Wutöschingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wutöschingen
Wutöschingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wutöschingen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 40′ N, 8° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 393 m ü. NHN
Fläche: 26,47 km²
Einwohner: 6598 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79793
Vorwahl: 07746
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 123
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 5
79793 Wutöschingen
Webpräsenz: www.wutoeschingen.de
Bürgermeister: Georg Eble
Lage der Gemeinde Wutöschingen im Landkreis Waldshut
Aare Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Lörrach Landkreis Konstanz Landkreis Tuttlingen Schwarzwald-Baar-Kreis Albbruck Bad Säckingen Bernau im Schwarzwald Bonndorf im Schwarzwald Dachsberg (Südschwarzwald) Dettighofen Dogern Eggingen Görwihl Grafenhausen Häusern Herrischried Höchenschwand Hohentengen am Hochrhein Ibach (Schwarzwald) Jestetten Klettgau (Gemeinde) Küssaberg Lauchringen Laufenburg (Baden) Lottstetten Murg (Hochrhein) Rickenbach (Hotzenwald) St. Blasien Stühlingen Todtmoos Ühlingen-Birkendorf Waldshut-Tiengen Wehr (Baden) Weilheim (Baden) Wutach (Gemeinde) Wutöschingen Schweiz RheinKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Wutöschingen vom 31. Januar 2015

Wutöschingen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg (Deutschland). Die Großgemeinde wurde 1975 im Zuge der Gemeindereform aus fünf Ortschaften gebildet. Die Großgemeinde wurde schon früh während der Industrialisierung der Hochrhein-Region von Aluminiumwerken geprägt.[2] Wutöschingen wird im lokalen Dialekt „Öschinge“ genannt. Dies war allerdings auch schon der Name des Ortes in der Neuzeit von 1600 bis 1825.[3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wutach auf der Höhe des Gewerbegebiets bei Horheim in Richtung Lauchringen. Gradliniger Verlauf durch die Tulla-Regulierung, 1830.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wutöschingen liegt am südöstlichen Rand des Schwarzwalds am Flusslauf der Wutach, die am Feldberg entspringt und in der Nähe der Kreisstadt Waldshut-Tiengen in den Hochrhein mündet. Das Gemeindegebiet umfasst 26,47 km²; 7,58 km² sind bewaldet, davon 5,5 km² in Gemeindebesitz. Die Tallage grenzt die Schwarzwaldausläufer und die nördliche Bergkette des Südranden voneinander ab. Die Wutach ist zum Osten und Süden hin auch die Grenze zur Landschaft Klettgau. Im von Wald und landwirtschaftlicher Nutzung geprägten Umfeld liegen von den Wohnbereichen abgeschirmt zwei Gewerbebezirke, vorwiegend mit Unternehmen der Aluminiumbranche.

Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesstraße 314, die den Verkehr unter Umgehung des Schweizer Kanton Schaffhausen zur Autobahn A 81 in Richtung Stuttgart und München lenkt. Die parallel dazu führende Eisenbahnlinie hat nur mehr lokale Bedeutung bzw. ist Zubringer zur touristisch attraktiven Wutachtalbahn von Weizen nach Blumberg. Der ehemalige Verlauf der B 314 mitten durch mehrere Ortschaften wurde mittlerweile in Ortsumgehungen verlagert.

Gemeindegliederung und Nachbarschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Wutöschingen gehören neben dem gleichnamigen, heutigen Hauptort Wutöschingen die Ortschaften Horheim, Schwerzen, Degernau und Ofteringen. Nachbargemeinden sind im Nordwesten Ühlingen-Birkendorf, im Norden Eggingen, im Osten Klettgau, im Süden Lauchringen Im Westen grenzt Wutöschingen an das Gebiet der Stadt Waldshut-Tiengen. Die Grenze zur Schweiz Schaffhausen befindet sich in der Nähe. Seit der Gemeindereform besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Eggingen.

Weiteres Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In westlicher Richtung von Wutöschingen liegt die Kreisstadt Waldshut-Tiengen, bis Freiburg und zur französischen Grenze (Vogesen) sind es 80 bis 120 Kilometer; im Norden liegen im Schwarzwald der Schluchsee und die Wutachschlucht, östlich die ehemalige Kanonen- und heutige Sauschwänzlebahn, in 20 Kilometer Entfernung der Rheinfall von Schaffhausen. Im Süden sind der Flughafen und die Stadt Zürich in unter einer Stunde Fahrzeit zu erreichen. Einige Kilometer südlich in Richtung Bad Zurzach steht das Wahrzeichen des Landkreises Waldshut, die Küssaburg.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold über einem erniedrigten blauen Wellenbalken ein fünfspeichiges schwarzes Mühlrad.“

Das neue Gemeindewappen, das am 1. Januar 1977 durch den Landkreis genehmigt wurde, greift das Mühlradmotiv der Ortschaft Wutöschingen auf. Der Wellenbalken bringt die Lage der Gemeinde an der Wutach zum Ausdruck.[4]

Die Flagge ist blau-gelb gestreift.

Wappen Ortsteil Einwohner
(Stand: 31. Juli 2015)[5]
Fläche
Wappen Wutöschingen (Kernort) 2357
Wappen Degernau 989
Wappen Horheim 2057
Wappen Ofteringen 305
Wappen Schwerzen 1044

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gemeindereform wurde Horst Albicker Bürgermeister (1975–1999), seit 1999 ist Georg Eble Bürgermeister.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 44,2 % (+ 0,8) zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei / Liste Stimmenanteil + / - Sitze + / -
CDU 35,4 % + 1,9 7 + 1
SPD   8,1 % − 0,3 2 + 1
Freie Wähler 56,5 % − 1,6 10 − 2
Die Gemeinde und ihre Industrie

Regionale Zugehörigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Verwaltungsgemeinschaft bildet Wutöschingen mit Eggingen den Abwasserverband Mittleres Wutachtal. Als Gesellschafter zusammen mit der Gemeinde Lauchringen, mit den Stadtwerken Waldshut-Tiengen und der badenova Freiburg betreibt Wutöschingen im Regionalwerk Hochrhein (RWH) seit dem Rückkauf 2012 das eigene Stromnetz. Absicht war, „eine längerfristige Energieversorgung, besonders im Hinblick auf den sich erweiternden Bedarf, zu sichern“.[7] Zur Sicherung der langfristigen Wasserversorgung trat die Gemeinde einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur Untersuchung der Grundwasserverhältnisse in der Klettgaurinne bei.

Einrichtungen und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche in Wutöschingen

Die Gemeinde beherbergt volkstümliche und auch internationale Gastronomie, besitzt ein Einkaufszentrum, moderne Schulen und Sportanlagen, Handwerksfirmen und Dienstleister sowie ein vielfältiges Vereinsleben.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Gewerbebetrieben verschiedener Sparten ist die Ortschaft Wutöschingen seit über einem Jahrhundert Heimat der Aluminium-Werke Wutöschingen (AWW) und dadurch Ursprung der heutigen Konzentration weiterer Firmen der Aluminiumbranche. Nach wie vor ist die AWW mit 600 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Gemeinde. Die AWW zählt damit auch zu den fünf größten Arbeitgebern im Landkreis Waldshut. Der Jahresumsatz liegt bei ca. 180 Mio. Euro.[8] 2003 war die Gemeinde Wutöschingen Initiator des Zusammenschlusses regionaler Firmen zum Aluminiumforum Hochrhein. Die Aluminiumbranche ist die „prägende industrielle Kraft der Gemeinde.“[9]

Wutöschingen ist Hauptsitz der Volksbank Klettgau-Wutöschingen eG.

Kirchengemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Wutöschingen über Jahrhunderte zur Pfarrei Schwerzen gehörte und erst 1937 von ihr getrennt wurde, besaß der Ort keine eigene Kirche, sondern nur eine 1591 gebaute und der Maria Magdalena geweihte Kapelle, die bis 1945 den Versammlungen diente. Sie wurde 1991 abgerissen. 1954 bis 1959 wurde die neue katholischen Kirche gebaut. Seit 2015 bildet die katholische Gemeinde mit der katholischen Gemeinde Klettgau eine gemeinsame Seelsorgeeinheit. Pfarrer ist Thomas Mitzkus. Am 13. August 2015 wurde in Degernau das 300jährige Jubiläum der Kirchweihe der Kirche Maria Himmelfahrt gefeiert.

Die 1956 in Wutöschingen gegründete evangelische Kirchengemeinde (heute Kirchengemeinde Wutachtal zusammen mit der evangelischen Gemeinde in Stühlingen) unterhält im Ortsteil Wutöschingen die Friedenskirche, die 1957 eingeweiht wurde. 1980 wurde sie grundlegend renoviert. Pfarrer seit dem 1. Juli 2015 ist David Brunner.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort Wutöschingen befindet sich die Alemannenschule (Grundschule)/Gemeinschaftsschule, in Horheim die Auwiesenschule (Grundschule) und in Degernau eine Grundschul-Außenstelle.

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seniorenwohnanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich der Seniorenwohnanlage

Die Seniorenwohnanlage (AWO Seniorenzentrum Sonnengarten) im Ortskern wurde ab Mitte der 1980er Jahre in der Gemeinde als Alternative zur „herkömmliche(n) Form der Unterbringung von Senioren in Altersheimen (diskutiert)“ und der Bau 1988 vom Gemeinderat beschlossen. Im März 1993 war Baubeginn, im Oktober 1994 zogen die ersten Bewohner ein. „Die Wutöschinger betreute Seniorenwohnanlage gilt […] als Vorzeigeprojekt mit großer Ausstrahlungskraft für den ganzen Landkreis.“[10]

In einem Interview des Lokalfernsehens mit dem damaligen Bürgermeister Horst Albicker äußerte sich dieser auch zum Wagnis:

„Es ist eine riesige Aufgabenerweiterung im sozialen Bereich für eine Gemeinde unserer Größe. Bisher war es in unserer Region nicht üblich, dass sich Kommunen im Detail mit diesem Thema näher befasst haben. […] Tatsache ist, man muss natürlich auch das Geld dazu haben.“

H. Albicker in TV Eichberg: Sendung v. 23. November 1994.

Ende 1990 hatte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) des Landkreises dazu ein Betreuungskonzept vorgelegt. Ziel war, in vollständig eingerichteten Wohneinheiten für Ein- und Zwei-Personenhaushalte den Bewohnern möglichst lange ein selbstständiges und nur im Bedarfsfall von Hilfsdiensten abhängiges Leben anzubieten. Für die Zeit danach oder für bereits Pflegebedürftige wurde 2007 zusätzlich ein Pflegeheim mit 50 Plätzen fertiggestellt.

Heute bestehen 28 Wohneinheiten, eine Begegnungsstätte mit zahlreichen Angeboten und Veranstaltungen sowie ein vielfältig gestaltetes Umfeld.

Mediothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mediothek im Ortskern von Wutöschingen

Vorläufer der Mediothek war die Bücherei, die im April 1982 im Rathauskeller eröffnet wurde und sich „von Jahr zu Jahr […] zu einem wahren Publikumsrenner, was die sich ständig steigernden Besucherzahlen unter Beweis stellten, (entwickelte).“[11] Einmalig im Landkreis war auch die Erweiterung zu einer Videothek (1989). Kurzerhand zugegriffen hatte die Gemeinde dann 2011, als im Ortskern ein Lebensmittelmarkt schloss – mit dem Plan, die Bücherei nach 30 Jahren als „Mediothek“ zusammen mit einem privat betriebenen Café aus dem Keller heraus ans Licht zu bringen. Doch auch jetzt war das Vorhaben noch im Gemeinderat umstritten – es benötigte 39 Sitzungen, bis Bürgermeister Eble erleichtert feststellen konnte: „Mit Eurer Weitsicht lenkt ihr das Ruder unseres Gemeindeschiffes in die richtige Richtung.“ Geehrt wurde bei der Eröffnung das Ehepaar Hildegard und Horst Merkel, dem nach drei Jahrzehnten ehrenamtlicher Betreuung der Bücherei „die Existenz der Mediothek zu verdanken ist“.[12] Der Bestand umfasst 12.000 Bücher und AV-Medien, Mitglieder können kostenfrei auf Bestände des Online-Nachschlagewerks Munzinger zugreifen.

Kulturhaus Klosterschüer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulturhaus Klosterschüer war ursprünglich die 1713 erbaute Zehntscheuer des Klosters Rheinau in Ofteringen. 1870 vom Kloster Marienburg (Ofteringen) erworben diente sie landwirtschaftlichen Zwecken und verfiel zusehends, bis sie 1960 von der Gemeinde Ofteringen gekauft und für diverse Zwecke benutzt wurde. „Erst das Auftauchen eines Kaufinteressenten im Jahre 1981, der diese vor sich hingammelnde Scheune zu einer Discothek mit 150 Plätzen umbauen wollte, rüttelte die Gemeinde wach und entlockte dem [nun Gesamt-] Gemeinderat die Entscheidung, daß das denkmalgeschützte Gebäude keinesfalls verkauft und demzufolge zu einem späteren Zeitpunkt restauriert und für öffentliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden sollte.“[13] Es dauerte noch einige Jahre, bis man sich entschloss, die Klosterschüer mit einem Aufwand von 1,2 Mio. DM ab Sommer 1987 umzubauen. Die Vorstellung, in diesem Raum hochwertige kulturelle Veranstaltungen durchzuführen, führte zu einem durchschlagenden Erfolg. Selbst aus größeren Entfernungen (Waldshut, Schaffhausen, Zürich) kommen Besucher in die Klosterschüer. Aus der Bürgerschaft bildete sich der Kulturring Wutöschingen, der die Veranstaltungen in der Klosterschüer organisiert.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mountainbike-Anlage für die Jugend

In der Ortschaft Wutöschingen befindet sich der Sportplatz der SpVgg Wutöschingen 1920 e.V., in Horheim der Platz des VfR Horheim-Schwerzen. Die Vereine pflegen Sportarten von Boule über Judo und Schach bis Tennis. Für jugendliche Mountainbiker gibt es die Berg- und Talanlage Dirtplatz.

Nordöstlich von Schwerzen liegt das Segelfluggelände Bohlhof.

Gemeinde aktuell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 3. August 2015 gab Bürgermeister Georg Eble den Beschluss der letzten nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates vom 13. Juli 2015 bekannt, „beinhaltend die Entscheidung des Gremiums für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen“ ein leerstehendes Wohnhaus anzumieten und zu sanieren. „Gemeinderat und Verwaltung zeigten sich sehr dankbar darüber, dass die Fa. AWW unsere Gemeinde bei der Flüchtlingsunterbringung mit der Möglichkeit zur Anmietung des Gebäudes unterstützen wird.“[14]
  • Der Neubau zur Alemannenschule, der Wutöschinger Gemeinschaftsschule, konnte zum Beginn des neuen Schuljahres fertig gestellt werden. Die Gemeinschaftsschule besteht seit dem Schuljahr 2012/2013.

