Poisson-Verteilung
Die Poisson-Verteilung (benannt nach dem Mathematiker Siméon Denis Poisson) ist eine diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung, die beim mehrmaligen Durchführen eines Bernoulli-Experiments entsteht. Letzteres ist ein Zufallsexperiment, das nur zwei mögliche Ergebnisse besitzt (z. B. „Erfolg“ und „Misserfolg“). Führt man ein solches Experiment sehr oft durch und ist die Erfolgswahrscheinlichkeit gering, so ist die Poisson-Verteilung eine gute Näherung für die entsprechende Wahrscheinlichkeitsverteilung. Die Poisson-Verteilung wird deshalb manchmal als die Verteilung der seltenen Ereignisse bezeichnet (siehe auch Gesetz der kleinen Zahlen). Zufallsvariablen mit einer Poisson-Verteilung genügen dem Poisson-Prozess.
Die mit Pλ bezeichnete Wahrscheinlichkeitsverteilung wird durch den Parameter
bestimmt, der gleichzeitig Erwartungswert und Varianz der Verteilung ist. Sie ordnet den natürlichen Zahlen
die Wahrscheinlichkeiten wie folgt zu:
wobei e die Eulersche Zahl (Basis der natürlichen Exponentialfunktion), λ eine reelle positive Zahl und k! die Fakultät von k bezeichnet.
Die Poisson-Verteilung liefert also Voraussagen über die Anzahl (k) des Eintretens voneinander unabhängiger Ereignisse, die in zufälliger Sequenz innerhalb eines bestimmten Intervalls auftreten, wenn aus vorangehender Beobachtung bereits bekannt ist, wie viele Ereignisse man im Mittel innerhalb dieses Intervalls erwartet (λ). Sie ist ein Spezialfall der Panjer-Verteilung.
Poisson veröffentlichte 1837 seine Gedanken zu dieser Verteilung zusammen mit seiner Wahrscheinlichkeitstheorie in dem Werk „Recherches sur la probabilité des jugements en matières criminelles et en matière civile“ („Untersuchungen zur Wahrscheinlichkeit von Urteilen in Straf- und Zivilsachen“).
Erweiterungen der Poisson-Verteilung wie die Verallgemeinerte Poisson-Verteilung und die Gemischte Poisson-Verteilung werden vor allem im Bereich der Versicherungsmathematik angewendet.
Inhaltsverzeichnis
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[Bearbeiten] Herleitung
Die Poisson-Verteilung ergibt sich einerseits als Grenzfall der Binomial-Verteilung, andererseits lässt sie sich aus grundlegenden Prozesseigenschaften (poissonsche Annahmen) ableiten. Wenn diese Eigenschaften einem Geschehen in guter Näherung zugeordnet werden können, wird die Ereignishäufigkeit Poisson-verteilt sein.
Man betrachtet ein Raum- oder Zeitkontinuum w (das Bernoulli-Experiment wird sehr oft, sozusagen an jedem Punkt des Kontinuums durchgeführt), 'auf' dem zählbare Ereignisse mit konstanter mittlerer Anzahl g pro Einheitsintervall stattfinden. Nun richtet man den Blick auf ein 'genügend' kleines Kontinuumsintervall Δw, das je nach Experiment einen Bereich, ein Zeitintervall, eine abgegrenzte Strecke, Fläche oder Volumen darstellen kann. Was sich dort ereignet, bestimmt die globale Verteilung auf dem Kontinuum.
Die drei poissonschen Annahmen lauten:
- Innerhalb des Intervalls [w,w + Δw] gibt es höchstens ein Ereignis und beliebig viele Momente, in denen nichts geschieht (Seltenheit).
- Die Wahrscheinlichkeit, ein Ereignis im Intervall zu finden, ist proportional zur Länge des Intervalls Δw (g ist konstant und damit auch unabhängig von w).
- Das Eintreten eines Ereignisses im Intervall Δw wird nicht beeinflusst von Ereignissen, die in der Vorgeschichte stattgefunden haben (Geschichtslosigkeit).
Mit Annahme 1 und 2 ist die Wahrscheinlichkeit, ein Ereignis im Intervall Δw zu finden, gegeben als
sowie die Wahrscheinlichkeit eines leeren Intervalls durch
Nach Annahme 3 ist die Wahrscheinlichkeit eines leeren Intervalls Δw unabhängig vom Auftreten irgendwelcher Ereignisse im Bereich w davor. So berechnet man die Wahrscheinlichkeit für kein Ereignis bis zum Punkt w + Δw zu
Das ergibt näherungsweise die Differentialgleichung
mit der Lösung
unter der Randbedingung p0(0) = 1. Ebenso findet man die Wahrscheinlichkeit für m Ereignisse bis zum Punkt w + Δw
Jedes angehängte Intervall Δw darf nach Annahme 1 nur entweder kein oder ein Ereignis enthalten. Die entsprechende Differentialgleichung
hat die Lösung
.
