Erlang-Verteilung
Die Erlang-Verteilung ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung, eine Verallgemeinerung der Exponential-Verteilung und ein Spezialfall der Gamma-Verteilung. Sie wurde von Agner Krarup Erlang für die statistische Modellierung der Intervall-Längen zwischen Telefonanrufen entwickelt.
Die Erlang-Verteilung wird in der Warteschlangentheorie verwendet, um die Verteilung der Zeitspanne zwischen Ereignissen eines Poisson-Prozesses, beispielsweise der Ankunft von Kunden, zu erfassen, sowie in der Qualitätssicherung zur Beschreibung von Lebensdauern. In Callcentern wird diese Verteilung für die Personaleinsatzplanung genutzt, um die Anzahl der benötigten Agents auf Grund des erwarteten Anrufvolumens im Zeitintervall zu bestimmen.
Die Erlang-Verteilungsdichte liefert die Verteilung der Wahrscheinlichkeit dafür, dass nach Verstreichen des Orts- oder Zeitabstands
das
-te Ereignis eintritt, wenn man
Ereignisse pro Einheitsintervall erwartet (siehe Herleitung). Sie beschreibt die Verkettung von
Ereignissen. Der wahrscheinlichste Abstand bis zum
-ten Ereignis (Modus) ist kleiner als der Mittelwert (Erwartungswert), weil kürzere Ereignisabstände häufiger auftreten. Füllt man die der Größe nach sortierten Abstände der jeweiligen Einzelereignisse in ein Histogramm, so zeigt dieses dementsprechend eine Exponential-Verteilung.[1]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Definition
Die Erlang-Verteilung
mit den Parametern
(einer positiven reellen Zahl) und
(einer natürlichen Zahl) ist eine spezielle Gammaverteilung, die durch die Dichtefunktion
festgelegt wird, und die sich von der allgemeinen Gammaverteilung durch die Beschränkung auf natürliche Zahlen im zweiten Parameter unterscheidet.
Für eine erlangverteilte Zufallsvariable
ist die Wahrscheinlichkeit, dass
innerhalb des Intervalls
liegt, durch die Verteilungsfunktion
gegeben, wobei
die unvollständige Gammafunktion bezeichnet.
[Bearbeiten] Herleitung
Es sei
eine Orts- oder Zeitvariable und
die konstante Eintretenshäufigkeit von Ereignissen im Einheitsintervall von
, dann ist die Verteilung der Größe des Abstandes
bis zum Eintreten des
-ten Ereignisses gesucht. Wie ist die Größe der möglichen
-Bereiche für
bereits eingetretene Ereignisse verteilt?
Diese Verteilung ergibt sich aus der Poisson-Verteilung: die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von
Ereignissen innerhalb des Intervalls
ist
Betrachtet man nun diesen Ausdruck nicht mehr bei festem Bereich
als Funktion für die Wahrscheinlichkeit von
Ereignissen, sondern bei gegebenem
als Funktion für die Wahrscheinlichkeit der Bereichsgröße
, so entsteht nach der noch notwendigen Normierung (Integral der Dichte gleich eins)
die Wahrscheinlichkeitsdichte
der Erlang-Verteilung.
[Bearbeiten] Eigenschaften
Da eine erlangverteilte Zufallsvariable
die Summe von
unabhängig und identisch mit Parameter
exponentialverteilten Zufallsvariablen
ist, ergeben sich die folgenden Eigenschaften.
[Bearbeiten] Erwartungswert
Die Erlang-Verteilung besitzt den Erwartungswert
[Bearbeiten] Varianz
Analog ergibt sich die Varianz zu
[Bearbeiten] Modus
Der Modus, das Maximum der Dichte, liegt bei
[Bearbeiten] Charakteristische Funktion
Aus der charakteristischen Funktion einer exponentialverteilten Zufallsvariablen erhält man die einer erlangverteilten Zufallsvariable:
[Bearbeiten] Momenterzeugende Funktion
Analog ergibt sich für die Momenterzeugende Funktion
[Bearbeiten] Entropie
Die Entropie der Erlang-Verteilung beträgt
wobei ψ(p) die Digamma-Funktion bezeichnet.
[Bearbeiten] Beziehungen zu anderen Verteilungen
[Bearbeiten] Beziehung zur Exponentialverteilung
- Die Erlang-Verteilung
ist eine Verallgemeinerung der Exponentialverteilung, denn sie geht für
in diese über
. - Es seien
viele, alle mit dem gleichen Parameter
exponentialverteilte Zufallsvariablen
, die stochastisch unabhängig sind, gegeben. Dann ist die Zufallsvariable
Erlang-verteilt mit den Parametern
und
.
[Bearbeiten] Beziehung zur Poisson-Verteilung
- Für einen Poisson-Prozess wird die zufällige Anzahl der Ereignisse bis zu einem definierten Zeitpunkt mittels Poisson-Verteilung
bestimmt, die zufällige Zeit bis zum
-ten Ereignis ist Erlang-verteilt. Im Fall
geht diese Erlang-Verteilung in eine Exponentialverteilung über, mit der die Zeit bis zum ersten zufälligen Ereignis sowie die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen bestimmt werden kann. - Die Erlang-Verteilung ist die zur Poisson-Verteilung konjugierte Verteilung.
- Für die Verteilungsfunktionen der Erlang-Verteilung und der Poisson-Verteilung gilt
.
[Bearbeiten] Beziehung zur stetigen Gleichverteilung
Eine Erlang-Verteilung kann als Faltung von
gleichmäßig stetig verteilten Funktionen
erzeugt werden:
[Bearbeiten] Beziehung zur Gamma-Verteilung
Die Erklärung dieser Beziehung findet man am Anfang des Artikels in der Definition.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Frodesen, Skjeggestad, Tofte: Probability and Statistics in Particle Physics, Universitetsforlaget, Bergen Oslo Tromsö S. 98.












in diese über
.
, die
Erlang-verteilt mit den Parametern
.
bestimmt, die zufällige Zeit bis zum
.