Zell unter Aichelberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Zell unter Aichelberg
Zell unter Aichelberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zell unter Aichelberg hervorgehoben
Koordinaten: 48° 39′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 384 m ü. NHN
Fläche: 6,39 km2
Einwohner: 3087 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 483 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 73119, 73087
Vorwahl: 07164
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 060
Gemeindegliederung: 2 Teilgemeinden
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lindenstraße 1-3
73119 Zell unter Aichelberg
Webpräsenz: www.zell-u-a.de
Bürgermeister: Werner Link
Lage der Gemeinde Zell unter Aichelberg im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Esslingen Landkreis Heidenheim Landkreis Reutlingen Rems-Murr-Kreis Ostalbkreis Ostalbkreis Adelberg Aichelberg (Landkreis Göppingen) Albershausen Bad Boll Bad Ditzenbach Bad Überkingen Birenbach Böhmenkirch Börtlingen Deggingen Donzdorf Drackenstein Dürnau (Landkreis Göppingen) Eislingen/Fils Heiningen (Landkreis Göppingen) Ebersbach an der Fils Eschenbach (Württemberg) Eschenbach (Württemberg) Gammelshausen Geislingen an der Steige Gingen an der Fils Göppingen Gruibingen Hattenhofen (Württemberg) Heiningen (Landkreis Göppingen) Hohenstadt Kuchen (Gemeinde) Lauterstein Mühlhausen im Täle Ottenbach (Württemberg) Rechberghausen Salach Schlat Schlierbach (Württemberg) Süßen Uhingen Wäschenbeuren Wangen (bei Göppingen) Wiesensteig Zell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild
Rathaus und Martinskirche in Zell u. A.

Zell unter Aichelberg (kurz: Zell u. A.) ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg am Fuße der Schwäbischen Alb. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Stuttgart und Ulm, am westlichen Rand des Landkreises Göppingen, liegt die Gemeinde Zell unter Aichelberg in unmittelbarer Nähe zur Schwäbischen Alb umgeben von den noch zahlreich vorhandenen Streuobstwiesen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind: Hattenhofen, Göppingen-Bezgenriet, Bad Boll, Aichelberg,(1-4 Kreis Göppingen) Ohmden und Holzmaden (5+6 Kreis Esslingen).

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zell liegt, wie seine Nachbargemeinden, auf einer aus Posidonienschiefer bestehenden Schicht, die erdgeschichtlich dem Schwarzjura (Lias) zugeordnet wird. Der Teilort Pliensbach ist namensgebend für eine Unterschicht des Lias, dem sog. Pliensbachium. Fossilienfunde aus dem Schwarzjura können im Urweltmuseum in Holzmaden besichtigt werden. Die Gemeinde ist Teil des 1979 gebildeten Grabungsschutzgebiet Versteinerungen Holzmaden.

Nördlich des Teilorts Pliensbach fließt der namensgebende Pliensbach, der sich mit dem Butzbach vereint. Obwohl der Pliensbach der größere der beiden Bäche ist, wird entgegen der Konvention, der weitere Bach Butzbach genannt. Dieser fließt bei Uhingen in die Fils. Weitere, kleinere Fließgewässer, sind der Giesbach und der Zeller Bach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus dem Dorf Zell unter Aichelberg, dem Weiler Pliensbach und dem Gehöft Erlenwasen.[2]

