Poisson-Verteilung
Die Poisson-Verteilung (benannt nach dem Mathematiker Siméon Denis Poisson) ist eine diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung, die einen häufig vorkommenden Spezialfall der Binomialverteilung darstellt. Wie diese sagt sie das zu erwartende Ergebnis einer Serie von Bernoulli-Experimenten voraus. Letzteres ist ein Zufallsexperiment, das nur zwei mögliche Ergebnisse besitzt (z. B. „Erfolg“ und „Misserfolg“). Führt man ein solches Experiment sehr oft durch und ist die Erfolgswahrscheinlichkeit gering, so ist die Poisson-Verteilung eine gute Näherung für die entsprechende Wahrscheinlichkeitsverteilung, die Binomialverteilung, die aber in diesem Fall oft wegen großer Fakultäten nicht so einfach zu berechnen ist.
Während der Beobachtung, die in beliebig viele Momente (Bernoulli-Experimente) unterteilt werden kann, geschieht fast immer nichts und hin und wieder etwas. Die Poisson-Verteilung wird deshalb manchmal als die Verteilung der seltenen Ereignisse bezeichnet (siehe auch Gesetz der kleinen Zahlen). Die bei der Binomialverteilung vorhandene Symmetrie zwischen Erfolg und Misserfolg mit jeweils anzugebenden Wahrscheinlichkeiten ist hier verloren gegangen. Beispielsweise erlaubt die Poisson-Verteilung zwar die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, dass kein Blitz einschlägt, aber die Frage danach, wie oft der Blitz nicht einschlägt, ist wegen der kontinuierlichen Beobachtung sinnlos.
Die mit
bezeichnete Wahrscheinlichkeitsverteilung wird durch den Parameter
bestimmt, der gleichzeitig Erwartungswert und Varianz der Verteilung ist. Sie ordnet den natürlichen Zahlen
die Wahrscheinlichkeiten wie folgt zu:
wobei
die Eulersche Zahl (Basis der natürlichen Exponentialfunktion),
eine reelle positive Zahl und
die Fakultät von
bezeichnet.
Der Parameter
der Poisson-Verteilung bezeichnet anschaulich die erwartete Ereignishäufigkeit, wenn man sich auf ein bestimmtes Beobachtungsintervall
festgelegt hat:
wobei
die konstante Ereignisrate (Anzahl pro Einheitsintervall) bedeutet.
Die Poisson-Verteilung liefert also Voraussagen über die Anzahl (
) des Eintretens voneinander unabhängiger Ereignisse, die in zufälliger Sequenz innerhalb eines bestimmten Intervalls auftreten, wenn aus vorangehender Beobachtung bereits bekannt ist, wie viele Ereignisse man im Mittel innerhalb dieses Intervalls erwartet (
).
Zufallsvariablen mit einer Poisson-Verteilung genügen dem Poisson-Prozess.
Poisson veröffentlichte 1837 seine Gedanken zu dieser Verteilung zusammen mit seiner Wahrscheinlichkeitstheorie in dem Werk „Recherches sur la probabilité des jugements en matières criminelles et en matière civile“ („Untersuchungen zur Wahrscheinlichkeit von Urteilen in Straf- und Zivilsachen“).
Erweiterungen der Poisson-Verteilung wie die Verallgemeinerte Poisson-Verteilung und die Gemischte Poisson-Verteilung werden vor allem im Bereich der Versicherungsmathematik angewendet.
Inhaltsverzeichnis
|
Herleitung[Bearbeiten]
Die Poisson-Verteilung ergibt sich einerseits als Grenzfall der Binomial-Verteilung, andererseits lässt sie sich aus grundlegenden Prozesseigenschaften (poissonsche Annahmen) ableiten. Wenn diese Eigenschaften einem Geschehen in guter Näherung zugeordnet werden können, wird die Ereignishäufigkeit Poisson-verteilt sein.
Man betrachtet ein Raum- oder Zeitkontinuum
(das Bernoulli-Experiment wird sehr oft, sozusagen an jedem Punkt des Kontinuums durchgeführt), ‚auf‘ dem zählbare Ereignisse mit konstanter mittlerer Anzahl
pro Einheitsintervall stattfinden. Nun richtet man den Blick auf ein ‚genügend‘ kleines Kontinuumsintervall
, das je nach Experiment einen Bereich, ein Zeitintervall, eine abgegrenzte Strecke, Fläche oder Volumen darstellen kann. Was sich dort ereignet, bestimmt die globale Verteilung auf dem Kontinuum.
