Bechtheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Bechtheim
Bechtheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Bechtheim hervorgehoben

Koordinaten: 49° 44′ N, 8° 18′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Wonnegau
Höhe: 131 m ü. NHN
Fläche: 13,34 km2
Einwohner: 1751 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67595
Vorwahl: 06242
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 006
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Schneller 3
67574 Osthofen
Website: www.bechtheim.de
Ortsbürgermeisterin: Jutta Schick (FWG)
Lage der Ortsgemeinde Bechtheim im Landkreis Alzey-Worms
GimbsheimHamm am RheinEich (Rheinhessen)AlsheimMettenheimOsthofenBechtheimDittelsheim-HeßlochFrettenheimWesthofenMonzernheimGundheimBermersheimGundersheimHangen-WeisheimHochbornOffsteinHohen-SülzenMonsheimWachenheim (Pfrimm)MölsheimFlörsheim-DalsheimMörstadtWendelsheimStein-BockenheimWonsheimWonsheimSiefersheimWöllsteinGau-BickelheimGumbsheimEckelsheimGau-WeinheimVendersheimWallertheimPartenheimSaulheimUdenheimSchornsheimGabsheimWörrstadtSulzheim (Rheinhessen)SpiesheimEnsheimArmsheimFlonheimErbes-BüdesheimNackNieder-WiesenBechenheimOffenheimBornheim (Rheinhessen)LonsheimBermersheim vor der HöheAlbigBiebelnheimBechtolsheimGau-OdernheimFramersheimGau-HeppenheimAlzeyOber-FlörsheimFlombornEppelsheimDintesheimEsselbornMauchenheimFreimersheim (Rheinhessen)WahlheimKettenheimHessenMainzLandkreis Mainz-BingenWormsRhein-Pfalz-KreisLandkreis Bad DürkheimLandkreis Bad KreuznachDonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Bechtheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wonnegau an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bechtheim liegt im Landschaftsschutzgebiet „Rheinhessisches Rheingebiet“. Zur Gemeinde gehören auch die Wohnplätze Bechtheim-West und Welheimer Hof.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obelisk am Marktplatz

St. Lambertus Basilika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der älteste Beleg über Bechtheim stammt aus dem Jahr 1070 in der Form von Bertheim, wie der Namenskundler und Germanist Henning Kaufmann (1897–1980) ermittelt hat. Danach weist dieser Name auf den Personennamen Berchto hin, der sich zu Bechto hin entwickelt hat. Der Ortsname bedeutet also Heim des Berchto. Henning Kaufmann beruft sich auf eine Urkunde[3] aus dem Jahr 1070, in der Heinrich IV. den Ursprung des Lütticher Kirchenbesitzes einschließlich dem dazu gehörigen "Bertheim" bestätigte. In einer weiteren Urkunde Papst Hadrian aus dem Jahr 1155 wird ebenfalls der Lütticher Kirchenbesitz in "Berteheim" bestätigt[4]
Eine Vorläuferkirche der heutigen St. Lambertus Basilika wurde im 8. Jahrhundert durch das Hochstift Lüttich errichtet, in dessen Besitz der Ort damals gelangte.
Zunächst hatten die Herren von Bolanden und danach ab 1267 die Grafen von Leiningen Besitzrecht an Bechtheim. Diese verpfändeten ihren Besitz mehrfach. 1700 wurde auch in Bechtheim das sogenannte Simultaneum eingeführt (protestantische Kirchen konnten von Katholiken mitbenutzt werden), was vermehrt zu Querelen zwischen den Konfessionen führte. 1722 erhielt Bechtheim das Marktrecht.

Bechtheimer Rute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Marktplatz steht ein Obelisk mit einer Höhe von 4,842 Meter. Die Länge einer Seitenfläche von 4,375 Meter entspricht der Länge einer „Landesfreirute“ im ehemaligen Leininger Flecken Bechtheim. Das „Bechtheimer Maß vor 1817“ wurde als „gewöhnliche Landesfreirute“ bezeichnet und war in 16 Schuh oder 192 Zoll unterteilt. Zum bequemen Rechnen verwendete man die „Geometrische Rute“, die der Länge einer Landesfreirute entsprach, jedoch in 10 Dezimalschuh unterteilt war.