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1108: Erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Castellum Cella (umstritten). Andere Quellen nennen als Ersterwähnung den Eintrag des Ortes Cella bei Kirchheim in einem Schenkungsbuch aus dem Jahre 1140 des Klosters Reichenbach im Schwarzwald.
  • 1334: Durch den Verkauf des Besitzes der Grafen von Aichelberg gelangt Zell zu dem Hause Württemberg unter Graf Ulrich III.
  • 1452: Pliensbach wird württembergisch.
  • 1466: Zell fällt an Göppingen und kam damit vorübergehend in den Besitz der Herzöge von Bayern.
  • 1475: Zell wird wieder württembergisch.
  • 15. Jahrhundert: Entstehung des Zeller Stabs, einer Verwaltungsgemeinschaft mit niederer Gerichtsbarkeit der Orte Zell, Pliensbach, Aichelberg und Eckwälden.
  • September 1519: In den Auseinandersetzungen zwischen Herzog Ulrich und dem Schwäbischen Bund wurde der Ort schwer in Mitleidenschaft gezogen. Truppen des Schwäbischen Bundes verwüsteten in Zell 57 und in Pliensbach 14 Gebäude. Drei Bürger in Zell wurden erstochen.
  • 1628: Die Pest erreicht den Zeller Stab: 200 Tote in Zell, Pliensbach, Aichelberg und Eckwälden.
  • 1810: Neugliederung. Zell wird dem Oberamt Kirchheim zugeteilt.
  • Juli 1878: Abtrennung von Aichelberg
  • 1. April 1933: Eckwälden wird abgetrennt und mit der Gemeinde Boll vereinigt.
  • 1938: Zell fällt an den Landkreis Göppingen.
  • 2008: Zell feiert sein 900-jähriges Bestehen.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martinskirche, Zeichnung von Margret Hofheinz-Döring, 1977

Rund zwei Drittel der Bevölkerung von Zell sind evangelisch, rund ein Drittel ist katholisch.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

Datum Einwohner
1837 0721
1907 0970
17. Mai 1939 0661
13. September 1950 1007
27. Mai 1970 1434
31. Dezember 1983 2176
31. Dezember 1991 2577
31. Dezember 1995 2865
31. Dezember 2005 2973
31. Dezember 2010 3028
31. Dezember 2015 3087

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1938–1945: C. E. Hoyler
  • 1945–1948: diverse Amtsverweser
  • 1948–1955: P. H. Flechtner
  • 1955–1987: Gerhard Schwegler
  • Seit 1987: Werner Link. Link wurde 1995, 2003 und 2011 wiedergewählt.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens von Zell unter Aichelberg lautet: Unter goldenem, mit einer liegenden schwarzen Hirschstange belegten Schildhaupt in Rot ein gepanzerter goldener Linkarm.

Aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt ein Schultheißenamtssiegel, das ohne Schild den Buchstaben Z über zwei schräggekreuzten Laubzweigen enthält. Das Z ist noch im Jahre 1930 in einem Dienstsiegel verwendet worden. Im Jahre 1931 wurde das heutige Wappen in das Dienstsiegel aufgenommen. Der Linksarm, bei dem das Schwert zur Vereinfachung weggelassen wurde, steht für den Ortsadel, den Herren von Zell. Die Hirschstange steht für die württembergische Zugehörigkeit des Ortes seit dem 14. Jahrhundert. Da von dem Ortsadelswappen keine Farben überliefert sind, wurden sie im Jahre 1949 frei gewählt. Wappen und Flagge wurden am 19. Februar 1959 durch das Innenministerium verliehen. Die Flaggenfarben des Ortes sind Gelb-Rot.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1997 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Friedersdorf aus Sachsen-Anhalt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle öffentlichen Einrichtungen wie Kindergarten, Gemeindehalle, das Feuerwehrhaus, die Grund- und Hauptschule und der Friedhof liegen zentral in der Ortsmitte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An das überörtliche Straßennetz ist die Gemeinde durch die Landesstraße 1214/1215 und die Kreisstraße 1421 angeschlossen. Der Autobahnanschluss Aichelberg an der Bundesautobahn 8 liegt nur 3 km von dem Ortszentrum entfernt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Margarete Ostheimer gegründete Holzspielzeugfabrik Margarete Ostheimer GmbH stellt handgefertigte Holzfiguren und -tiere her, die weltweit verkauft werden.

Die Velly Friseurbetriebe GmbH, ein vorwiegend im Süden Deutschlands tätiges Friseur-Franchiseunternehmen, hat seine Sitz in Zell.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Grund- und Hauptschule Zell u. A. hat rund 300 Schüler und rund 20 Lehrkräfte. Die Hauptschule ist eine dislozierte Hauptschule, bei der die Klassen 5 bis 7 in der Nachbargemeinde Hattenhofen unterrichtet werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chor der Martinskirche mit Wandmalereien
Schäferbrunnen

