Angebotspolitik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Angebotspolitik (Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik) wurde von Wirtschaftswissenschaftlern in den 1930er-Jahren entwickelt und in den 1970er-Jahren neu aufgegriffen. Sie basiert im Wesentlichen auf der Annahme, dass Unternehmen (Anbieter) auf der Grundlage ihrer Gewinn- bzw. Renditeerwartungen über Investitionen und damit auch über die Schaffung von Arbeitsplätzen entscheiden. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Investitionsbedingungen. Durch den Anreiz für die Unternehmen zu investieren soll ein angemessenes Wachstum und dadurch ein hoher Beschäftigungsstand erreicht werden. Auf Eingriffe des Staates soll weitestgehend verzichtet werden.

Erreicht werden sollen diese Ziele durch

Die Angebotspolitik ist neben der so genannten Nachfragepolitik (Keynesianismus) eine der zwei maßgeblichen Politikempfehlungen der Wirtschaftswissenschaften zur Förderung von Konjunktur und Beschäftigung und basiert auf dem Monetarismus. Die große Mehrheit der Ökonomen neigt der Angebotspolitik zu.

Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik erlaubt auch staatliche Ausgaben zur Verbesserung der Situation der Angebotsseite (Unternehmen), z. B. Investitionen in die Infrastruktur oder andere Ausgaben, die der Wirtschaft direkt zugute kommen. Die nachfrageorientierte Variante hingegen versucht, durch höhere Löhne und beschäftigungsintensive Maßnahmen (Arbeitnehmer, Kaufkraft) oder durch höhere Staatsausgaben die Nachfrageseite zu stärken.

Im Kern geht die Angebotstheorie auf das saysche Theorem zurück, benannt nach Jean-Baptiste Say (1767–1832). Es beruht auf der Annahme, dass das Angebot selbst für optimale Bedingungen sorgt, um Nachfrage zu schaffen.

Eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik wurde teilweise in den USA unter Ronald Reagan praktiziert (Reaganomics), in Großbritannien unter Margaret Thatcher (Thatcherismus) und in jüngster Zeit z.B. in Irland und Neuseeland. In allen diesen Ländern sank in der Folgezeit die Arbeitslosigkeit. Umstritten ist jedoch, ob dies allein auf die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist und nicht auf zyklische Konjunkturschwankungen bzw. anderen makroökonomischen Einflüssen.

In den meisten Industrieländern ist ein Trend zu einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik zu beobachten, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß und teilweise unter Einbeziehung nachfrageorientierter Elemente.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge