Weinbau in Rheinland-Pfalz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Weinblätter bilden die Volkskrone auf dem Wappen von Rheinland-Pfalz.

Der Weinbau in Rheinland-Pfalz spielt eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben des Landes.[1]

Insgesamt sechs der 13 deutschen Weinbaugebiete für Qualitäts- und Prädikatswein liegen innerhalb der Landesgrenzen von Rheinland-Pfalz. Mehr als 65 % des deutschen Weines werden in den rheinland-pfälzischen Weinbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen hergestellt.[2][3] Um diesen besonderen Stellenwert des Weines zum Ausdruck zu bringen, befindet sich auf dem Landeswappen eine Volkskrone aus Weinblättern. Darüber hinaus existiert mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau eine Landesbehörde, die den Begriff Weinbau offiziell im Titel führt.

Die Deutsche Weinstraße befindet sich ebenfalls in Rheinland-Pfalz.

Weinbaugebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rheinland-Pfalz gibt es in den sechs Weinanbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen und Pfalz eine bestockte Rebfläche von insgesamt ca. 64.174 ha. Von den ca. 102.592 ha in Deutschland besitzt Rheinland-Pfalz damit den größten Anteil. Insgesamt sind die rheinland-pfälzischen Weinbaugebiete für mehr als 65 % der in Deutschland hergestellten Weine verantwortlich.[4] Aus diesem Grund gibt es auch bei der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach die Landeszentralstelle für Wein- und Lebensmittelstrafsachen, die jährlich ca. 250 Verfahren bearbeitet.[5]

Sortenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißwein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am häufigsten angebauten Weißweinrebsorten (ca. 45.777 Hektar) sind in absteigender Reihenfolge: Riesling (≈ 17.469 Hektar),[4] Müller-Thurgau (Rivaner ≈ 7.795 Hektar), Grauburgunder (Ruländer ≈ 3.840 Hektar), Weißer Burgunder (≈ 3.225 Hektar), Silvaner (≈ 3.067 Hektar), Kerner (≈ 1.987 Hektar), Chardonnay (≈ 1.612 Hektar), Scheurebe (≈ 1.154 Hektar), Sauvignon Blanc (≈ 854 Hektar), Bacchus, Faberrebe, Huxelrebe, Ortega, Morio-Muskat, Elbling, Gewürztraminer, Reichensteiner, Ehrenfelser, Siegerrebe, Optima, Regner, Würzer, Auxerrois.

38 Prozent der gesamten Rebfläche in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 mit Rieslingreben bestockt. Dies ist der höchste Anteil für diese traditionell wichtige Rebsorte im Land, die in den letzten dreißig Jahren nachgewiesen werden konnte. Gegenüber Vorjahr (2006) gab es einen Zuwachs an Rieslingfläche um 3,5 Prozent auf 15.402 Hektar.[6]

Rotwein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Rotweinrebsorten (≈ 18.397 Hektar) sind dies in absteigender Reihenfolge: Dornfelder (≈ 7.057 Hektar), Spätburgunder (≈ 4.232 Hektar), Blauer Portugieser (≈ 2.701 ha) Regent (≈ 1.363 Hektar), St. Laurent (≈ 590 Hektar), Merlot (≈ 525 Hektar), Cabernet Sauvignon (≈ 326 Hektar), Dunkelfelder, Frühburgunder, Müllerrebe, Heroldrebe, Cabernet Mitos, Acolon, Cabernet Dorsa, Domina.[4]

Sekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutsam sind auch die Sekt­kellereien: Kupferberg und Goldhand (Weinbau in Mainz), Deinhard (Koblenz), Schloss Wachenheim (Wachenheim an der Weinstraße), Faber (Trier) sowie viele mittelständische Erzeuger von Winzersekt. Seit den 2000er Jahren ist das Sekthaus Raumland eines der ausgezeichnetesten in Deutschland.

Betriebsgrößen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Weinbaubetriebe in dem Bundesland sank zwischen 2007 und 2010 von 11037 Betrieben auf 9382 und reduzierte sich damit um 15 Prozent. Dies ging einher mit einer Vergrößerung der durchschnittlich verfügbaren Betriebsgröße auf eine Fläche von 6,8 Hektar 2010 gegenüber dem Wert von 4,1 Hektar zehn Jahre zuvor. Der allgemeine Konzentrationsprozess in der deutschen Landwirtschaft vollzog sich somit in den vergangenen Jahren im rheinland-pfälzischen Weinbau deutlich schneller als in der Landwirtschaft allgemein. 23 Prozent der Weinbaubetriebe bewirtschaften im Jahr 2010 rund 61 Prozent der Ertragsrebflächen in Rheinland-Pfalz.[7]