Der von der französischen Verwaltung 1802 eingeführte Meter wurde 1811 abgeschafft und 1872 wieder neu eingeführt. Ab 1818 galt im Großherzogtum Hessen der „Hessische Zoll“ als Maßeinheit. Nach der Überprüfung durch das Großherzogtum Hessen hatte die Bechtheimer Rute als einziges Ortsmaß in Rheinhessen jetzt 175 Zoll (= 4,375 Meter), statt der irrtümlich 1802 festgelegten Rutenlänge von 4,842 Meter.

„Weinpatenschschaft“ mit Erfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1935 wurde eine „Weinpatenschaft“ mit Erfurt begründet. 1965 wurden durch die Vereinigung Heimattreue Erfurter (Erfurter in Westdeutschland) wieder Kontakte nach Bechtheim hergestellt. Besonders wurde von da an das Martinsfest am 10./11. November gemeinsam in Bechtheim begangen. Nach der „Wiedervereinigung“ 1990 wurden die alten Verbindungen mit einer Weinpatenschaftsurkunde wieder erneuert.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bechtheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[5][1]

Jahr Einwohner
1815 1.187
1835 1.754
1871 1.347
1905 1.449
1939 1.607
1950 1.959
Jahr Einwohner
1961 1.901
1970 1.862
1987 1.617
1997 1.765
2005 1.883
2019 1.751

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsgemeinderat in Bechtheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.

Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2019 5 6 5 16 Sitze
2014 3 7 6 16 Sitze
2009 3 7 6 16 Sitze
2004 4 7 5 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Wonnegau

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984 – 2009 Ortsbürgermeister Wolfgang Thomas (FWG)
  • 2009 – heute Ortsbürgermeisterin Jutta Schick (FWG)

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde Jutta Schick mit einem Stimmenanteil von 52,87 % in ihrem Amt bestätigt.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bechtheim
Blasonierung: „In Blau ein schreitender rotbewehrter und -gezungter silberner Bär mit rotem Halsband, mit beiden Tatzen einen goldenen Stab haltend.“

Kultur und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bechtheim ist erheblich geprägt vom Weinbau und mit 654 Hektar bestockter Rebfläche, davon 70,2 Prozent Weißwein- und 29,8 Prozent Rotweinsorten. Nach Worms (1.490 Hektar), Nierstein (783 Hektar), Alzey (769 Hektar), Westhofen (764 Hektar) und Alsheim (704 Hektar) ist Bechtheim die größte Weinbaugemeinde Rheinhessens und eine der größten in Rheinland-Pfalz.

Die Flurbezeichnung Pilgerpfad wurde erstmals 1392 belegt als an dem bilgerim phade[8] und erinnert an eine bestehende Nord-Süd-Route (von Bingen bis Speyer) des Jakobswegs.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ort führt die zwischen 1820 und 1830 angelegte Gaustraße von Mainz nach Worms vorbei. Der Bahnverkehr auf der Bahnstrecke Osthofen–Gau Odernheim wurde spätestens 1992 eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten aus Bechtheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bechtheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2019, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2018[Version 2020 liegt vor.]. S. 86 (PDF; 2,2 MB).
  3. erste erhaltene Urkunde: Vatikanische Bibliothek - Cod. Vat 3881 und eine Abschrift im Staatsarchiv Lüttich, Vorurkunden sind nicht erhalten
  4. Der vorherige Wikipediatext, der sich auf Prof. Dr. Hans Ramge bezieht: ( Ein fränkischer Edelmann namens Bero soll im 6. Jahrhundert hier seinen Herrensitz genommen und Beroheim begründet haben, aus dem sich der Ort Bechtheim entwickelte. ... Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bechtheim 793 als Beraheim in einem Schriftstück des Klosters Fulda. Der Ortsname war 817 Berthahem, 1193 Berthehem.(Altdeutsches Namenbuch, 2 Bde., 1856/59). Im Lorscher Codex wird der Ort im Jahr 1070 genannt.) ist laut der neuen wissenschaftlichen Edition Stengel nicht korrekt. Die in der Urkunde von 793 genannten Güter beziehen sich auf Beralfesheim im Elsaß. Der Lorcher Codex ist richtigerweise der Eigentumsnachweis des Lütticher Kirchenbesitzes aus 1070.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  6. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Gemeinderatswahlen. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  7. Der Landeswahlleiter RLP: Direktwahlen 2019. siehe Wonnegau, Verbandsgemeinde, erste Ergebniszeile. Abgerufen am 9. September 2019.
  8. S. Thiebes: Jakobspilger S: 11 ff mit urkundlichen Belegen zu 1392