In der Ortsmitte befindet sich die Martinskirche deren Namensgeber Martin von Tours ist. Die heutige Kirche stammt in ihren wesentlichen Teilen aus dem Jahre 1386. Durch einen Blitzeinschlag im Jahre 1667 erhielt die Martinskirche ihr charakteristisches Dach.
Im Inneren wurden 1907 Wandmalereien an der Nordwand und im Chor entdeckt. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Themen der in drei Reihen angelegten, durch Wellenbänder getrennten Bilder sind:
1.) Weltgericht (Nordwand, links und rechts vom mittleren Fenster)
2.) Veronika mit dem Schweißtuch (Nordwand, links unten)
3.) Kindheitsgeschichte Jesu (obere Reihe, beginnend an der Nordwand mit der Verkündigung Mariae, fortsetzend an den Chorwänden, dort endend mit der Flucht nach Ägypten)
4.) Passion (mittlere Reihe der Chorwände, beginnend mit der Ölbergszene, endend mit der Grablegung)
5.) Apostelmartyrium (untere Reihe, beginnend an der Nordwand mit Johannes im siedenden Öl, endend mit Andreas am Gabelkreuz an der Chorwand rechts)

Durch zahlreiche Anstrengungen der Kommune und der Bevölkerung konnte die Gemeinde beim Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ im Jahr 1994 den 1. Platz auf Bezirksebene erzielen. Ein Jahr später erhielt die Gemeinde die Goldmedaille auf Landesebene. Mit ausschlaggebend für diese Erfolge war sicherlich die Ortskernsanierung, bei der das Erscheinungsbild der Kommune liebevoll gestaltet wurde. Ein daraus entstandenes Wahrzeichen neueren Datums ist der Schäferbrunnen, der sich in der Ortsmitte gegenüber dem Rathaus befindet.

Im Rathaus befindet sich eine Dauerausstellung von Bildern der Malerin Margret Hofheinz-Döring, die 1974 bis 1993 in Zell wohnte. Ihr ist ein Gedenkraum im Dachgeschoss gewidmet.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestlich der Gemeinde befindet sich parallel zur Landstraße L1214 der Mostbirnenlehrpfad. Der ca. 500 m lange Pfad wurde in den Jahren 1998 bis 2003 errichtet und zeigt verschiedene Mostbirnensorten.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TSG Zell – gegründet 1949 – ist der größte Verein mit rund 600 Mitgliedern und umfasst die Abteilungen Gesang, Turnen, Faustball, Schach und Fußball.

Der Tischtennisverein Zell unter Aichelberg e. V. (TTV Zell) ist ein seit seiner Gründung im Jahre 1976 eigenständiger Tischtennisverein mit heute rund 180 Mitgliedern.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bedeutendsten Festen zählt das im Ortsteil Pliensbach stattfindende Fischerfest am Vatertag und das im Juli stattfindende Brunnenfest sowie das alljährlich im November stattfindende Remember our Youth Festival[5], ein Indoor-Rockfestival mit regelmäßig über 600[6] Besuchern sowie Auftritten von internationalen[7] Bands und Künstlern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margret Hofheinz-Döring, Malerin und Künstlerin, lebte von 1974 bis 1993 in Zell unter Aichelberg. 1990 wurde sie durch Pflanzung einer Linde geehrt.
  • Johann Rudolf Osiander, evangelischer Theologe, war von 1748 bis 1761 Pfarrer in Zell unter Aichelberg.
  • Christian Ludwig Neuffer, Dichter und Theologe, war von 1808 bis 1819 Pfarrer in Zell unter Aichelberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Theiss: Der Kreis Göppingen. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-8062-0374-1
  • Adolf Binder: Geschichte und Geschichten aus Zell am Aichelberg. 1985
  • Heribert Hummel: Wandmalereien im Kreis Göppingen. Anton H. Konrad Verlag, 1978 Weißenhorn, S. 122/23, ISBN 3-87437-150-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zell unter Aichelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 287–288
  3. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Zell unter Aichelberg.
  4. http://zellua.de/rathaus-verwaltung/rathaus/buergermeister.html
  5. Große Sause zum dritten Geburtstag (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive), Göppinger Kreisnachrichten vom 11.November 2011
  6. http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Remember-Our-Youth-Festival-feiert-rockigen-Kindergeburtstag-in-Zell;art5583,1717598
  7. http://www.royfestival.de/line-up