Die drei poissonschen Annahmen lauten:
- Innerhalb des Intervalls
gibt es höchstens ein Ereignis und beliebig viele Momente, in denen nichts geschieht (Seltenheit). - Die Wahrscheinlichkeit, ein Ereignis im Intervall zu finden, ist proportional zur Länge des Intervalls
. Da
konstant ist, ist es damit auch unabhängig von
. - Das Eintreten eines Ereignisses im Intervall
wird nicht beeinflusst von Ereignissen, die in der Vorgeschichte stattgefunden haben (Geschichtslosigkeit).
Mit Annahme 1 und 2 ist die Wahrscheinlichkeit, ein Ereignis im Intervall
zu finden, gegeben als
sowie die Wahrscheinlichkeit eines leeren Intervalls durch
Nach Annahme 3 ist die Wahrscheinlichkeit eines leeren Intervalls
unabhängig vom Auftreten irgendwelcher Ereignisse im Bereich
davor. So berechnet man die Wahrscheinlichkeit für kein Ereignis bis zum Punkt
zu
Das ergibt näherungsweise die Differentialgleichung
mit der Lösung
unter der Randbedingung
. Ebenso findet man die Wahrscheinlichkeit für
Ereignisse bis zum Punkt 
Jedes angehängte Intervall
darf nach Annahme 1 nur entweder kein oder ein Ereignis enthalten. Die entsprechende Differentialgleichung
hat die Lösung
Identifiziert man nun in diesem Ausdruck, der die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von
Ereignissen im Kontinuumsbereich
beschreibt, die Parameter
mit
und
mit
, stimmt er mit der Formel der Poisson-Verteilung überein. Die Zahl
ergibt sich in vielen Aufgabenstellungen als Produkt einer Rate (Anzahl von Ereignissen pro Einheitsintervall) und einem Vielfachen des Einheitsintervalls.
Eigenschaften[Bearbeiten]
- Die Poisson-Verteilung
wird durch den Parameter
vollständig charakterisiert. - Die Poisson-Verteilung ist stationär, das heißt nicht von der Zeit abhängig.
- In einem Poisson-Prozess ist die zufällige Anzahl der Ereignisse bis zu einem bestimmten Zeitpunkt poissonverteilt, die zufällige Zeit bis zum
-ten Ereignis Erlang-verteilt. - Die Poisson-Verteilung ist ein Spezialfall der Panjer-Verteilung.
Einfache rekursive Berechnung[Bearbeiten]
Zuerst bestimmt man
, dann ergeben sich nacheinander
. Mit wachsendem
werden dabei die Wahrscheinlichkeiten größer, solange
ist. Wird
, schrumpfen sie. Der Modus, also der Wert mit der größten Wahrscheinlichkeit, beträgt somit
, wenn
nicht ganzzahlig ist, anderenfalls gibt es zwei benachbarte
(siehe Diagramm rechts oben).
Näherung[Bearbeiten]
Falls die Berechnung von
wegen zu großer Werte von
und
Probleme bereitet, dann kann folgende mit der Stirlingformel erhaltene Näherung weiterhelfen:
Verteilungsfunktion[Bearbeiten]
Die Verteilungsfunktion
der Poisson-Verteilung lautet
und gibt die Wahrscheinlichkeit
dafür an, höchstens
Ereignisse zu finden, wo man
im Mittel erwartet.
ist die regularisierte Gammafunktion der unteren Grenze.
Erwartungswert, Varianz, Moment[Bearbeiten]
ist zugleich Erwartungswert, Varianz und auch drittes zentriertes Moment
, denn
Erwartungswert[Bearbeiten]
Varianz[Bearbeiten]
Nach der Verschiebungsformel gilt nun:
Alternative Berechnung von Erwartungswert und Varianz[Bearbeiten]
Seien
unabhängige bernoulliverteilte Zufallsvariablen mit
und sei
. Für
gilt
und
Variationskoeffizient[Bearbeiten]
Aus Erwartungswert und Varianz erhält man sofort den Variationskoeffizienten
.
