Basil Rathbone

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Philip St. John Basil Rathbone (* 12. Juni 1892 in Johannesburg, Südafrikanische Republik; † 21. Juli 1967 in New York City, New York, Vereinigte Staaten) war ein britischer Schauspieler. Im Laufe seiner langen Filmkarriere wurde Rathbone häufig in Abenteuerfilmen, Literaturverfilmungen und Horrorfilmen als eleganter Bösewicht besetzt; sodass er als einer der bekanntesten Schurkendarsteller der Filmgeschichte gilt. Seine berühmteste Rolle war allerdings Sherlock Holmes, den er in insgesamt 14 Kriminalfilmen zwischen 1939 und 1946 verkörperte. Er zählt bis heute zu den beliebtesten und einflussreichsten Darstellern des Meisterdetektives. Auch als Theaterschauspieler war Rathbone erfolgreich, so erhielt er den Tony Award als Bester Hauptdarsteller. Er war zweimal für den Oscar nominiert und besitzt drei Sterne auf dem Hollywood Walk of Fame.

Leben[Bearbeiten]

Basil Rathbone wurde unter dem Namen Philip St. John Basil Rathbone am 12. Juni 1892 in Johannesburg als Sohn britischer Eltern geboren. Seine Mutter Anna Babera George war eine Violinspielerin, sein Vater Edgar Philip Rathbone ein Mineningenieur und Mitglied der bekannten Rathbone Family aus Liverpool. Die Rathbones aus Liverpool galten als nonkonformistische, aber zugleich öffentlich engagierte Familie. Die Politikerin Eleanor Rathbone ist mit Basil Rathbone verwandt, ebenso weitläufig der US-Bürgerkriegsgeneral Henry Rathbone, welcher neben Abraham Lincoln bei dessen Ermordung saß. Auch der Schauspieler Jackson Rathbone gab an, mit Basil Rathbone weitläufig verwandt zu sein. Basil Rathbone hatte zwei ältere Halbbrüder, Harold und Horace, sowie zwei jüngere Geschwister, Beatrice und John.

Als Basil drei Jahre alt war, floh er mit seiner Familie von Südafrika nach Großbritannien, weil sein Vater von den Buren angeklagt wurde, ein britischer Spion zu sein. Rathbone sagte später, dass er nicht wisse, ob sein Vater ein Spion gewesen sei oder nicht, weil er ihn nie danach gefragt hatte. Basil Rathbone besuchte die angesehene Repton School in Repton in Derbyshire. Hier entdeckte er auch seine Leidenschaft für das Theater. 1914 heiratete er die Schauspielerin Ethel Marion Foreman, mit der er einen Sohn namens Rodion Rathbone (1915–1996) hatte, der sich selbst kurze Zeit als Schauspieler versucht hat und neben seinem Vater 1939 in Der Henker von London spielte.

Ab 1916 diente in den Ersten Weltkrieg mit dem London Scottish Regiment, in dem auch andere Schauspieler wie Claude Rains waren. Am Ende des Krieges hatte er den Posten eines Offiziers erreicht und wurde mit dem Military Cross ausgezeichnet. Sein jüngerer Bruder John fiel allerdings im Krieg. Nachdem 1926 die Ehe zwischen Basil und Ethel geschieden wurde, heiratete er ein Jahr später die Drehbuchautorin Ouida Rathbone (1886–1974). Das Ehepaar adoptierte eine Tochter namens Cynthia (1939–1969). Rathbone verlagerte zu diesem Zeitpunkt auch seinen Lebensmittelpunkt in die Vereinigten Staaten. Der Schauspieler soll auch eine Liebesgeschichte mit dem ansonsten als lesbisch geltenden Theaterstar Eva Le Gallienne gehabt haben.

Rathbone blieb mit Ouida über 41 Jahre bis zu seinem Tod verheiratet und die Ehe galt als eine der vorbildlichsten Hollywoods. Das Ehepaar veranstaltete große Feiern auf ihrem Anwesen in Kalifornien, welches auch einmal von Jack Dempsey bewohnt worden war. Im Film The Ghost Breakers (1940) macht Bob Hopes Figur, während ein heftiger Sturm vorüberzieht, den Witz, dass Basil Rathbone wohl gerade eine Party veranstalten würde Im Gegensatz zu vielen seiner Filmfiguren galt Rathbone als freundlicher Mensch, welcher zeitweise bis zu sechs Hunde hielt, Mitglied von C. Aubrey Smiths Cricket-Club in Hollywood war und gut mit Kindern umgehen wollte. Rathbone und seine Frau waren ebenfalls gern gesehene Gäste auf Feiern von berühmten Persönlichkeiten wie William Randolph Hearst.