Geschichte der Gemeindereform 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung des Hauptortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolle als Haupt- oder Kernort der Großgemeinde fiel der auch günstig in der Mitte der vier weiteren Orte gelegenen Ortschaft Wutöschingen zu, die in diesem Fall auch zur Namensgeberin der der Gesamtgemeinde wurde.[A 1] Seine hervorragende Bedeutung erlangte Wutöschingen jedoch erst im 19. Jahrhundert, da es der Industrialisierung in der Region geeignete Voraussetzungen bot und die Mühle im Ort eine völlig neue Bedeutung gewann. Neben ihrer ursprünglichen Funktion zum Mahlen von Getreide oder (Öl-) Früchten konnten Mühlen schließlich auch der Energiegewinnung dienen. Zwar war die Einwohnerzahl Wutöschingens in der allgemeinen Krise ab Mitte des 19. Jahrhunderts stark abgesunken,[A 2] doch erwarb ein Mitarbeiter des Grafen Zeppelin in Friedrichshafen, Fritz Burr, 1902 die ‚Mahlmühle‘ im Ort Wutöschingen, um die Wasserkraft zur Energiegewinnung und den Platz damit zur Gründung eines Aluminium verarbeitenden Werkes zu nutzen. Der Grundstein für die späteren Aluminium-Werke Wutöschingen war gelegt und mit deren Wachstum erhielt Wutöschingen einen stetigen Auftrieb.

1914 beschäftigte das Werk bereits 120 Arbeiter, während des Zweiten Weltkrieges 1600, davon waren jedoch bis zu 750 Zwangsarbeiter.[A 3]

Dem Ort Wutöschingen zugewandte Seite der AWW

Schon in den 1920er Jahren war um die wachsende, kaufkräftige Arbeiterschaft neben den Bauern eine neue Bürgerschaft von Händlern, Dienstleistern und Zuarbeitern entstanden und im Verbund mit entsprechender Bautätigkeit und dem Wachsen der Infrastruktur wurde der Ort Wutöschingen zum Zentrum im mittleren Wutachtal. Auch der gesellschaftliche Zusammenbruch am Kriegsende änderte daran wenig und durch den Neustart der Aluminium-Werke 1949 konnte Wutöschingen seine dominierende Stellung weiter ausbauen.

„Heute, vor dem Hintergrund eines zusammenwachsenden Europas und der Internationalisierung der weltweiten Wirtschaftsbeziehungen, ist die geographische Raumschaft nicht mehr als peripher, sondern eher als zentral zu bezeichnen. Wutöschingen liegt jetzt mitten im Herzen von Europa.“

Horst Häusler: Aluminiumindustrie. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 225.

Zwar hatten auch die umliegenden Ortschaften Gewerbebetriebe angezogen, doch zeigte dies keine vergleichbare Wirkung. 1937 wurde Wutöschingen auch aus der Jahrhunderte alten kirchlichen Vorherrschaft von Schwerzen gelöst (Neubau der eigenen Kirche 1954–1959). 1956/57 war auch eine evangelische Kirche entstanden (viele der Arbeiter waren nun Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten mit ihren Familien). Im Zusammenwirken mit der AWW wurde die Infrastruktur entwickelt – so die Wasserversorgung gerichtet und Baugelände bereitgestellt. Bereits 1960 erforderten die Verwaltungsanforderungen ein neues Rathaus, 1962 entstand eine Zentralkläranlage, der sich die Ortschaften Degernau sowie Unter- und Obereggingen anschließen konnten. Mit dieser durch die Industrie herbeigeführten Entwicklung Wutöschingens konnten die umliegenden Orte nicht mehr Schritt halten. Der rasche Wiederaufbau Nachkriegsdeutschlands in den 1960er Jahren führte auch in den ländlichen Bereichen zu einer umfassenden Modernisierung, deren Ansprüche, Aufgaben und Kosten die dörflichen Gemeinschaften überforderten, zumal dort die Verwaltungen oft noch auf ehrenamtlicher Basis beruhten. Hinzu kam der wachsende Verkehr und die neuen Anforderungen des Umweltschutzes und auch der Bildungspolitik. Auf diese Situation mussten die Landesregierungen auf allen Ebenen reagieren. Damit wurde 1968 bis 1975 eine Gebietsreform in Baden-Württemberg eingeleitet.[A 4]

Freiwilliger und erzwungener Zusammenschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon Ende der 1960er Jahre begann aufgrund der Notlage vor allem der sehr kleinen Orte ein freiwilliger Zusammenschluss auch im Wutachtal. So lehnte sich ab November 1969 das Dorf Ofteringen zum Zwecke einer Verwaltungsgemeinschaft an Wutöschingen an und gab zum 1. Januar seine Selbstständigkeit völlig auf. Wenig später schloss sich auch Degernau an Wutöschingen an. Die Bürger konnten jedoch eine eigene Ortschaftsverfassung durchsetzen. Der Gesetzgeber – das Land Baden-Württemberg – erzwang dann zum 1. Januar 1975 auch den Anschluss der Ortschaften Horheim und Schwerzen zu einer neugebildeten Gesamtgemeinde. Auch Horheim und Schwerzen konnten noch eigene Ortschaftsverfassungen erlangen.

Ortschaftsverfassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Bürgerschaften vieler Ortschaften überall im Lande entwickelte sich Widerstand gegen die erzwungenen Zusammenschlüsse, die zwar meist den größten und auch finanzstärksten Ort zu zum neuen Zentrum machten, doch gingen darüber die Meinungen auch auseinander und eine Vielzahl von Befürchtungen richtete sich auf die veränderte Struktur und einen neuen Mittelpunkt. Ein starker Identitätsverlust der Teilorte wurde befürchtet und eine starke Benachteiligung der Entwicklung der ehemaligen selbstständigen Ortschaften gegenüber der Zentrale. Die Einführung der Ortschaftsverfassungen und damit verbunden mit der unechten Teilortswahl dämpfte das Misstrauen, doch war es schließlich die Zeit und

„nicht zuletzt dank einer äußerst umsichtigen und alle Ortsteile gleichermaßen berücksichtigenden Gemeindepolitik – so der damalige Hauptamtsleiter Eble in einer Bilanz 1989 – haben sich diese Befürchtungen als nicht zutreffend erwiesen. […] Denn die Besorgnis der Gleichbehandlung der Ortsteile wurde nach der Gemeindereform das oberste Gebot der politischen Gremien.“

Georg Eble: Wutöschingen in: Heimat am Hochrhein, 1990, S. 22.

Eher wäre sogar in den Teilorten denn im Ortskern die weitere Entwicklung forciert worden. So stimmten die Ortschaftsräte 1999 vor der Kommunalwahl durch Änderung der Hauptsatzung der Abschaffung der Ortschaftsverfassungen zu.