Schiefe und Wölbung[Bearbeiten]
Die Schiefe ergibt sich zu
.
Die Wölbung lässt sich ebenfalls geschlossen darstellen als
.
Charakteristische Funktion[Bearbeiten]
Die charakteristische Funktion hat die Form
.
Erzeugende Funktion[Bearbeiten]
Für die erzeugende Funktion erhält man
.
Momenterzeugende Funktion[Bearbeiten]
Die momenterzeugende Funktion der Poisson-Verteilung ist
Reproduktivität[Bearbeiten]
Die Poisson-Verteilung ist reproduktiv, d.h. die Summe
zweier stochastisch unabhängiger Poisson-verteilter Zufallsvariablen
und
mit den Parametern
und
ist wieder Poisson-verteilt mit dem Parameter
. Denn es gilt:
Dies lässt sich auch auf mehrere stochastisch unabhängige Poisson-verteilte Zufallsvariablen
verallgemeinern. Hier ist
. Die Poisson-Verteilung also ist unendlich teilbar.
Nach einem Satz des sowjetischen Mathematikers D. A. Raikow gilt auch die Umkehrung: Ist eine Poisson-verteilte Zufallsvariable
die Summe von zwei unabhängigen Zufallsvariablen
und
, dann sind die Summanden
und
ebenfalls Poisson-verteilt. Eine Poisson-verteilte Zufallsvariable lässt sich also nur in Poisson-verteilte unabhängige Summanden zerlegen. Dieser Satz ist ein Analogon zu dem Satz von Cramér für die Normalverteilung.
Symmetrie[Bearbeiten]
Die Poisson-Verteilung
hat für kleine Mittelwerte
eine stark asymmetrische Gestalt. Für größer werdende Mittelwerte wird
symmetrischer und lässt sich für
in guter Näherung durch die Gauß-Verteilung darstellen.
Beziehung zu anderen Verteilungen[Bearbeiten]
Beziehung zur Binomialverteilung[Bearbeiten]
Die Wahrscheinlichkeitsdichte der Binomialverteilung
lautet
Die Poisson-Verteilung lässt sich aus der Binomialverteilung herleiten. Sie ist die Grenzverteilung der Binomialverteilung bei sehr kleinen Anteilen der interessierten Merkmale und sehr großem Stichprobenumfang:
und
unter der Nebenbedingung, dass das Produkt
einen Wert annimmt, der weder null noch unendlich ist.
ist dann für alle in der Grenzwertbildung betrachteten Binomialverteilungen wie auch für die resultierende Poisson-Verteilung der Erwartungswert.
Der Wert einer Poisson-verteilten Zufallsvariable an der Stelle
ist der Grenzwert
einer Binomialverteilung mit
an der Stelle
:
Da beim Berechnen der Wahrscheinlichkeiten für die Anzahl der Ereignisse innerhalb eines Intervalls
die Größen
und
meistens unbekannt sind, nimmt man als Schätzung für
einfach die Anzahl bei einer Probemessung im Intervall aufgetretenen Ereignisse mit einer postulierten auf das Einheitsintervall normierten und als konstant angenommenen Eintretenswahrscheinlichkeit
.
Beziehung zur Normalverteilung[Bearbeiten]
Für große
ähnelt die Poisson-Verteilung einer Gaußschen Normalverteilung mit
und
:
Beziehung zur Erlang-Verteilung[Bearbeiten]
- In einem Poisson-Prozess genügt die zufällige Anzahl der Ereignisse in einem festgelegten Intervall der Poisson-Verteilung
. Der zufällige Abstand (Strecke oder Zeit) bis zum Eintreffen des
-ten Ereignisses sowie der Abstand zwischen den Ereignissen
und
sind hingegen
Erlang-verteilt. Man sagt auch, dass die Poisson-Verteilung und die Erlang-Verteilung zueinander konjugierte Verteilungen sind. Im Fall
geht diese Erlang-Verteilung in eine Exponentialverteilung über
. Dabei bezeichnet
die Zahl der erwarteten Ereignisse pro Einheitsintervall.
ist dann die Verteilungsdichte des Abstands
, der bis zum Eintreffen des nächsten Ereignisses vergehen wird, wie auch des Abstandes zwischen zwei aufeinanderfolgen Ereignissen. - Für die Verteilungsfunktionen der Erlang-Verteilung und der Poisson-Verteilung gilt
.
