Neustift im Stubaital

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neustift im Stubaital
Wappen von Neustift im Stubaital
Neustift im Stubaital (Österreich)
Neustift im Stubaital
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Innsbruck-Land
Kfz-Kennzeichen: IL
Fläche: 248,99 km²
Koordinaten: 47° 7′ N, 11° 18′ OKoordinaten: 47° 6′ 37″ N, 11° 18′ 21″ O
Höhe: 994 m ü. A.
Einwohner: 4.704 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 19 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6167
Vorwahl: 05226
Gemeindekennziffer: 7 03 34
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorf 1
6167 Neustift im Stubaital
Website: www.neustift.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Peter Schönherr (junges Neustift)
Gemeinderat: (2004)
(17 Mitglieder)
7 junges Neustift, 4 Gemeinschaftsliste Neustift, 2 Gemeinsame Wirtschafts- und Zukunftsliste Neustift, 1 Allgemeine Bürgerliste, 1 Für Neustift, 1 Lebensraum Neustift, 1 Zukunft Neustift
Lage der Gemeinde Neustift im Stubaital im Bezirk Innsbruck-Land
Absam Aldrans Ampass Axams Baumkirchen Birgitz Ellbögen Flaurling Fritzens Fulpmes Gnadenwald Götzens Gries am Brenner Gries im Sellrain Grinzens Gschnitz Hall in Tirol Hatting Inzing Kematen Innsbruck Kolsass Kolsassberg Lans Leutasch Matrei am Brenner Mieders Mils Mühlbachl Mutters Natters Navis Neustift im Stubaital Oberhofen im Inntal Obernberg am Brenner Oberperfuss Patsch Pettnau Pfaffenhofen Pfons Polling in Tirol Ranggen Reith bei Seefeld Rinn Rum St. Sigmund im Sellrain Scharnitz Schmirn Schönberg im Stubaital Seefeld Sellrain Sistrans Steinach am Brenner Telfes im Stubai Telfs Thaur Trins Tulfes Unterperfuss Vals Völs Volders Wattenberg Wattens Wildermieming Zirl TirolLage der Gemeinde Neustift im Stubaital im Bezirk Innsbruck-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Neustift im Stubaital ist eine Gemeinde mit 4704 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Innsbruck Land, Tirol (Österreich).

Neustift ist (nach Sölden und Matrei in Osttirol) die flächenmäßig drittgrößte Gemeinde Tirols und eines der wichtigsten Tourismuszentren Österreichs mit über 1 Mio. Nächtigungen pro Jahr. Von weitem erkennbares Wahrzeichen ist neben den verschneiten Gletscherbergen die Pfarrkirche zum Hl. Georg, Tirols zweitgrößte Dorfkirche.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustift liegt ca. 25 km südlich der Landeshauptstadt Innsbruck und ist die hinterste der fünf Gemeinden im Stubaital. Am Eingang des Tales erheben sich wuchtige Kalkmassive. Im hinteren Tal, im Neustifter Gemeindegebiet, steigen die Gneis- und Granitgipfel mit 109 Dreitausendern bis zum ewigen Eis empor. Fünf Gletscher (im Westen Tirols Ferner genannt) bilden auf 15 Quadratkilometern ein großes Gletscherskigebiet, der Stubaier Gletscher.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus nur einer Katastralgemeinde (Neustift) und Ortschaft (Neustift im Stubaital).

Die Gemeinde gliedert sich in drei Talungen mit folgenden Orten:

im Stubaier Haupttal:

Kampl
Pfurtschell
Außerrain
Herrengasse
Neder
Schmieden
Obergasse

 

Rain
Neustift im Stubaital (Hauptort)
Scheibe
Aue
Lehner
Stackler
Autenhöfe
Milders

im Unterbergtal

Schaller
Unteregg
Oberegg
Krößbach
Neugasteig
Gasteig
Volderau
Ranalt
Mutterbergalm

im Oberbergtal

Bichl
Oberberg
Seduck

Zählsprengel sind entsprechend Neder-Kampl, Neustift-Dorf und Ober- und Unterbergtal (mit Milders).


Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Sigmund im Sellrain

Grinzens


Fulpmes

Längenfeld (Bez. Imst) Nachbargemeinden Mühlbachl

Trins

Sölden (Bez. Imst) Ratschings   Brenner
(beide Prov. Bozen, Trentino-Südtirol, IT)
Gschnitz


Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichtliche Funde aus der frühen Bronzezeit (etwa 1800–1000 v. Chr.) zeigen, dass das Tal seit alters her besiedelt war. Einige Flur-, Alm- und Hausnamen deuten auf eine vorrömische Besiedelung hin.