Identifiziert man nun in diesem Ausdruck, der die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von m Ereignissen im Kontinuumsbereich w beschreibt, die Parameter
mit λ und m mit k, stimmt er mit der Formel der Poisson-Verteilung überein. Die Zahl λ ergibt sich in vielen Aufgabenstellungen als Produkt einer Rate (Anzahl von Ereignissen pro Einheitsintervall) und einem Vielfachen des Einheitsintervalls.
[Bearbeiten] Eigenschaften
- Die Poisson-Verteilung Pλ wird durch den Parameter λ vollständig charakterisiert.
- Die Poisson-Verteilung ist stationär, das heißt nicht von der Zeit abhängig.
- In einem Poisson-Prozess ist die zufällige Anzahl der Ereignisse bis zu einem bestimmten Zeitpunkt poissonverteilt, die zufällige Zeit bis zum n-ten Ereignis Erlang-verteilt.
[Bearbeiten] Einfache rekursive Berechnung
Zuerst bestimmt man Pλ(0) = e − λ, dann ergeben sich nacheinander
Mit wachsendem k werden dabei die Wahrscheinlichkeiten größer, solange k < λ ist. Wird k > λ, schrumpfen sie.
[Bearbeiten] Näherung
Falls die Berechnung von
wegen zu großer Werte von λ und k Probleme bereitet, dann kann folgende mit der Stirlingformel erhaltene Näherung weiterhelfen:
[Bearbeiten] Verteilungsfunktion
Die Verteilungsfunktion F(x) der Poisson-Verteilung lautet
und gibt die Wahrscheinlichkeit p dafür, höchstens n Ereignisse zu finden, wo man λ im Mittel erwartet. Q(a,x) ist die regularisierte Gammafunktion der unteren Grenze.
[Bearbeiten] Erwartungswert, Varianz, Moment
λ ist zugleich Erwartungswert, Varianz und auch drittes zentriertes Moment
, denn
[Bearbeiten] Erwartungswert
[Bearbeiten] Varianz
Nach der Verschiebungsformel gilt nun:
[Bearbeiten] Alternative Berechnung von Erwartungswert und Varianz
Seien
unabhängige bernoulliverteilte Zufallsvariablen mit
und sei
. Für
gilt
.
[Bearbeiten] Variationskoeffizient
Aus Erwartungswert und Varianz erhält man sofort den Variationskoeffizienten
.
[Bearbeiten] Schiefe und Wölbung
Die Schiefe ergibt sich zu
.
Die Wölbung lässt sich ebenfalls geschlossen darstellen als
.
[Bearbeiten] Charakteristische Funktion
Die charakteristische Funktion hat die Form
.
[Bearbeiten] Erzeugende Funktion
Für die erzeugende Funktion erhält man
- mX(s) = eλ(s − 1).
[Bearbeiten] Momenterzeugende Funktion
Die momenterzeugende Funktion der Poisson-Verteilung ist
.
[Bearbeiten] Reproduktivität
Die Poisson-Verteilung ist reproduktiv, d.h. die Summe X1 + X2 zweier stochastisch unabhängiger Poisson-verteilter Zufallsvariablen X1 und X2 mit den Parametern λ1 und λ2 ist wieder Poisson-verteilt mit dem Parameter λ1 + λ2. Denn es gilt:
Dies lässt sich auch auf mehrere stochastisch unabhängige Poisson-verteilte Zufallsvariablen
verallgemeinern. Hier ist
. Die Poisson-Verteilung also ist unendlich teilbar.
Nach einem Satz des sowjetischen Mathematikers D. A. Raikow gilt auch die Umkehrung: Ist eine Poisson-verteilte Zufallsvariable X die Summe von zwei unabhängigen Zufallsvariablen X1 und X2, dann sind die Summanden X1 und X2 ebenfalls Poisson-verteilt. Eine Poisson-verteilte Zufallsvariable lässt sich also nur in Poisson-verteilte unabhängige Summanden zerlegen. Dieser Satz ist ein Analogon zu dem Satz von Cramér für die Normalverteilung.
[Bearbeiten] Symmetrie
Die Poisson-Verteilung Pλ hat für kleine Mittelwerte λ eine stark asymmetrische Gestalt. Für größer werdende Mittelwerte wird Pλ symmetrischer und lässt sich für λ > 30 in guter Näherung durch die Gauß-Verteilung darstellen.
[Bearbeiten] Beziehung zu anderen Verteilungen
[Bearbeiten] Beziehung zur Binomialverteilung
Die Wahrscheinlichkeitsdichte der Binomialverteilung
lautet
Die Poisson-Verteilung lässt sich aus der Binomialverteilung herleiten. Sie ist die Grenzverteilung der Binomialverteilung bei sehr kleinen Anteilen der interessierten Merkmale und sehr großem Stichprobenumfang:
und
unter der Nebenbedingung, dass das Produkt np = λ konstant ist. λ ist dann für alle in der Grenzwertbildung betrachteten Binomialverteilungen wie auch für die resultierende Poisson-Verteilung der Erwartungswert.