Beziehung zur Exponentialverteilung[Bearbeiten]
Der Abstand (räumlich oder zeitlich) bis zum ersten zufälligen Ereignis sowie der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen eines Poisson-Prozesses mit Intensität
ist
exponentialverteilt.
Beziehung zur Chi-Quadrat-Verteilung[Bearbeiten]
Die Verteilungsfunktionen der Poisson-Verteilung und der Chi-Quadrat-Verteilung hängen auf folgende Weise zusammen:
Die Wahrscheinlichkeit,
oder mehr Ereignisse in einem Intervall zu finden, innerhalb dessen man im Mittel
Ereignisse erwartet, gleicht der Wahrscheinlichkeit, dass der Wert von
ist. Es gilt nämlich
mit
und
als regularisierte Gammafunktionen.
Anwendungsbeispiele[Bearbeiten]
Die Poisson-Verteilung ist eine typische Verteilung für die Zahl von Phänomenen, die innerhalb einer Einheit auftreten.
So wird sie häufig dazu benutzt, zeitliche Ereignisse zu beschreiben. Gegeben sind ein zufälliges Ereignis, das durchschnittlich einmal in einem zeitlichen Abstand
stattfindet, sowie ein zweiter Zeitraum
, auf den dieses Ereignis bezogen werden soll.
Die Poisson-Verteilung
mit
berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass im Zeitraum
genau
Ereignisse stattfinden. Anders ausgedrückt ist
die mittlere Auftretenshäufigkeit eines Ereignisses.
Kaufhauskunden[Bearbeiten]
Ein Kaufhaus wird beispielsweise an einem Samstag durchschnittlich alle 10 Sekunden (
) von einem Kunden betreten. Werden nun im Takt von einer Minute bzw. 60 Sekunden die Personen gezählt, so würde man im Mittel 6 Personen erwarten (
Personen/Minute), die das Kaufhaus betreten.
gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass in der nächsten Minute (
) genau
Kunden das Kaufhaus betreten.
| P6(k) | ||
|---|---|---|
| k | Wahrscheinlichkeit in % | Summe in % |
| 0 | 0,25 | 0,25 |
| 1 | 1,49 | 1,74 |
| 2 | 4,46 | 6,20 |
| 3 | 8,92 | 15,12 |
| 4 | 13,39 | 28,51 |
| 5 | 16,06 | 44,57 |
| 6 | 16,06 | 60,63 |
| 7 | 13,77 | 74,40 |
| 8 | 10,33 | 84,72 |
| 9 | 6,88 | 91,61 |
| 10 | 4,13 | 95,74 |
| 11 | 2,25 | 97,99 |
| 12 | 1,13 | 99,12 |
| 13 | 0,52 | 99,64 |
| 14 | 0,22 | 99,86 |
| 15 | 0,09 | 99,95 |
Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 4,5 % betreten genau 2 Personen in einer Minute das Kaufhaus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 92 % treten 0 bis 9 Personen (aufsummiert) ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als 9 Personen in einer Minute eintreten, ist folglich 8 %.
Die Werte in der mittleren Spalte ergeben sich jeweils aus dem darüberliegenden Wert, multipliziert mit
.
Die Wahl der Länge des Intervalls liegt beim Beobachter. Würde man eine Stunde als Beobachtungsintervall wählen, ergäbe sich
, bei einem Intervall von 1 Sekunde wäre
. Die relative Schwankung der Kundenanzahl (
) nimmt mit größer werdendem Intervall und folglich größer werdendem
ab. Das längere Intervall erlaubt also über die längere Mittelung eine im Prinzip präzisere Beobachtung, ist aber mit mehr Aufwand verbunden und kann innerhalb des Intervalls auftretende Veränderung der Bedingungen (z. B. Ankunft eines Busses mit einkaufswilligen Touristen) nicht erfassen.
Radioaktiver Zerfall[Bearbeiten]
In der Natur folgt zum Beispiel die Anzahl radioaktiver Zerfälle einer radioaktiven Substanz in einem gegebenen Zeitintervall
der Poisson-Statistik, wenn während
die Zerfallsrate nicht wesentlich abnimmt (d.h.
