archäologische Funde im Jahr 2007 lassen jedoch das „Grosse Höchhus“ als anderen möglichen Standort der Burg plausibel erscheinen.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urgeschichte liegt im Dunkeln, weil nur sehr wenig Bodenfunde auf eine frühe Besiedlung hinweisen.

Gallisch-römische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helvetischen Ursprungs ist wohl der Flussname Zulg (früher Zull, Zulle, Zulla), zum gallischen tullo ‚(An-)Höhe‘ (vgl. air. tulach ‚Hügel‘, walis. twlch ‚Höcker, Beule‘). Golaten, der Name einer kleinen Schlucht des Bösbaches, gibt deutlich das galloromanische golatta ‚kleines Tobel‘ wieder. Auf Reste eines römischen Gutshofes stiess man beim Bau der Verbandsmolkerei im Schwäbis.

Völkerwanderungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unzweifelhafte Zeugen einer Besiedlung im Frühmittelalter sind mehrere Bodenfunde und die alemannischen Flurnamen Ortbühl, Tüchtiwil, Hardegg, Hartlisberg, Siglisberg u.a.

Spätes Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Stevansburc erschien erstmals 1133 in einer Urkunde. Bis 1218 verwaltete Berchtold V. von Zähringen, der Gründer Berns, die Gegend. Seine Erben waren die Kyburger. Aus dem 12. Jahrhundert stammt der romanische Turm der Dorfkirche als heute ältestes Baudenkmal der Gemeinde.

Das „Freie Gericht an der Louwinen“ mit den heutigen Gemeinden Steffisburg, Heimberg, Brenzikofen, Herbligen, Fahrni, Unter- und Oberlangenegg, Eriz, Horrenbach-Buchen, Homberg, Teuffenthal, Schwendibach, Goldiwil, Heiligenschwendi und Sigriswil kam 1385 an Bern. 1405 hielt das „Frygricht Landrächt“ altüberlieferte Freiheiten und Rechte schriftlich fest und regelte die Verwaltung des Freigerichts. Der Landbrief wurde sowohl 1471 als auch 1535 erneuert, 1471 wurden außerdem die Freigerichte Steffisburg und Sigriswil getrennt.

Die zwei grossen Grundherren von Steffisburg, das Kloster Interlaken und Heinrich Matter, übertrugen der Dorfgemeinde 1449 die Rechte, über die Allmend und den Wald zu wachen (Heinrich Matter gehörten u.a. das Höchhus, einige Mühlen, viele grosse Höfe, Rebberge und mehrere Häuser im Dorf).

Die Steffisburger, vorab Statthalter Peter Surer, kauften 1539 die Matterschen Güter mit den Herrschaftsrechten. In Surers Amtszeit fiel der Bau des „Landhauses“ als Gerichtshaus der Landschaft Steffisburg, das bis Februar 2012 als Gasthof „Landhaus“ genutzt wurde.

Die gereizte Stimmung der Steffisburger gegen die überhebliche Obrigkeit zeigte sich 1653 im Bauernkrieg, in welchem Hauptmann und Statthalter Hans Berger eine bedeutende Rolle spielte. Der Hinrichtung konnte er sich durch Flucht ins Ausland entziehen.

Von 1586 bis 1864 wurde eine Pulvermühle betrieben, bis die Eidgenossenschaft den Betrieb schloss und die Munitionsfabrik in Thun eröffnet wurde.

1798 marschierten die Franzosen in Steffisburg ein. Statthalter Kaspar Schweizer wehrte sich entschieden gegen ihre übertriebenen Forderungen. Er war während der Helvetik für kurze Zeit erster Distriktsleiter der Landschaft.

Die Dorfversammlung beschloss 1825 die Trennung der Burger- und Einwohnergemeinde. Der Einwohnergemeinde wurden das Waisen-, Armen-, Strassen-, Schwellen- und Polizeiwesen übertragen. Nach dem Inkrafttreten der neuen Verfassung ist 1831 das „Frygricht Landrächt“ endgültig durch kantonale Gesetze abgelöst worden. Der sogenannte Ausscheidungsvertrag zwischen der Einwohnergemeinde und der Burgergemeinde kam 1861 zum Abschluss.