Great Wine Capitals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juni 2008 sind Mainz und Rheinhessen Mitglied im Great Wine Capitals Global Network (GWC) – einem Zusammenschluss der bekanntesten Weinbaustädte weltweit. Neben Mainz befinden sich in diesem Verbund Städte und Regionen wie Bilbao: Rioja, Bordeaux: Bordeaux (Weinbaugebiet), Christchurch: Südinsel (Neuseeland), Florenz: Toskana, Kapstadt: Cape-Winelands, Mendoza: Mendoza, Porto: Dourotal sowie San Francisco: Napa Valley.

Liste der größten Weingemeinden in den jeweiligen Anbauregionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größte Weinbaugemeinden
im Anbaugebiet
Rang unter allen
Weinbaugemeinden
in RLP nach Rebfläche
Bestockte
Rebfläche
(in Hektar)
Rebsorte
(Anteile in Prozent)
Weißwein Rotwein
562 16,3 83,7
Bad Neuenahr-Ahrweiler 53 286 9,5 90,5
Dernau 196 109 12,8 87,1
450 85,1 14,9
Boppard 262 67 87,4 12,6
Oberheimbach 283 57 89,9 10,1
8.691 90,5 9,5
Piesport 31 401 94,8 5,2
Konz 60 271 92,5 7,5
Zell (Mosel) 61 268 93 7
Leiwen 63 256 94,0 6,0
Bernkastel-Kues 72 234 95,9 4,1
Brauneberg 75 229 89,2 10,8
Mehring 76 225 95,3 4,7
Trittenheim 80 221 94,0 6,0
4.203 75,4 24,6
Bad Kreuznach 5 832 78,8 21,2
Guldental 32 393 71,7 28,3
Wallhausen 67 239 66 34
Mandel 94 192 69,3 30,7
26.578 70,1 29,9
Worms 3 1.564 62,6 37,4
Nierstein 7 791 76,2 23,8
Westhofen 8 786 73,1 26,9
Alzey 9 778 72,0 28,0
Alsheim 10 705 72,7 27,3
Bechtheim 11 664 72,4 27,6
Flörsheim-Dalsheim 12 643 67,2 32,8
Ingelheim am Rhein 13 635 49,7 50,3
Bingen am Rhein 15 567 72,9 27,1
Saulheim 16 521 75,4 24,6
Osthofen 20 474 70,1 29,9
Guntersblum 21 467 73,2 26,8
Dittelsheim-Heßloch 23 467 72,1 27,9
Stadecken-Elsheim 24 442 73,6 26,4
23.613 63,7 26,3
Landau in der Pfalz 1 2.062 63,9 36,1
Neustadt an der Weinstraße 2 2.028 65,9 34,1
Billigheim-Ingenheim 4 839 61,4 38,6
Bad Dürkheim 6 822 66,7 33,3
Kirrweiler (Pfalz) 14 587 66,8 33,2
Edesheim 17 505 60,0 40,0
Deidesheim 18 497 85,1 14,6
Wachenheim an der Weinstraße 19 474 74,1 25,9
Göcklingen 22 463 65,3 34,7
Freinsheim 25 436 60,6 39,4
Bockenheim an der Weinstraße 27 432 59,1 40,9
Heuchelheim-Klingen 30 403 61,4 38,6
Ruppertsberg 34 391 79,4 20,6



Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rheinland-Pfalz besteht seit 2013 für die Winzer die Eiswein lesen wollen, eine Meldepflicht. Die Winzer müssen hierzu die Lage und die Temperatur, bei der gelesen wird, melden. Entsprechende Weinkontrolleure überprüfen die Qualität der Trauben. Die Meldepflicht wurde nötig, da 2011 ein großer Teil des vermeintlichen Eisweines nicht von den Prüfern anerkannt wurde. [8][9][10][11][12] Im ersten Jahr haben sich 102 Betriebe hierfür gemeldet.[13]