Halbwertszeit
). Die Zeiten zwischen einzelnen Zerfallsereignissen sind dann exponentialverteilt. Darüber hinaus folgt die Aktivität einem durch die Halbwertszeit bestimmten exponentiellen Abfall.
Zählexperiment[Bearbeiten]
Die Messung einer poisson-verteilten Anzahl von Ereignissen wird bei häufiger Wiederholung um den gemessenen Mittelwert
mit Standardabweichung
streuen. Wird nur einmal (ohne Wiederholen des Experiments) gezählt, dient das Ergebnis
als bester Schätzer für Mittelwert (
) der zugrunde liegenden Poisson-Verteilung sowie Unsicherheit
(Standardabweichung) der erhaltenen Anzahl. Um hier relative Genauigkeit von 1 % zu erzielen, braucht man also 'hohe Stastistik' von über 10000 Ereignissen!
Man kann die zu erwartende Schwankung der Zählergebnisse bei mehrfachen Stichproben auch ohne explizite Annahme einer zugrunde liegenden Poisson-Verteilung berechnen: Jeder Zählvorgang unterteilt die beobachteten
Ereignisse in zwei Kategorien, die
gezählten und die
nicht mit gezählten. Eine Untersuchung interessiert sich z.B. für den Anteil der Personen, deren Körpergröße zwischen 1,70 m und 1,71 m liegt. Dazu wird eine Stichprobe von
Personen vermessen und
davon erfüllen das Zählkriterium. Die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste vermessene Person in die Zählklasse fällt, liegt dann bei
. Die Statistik dieser Messung ist binomial, d.h.
beschreibt die Wahrscheinlichkeit, ein Zählergebnis
zu erhalten. Die Varianz von
beträgt folglich
und der Messfehler (Standardabweichung) demnach
Falls
, ähnelt die Binomial-Verteilung einer Poisson-Verteilung, und es gilt
Ineffiziente Zählung[Bearbeiten]
Ein Beobachter einer poisson-verteilten Zufallsvariable mit Parameter
registriert diese möglicherweise nicht vollständig, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit
. Wenn also ursprünglich
Ereignisse da sind, werden entsprechend der Binomial-Verteilung
nur
Ereignisse gefunden. In diesem Fall ist der wahre Wert
unbekannt und variiert zwischen dem gemessenen Wert
(alle vorhandenen Ereignisse gesehen) und unendlich (es gab mehr Ereignisse, als gesehen wurden). Die Wahrscheinlichkeit eines Messwertes
findet man dann mittels des Produktes der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Messung
und der ursprünglichen Poisson-Verteilung
, summiert über alle möglichen Werte
:
Die gefundenen Werte
bei Nachweiswahrscheinlichkeit
sind also wieder poisson-verteilt. Die Nachweiswahrscheinlichkeit
reduziert den Parameter
der ursprünglichen Poisson-Verteilung zu
.
Blitzeinschläge[Bearbeiten]
Die Blitzhäufigkeit in Deutschland beträgt jährlich 10 Einschläge pro km², was 0,1 Einschlägen pro ha und Jahr entspricht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in einer Parzelle von 1 ha zu
Blitzeinschlägen in einem Jahr kommt?
Einschläge pro Hektar und Jahr.
(kein Einschlag im betrachteten Jahr): 90 %
(ein Einschlag im betrachteten Jahr): 9 %
(zwei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,5 %
(drei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,02 %
Statistisch ist es nicht verwunderlich, wenn ein Blitz innerhalb von 200 Jahren zweimal am gleichen Ort einschlägt, wobei es außerordentlich unwahrscheinlich ist, den Ort voraussagen zu können (Siehe hierzu auch Geburtstagsparadoxon).