1947 traten aufgrund einer neuen Gemeindeorganisation die Urnenabstimmung und der Grosse Gemeinderat (mit dem nun hauptamtlichen Gemeindepräsidenten an der Spitze) an die Stelle der Gemeindeversammlung.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Von 34 Sitzen entfallen auf:

Der Gemeinderat bildet die Exekutive der Gemeinde Steffisburg. In der Legislatur 2015–2018 setzt sie sich folgendermassen zusammen: 2 SVP, 2 SP, 1 FDP 1 EVP und 1 Grünliberale.[5] Gemeindepräsident ist der dem Gemeinderat angehörende Jürg Marti (SVP).

Der Grosse Gemeinderat bildet die Legislative. Er setzt sich aus 34 Mitgliedern zusammen und wird von den Stimmberechtigten auf vier Jahre gewählt. Die rechts stehende Grafik zeigt die momentane Sitzverteilung des Grossen Gemeinderates (Ergebnis der Gemeindewahlen 2014).[6]

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2015 betrugen: SVP 33.8 %, SP 15.1 %, BDP 10.7 %, FDP 9.3 %, EVP 8.6 %, GPS 7.3 %, glp 6.6 %, EDU 4.8 %, CVP 1.5 %.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es rund 4’000 Arbeitsplätze. Grösster Arbeitgeber in der Gemeinde ist die Firma Fritz Studer AG (600 Angestellte), ein Hersteller von Präzisions-Rundschleifmaschinen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steffisburg ist durch die STI-Buslinien 1 und 3 Richtung Thun ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Obwohl mit dem Bahnhof Steffisburg Station und der Haltestelle Schwäbis die Gemeinde auch von der Eisenbahn erschlossen ist, wird diese eher weniger benutzt, da sie etwas ausserhalb der eigentlichen Zentren durchführt.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kunstkommission Steffisburg organisiert im Auftrag des Gemeinderates jährlich zwei Kunstausstellungen in der Villa Schüpbach. In den letzten Jahren haben umfassende Werkschaus u.a. folgender Künstler und Künstlerinnen stattgefunden: Jakob Jenzer, Henriette Sechehaye, Otto Nebel, Stefan Haenni.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dorfkirche im Oberdorf[8]
  • Grosses Höchhus[9]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • TschechienTschechien Jindřichův Hradec, Tschechien. Diese von 1992 bis Ende 2008 bestehende Städtepartnerschaft wurde von der Gemeinde Steffisburg gekündigt.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steffisburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Bevölkerung. In: Offizielle Webseite. Bundesamt für Statistik, 2011, S. 1, abgerufen am 28. August 2011 (HTML, deutsch, Eingabe Steffisburg).
  3. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Arbeit. In: Offizielle Webseite. Bundesamt für Statistik, 2011, S. 1, abgerufen am 28. August 2011 (HTML, deutsch, Eingabe Steffisburg. Jahresdurchschnitt).
  4. Medienmitteilung des Kantons Bern über archäologische Funde
  5. steffisburg.ch
  6. steffisburg.ch
  7. http://www.wahlarchiv.sites.be.ch/wahlen2011/target/NAWAInternetAction.do@method=read&sprache=d&typ=21&gem=939.html abgerufen am 14. Juli 2012.
  8. Hans Peter Würsten: Dorfkirche Steffisburg BE. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 443). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1989, ISBN 3-85782-443-3.
  9. Armand Baeriswyl, Irene Bruneau: Steffisburg, Grosse Höchhus. (Schweizerische Kunstführer, Serie 98, Nr. 976). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK., Bern 2015, ISBN 978-3-03797-230-4.
  10. Verwaltungsbericht 2008 des Gemeinderats von Steffisburg. Punkt 1.4 Partnerschaft mIt Tschechien: Aufhebung der Partnerschaft Ende 2008. Gemeinde Steffisburg, 2009, S. 27, abgerufen am 25. Oktober 2014 (PDF).