15 Jahre nach Georg Eble bestätigt ein Autor im Lesebuch Wutöschingen die Bilanz:

„Es gelang, alle Ortsteile in die Gesamtgemeinde zu integrieren, ohne dass diese Gefahr liefen, ihre individuelle Identität oder die zum Teil seit Jahrhunderten gewachsenen Strukturen zu verlieren, ein Umstand, der die Großgemeinde Wutöschingen in besonderem Maße auszeichnet.“

Holger Löw: Die Grossgemeinde seit 1975. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 313

Chronik seit 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerungszahl wuchs 1970 bis 1990 um 20 % oder um über 900 Einwohner. Unmittelbar nach der Gemeindereform wurden mehrere Baugebiete (in Gemeindehand) erschlossen, „um günstiges Baugelände anbieten zu können, […] so daß seit 1975 auf dem Eigenheimsektor in allen Ortsteilen eine beachtliche Steigerung erreicht werden konnte, was nicht zuletzt auch dem örtlichen Handwerk, und damit auch der positiven finanziellen Entwicklung der Gemeinde zugute kam.“ Allerdings war die Wirtschaftsentwicklung Mitte der 1970er Jahre in eine Rezession geraten (Ölpreiskrise) „und die Gewerbeeinnahmen, insbesondere durch den drastischen Personalabbau bei den Aluminium-Werken um ca. 300 Beschäftigte (wiesen) eine rückläufige Tendenz (auf) […] die Gemeindekasse (war) fast leer“,[15] doch ließ sich der Gemeinderat um den neuen Bürgermeister Horst Albicker dadurch von der Planung und Umsetzung der beabsichtigten Projekte nicht aufhalten.

Als vorrangig galt der Neubau der Kläranlage (die auch dringendes Gebot des Umweltschutzes war), an die auch Horheim und Schwerzen angeschlossen werden mussten (1977–1979). Ebenso 1977 wurde mit dem Schulhausneubau (in Wutöschingen) begonnen, zwei bereits vor der Reform in Angriff genommene Mehrzweckhallen wurden zügig vollendet sowie der Kindergarten in Degernau erweitert.

Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 1979 alle Orte und auch Eggingen an die Kläranlage angeschlossen waren, geriet 1980 die Trinkwasserversorgung in einen Engpass. Die Versorgung war bis dahin größtenteils auf Quellfassungen aufgebaut und die Entnahme von Grundwasser aus einem zweiten Tiefbrunnen war unumgänglich. Die Suche war zuerst von einem Fehlschlag begleitet, denn das Wasser des 1982 neu gebauten und in Betrieb genommenen Tiefbrunnens „Eichwald“ erwies sich bei einer Prüfung im Juli 1983 als chemisch verunreinigt; ebenso das Wasser des alten Tiefbrunnens „Am Hochbord“, der abgeschaltet werden musste. Die Versorgung des Ortes Wutöschingen wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Wutöschingen und durch die Mitbenutzung des AWW-Tiefbrunnens abgefangen. Danach trat die Gemeinde auch der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur Untersuchung der Grundwasserverhältnisse in der Klettgaurinne bei, um diese gemeinsam mit anderen Gemeinden nutzen zu können. 1985 bis 2005 wurden die Wasserversorgungseinheiten der einzelnen Orte zusammengeschlossen und im Werkhof der Gemeinde die zentrale Schaltstation eingerichtet. Zum Schutz der Quellen und der Wasserqualität wurden 1997 bis 2000 mehrere Wasserschutzgebiete eingerichtet.[16] Mittlerweile konnte der Tiefbrunnen Eichwald in Betrieb genommen werden.

Historisch ist bemerkenswert, dass die „Grundwasservorkommen erst mit dem Bau der Bahnlinie erschlossen (wurden). Sie dienten ausschließlich der Versorgung im Zusammenhang mit dem Bahnbetrieb.“[17]

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der europaweite Versuch, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren und die Versorgung auf das preiswertere und umweltfreundlichere Erdgas zu verlagern, war Mitte der 1980er Jahre mittels einer Hochdruckleitung durch das Waldshuter Kreisgebiet ermöglicht. „Allerdings war das Projekt nicht ganz ohne finanzielle Opfer für die Gemeinde zu verwirklichen. […] Dem endgültigen Abschluß (gingen) zähe Verhandlungen voraus, die in einem Ausspruch des Bürgermeisters der Gemeinde wie folgt gipfelten: ‚Mit solchen Verträgen haben die Einwanderer in Amerika den Indianern das Land gestohlen‘.“[18] Der Humor wurde respektiert und als Hinweis auf die harten, aber immer sachlich geführten Verhandlungen aufgefasst.

Die B 314 auf der Höhe der Ortschaft Wutöschingen

Die Energiegewinnung durch Wasserkraft hatte an der Wutach natürlich eine lange Tradition. Allerdings waren diese Zeiten nun lange vorbei: Eine letzte Nutzung der Wasserkraft der Wutach wurde durch ein „modernes Kleinkraftwerk mit einer Leistung von ca. zwei Millionen Kilowattstunden/Jahr und einem Schlauchwehr an der Stelle des alten Wutöschinger Wehres“ (im Jahr 2000) errichtet.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 wurde mit dem Bau der Ortsumgehung Ofteringen begonnen und die Belastungen für den kleinen Ort durch den rasch angewachsenen Verkehr auf der B 314 beendet. 1987 bis 1989 wurde die Umfahrung von Horheim eingerichtet. Neue Brücken über die Wutach zu den Kreisstraßen wurden in Ofteringen und Wutöschingen errichtet.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem nach der Reform 1975 die neue Verwaltung außer dem Grundbuchamt in Degernau zentral in Wutöschingen untergebracht werden konnte, wurde 1980 mit dem nun doch erforderlichen Rathausneubau begonnen. Hier stand auch erstmals die Einrichtung einer Bücherei auf der Tagesordnung, doch standen die meisten Gemeinderatsmitglieder diesem Vorhaben noch mit großer Skepsis gegenüber. Zugestanden wurde schließlich eine Vollunterkellerung des Rathausbaus, um sich die Möglichkeit offen halten zu können. 1982 wurde die Bücherei dank ehrenamtlichem Engagement eröffnet und sie galt auch als ein Novum im Landkreis – dies drückte sich auch recht deutlich in einer starken Stammkundschaft aus Nachbargemeinden aus.

Der Ortskern mit Linde vor der AWW

Daseinsvorsorge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wachstum der Einwohnerschaft, die Mobilität und das familiäre ‚Doppelverdienertum‘ machte auch einen Aus- oder Neubau von Kindergärten in fast allen Ortschaften oder die Unterstützung der kirchlichen Einrichtungen notwendig. 1995/96 wurde eine neue Grundschule für Horheim und Schwerzen gebaut. 1980 war mit der Einrichtung eines zentralen Gemeindebauhofs (Werkhof) und eines Feuerwehrhauses begonnen worden.[A 5]

1986/87 konnten im Zusammenhang mit Landesförderung auch Dorfentwicklungsmaßnahmen zur differenzierten Ausgestaltung der ehemaligen Ortschaften und neuen Ortsteile begonnen werden. Die Sanierung der Ortsmitte von Horheim war 2004 verwirklicht. Die Ortskernsanierung in Wutöschingen, die auch die Aufgabe hatte, „eine neue Ortmitte“ für die Gesamtgemeinde zu bilden, um hier einen vielfältigen Bezugspunkt für die gesamte Einwohnerschaft zu schaffen, begann 1989 und fand in jüngster Zeit ihren Abschluss. Aufwendig war der Umstand, dass in dieses Gebiet die Aluminium-Werke gleichsam ‚hineinragten‘. Dabei gelang es nicht, die ‚Presse IV‘ zu verlegen (aufgrund der extrem hohen Kosten), doch wurden die Werkszufahrt mit dem Schwerverkehr und der LKW-Warteplatz verlegt und Lärmbereiche abgeschirmt, sodass die Störwirkungen wesentlich reduziert werden konnten. Der Neubau der Volksbank Klettgau-Wutöschingen war im Juni 2004 abgeschlossen. Der ganze Bereich bis hin zur Mediothek präsentiert sich heute großzügig.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trotte war bis 1910 in Betrieb

Wutöschingen:

  • Im Ortskern befindet sich die 1959 fertiggestellte katholische Kirche St. Magdalena. Sie ersetzte die Dorfkapelle St. Maria Magdalena und Jakobus d. Ä., die 1591 eingeweiht worden war. Später an Privat verkauft, wurde sie landwirtschaftlich genutzt und 1991 abgerissen. Die Glocke der Kapelle steht vor der neuen Kirche.
  • In der Hauptstraße befindet sich die ehemalige Trotte aus dem Jahre 1566.