Staatsweingüter in Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Staatsweingüter sind rechtlich und organisatorisch unselbstständige Einrichtungen der Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR). Das fünfte rheinland-pfälzische Staatsweingut Staatliche Weinbaudomäne Trier in Trier-Avelsbach wird seit 2016 an das Sozialwerk des Deutschen Roten Kreuzes verpachtet. Die

erwirtschafteten 2014 zusammen ein Defizit von 3,1 Mio. Euro, das sind pro Hektar zwischen 14.000 und 118.000 Euro je Betrieb. Der Bestand eines weiteren Betriebes wird darin infrage gestellt. Der Landesrechnungshof bemängelte in seinem Prüfbericht 2014 insbesondere unzureichende Auslastung der Kellerkapazitäten, Verfehlung der Erntemengen und Fehlen der Erhöhung des Absatzes sowie die Reduzierung der Personalkosten. Im Versuchsbetrieb fehlten konkrete Zielvorgaben, Priorisierungen und eine saubere Ressourcenplanung und weiter: „Bei einem Teil der Versuche bestand kein öffentliches Interesse.“[14]

Kino Vino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino Vino war eine Form der Kommunikationspolitik des rheinland-pfälzischen Landwirtschafts- und Weinbauministeriums. Seit 1995 spielte diese, in ihrer Form einzigartige Veranstaltungsreihe eine Rolle im Marketing-Mix dieses Bundeslandes. 2017 wurde der Veranstaltung die Unterstützung durch das MWVLW.rlp entzogen.[15]

Den Weinbau in Rheinland-Pfalz repräsentieren sechs Weinanbaugebiete mit sechs besonderen Weinen. Ein Winzersekt brut und ein Traubensaft aus rheinland-pfälzischer Traubenproduktion ergänzen die in Verbindung mit anspruchsvollen Kinofilmen vorgestellte Produktpalette. Im Jahr 2008 waren 28 Kinos an diesem Eventmarketing beteiligt. Die eingereichten Weine werden von einer Jury unter Beteiligung von Medienpartnern, wie einer Fachzeitschrift, einem Radiosender, dem Deutschen Weininstitut, Stadtmagazin, dem Ministerium und einer Weinkönigin des Bundeslandes blindverkostet und beurteilt. Die Gewinnerweine werden während der Kinoveranstaltungen, meist in Stadtkinos, ausgegeben.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut König & Heinz Decker: Kulturgut Rebe und Wein. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2013, S. xi.
  2. Deutscher Wein. Statistik 2013/2014 (PDF; 723 kB). Website des Deutschen Weininstituts. Abgerufen am 6. November 2013.
  3. Weinregionen in Rheinland-Pfalz. Website von Rheinland-Pfalz Tourismus. Abgerufen am 6. November 2013.
  4. a b c Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen Fachserie 3 Reihe 3.1.5, von Destatis, erschienen am 16. März 2018; abgerufen am 11. August 2018
  5. Landeszentralstelle für Wein- und Lebensmittelstrafsachen
  6. Bestockte Rebfläche in Rheinland-Pfalz 2007@1@2Vorlage:Toter Link/www.statistik.rlp.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
  7. Klaus Rückrich (Deutscher Weinbauverband): Nachgerechnet - Erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2010 In: Der Deutsche Weinbau Nr. 19 vom 23. September 2011; basierend auf Destatis Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2010 (Memento des Originals vom 26. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.destatis.de
  8. Ministerin Ulrike Höfken schützt Eisweinerzeuger (Memento des Originals vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de und Weinbau-Ministerin Ulrike Höfken schützt Eisweinerzeuger (Memento des Originals vom 10. Juni 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten RLP vom 2. Februar 2012
  9. Ministerin Höfken legt Ergebnisse der Eisweinproben vor: „Kontrollverfahren verbessern, Erzeuger schützen“ (Memento des Originals vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de und Weinbauministerin Höfken: Kontrollverfahren verbessern, Erzeuger schützen (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten RLP vom 8. Mai 2012
  10. Wichtige Entscheidungen für die Qualität des Eisweins (Memento des Originals vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten RLP vom 22. August 2013
  11. Bilanz Weinkontrolle 2012: „Weinkontrolleure sichern fairen Wettbewerb“/ Neue Vorab-Meldepflicht für Eiswein vorgestellt (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de Ulrike Höfken Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten RLP vom 9. September 2013
  12. Winzer fluchen über Meldepflicht für Eiswein auf volksfreund.de vom 9. September 2013
  13. Beim deutschen Weinjahrgang 2013 drohen Preiserhöhungen im Kölner Stadt-Anzeiger vom 18. November 2013
  14. Braucht Rheinland-Pfalz vier Staatsweingüter? das fragt der Rechnungshof angesichts hoher Verluste, 24. Februar 2017, Wein-inside
  15. Mitteilung des CinéMayence
  16. Kino Vino (Memento des Originals vom 8. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mulewf.rlp.de auf der Seite des Ministeriums

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut König & Heinz Decker. Kulturgut Rebe und Wein. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2013, ISBN 978-3-8274-2886-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]