Als Kaiser Augustus mit seinen Legionen 15 v. Chr. gegen Norden vordrang, wurde auch das hier lebende Bergvolk und ihr Gebiet als Provinz Rätien unterworfen. Im Folgenden hinterließen die Römer durch ihre Verwaltung und später durch die Christianisierung ihre Spuren, ebenso wie die vielen rätoromanischen Flurnamen sowie die von ihnen abgeleiteten Familiennamen:

Falbeson: val busana ‚Sacktal‘
Ranalt: rovina alta ‚hohe Mure‘
Pfurtschell: furcella ‚Scharte‘[1]
Tschangelair: cingularia ‚Einzäunung‘
Kartnall: cortinale ‚kleiner Hof, Stadel‘[1]
Kampl: campus ‚Feld‘

Das Fehlen früher deutscher Ortsnamen zeigt die wohl weitgehend friedliche baiuwarische Landnahme des 7. und 8. Jahrhunderts, bei einer gleichzeitig langen Souveränität der rätoromanischen Bevölkerung, wie dies gerade für Bergbaugebiete im Alpenraum mit dem örtlichen Fachwissen der Ansässigen charakteristisch ist. Hermann Ignaz Bidermann[2] berichtet 1877 darüber, dass sich, einer Überlieferung nach, die deutschsprachige Bevölkerung des vorderen Talbereichs noch im Hochmittelalter nicht mit den rätoromanischen Stubaiern im hinteren Talbereich verständigen konnte.

Blick zur Pfarrkirche Hl. Georg

Um 993–1005 wurde das Stubaital als Stupeia erstmals urkundlich erwähnt[3], um 1400 die Großgemeinde Stubai in fünf kleine Gemeinden gegliedert: Telfes, Schönberg, Mieders, Fulpmes und „im Tal“. Obschon der Name Neustift in Urkunden aus dem 14. Jahrhundert als Niwenstift im tal ze Stubai aufscheint, dauerte es Jahrhunderte, bis sich neben der Ortsbezeichnung im Tale der heutige Name Neustift durchsetzte. „Die Tholer“ („Tal-Leute“), so werden die Einwohner von Neustift heute noch genannt. Die Gemeinde „im Tale“ umfasste 5 Stäbe (Nachbarschaften): Neder, Rain (bei dem sich der heutige Ort Neustift später um die Kirche entwickelt), Milders, Oberberg und Unterberg.[4]

König Maximilian I., der sich ab 1508 „erwählter Kaiser“ nannte, war zur Hirsch-, Gams- und Saujagd im hinteren Stubaital. 1505 stiftete er eine Kapelle, aber erst 1868 erhielten die Neustifter einen eigenen Seelsorger.

1516 wurde die erste Kirche Neustifts vom Brixener Bischof dem hl. Georg geweiht. 1772 fiel diese einer Feuersbrunst zum Opfer. Im Jahre 1768 hatte man bereits mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen, da die ursprüngliche bereits zu klein geworden war. Der Pfarrer Franz de Paula Penz war der Erbauer der eindrucksvollen Neustifter Dorfkirche. Er war einer der genialsten Kirchenbaumeister des Spätbarock in Tirol.

1812 wurde Neustift zu einer selbstständigen Pfarre. Von außen wirkt die Kirche zum hl. Georg, ein Rokokobau im Dorfzentrum, sehr schlicht, der Innenraum ist aber sehr prächtig und mit Fresken namhafter Meister gestaltet. Die Pfarrkirche in Neustift ist Tirols zweitgrößte Dorfkirche. Auf dem schönen Friedhof ist der „Gletscherpfarrer“ und Mitbegründer des Alpenvereins Franz Senn begraben.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte die SS eine Hochgebirgsschule in Neustift, bei der auch Häftlinge des KZ Dachau für Arbeiten eingesetzt wurden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck.

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

7
4
2
1
1
1
1
Von 17 Sitzen entfallen auf:
  • Junges Neustift: 7
  • Gemeinschaftsliste Neustift: 4
  • Gemeinsame Wirtschafts- und Zukunftsliste Neustift: 2
  • Allgemeine Bürgerliste: 1
  • Für Neustift: 1
  • Lebensraum Neustift: 1
  • Zukunft Neustift: 1

Die letzten Bürgermeisterwahlen fanden gleichzeitig mit den Gemeinderatswahlen am 14. März 2010 statt.[5]

Partei Prozent Stimmen Mandate Koppelung
Junges Neustift 40,10 % 1138 7 A
Gemeinschaftsliste Neustift 24,38 % 692 4
Für Neustift 7,58 % 215 1 A
Allgemeine Bürgerliste Neustift 4,65 % 132 1 B
Lebensraum Neustift 6,17 % 175 1
Gemeinsame Wirtschafts- und Zukunftsliste Neustift 9,62 % 273 2 B
Zukunft Neustift 7,51 % 213 1 B

Peter Schönherr wurde zum Bürgermeister und Hermann Stern zum Vizebürgermeister gewählt.

Regionalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zum Tiroler Planungsverband Stubaital und zur Tourismusregion Stubai Tirol. Sitzgemeinde des Planungsverbandes ist Mieders, Obmann der Bürgermeister ebenda, Manfred Leitgeb. Sitz des Tourismusverbandes ist im Stubaitalhaus in Neustift.