Verstreute Reiskörner[Bearbeiten]
Das Bild rechts zeigt einen Ausschnitt eines Fußbodens mit quadratischen Fliesen, auf dem Reiskörner verstreut wurden. Die
Felder enthalten je
Reiskörner und insgesamt befinden sich
Reiskörner im betrachteten Ausschnitt. Der Vergleich zwischen Experiment und berechneter Poisson-Verteilung
, wobei
Reiskörner/Quadrate ist, zeigt eine gute Übereinstimmung:
![]() |
gezählt | ![]() |
|
0 |
15 |
12,7 |
|
1 |
15 |
17,2 |
|
2 |
11 |
11,6 |
|
3 |
5 |
5,2 |
|
4 |
1 |
1,7 |
|
5 |
2 |
0,5 |
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Feld leer bleibt, ist etwa 26 %:

Sportergebnisse[Bearbeiten]
Die (zeitliche) Konstanz der Ereigniswahrscheinlichkeit – eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung der Poissonstatistik (siehe oben unter Poissonsche Annahmen) – ist bei Sportergebnissen natürlich höchstens näherungsweise gegeben. Es wirken viele im Einzelnen nicht isolierbare Einflüsse zusammen und ergeben eine Wahrscheinlichkeit für Punkte oder Tore, die man ohne besseres Wissen eben als konstant annimmt. Auch ob zum Beispiel Tore unabhängig voneinander fallen, ist fraglich. Das Zutreffen dieser Annahmen lässt sich aber im Nachhinein an der Übereinstimmung von Daten und Poissonverteilung testen. Hier gibt es einen ‚Spielraum‘ und keine Eindeutigkeit.
In vielen Sportarten geht es zum Siegen in einem Wettbewerb darum, innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehr zählende Ereignisse zu erwirken, als der Gegner. Der Physiker Metin Tolan hat in seinem Buch zum Fußballspiel die Anwendbarkeit der Poisson-Verteilung im Sport ausführlich untersucht.
Beispiel[Bearbeiten]
Die durchschnittliche Anzahl von Toren pro Spiel und Mannschaft betrug während der Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 der Herren in Südafrika 1,05 (101 Tore in 48 Spielen). Mit diesem Wert können mit Hilfe der Poisson-Verteilung die Verteilung der Tore und die Verteilung der Endergebnisse der Begegnungen approximiert werden. Die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Endergebnis ergibt sich hierbei aus dem Produkt der Wahrscheinlichkeiten der beiden Gegner für die entsprechenden Torerfolge. Auch hier ist die Summe aller Wahrscheinlichkeiten 100 %.
Die folgende Tabelle zeigt die berechneten Anteile der Endergebnisse auf der linken Seite und die tatsächlichen Anteile der Endergebnisse auf der rechten Seite. Die Übereinstimmung ist gut, und die Abweichungen zwischen tatsächlichen und berechneten Ergebnissen für einen bestimmten Spielendstand sind weit unten im einstelligen Prozentbereich. Ein Spiel entspricht einem Anteil von 1/48 (= 2,083 %) aller Spiele. In nur einem Fall (Endergebnis 0:1) beträgt die Abweichung zwischen der Berechnung und der tatsächlichen Anzahl von Spielen 2 (oder 3,81 %), in allen anderen Fällen ist sie maximal eins.
| Tore (Parameter k) |
berechnet | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | geschossen | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | Differenz | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 |
| P (λ = 1,05) |
35 % | 37 % | 19 % | 7 % | 2 % | |||||||||||||
| 0 | 35 % | 12 % | 13 % | 7 % | 2 % | 1 % | 13 % | 17 % | 6 % | 4 % | 0 % | -1 % | -4 % | 1 % | -2 % | 1 % | ||
| 1 | 37 % | 13 % | 14 % | 7 % | 2 % | 1 % | 10 % | 13 % | 8 % | 2 % | 0 % | 3 % | 1 % | -1 % | 0 % | 1 % | ||
| 2 | 19 % | 7 % | 7 % | 4 % | 1 % | 0 % | 6 % | 6 % | 4 % | 0 % | 0 % | 1 % | 1 % | 0 % | 1 % | 0 % | ||
| 3 | 7 % | 2 % | 2 % | 1 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 2 % | 0 % | 0 % | 2 % | 0 % | -1 % | 0 % | 0 % | ||
| 4 | 2 % | 1 % | 1 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | -1 % | -1 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 5 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 6 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 7 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | -2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
