Brunnenvergiften

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Dieser Artikel behandelt das rhetorische Mittel des Brunnenvergiftens. Für das Vergiften von Brunnen im wörtlichen Sinne siehe Brunnenvergiftung.
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Das Brunnenvergiften ist ein Spezialfall des Argumentum ad hominem. (Vergleiche auch: „Brunnenvergiftung“ als Vorwand für Verfolgungen)

Das rhetorische Mittel der Brunnenvergiftung (oder der Versuch derselben) ist ein logischer Fehlschluss, der, wenn er bewusst verwendet wird, ein bösartiges Mittel eines Diskussionsbeginns ist.

Es wird vom „Brunnenvergifter“ eine feindselige und verzerrte „Information“ über oder an einen Adressaten oder seine Diskussionsposition präventiv präsentiert, um den Adressaten oder dessen Diskussionsposition von vorneherein zu diskreditieren, zu verunglimpfen und/oder lächerlich zu machen.

Ein Beispiel:

„Bevor wir anfangen, über die verschiedenen Möglichkeiten der Familienplanung zu reden, möchte ich kurz daran erinnern, dass es derzeit leider immer noch Staaten gibt, in denen staatlich sanktioniert Tausende von unschuldigen, wehrlosen Menschen auf bestialische Weise getötet werden. Und es ist leider immer noch so, dass es widerliche Individuen und Kindermörder gibt, die diese Nazimethoden als ‚Abtreibung‘ gutheißen.“

Derjenige, der dann eine solche Position (in diesem Fall die Befürwortung des Rechtes auf Abtreibung) vertreten will, wird folglich vom Publikum als ein möglicher „Kindermörder“ wahrgenommen und muss zumindest damit rechnen, dass die vorgebrachten Vorwürfe, so weit hergeholt sie auch sein mögen, teilweise an ihm hängenbleiben.

Weiterhin muss er mit weiteren persönlichen Attacken rechnen, die durch die Einleitung „legitimiert“ worden sind und eine sachliche Diskussion im Keim ersticken. Damit ist die abschreckende Wirkung dieser Argumentationsweise erreicht und genau darauf zielt der Brunnenvergifter ab, um eine ihm nicht genehme Meinung zu unterdrücken.

Die Methode lohnt sich vor allem dann, wenn eine Diskussionsposition von den meisten anderen Anwesenden missbilligt wird (insbesondere wenn ein kulturelles Tabu verletzt wird), es jedoch sehr triftige Gründe für die Richtigkeit dieser Position gibt und die Gegenargumente einer genauen sachlichen Prüfung nicht standhalten würden.

Trotz seiner scheinbaren Effektivität hat das Brunnenvergiften eklatante Schwächen:

  • Wird die Methode allzu oft wiederholt, stumpft das Publikum ab und die (vorgetäuschte) Empörung des Brunnenvergifters wirkt immer mehr aufgebauscht und gekünstelt.
  • Insbesondere bei zu drastischen Vergleichen wird sich das Publikum meist abgestoßen fühlen und die Legitimation in Frage ziehen, solche Vergleiche ins Feld zu führen. Der Brunnenvergifter stellt sich dann als jemand dar, dem selbst jeglicher Anstand fehlt und dem der Zweck jedes Mittel heiligt.
  • Schlimmstenfalls bzw. bestenfalls klingt der Brunnenvergifter lächerlich oder wird durch eine spitz formulierte Antwort in Verlegenheit gebracht. Er wirkt dann als weltfremder Eiferer, und seine persönliche oder ideologische Motivation tritt überdeutlich zu Tage.