Horheim:

  • Auch Horheim gehörte wie Wutöschingen jahrhundertelang zur Pfarrei Schwerzen und besaß und besitzt somit keine Kirche. Hier steht die 1695 geweihte Antoniuskapelle. Jedes Jahr am 17. Januar wird zum Fest des heiligen Antonius ein Wallfahrt-Gottesdienst abgehalten. Eine Vorgängerkapelle stand bei den „Höfen“, im ehemaligen Dorf Lütisloh, und war der heiligen Margarethe geweiht. Sie wurde abgetragen. Des Weiteren gibt es noch die 1805 vom Förster Johann Baptist Vogelsang erbaute kleine Dorneckkapelle. Sie wurde 1988 vollständig restauriert.
Klassizistische Kanzel mit Reliefs von Johann Friedrich Vollmar, Kirche Schwerzen

Schwerzen:

  • Die im Stil des Spät-Barock gehaltene katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde in den Jahren 1781 bis 1791 vermutlich nach einem Plan des Barockbaumeister Peter Thumb anstelle eines Vorgängerbaus unter Einbeziehung des ehemaligen Turmes errichtet. Werkmeister war Georg Schutzger von St. Blasien. Die Ausstattung am Ende des Barock war auch durch das zu Ende gegangene Rokoko nicht mehr zu übertreffen – es gehen hier schon die neuen Elemente des Klassizismus ein. Noch ganz im Barockstil gehalten ist das Hauptaltargemälde des Kurtrierischen Hofmalers Januarius Zick (1730–1797) mit dem Thema „Die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan“. An der Seitenwand befindet sich ein Epitaph derer von Beck. Die Erwerbung der Stieffel-Orgel ist das Verdienst von Franz Sales Kirn, der 1952–1972 Pfarrer der Pfarrkirche St. Johann Baptist zu Schwerzen war.
  • Ein uralter Siedlungsplatz befindet sich auf dem unmittelbar am Dorf gelegenen Semberg: „Es wird angenommen, daß sich dort eine Ringburg befunden haben muß, die auch als Zufluchtsstätte für die Talbewohner […] gedient haben mag.“[20] So wie weitere Höhenburgen in der Region dürfte sie auf die Kelten zurück gehen. Heute führt von der Kapelle am Fuß des Berges ausgehend ein Kreuzweg auf die Anhöhe. In der 2002 eingerichteten Kapelle befindet sich das Alabasterwappen derer von Beck, das vom Antipendium der ehemaligen Schlosskapelle übernommen wurde.
Das Willmendinger Schloss
  • Das Schloss Willmendingen, in dem alten Nebenort von Schwerzen, wurde 1609 erbaut durch Johann Jakob von Beck, Landvogt im Klettgau, Kaiserlicher Notar und Landschreiber von Vaduz. Franz Xaver von Beck verkaufte das Schloss 1801 oder 1803 an Fürst Josef II. von Schwarzenberg, die Fürsten von Schwarzenberg wiederum 1812 an Baden. 1923 erwarb es die Gemeinde. Heute ist es Privatbesitz, es wurden moderne Wohnungen eingerichtet.

Degernau:

  • In Degernau befindet sich auf einer Anhöhe die Maria-Himmelfahrtskirche. Jedoch vermutet man zwei Vorgängerbauten. Die Pfarrei selbst gehört mit zu den ältesten im Wutachtal. In der Kirche befindet sich eine Wallfahrtsmadonna und eine der ältesten Glocken der Region. Sie wurde im Jahre 1300 in Schaffhausen gegossen. Am 13. August 2015 wurde das 300-jährige Jubiläum der Weihe gefeiert.
  • Große historische Bedeutung besitzen der Menhir und vor allem der Dolmen (vermutete Grabstelle) an der Straße von Degernau in den Klettgau. Der Dolmen macht eine Zuordnung zur Megalithkultur möglich. Über die Funktion der kreisrunden Öffnung gibt es verschiedenen Hypothesen – die Sache mit dem „Seelenloch“ ist eine eher romantische Interpretation.

Ofteringen:

  • Im Ortsteil Ofteringen befindet sich das Kloster Marienburg, das erst im 19. Jhdt. in dem ehemaligen Schloss von Ofteringen eingerichtet wurde. Es wird auch heute noch von den Benediktinerinnen geführt. Im Kloster werden Naturheilmittel und Spezereien hergestellt. Unterstützt wird das Kloster es durch den Freundeskreis Kloster Marienburg.
  • Zu Ofteringen gehört auch die Reuentaler Mühle.

Ortschaft Wutöschingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Ortschaft Wutöschingen

Das Wappen der Ortschaft Wutöschingen zeigt in geteiltem Schild oben in Silber ein halbes achtspeichiges schwarzes Mühlrad an der Teilung, unten in Rot eine goldene Pflugschar. Das Wappen nahm der Ort im Jahr 1906 an. Das Bild fand sich auf einem Wappenstein von 1611 an der Dorfkapelle.

Geschichte der Ortschaft Wutöschingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor 1975 die Ortschaft Wutöschingen nach dem Zusammenschluss der fünf heutigen Teilorte zur Gesamtgemeinde Wutöschingen ihren Namen gab, besaß sie eine jahrhundertealte, auch eigenständige Geschichte wie die anderen Ortschaften auch. Der Ort Wutöschingen besaß in den früheren Jahrhunderten jedoch nie seine heutige Bedeutung als Mittelpunkt – Indiz für die ehemals relativ unbedeutende Rolle des Ortes ist auch die jahrhundertelange Zugehörigkeit Wutöschingens zur Pfarrei Schwerzen (Urkunden reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück): „Wutöschingen (wurde) erst im 20. Jahrhundert (1961) zur selbstständigen Pfarrei erhoben.“[21]

„Die Höfe“ bei Horheim, ehemals Lüttisloh

Bemerkenswert ist jedoch, dass die Ortschaften im mittleren Wutachtal bereits vom 14. bis ins frühe 19. Jahrhundert eine Einheit besaßen – sie bildeten damals die „Herrschaft Wutental“. Lediglich Degernau zählte noch nicht dazu, hingegen waren die heutigen Teilortschaften Lüttisloh (heute „Die Höfe“ bei Horheim) und Willmendigen bei Schwerzen noch eigenständige, zu Wutental gehörende Dörfer.