Basil Rathbone starb plötzlich am 21. Juli 1967 im Alter von 75 Jahren in seinem New Yorker Apartment an einem Herzinfarkt.

Karriere[Bearbeiten]

1911–1935: Auftritte am Theater[Bearbeiten]

Nachdem er eine kurze Zeit als Versicherungskaufmann gearbeitet hatte, gab der 19-jährige Rathbone 1911 sein Schauspieldebüt am Theater in Ipswich mit einer Aufführung von Shakespears Der Widerspenstigen Zähmung. Im Jahre 1912 reiste er mit Frank Bensons Schauspieltruppe in die Vereinigten Staaten. Er spielte in den ersten Jahren vor allem in Shakespeare-Stücken; etwa als Paris in Romeo und Julia, Fenton in Die lustigen Weiber von Windsor, Lysander in Ein Sommernachtstraum und Silvius in Wie es euch gefällt. Seinen ersten Auftritt in London hatte Rathbone im Juli 1914 im Savoy Theatre.

Nach einem Einsatz im ersten Weltkrieg setzte seine Karriere sich erfolgreich fort. 1921 hatte er schließlich seinen ersten Filmauftritte in den Stummfilmen Innocent und The Fruitful Wine. Viele weitere, heute nahezu unbekannte Stummfilme folgten. Sein Schwerpunkt lag jedoch weiterhin in der Theaterarbeit, in den 1920er-Jahren hatte er zahlreiche Auftritte am Broadway.[1] Seiner ganzen Karriere über blieb er dem Theater verbunden und zog es in vielen Belangen dem Filmgeschäft vor. Den Übergang zum Tonfilm schaffte er in der Folgezeit ohne Probleme und schließlich zog er nach Hollywood, wo er aber nur in kleineren Produktionen oder ungünstigen Rollen eingesetzt wurde. Während dieser Zeit verkörperte er auch noch häufiger sympathische Figuren. 1933 kehrte er nach Großbritannien für den Film Loyalities, in dem er einen Juden verkörpert, der nur wegen seines Geldes von der Gesellschaft akzeptiert wurde.

1935–1939: Durchbruch als Schurkendarsteller[Bearbeiten]

Er kehrte 1935 nach einem Theaterengagement nach Hollywood zurück, wo ihm mit seinem ersten Film der endgültige Durchbruch gelang. In David Copperfield, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Charles Dickens, spielte er 1935 an der Seite von Stars wie W. C. Fields und Lionel Barrymore den grausamen Stiefvater der Titelfigur, der den Jungen mit fragwürdigen Methoden erzieht. Im gleichen Jahr spielte als rücksichtsloser Marquis St. Evremonde in Flucht aus Paris in einer weiteren Dickens-Verfilmung den Bösewichten, außerdem spielte er an der Seite von Greta Garbo und Fredric March in Anna Karenina auf, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Leo Tolstoj. Rathbone spielte darin den Fürsten Alexej Karenin, Anna Kareninas langweiligen und eifersüchtigen Ehemann. In den folgenden Jahren verkörperte er weitere Bösewichte aus der klassischen Literatur und er galt als Idealbild des „eleganten Schurken“. Die meisten seiner Figuren waren rücksichtslos und brutal, besaßen aber gleichzeitig häufig Charisma und Intelligenz.

Unter anderem war er neben Kay Francis als böser Verführer in Confession zu sehen und verkörperte Pontius Pilatus in Die letzten Tage von Pompeji. Bekannt wurde er ebenfalls durch seine Darstellung von Mantel-und-Degen-Bösewichten in Abenteuerfilmen, etwa an der Seite von Gary Cooper in Die Abenteuer des Marco Polo aus dem Jahre 1938 sowie in seinen Filmrollen neben Errol Flynn: In Unter Piratenflagge (1935) spielte er einen Piratenkapitän und in Robin Hood, König der Vagabunden war er als Sir Guy of Gisbourne zu sehen. Beide Filme gelten heute als Abenteuerklassiker und in beiden Filmen wird Rathbones Figur am Ende von Flynn im Fechtduell getötet. Ironischerweise war er der beste Fechter in Hollywood und gab seinen „Gegnern“ Unterricht, damit sie ihn schlagen konnten. Den einzigen Fechtkampf seiner gesamten Filmkarriere, welchen er gewinnen konnte, war als Tybalt in Romeo und Julia (1936). Für seinen Auftritt als Tybalt wurde er für 1937 den Oscar nominiert, ebenfalls 1939 für seinen König Ludwig XI. in Wenn ich König wär. Beide Male unterlag er allerdings Walter Brennan.