Sieht man von dem einen hohen 7:0-Sieg ab, ergeben sich beim Zusammenfassen der Spiele mit einer gewinnenden Mannschaft zu dem Ergebnis aus der Sicht der Siegermannschaft (also keine Unterscheidung zwischen Heimspielen und Gastspielen) die folgenden noch geringeren Abweichungen zwischen Spielergebnissen und statistischer Berechnung:
| Ergebnis | 0:0 | 1:0 | 1:1 | 2:0 | 2:1 | 2:2 | 3:0 | 3:1 | 3:2 | 4:0 | 4:1 | 7:0 |
| Differenz zwischen der Anzahl gespielter und berechneter Spiele |
-1 % | -1 % | 1 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | -2 % |
Grenzwertüberschreitung[Bearbeiten]
Obergrenze[Bearbeiten]
Die Anzahl
poissonverteilter Ereignisse, die mit vorgegebener Wahrscheinlichkeit
nicht überschritten wird, lässt sich aus der Inversion der Verteilungsfunktion berechnen:
Nun ist keine elementare Form der Inversion der Verteilungsfunktion, bezogen auf ihr erstes Argument, bekannt. Außer dem punktweisen Berechnen der Inversion (Anlegen einer Wertetabelle der Wahrscheinlichkeiten
als Funktion der in Frage kommenden
) gibt es aber noch folgende Näherungsmöglichkeit:
Man findet für
, dass zum Beispiel folgende Ausdrücke der Verteilungsfunktion kaum (< 1 %) von
abhängen:
Allgemein liegt für hohe Werte von
die Verteilungsfunktion
sehr nahe bei
, wobei
das einseitige Quantil der Standardnormalverteilung darstellt und
als Funktion der Wahrscheinlichkeit
durch
bestimmt ist. Die rechte Seite der Gleichung für
entsteht aus der Umkehrfunktion des Fehlerintegrals
. Man kann nach dem Aufsuchen von
in dieser Tabelle
vom dort blau unterlegten Rand übernehmen.
Der Ansatz für
in
ist zunächst motiviert durch die Tatsache, dass die Poisson-Verteilung für große
in eine Normalverteilung mit Obergrenze
übergeht. Das zusätzliche
verbessert die Konstanz der Verteilungsfunktion bei kleinem
. Wenn nun also gilt
, lässt sich daraus der im nächsten Absatz angegebene Zusammenhang von
und
ablesen.
Für Mittelwerte
wird mit Wahrscheinlichkeit
(99 %) maximal 1 Ereignis auftreten. Ist
größer, dann berechnet sich die mit Wahrscheinlichkeit
zu erwartende größte Häufigkeit von Ereignissen
in guter Näherung aus der einfachen Formel
Es empfiehlt sich, das Ergebnis aufzurunden. Damit wird bei vielfachen Wiederholungen (oder anders formuliert: auf lange Sicht) die Wahrscheinlichkeit, mit der Zahl der Ereignisse unter der Grenze zu bleiben, etwas erhöht. Mit
(entspricht
) und
sind also nicht mehr als
Ereignisse zu erwarten.
Untergrenze[Bearbeiten]
Die Untergrenze der Ereignisanzahl, die mit entsprechender Wahrscheinlichkeit nicht unterschritten wird, ist für
durch einen ähnlichen Ausdruck gegeben:
Mit Wahrscheinlichkeit
geschehen also bei
mindestens
Ereignisse. Mit 99 % Sicherheit ist erst ab
aufwärts mindestens 1 Ereignis zu erwarten.
Intervall[Bearbeiten]
Betrachtet man Ober- und Untergrenze gleichzeitig, so liegt die Zahl der zu erwartenden Ereignisse
z. B. mit etwa 95 % Wahrscheinlichkeit innerhalb des Intervalls
wenn
und
jeweils mit
( 97,5 % ) ausgerechnet werden. Da die Grenzwerte konservativ (d.h. nach aussen) gerundet sind, tendiert das Intervall vor allem bei niedrigen Erwartungswerten
etwas mehr Ereignisse zu enthalten als die angegeben 95 %. Das bei kleinem
schiefe Intervall wird mit wachsendem
größer und symmetrischer und nähert sich der Breite an, die man bei Vorliegen einer Normalverteilung erwarten würde.
Median[Bearbeiten]
Mit den beiden Formeln für
und
liegt die Vermutung nahe, dass der Median, die Zahl
, die bei wiederholten Beobachtungen gleich oft über- wie unterschritten wird (
), bei
liegt. Der korrekte Wert lässt sich näherungsweise berechnen, und beträgt [1]
Zufallszahlen[Bearbeiten]
Zufallszahlen zur Poisson-Verteilung werden üblicherweise mit Hilfe der Inversionsmethode erzeugt.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Adell, Jodra : The median of the poisson distribution, Metrika 61, 2005, S. 337-346.