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie das Hochrheingebiet und der Klettgau gehört auch das Wutachtal aufgrund der Klimagunst zu den schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelten Räumen. Im Ortsgebiet von Wutöschingen gibt es Funde bzw. Berichte über Funde – „Neolithische Steinbeile Jungsteinzeit wurden im Gewann ‚Silberwiese‘ , Steinartefakte wie Klingenabschläge, Blattbohrer, Pfeilspitzen im Gewann ‚Auf dem Demmelt‘ gefunden.“[22]

Kelten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Auf keltische Keramik aus der Latènezeit soll man lt. J. Schneider 1937/38 beim Bau eines Gebäudes der Aluminium-Werke Wutöschingen gestoßen sein. Über den Verbleib der Funde ist nichts bekannt.“[23]

Römer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Bericht einer regionalen NS-Parteizeitung 1937[24] waren im Jahr zuvor von Schulkindern in einer Autowerkstatt der Ortschaft Metallblättchen gefunden worden, die sie ihrem Lehrer brachten. Weitere Teile davon waren schon in einen Automotor eingeschweißt worden, doch nach einer kuriosen Such- und Wiederentdeckungsgeschichte ließ sich das Bruchstück einer Bronzetafel weitgehend rekonstruieren: „Es könnte sich um eine Weihinschrift für Angehörige der 7., 11. und 14. Legion handeln. Die 7. Legion war in Windisch bei Brugg/CH stationiert, ihr unterstanden auch Truppen in der Gegend von Rottweil. […] Die Entstehung der Tafel kann dadurch in die Zeit von 70–100 n. Chr. datiert werden.“[25]

Der Archäologe Jürgen Trumm wertet „den Fundort mitten im Wutachtal nicht als Zufall […], da dieses Nordost-Südwest verlaufende Tal den natürlichen Verbindungsweg an die obere Donau darstellt. Der strategischen Bedeutung des Wutachtals wurde bereits in augusteischer Zeit mit dem Bau des Legionslagers in Dangstetten Rechnung getragen.“[26]

Der Heimatforscher Horst Merkel vermerkt auch römische Münzfunde im Umfeld und auch von Keramikteilen im Gewann Storchengarten in Wutöschingen.

Ein idealer Siedlungsplatz auf einer Anhöhe des späteren Dorfes, der Schutz vor den früheren Wutachüberschwemmungen bot, war mit hoher Wahrscheinlichkeit der „Demmelt“, der jedoch nicht erforscht ist.

Alamannen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alamannische Landnahme im 4. Jahrhundert und die darauffolgende Besiedlung nach dem Abzug der Römer ist über ein Gräberfeld belegt: Steinkistengräber aus der Zeit um 600 bis 700 n. Chr., die mehrfach gefunden wurden.[27] Die „- ingen“-Endung des Ortsnamens weist auf eine frühalamannische Gründung hin.

Da der Sieger über die Alamannen in den Schlachten von Zülpich, 496 und 506 n. Chr., der Merowingerkönig Chlodwig I., sich taufen ließ, wurde die Christianisierung des Landes begünstigt: Durch die Franken wurde das Land im 8. und 9. Jhdt. in Gaue eingeteilt. So wurde die Wutach Grenze zwischen dem westlich gelegenen Albgau und dem östlich gelegenen Klettgau.[28]

Über den Zeitraum von 700 bis 1000 n. Chr. ist nichts bekannt.

Schriftliche Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wutöschingen wird in einem Schreiben des Klosters zu Detzeln, im Jahre 1110 als „Villa Essinun“ das erste Mal urkundlich erwähnt.[29] Zu diesem Zeitpunkt war das Dorf jedoch schon ein bereits lange bestehendes, differenziertes Gemeinwesen.

Herrschaft Wutental[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaften, die seit 1975 die heutige Gemeinde Wutöschingen bilden, standen auch in früheren Zeiten in einem engen und eng aufeinander bezogenen Zusammenhang. Grund dafür waren geographische Gegebenheiten – nach Ost und West die Abschottung durch Anhöhen und Wälder, im Süden damals durch die Sumpfgebiete der Wutachüberschwemmungen und im Norden durch das sich verengende Wutachtal. Dadurch waren früher auch einschränkende Wegeverbindungen gegeben.

Da die im 12. und 13. Jahrhundert noch vorwiegend lokalen Herrscher (Adelsfamilien) ihre Territorien noch möglichst einheitlich zusammenfassten, wurden die (heutigen) Orte Schwerzen, Willmendingen, Horheim, Lüttisloh (heutige „Höfe“ bei Horheim), Wutöschingen und Ofteringen vom Adelsgeschlecht der Krenkinger zur „Herrschaft Wutental“ verbunden.[A 6] Die Krenkinger hielten Wutental bis 1361 in ihrem Besitz. Nach dem Niedergang dieses Adelsgeschlechts wechselte die Herrschaft mehrmals für kürzere Zeit unter verschiedenen Adelsfamilien.

Die Landgrafschaften Klettgau und Stühlingen (1806)

Eine weitere Besonderheit war zudem, dass die Wutach seit fränkischer Zeit die Grenze zwischen dem Albgau und dem Klettgau markierte, die somit mitten durch die Herrschaft Wutental zog. So zählten Horheim (und Lüttisloh) sowie Ofteringen zum Albgau und später dann zur Landgrafschaft Stühlingen, während Schwerzen, Willmendingen und Wutöschingen zur Landgrafschaft Klettgau gehörten.

Folge war, dass Wutental unter der jeweiligen Landesherrschaft (und der damit verbundenen Hohen Gerichtsbarkeit) getrennt blieb, während die Niedere Gerichtsbarkeit unter zahlreichen kleinen ‚Herren‘ (dazu zählten auch Klöster) von Dorf zu Dorf geteilt war und auch oft wechselte.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts kam es zwischen den Stühlinger Grafen von Lupfen und den Klettgauer Grafen von Sulz zu einem langwierigen Gebietsstreit um Wutental. Er endete erst, als der auf die Lupfener folgende kaiserliche Erbmarschall Maximilian von Pappenheim den von den Stühlingern beanspruchten Teil an den Klettgauer Landgrafen Karl Ludwig von Sulz verkaufte (1603). Doch bereits 1649 wurde die Herrschaft Wutental wieder von einem Sulzer an den neuen Landgrafen von Stühlingen, Friedrich Rudolf von Fürstenberg, zurück verkauft. Nach dem Aussterben der Sulzer 1687 kam dann Wutental vollständig (mit dem gesamten Klettgau) an die Fürsten von Schwarzenberg.[30]

Die Wucht der großen historischen Ereignisse – Bauernkrieg, 30-jähriger Krieg, die napoleonischen Feldzüge – riss Wutental als Ganzes mit, wobei das Geschehen in den einzelnen Orten sich kaum unterschied. Neben den Kriegsereignissen waren die Wutental-Dörfer über Jahrhunderte hinweg zumeist gleichzeitig und insgesamt Seuchen und Naturkatastrophen (vor allem den Wutach-Überschwemmungen) ausgesetzt.

Da sich im 18. Jahrhundert die großräumigen politischen Verhältnisse nach der napoleonischen Neuordnung Süddeutschlands hin zu weitaus umfangreicheren Herrschaften konzentrierten, ging Wutental 1806/1812 im Großherzogtum Baden auf. Die allgemeine Verarmung der Landbevölkerung ab dem 17. Jahrhundert führte zu umfangreichen Auswanderungen nach Amerika und Australien.

Erst im Zusammenhang mit der beginnenden Industrialisierung erfuhren auch die Gebiete am Hochrhein wieder eine Aufwärtsentwicklung.