Seltener verkörperte Rathbone auch gutmütige Rollen: Im Filmmusical Make a Wish (1937) verkörperte er einen Komponisten, welcher Inspiration für sein neues Stück sucht; und im Kriegsfilm The Dawn Patrol (1938) spielte er 1938 den ehrenhaften Kommandanten von Errol Flynn.

1939–1946: Karrierehöhepunkt als Sherlock Holmes[Bearbeiten]

Zeichnung von Sherlock Holmes aus den Originalbüchern von Conan Doyle. Rathbone wird nachgesagt, diesen Zeichnungen sehr ähnlich zu sehen

1939 spielte Basil Rathbone Sherlock Holmes in Der Hund von Baskerville an der Seite von Lionel Atwill als Dr. Mortimer und John Carradine als Diener Barryman (im Roman: Barrymore). Die Rolle des Dr. John Watson verkörperte Nigel Bruce. Der Erfolg des Films führte dazu, dass noch im gleichen Jahr ein weiterer Sherlock-Holmes-Streifen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce als Sherlock Holmes und Doktor Watson sowie George Zucco als Professor Moriarty unter dem Titel Die Abenteuer des Sherlock Holmes entstand. Er basiert auf einem Theaterstück des Schauspielers William Gillette (1853–1937), das schon mehrfach verfilmt worden war, unter anderem mit Gillette selbst in der Rolle des Sherlock Holmes. Der Hund von Baskerville und Die Abenteuer des Sherlock Holmes spielten beide im England zur Zeit der Königin Victoria.

Der Erfolg der beiden Filme führte dazu, dass zwischen 1942 und 1946 zwölf weitere Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce entstanden. Allerdings übernahm nicht mehr 20th Century Fox die Produktion, sondern Universal Pictures. Bei elf dieser zwölf Universal-Filme führte Roy William Neill Regie. Die Filme basieren zum Teil auf Erzählungen von Arthur Conan Doyle, die Handlung wurde wegen des Zweiten Weltkrieges jedoch vom viktorianischen England in die Zeit der Entstehung der Filme verlegt, also in die 1930er und 1940er. Zudem wurden die Filme bei Universal zusehends billiger und mit weniger bekannten Co-Darstellern gedreht, was dem Erfolg der Reihe allerdings keinerlei Abbruch tat. Gleichzeitig entstand eine Serie von Radio-Hörspielen mit Rathbone als Sherlock Holmes und Nigel Bruce als Doktor Watson. Ursprünglich war Rathbone froh gewesen, seinem Schurkenimage zu entkommen, doch 1946 ließ er beide Serien einstellen, um der Rolle zu entkommen.

Seinen ersten Horrorfilm hatte Basil Rathbone unmittelbar vor The Hound of the Baskervilles gedreht. In Frankensteins Sohn verkörpert er Wolf von Frankenstein, dessen Vater Victor von Frankenstein einst das Monster schuf. Als er in das Schloss seiner Eltern zurückkehrt, wird Wolf von Frankenstein von Ygor gezwungen, das Monster wiederzubeleben. In weiteren Rollen sind Boris Karloff als Monster, Bela Lugosi als Ygor und Lionel Atwill als Inspektor Krogh zu sehen. Mit Boris Karloff drehte Basil Rathbone zudem Der Henker von London, in dem er den machtbesessenen König Richard III. und Boris Karloff seinen glatzköpfigen Henker spielt. Jedes Mal, wenn Richard jemanden seiner Rivalen tötet, entfernt er Figuren aus dem Puppenhaus, die den Thronsaal darstellen sollen. Mit Bela Lugosi drehte er später die Horrorfilme The Black Cat und Die Schreckenskammer des Dr. Thosti.