Literatur[Bearbeiten]
- Erich Härtter: Wahrscheinlichkeitsrechnung für Wirtschafts- und Naturwissenschaftler. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1974, ISBN 3-525-03114-9
- Frodesen, Skjeggestad, Tofte: Probability and Statistics in Particle Physics, Universitetsforlaget, Bergen - Oslo - Tromsö
Weblinks[Bearbeiten]
- Universität Konstanz – Interaktive Animation
- StatWiki – Herleitung der momenterzeugenden Funktion
- PoissonDiagrammer – Programm zum Zeichnen der Poisson-Verteilung (auch für hohe Erwartungswerte)
- www.poissonverteilung.de – Allgemeinverständliche Erklärungen, Aufgaben, Tools und Beweise zur Poisson-Verteilung
Diskrete univariate Verteilungen für endliche Mengen:
Benford | Bernoulli | beta-binomial | binomial | kategorial | hypergeometrisch | Rademacher | Zipf | Zipf-Mandelbrot
Diskrete univariate Verteilungen für unendliche Mengen:
Boltzmann | Conway-Maxwell-Poisson | negativ binomial | erweitert negativ binomial | Compound-Poisson | diskret uniform | discrete-Phase-Type | Gauss-Kuzmin | geometrisch | logarithmisch | parabolisch-fraktal | Poisson | Poisson-Gamma | Skellam | Yule-Simon | Zeta
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit kompaktem Intervall:
Beta | Cantor | Kumaraswamy | raised Cosine | Dreieck | U-quadratisch | stetig uniform | Wigner-Halbkreis
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit halboffenem Intervall:
Beta prime | Bose-Einstein | Burr | Chi-Quadrat | Coxian | Erlang | Exponential | F | Fermi-Dirac | Folded normal | Fréchet | Gamma | Gamma-Gamma | Extremwert | verallgemeinert invers Gauß | halblogistisch | halbnormal | Hotellings T-Quadrat | hyper-exponentiale | hypoexponential | invers Chi-Quadrat | scale-invers Chi-Quadrat | Invers Normal | Invers Gamma | Lévy | log-normal | log-logistisch | Maxwell-Boltzmann | Maxwell-Speed | Nakagami | nichtzentriert Chi-Quadrat | Pareto | Phase-Type | Rayleigh | relativistisch Breit-Wigner | Rice | Rosin-Rammler | shifted Gompertz | truncated normal | Type-2-Gumbel | Weibull | Wilks’ Lambda
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit unbeschränktem Intervall:
Cauchy | Extremwert | exponential Power | Fishers z | Fisher-Tippett (Gumbel) | generalized hyperbolic | Hyperbolic-secant | Landau | Laplace | alpha-stabil | logistisch | normal (Gauß) | normal-invers Gauß’sch | Skew-normal | Studentsche t | Type-1-Gumbel | Variance-Gamma | Voigt
Diskrete multivariate Verteilungen:
Ewen | multinomial | Dirichlet compound multinomial
Kontinuierliche multivariate Verteilungen:
Dirichlet | generalized Dirichlet | multivariat normal | multivariat Student | normalskaliert invers Gamma | Normal-Gamma
Multivariate Matrixverteilungen:
Invers Wishart | Matrix-normal | Wishart
(blau),
(grün) und
(rot)

gibt es höchstens ein Ereignis und beliebig viele Momente, in denen nichts geschieht (Seltenheit).











.
.
.
.
.




. Der zufällige Abstand (Strecke oder Zeit) bis zum Eintreffen des
sind hingegen
geht diese Erlang-Verteilung in eine
. Dabei bezeichnet
ist dann die Verteilungsdichte des Abstands
, der bis zum Eintreffen des nächsten Ereignisses vergehen wird, wie auch des Abstandes zwischen zwei aufeinanderfolgen Ereignissen.
.





(kein Einschlag im betrachteten Jahr): 90 %
(ein Einschlag im betrachteten Jahr): 9 %
(zwei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,5 %
(drei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,02 %