Einzeldaten Mittelalter bis Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Ort Wutöschingen lassen sich einige Einzelheiten festhalten:

  • Die Errichtung der Mahlmühle 1487, die 1902 Fritz Burr kaufte, um die Energie für sein geplantes Aluminium-Werk zu gewinnen.
  • Das heute noch bestehende älteste Gebäude im Ort ist die 1566 gebaute Trotte, die bis ins Jahr 1910 benutzt wurde: „1880 soll es nach Aufzeichnungen von Bürgermeister Walter Maurer noch 11 Hektar und 1926 immer noch 3 bis 4 Hektar Reben gegeben haben.“[31] Und der 1806 schreibende Althistoriker Franz Xaver von Beck notierte über das Dorf: „… sein reichlicher Rebwuchs, seine Weine, die zu den besten im Wutental und zu den besseren im Kleggau zählen …“[32]
Die Glocke der Kapelle mit der Jahreszahl 1680
  • 1591 wurde eine Kapelle errichtet – wohl auch, um unabhängig von Wutachüberschwemmungen, die den Weg zur Kirche in Schwerzen verlegten, eigene Versammlungen und Andachten halten zu können. Geweiht wurde die Kapelle Maria Magdalena – eher eine Außenseiterin im kirchlichen Kosmos. Nachdem in jüngster Zeit, ab Ende des Zweiten Weltkriegs, die Kapelle wieder regelmäßig benutzt worden war, wurde sie 1991 abgerissen. Ihre Glocke befindet sich heute neben der neuen katholischen Kirche, die in der Tradition auch Maria Magdalena geweiht ist.
  • Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss Wutach reguliert, der mit seinen Überschwemmungen und der Sumpfbildung in der Talebene jahrhundertelang Krankheiten verursachte und die Verkehrsverbindungen und die (land-) wirtschaftliche Entwicklung erschwerte. Nach Aufnahme der Wutach in den Flussbauverband des Großherzogtums Baden konnte der badische Ingenieur Johann Gottfried Tulla die Planungen aufnehmen. Die Arbeiten begannen 1830 – zuerst die Etappe Oberlauchringen–Degernau – und waren 1880 insgesamt abgeschlossen.[33]
  • Beim Bau der Wutachtalbahn (1870 bis 1890) blieb Wutöschingen zunächst unberücksichtigt. Erst die Aluminium-Werke konnten bewirken, dass der Ort 1917 einen Bahnhof erhielt. 1986 wurde das Gebäude abgerissen.[34]
  • Unter dem Nationalsozialismus ab 1933 „wurde nach und nach die Selbstverwaltung der Gemeinde eingeschränkt. […] Widerstand gegen das NS-Regime machte sich in Einzelaktionen bemerkbar […] Am 25. April (1945) zogen französische Panzertruppen in Wutöschingen ein. Der Ort wurde von Bürgermeister Martin Winkler übergeben.“ Die Übergabe verlief planmäßig, denn schon zuvor hatte sich ein Kreis von Bürgern gebildet, denen es auf ein kampf- und zerstörungsfreies Ende ankam.[35]
  • Durch die umfangreiche Demontage der Aluminium-Werke 1946/47 herrschte lange große Unsicherheit ob der Zukunft der Ortschaft – erst am 31. Oktober 1948 gingen die Werke wieder an die Eigentümer; im Mai 1949 wurde auch das generelle „Aluminiumverbot“ wieder aufgehoben und in den 1950er Jahren sorgte die Nachfrage nach Aluminiumerzeugnissen zur erfolgreichen Rückkehr der Firma auf dem Markt.[36]

So konnte Georg Eble in der Nachkriegszeit eine stetige Aufwärtsentwicklung feststellen, „verbunden mit einer Umstrukturierung des Ortes in eine Industriegemeinde, in der jedoch auch heute die Landwirtschaft ihren angestammten Platz hat.“[37]

Persönlichkeiten der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Jakob von Beck (1566–1629), Freiherr von Willmendingen, Landvogt im Klettgau.
  • Michael Saurbeck, genannt Pater Stanislaus (* 1595; † 5. Oktober 1647 in Feldkirch), beigesetzt in der Gruft des Kapuzinerklosters Feldkirch, Mitbegründer der Stella Matutina, Klostergründer und Kapuziner, rettete im Dreißigjährigen Krieg 1634 durch Ermutigung zu erfolgreichem Widerstand Überlingen und 1647 durch Verhandlung und Tributzahlung Feldkirch vor der Zerstörung durch die Schweden. Der katholische Kindergarten in Wutöschingen ist nach ihm benannt.
  • Junker Karl von Ofteringen (* um 1620; † 9. Februar 1678 in Ofteringen), letzter Nachkomme der Herren von Ofteringen, Hauptmann der Landgrafschaft Stühlingen.
  • Sabina Schneider (* 1. November 1831 in Sinzheim; † Dezember 1891 in Ofteringen), Ordensschwester und Gründerin des Ofteringer Marienklosters.
  • Fritz Burr (* vor 1900; † 1949 in Degernau), Ingenieur, Begründer (1902) der Aluminium-Werke Wutöschingen (AWW).
  • Georg Giulini (* 31. Dezember 1858 in Mannheim; † 24. Februar 1954 in Como), Chemiker und Unternehmer, Partner von Fritz Burr.
  • Wigand von Salmuth (* 22. Januar 1931 in Leipzig; † 10. Dezember 2006 in Heidelberg), Unternehmer, Seniorchef der AWW.
  • Karl Albiker (* 1878 in Ühlingen; † 1961), Bildhauer, Professor an der Kunstakademie in Dresden. Bedeutendstes Werk ist das Zeppelindenkmal am Konstanzer Hafen. Ehrentafel an der Apotheke in Ühlingen.[38]
  • Emil Kiesel (1910–1990), geboren in Schwerzen, katholischer Pfarrer.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Strukturierung der neuen Gemeinschaften orientierte sich an geographischen Bedingungen, traditionellen Zugehörigkeiten und dem Versuch, ein starkes Zentrum zu bilden. Hier bot sich zumeist die nach modernen Gesichtspunkten am weitesten entwickelte und damit meist auch finanzstärkste Ortschaft an. Die historische Bedeutung trat dabei zurück, was oft zu Auseinandersetzungen führte. In zahlreichen Fällen kam es dabei zu Entscheidungen ‚von oben‘, d. h. zum Zwangszusammenschluss. Die dabei erzeugten Spannungen klangen jedoch im Lauf der Jahrzehnte ab.
  2. Nach der Angabe in: Eble: Wutöschingen. S. 32, waren es 1905 nur noch 299 Einwohner. Ursachen dafür waren die kriegsbedingte Verarmung der Bevölkerung nach den Koalitionskriegen zwischen dem revolutionären Frankreich und Österreich und seinen Verbündeten. Zusammen mit der anfänglichen Überbevölkerung im neuen badischen Staat in der ersten Hälfte des 19. Jhdts. – verbunden mit häufigen Missernten – kam es zu schwer erträglichen Lebensumständen, die zu umfangreichen Auswanderungen nach Amerika und Australien führten. Dazu kamen es in diesen Jahrzehnten zu vielen Opfern durch die von Überschwemmungen gebildeten Wutachsümpfe („Nervenfieber“): „Dadurch wuchs trotz friedlicher Zeiten auch im unteren Wutachtal die Not.“ Dies erklärt den Umstand, dass die Einwohnerzahlen stark zurückgingen und erst die allmähliche Industrialisierung zur Erholung und zur Verbesserung der Lebensumstände führte. Hierzu auch: Hans Ruppaner: Auswanderung im 19. Jhdt. in Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 119 ff.
  3. „Wie viele andere Betriebe im damaligen Deutschland konnte auch das Wutöschinger Werk sich nicht der allgemeinen Gleichschaltung entziehen […] Auf Befehl des Militärs wurde das Werk in die Kriegsindustrie eingebunden und zu einem der wichtigsten Zulieferer der Rüstungsindustrie. Der dadurch ausgelöste Boom – man produzierte u. a. Aluminiumbleche und Aluminium-Ronden für Flugzeuge und V2-Raketen – brachte die Produktivität des Werkes an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Er war ohne den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener nicht zu bewältigen.“ In: Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen in: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006, S. 231.
  4. Neben der Vereinigung der beiden Südweststaaten Baden und Württemberg 1971 zu Baden-Württemberg wurde auch eine Neuordnung der Landkreise eingeleitet: Deren Festlegung fand durch den Landtag im Rahmen der Verabschiedung des Kreisreformgesetzes am 23. Juli 1971 statt: 35 neu zu bildende Landkreise (aus 63) wurden geschaffen – der zum 1. Januar 1973 neu gebildete Landkreis Waldshut umfasste nach der dann folgenden Gemeindereform nun 32 Städte und neugebildete Gemeinden. Siehe: Bernhard Wütz: 25 Jahre Kreisreform. Heimat am Hochrhein, Konstanz 1999.
  5. Die Feuerwehren in den einzelnen Orten, deren Bestand als organisierte Gruppen (Rotten) ab dem Ende des 18. Jhdts. nachweisbar sind, wurden ab Anfang des 20. Jhdts. auf Betreiben überörtlicher Behörden (Bezirksamt Waldshut) offiziell gegründet (Horheim, Schwerzen) oder lehnten sich später an organisatorisch an die Fabrikfeuerwehr der Aluminium-Werke an (Wutöschingen, Degernau). In Ofteringen gab es offiziell keine Feuerwehr. Nach der Gemeindereform fand die konstituierende Sitzung einer gemeinsamen Freiwilligen Feuerwehr mit nach den Ortschaften gegliederten Abteilungen am 31. Oktober 1975 statt. In: Dirk Döbele: Die Geschichte der Feuerwehren. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 273 ff.
  6. Die Ausnahme gegenüber der heutigen Gemeinde bildete Degernau, das über den Pass nach Erzingen – die uralte Verbindung wird durch den Menhir als Wegmarke bezeichnet – auch mit den Ortschaften des heutigen Schweizer Klettgau in engerem Kontakt stand und dadurch eine gewisse Unabhängigkeit nach beiden Seiten hin bewahren konnte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autorenredaktion: Wutöschingen – einst und heute, Das Lesebuch: Degernau, Horheim, Ofteringen, Schwerzen, Wutöschingen. Gemeinde Wutöschingen (Hrsg.), Wutöschingen 2006.
  • Wutöschingen, Degernau, Horheim, Ofteringen, Schwerzen – gestern und vorgestern. Geiger, Horb am Neckar 1986, ISBN 3-924932-73-5.
  • Georg Eble: Wutöschingen, aufstrebendes Kleinzentrum im Wutachtal. In: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, ISBN 3-87799-094-0.
  • Franz Xaver Kraus: Kunstdenkmäler des Kreises Waldshut. (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden. 3). Freiburg, 1892.
  • Hans Ruppaner: Pfarrei St. Johannes d. T. Schwerzen. 1992.
  • Eduard Schuster: Die Burgen und Schlösser Badens. 1908.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wutöschingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Georg Eble: Wutöschingen, aufstrebendes Kleinzentrum im Wutachtal. In: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, ISBN 3-87799-094-0, S. 30 f..
  3. Hans Ruppaner: Die Herrschaft Wutental in: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006, S. 37.
  4. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg. Band 3: Regierungsbezirk Freiburg. 1989, ISBN 3-8062-0803-4, S. 127.
  5. Einwohnerzahlen. In: Amtsblatt der Gemeinde Wutöschingen, 32/2015. (PDF; 686 kB). 6. August 2015, S. 6.
  6. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2014
  7. Südkurier: Regionalwerk erwirtschaftet Plus. 10. September 2005. Der Netzbetrieb beider Gemeinden brachte für 2014 einen Überschuss von 18.326,35 €.
  8. Offizielle Webpräsenz der Aluminium-Werke Wutöschingen
  9. Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen. In: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006.
  10. Gerd Scheuble: Betreutes Wohnen: Selbstbestimmung statt Bevormundung. In: Alb-Bote. 28. Oktober 1994.
  11. Eble: Wutöschingen. S. 34.
  12. Sandra Holzwarth: Stolz auf ein Vorzeigeprojekt. In: Südkurier. 11. März 2013.
  13. Eble: Wutöschingen. S. 39.
  14. Amtsblatt Wutöschingen, Ausgabe 32/2015, S. 2.
  15. Eble: Wutöschingen. In: Heimat am Hochrhein 1990. S. 32.
  16. Werner Günzel: Die Geschichte der Wasserversorgung. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 251 ff.
  17. Werner Günzel: Die Geschichte der Wasserversorgung. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 241.
  18. Eble:Wutöschingen. S. 37.
  19. Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen. In: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006, S. 224.
  20. uy (Kürzel des Autors): Stand auf dem Semberg eine Burg? In: Südkurier. 27. August 1988.
  21. Klaus Herm: Katholische und evangelische Kirchengemeinde Wutöschingen. In: Wutöschingen. S. 187.
  22. Horst Merkel: Aus der Ur- und Frühgeschichte. In: Wutöschingen. S. 28.
  23. H. Merkel: Aus der Ur- und Frühgeschichte. In: Wutöschingen. S. 29.
  24. Der Maurer-Willi fand eine römische Bronzetafel. In: Hakenkreuzbanner. 26. September 1937.
  25. H. Merkel: Ur- und Frühgeschichte. In: Wutöschingen. S. 32.
  26. Jürgen Trumm: Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1643-6, S. 392.
  27. H. Merkel: Aus der Ur- und Vorgeschichte. In: Wutöschingen. S. 31–32.
  28. Hans Ruppaner: Die Herrschaft Wutental. In: Wutöschingen. S. 37.
  29. Edgar Fleig: Handschriftliche, wirtschafts- und verfassungsgeschichtliche Studien zur Geschichte des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald. 1907, S. 98.
  30. Darstellung nach Hans Ruppaner: Die Landgrafschaften Stühlingen und Klettgau. In: Wutöschingen. S. 49 ff.
  31. H. Ruppaner: Der Weinbau im unteren Wutachtal. In: Wutöschingen. S. 256.
  32. Bericht eines Zeitzeugen: Franz Xaver Beck von und zu Willmendigen …. In: Wutöschingen. S. 332.
  33. Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen. In: Wutöschingen. S. 218 f.
  34. Holger Löw: Die strategische Bahn im Wutachtal. In: Wutöschingen. S. 211 f.
  35. Horst Merkel: Weimarer Republik und der II. Weltkrieg. In: Wutöschingen. S. 123 f.
  36. Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen. In: Wutöschingen. S. 233 ff.
  37. Georg Eble: Wutöschingen – aufstrebendes Kleinzentrum im Wutachtal. In: Heimat am Hochrhein 1990. S. 30.
  38. Hans Ruppaner: Das Gasthaus zum Adler in Schwerzen. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 263.