1946–1967: Späte Karriere[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Sherlock-Holmes-Serie zog Rathbone sich für einige Jahre aus dem Filmgeschäft zurück. 1947 wurde er mit dem Tony Award als bester Schauspieler in einem Theaterstück für das Stück The Heiress ausgezeichnet. Für die Verfilmung Die Erbin wurde jedoch anstelle von ihm Ralph Richardson verpflichtet, was Rathbone sehr kränkte. Zum Nachteil seiner späten Filmkarriere wurde oftmals, dass er wegen seiner Popularität als Sherlock Holmes fast ausschließlich mit dieser Rolle identifiziert wurde und Produzenten so davor zurückschreckten, ihn in anderen Rollen zu besetzen. 1953 schrieb Rathbones Frau Ouida ein Stück mit dem Titel Sherlock Holmes, welches am Broadway lief, allerdings erhielt das Stück schlechte Kritiken und wurde bereits nach kurzer Zeit abgesetzt. Ab den 1950er-Jahren arbeitete er viel im aufkommenden US-Fernsehen, zum Beispiel 1955 sowie 1958 jeweils mit Frederic March Charles Dickens Eine Weihnachtsgeschichte. Zunächst spielte March den Ebeneezer Scrooge und Rathbone den von ihm betrogenen und daraufhin verstorbenen Geschäftspartner, welcher ihm als Geist erscheint, in der Version drei Jahre tauschten sie ihre Rollen.

Nach fast einem Jahrzehnt mit seltenen Filmauftritten belebte die Komödie Wir sind keine Engel aus dem Jahre 1955 wieder Rathbones Filmkarriere. An der Seite von Peter Ustinov und Humphrey Bogart verkörperte er einen habgierigen Onkel, welcher sich ein Geschäft unter den Nagel reißen will, jedoch im Verlaufe eines Filmes von einer Schlange zu Tode gebissen wird. Hiermit begann Rathbones letzter Karriereabschnitt, indem er oft seine berühmten Schurkenrollen parodierte, wie etwa in der Robin-Hood-Persiflage Der Hofnarr (1955), in welcher er als intrigranter Königsberater Lord Ravenhurst den Widerpart zu Danny Kaye bildet. In John Fords Drama Das letzte Hurra (1958) bringt er Spencer Tracys altgedienten Politiker in der Rolle eines unerbittlichen Bankiers zu Fall. Ende der 1950er-Jahre veröffentlichte Rathbone seine Biografie In and Out of Character

In den 1960er-Jahren drehte Basil Rathbone unter anderem die Horrorfilme Der grauenvolle Mr. X, eine Edgar-Allan-Poe-Verfilmung mit Vincent Price und Peter Lorre unter der Regie von Roger Corman, sowie die Horrorkomödie Ruhe Sanft GmbH mit Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff. Bis zu seinem Tod war der Charakterdarsteller als Schauspieler aktiv, wenngleich seine Filme zumeist nicht mehr die frühere Qualität erreichten. Er trat in zahlreichen Fernsehshows als Gast auf. Sein letzter Film war der mexikanische Low-Budget-Film Autopsia de un fantasma und ein drittklassiger Musikfilm Hillibillys in a Haunted House, beide Male zusammen mit John Carradine. Zugleich finanzierte er mit diesen Auftritten seine eigenen Theaterprogramme, mit welchen er durch die Vereinigten Staaten tourte.

Rathbone zu Ehren gibt es drei Sterne auf dem Hollywood Walk of Fame – jeweils einen für Film, Fernsehen und Radio. Der Vorname der Hauptfigur im Disney-Zeichentrickfilm Basil, der große Mäusedetektiv ist Rathbone gewidmet. In einer Szene, in der der Schatten von Sherlock Holmes an die Wand geworfen wird, ist zudem im Original die Stimme von Basil Rathbone aus alten Aufnahmen zu hören.

Filmografie[Bearbeiten]

Filme als Sherlock Holmes[Bearbeiten]

Weitere Filme[Bearbeiten]

(Fernsehauftritte nicht mitgezählt)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Autobiografie[Bearbeiten]

  • In and Out of Character. Limelight Editions, New York 1997, ISBN 0-87910-119-9. (Originalausgabe 1960)

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rainer Dick: Basil Rathbone. Der aristokratische Bösewicht. In: Rainer Dick: Die Stars des Horrorfilms. Tilsner, München 1996, ISBN 3-910079-63-6, S. 129–137.
  • Michael B. Druxman: Basil Rathbone. His Life and His Films. Barnes, South Brunswick 1976, ISBN 0-498-01471-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basil Rathbone – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Basil Rathbone bei der Internet Movie Database