Hauptort der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorlage:Infobox Gemeindeteil in Österreich/Wartung/Nebenboxf0f1f0f1

Neustift im Stubaital (Dorf) (Hauptort der Gemeinde)
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Innsbruck-Landf8, Tirol
Pol. Gemeinde Neustift im Stubaital  (KG Neustift)
Ortschaft Neustift im Stubaital
Koordinaten 47° 6′ 36″ N, 11° 18′ 25″ O
Höhe 993 m ü. A.
Einwohner d. stat. Einh. 1853 (2001)
Gebäudestand 450 (2001)
Statistische Kennzeichnung
Zählsprengel/ -bezirk Neustift-Dorf (70334 000)
Bild
Neustift von der Serles (aus Südosten)
EW u. Geb. für ZSP Neustift-Dorf
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; TIRIS

Der Hauptort der Gemeinde ist das Dorf Neustift im Stubaital. Es befindet sich etwa 20 Kilometer Luftlinie südöstlich vom Stadtzentrum Innsbruck. Es liegt auf um die 990 m ü. A. Höhe im Talgrund des hinteren Stubaitals links der Ruetz.

Der Ort mit seinen direkten Nachbarorten (der Zählsprengel Neustift-Dorf) umfasst etwa 450 Gebäude mit knapp 1900 Einwohnern, das sind etwa 25 der Gemeindebevölkerung.

Neustift ist ein jüngeres Kirchdorf, das erst im Laufe der Zeit zum Zentralort der Gemeinde wurde.

Nachbarorte
Rain


Scheibe
Nachbargemeinden Neder
Aue Obergasse

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustift ist mit Innsbruck und den anderen Ortschaften im Stubaital durch die Autobuslinien 590 und 590N (beide IVB) verbunden. Es gab auch Pläne die Stubaitalbahn ( STB ) bis Neustift zu verlängern, die jedoch stillgelegt wurden. Die Gemeinde ist außerdem bis Neustift an die Landesstraße 183 angeschlossen.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptwirtschaftszweig ist der Tourismus mit dem Gletscherskigebiet Stubaier Gletscher und dem ganzen Verbund Stubai Tirol. Gemeinsam mit den Anlagen in den übrigen drei Skigebieten (Elfer-Lifte, Schlick 2000 und Serles-Lifte) laufen talweit 42 Bahnen und Lifte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Neustift im Stubaital

Besonders sehenswert ist der etwa 3,5 Kilometer südlich des Ortsteils Ranalt gelegene Grawa-Wasserfall. Dieser gilt als einer der schönsten Wasserfälle Österreichs und ist durch den „Wilde-Wasser-Weg“ mit zwei Aussichtsplattformen erschlossen.

Tradition und Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die meisten Bräuche sind seit alters vom religiösen Leben und vom Ablauf des bäuerlichen Arbeitsjahres bestimmt. Mit dem Wandel der rein bäuerlichen Dorfgemeinschaft zur heutigen Gesellschaft haben manche alte Bräuche im Bewusstsein vieler Menschen ihren Sinn eingebüßt – oft haben sich auch neue Bräuche gebildet, die den Lebensformen der heutigen Gesellschaft besser entsprechen.

Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und der Hohe Frauentag sind auch heute noch hohe Festtage, welche mit einer Prozession festlich gefeiert werden.

Die Herz-Jesu-Feuer, der Michaeli-Markt und das Erntedankfest im Spätherbst zählen zu weiteren Eckpfeilern dieser Kultur.

Ein Stubaier Mann musste bei der Hochzeit haben:

  • eine breite Hand, damit er viel durch die Finger sehen kann,
  • einen großen Hals, damit er viel schlucken kann,
  • eine feste Leber, weil viel drüber kriecht,
  • ein steinhartes Herz, damit er die Stiche nicht spürt.

Am Hochzeitstag legte die Braut ein ihr gehöriges Kleidungsstück über die Hose des Mannes, dann hatte sie die Hose an.

Nicht alle Bräuche haben das 21. Jahrhundert erreicht, aber im Stubaital wird Tradition und Brauchtum schon allein um des Tourismus willen noch aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neustift im Stubaital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ähnliche geographische Bezeichnungen finden sich in heute noch rätoromanischen Sprachgebieten. So etwa die Namen Furtschellas und Curtinella (vgl. ebenso Curdinals, Curtinal) bei Zuoz im Engadin, Graubünden.
  2. Hermann Ignaz Bidermann: Die Romanen und ihre Verbreitung in Österreich. Graz 1877, S. 108 http://www.archive.org/stream/dieromanenundih00bidegoog#page/n7/mode/2up
  3. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 135–137, Nr. 170.
  4. Geschichte Tirol: Neustift im Stubaital
  5. [1] tirol Unser Land