Der Wert einer Poisson-verteilten Zufallsvariable an der Stelle k ist der Grenzwert
einer Binomialverteilung mit
an der Stelle k:
[Bearbeiten] Beziehung zur Normalverteilung
Für große λ ähnelt die Poisson-Verteilung einer Gaußschen Normalverteilung mit μ = λ und σ2 = λ :
[Bearbeiten] Beziehung zur Erlang-Verteilung
- In einem Poisson-Prozess genügt die zufällige Anzahl der Ereignisse in einem festgelegten Intervall der Poisson-Verteilung
. Der zufällige Abstand (Strecke oder Zeit) bis zum Eintreffen des n-ten Ereignisses sowie der Abstand zwischen den Ereignissen m und m+n sind hingegen
Erlang-verteilt. Man sagt auch, dass die Poisson-Verteilung und die Erlang-Verteilung zueinander konjugierte Verteilungen sind. Im Fall n = 1 geht diese Erlang-Verteilung in eine Exponentialverteilung über
. Dabei bezeichnet g die Zahl der erwarteten Ereignisse pro Einheitsintervall.
ist dann die Verteilungsdichte des Abstands x, der bis zum Eintreffen des nächsten Ereignisses vergehen wird, wie auch des Abstandes zwischen zwei aufeinanderfolgen Ereignissen. - Für die Verteilungsfunktionen der Erlang-Verteilung und der Poisson-Verteilung gilt
- FErlang(n + 1) + FPoisson(n) = 1.
[Bearbeiten] Beziehung zur Exponentialverteilung
Der Abstand (räumlich oder zeitlich) bis zum ersten zufälligen Ereignis sowie der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen eines Poisson-Prozesses mit dem Parameter
ist
exponentialverteilt.
[Bearbeiten] Anwendungsbeispiele
Die Poisson-Verteilung ist eine typische Verteilung für die Zahl von Phänomenen, die innerhalb einer Einheit auftreten.
So wird sie häufig dazu benutzt, zeitliche Ereignisse zu beschreiben. Gegeben sind ein zufälliges Ereignis, das durchschnittlich einmal in einem zeitlichen Abstand t1 stattfindet, sowie ein zweiter Zeitraum t2, auf den dieses Ereignis bezogen werden soll.
Die Poisson-Verteilung Pλ(k) mit λ = t2 * 1 / t1 berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass im Zeitraum t2 genau k Ereignisse stattfinden. Anders ausgedrückt ist λ die mittlere Auftretenshäufigkeit eines Ereignisses.
[Bearbeiten] Kaufhauskunden
Ein Kaufhaus wird an einem Samstag durchschnittlich alle 10 Sekunden (t1) von einem Kunden betreten. Werden nun im Takt von einer Minute bzw. 60 Sekunden die Personen gezählt, so würde man im Mittel 6 Personen erwarten (λ = 6 Personen/Minute), die das Kaufhaus betreten. P6(k) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass in der nächsten Minute (t2) genau k Kunden das Kaufhaus betreten.
| P6(k) | ||
|---|---|---|
| k | Wahrscheinlichkeit in % | Summe in % |
| 0 | 0,25 | 0,25 |
| 1 | 1,49 | 1,74 |
| 2 | 4,46 | 6,20 |
| 3 | 8,92 | 15,12 |
| 4 | 13,39 | 28,51 |
| 5 | 16,06 | 44,57 |
| 6 | 16,06 | 60,63 |
| 7 | 13,77 | 74,40 |
| 8 | 10,33 | 84,72 |
| 9 | 6,88 | 91,61 |
| 10 | 4,13 | 95,74 |
| 11 | 2,25 | 97,99 |
| 12 | 1,13 | 99,12 |
| 13 | 0,52 | 99,64 |
| 14 | 0,22 | 99,86 |
| 15 | 0,09 | 99,95 |
Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 4,5 % betreten genau 2 Personen in einer Minute das Kaufhaus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 92 % treten 0 bis 9 Personen (aufsummiert) ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als 9 Personen in einer Minute eintreten, ist folglich 8 %.
Die Werte in der mittleren Spalte ergeben sich jeweils aus dem darüberliegenden Wert, multipliziert mit 6/k.
[Bearbeiten] Radioaktiver Zerfall
In der Natur folgt zum Beispiel die Anzahl radioaktiver Zerfälle einzelner Atome in einem gegebenen Zeitintervall Δt der Poisson-Statistik, wenn während Δt die Zerfallsrate nicht wesentlich abnimmt (d.h.
Halbwertszeit t1 / 2). Die Zeiten zwischen einzelnen Zerfallsereignissen sind dann auch exponentialverteilt.
[Bearbeiten] Zählexperiment
Die Messung einer poisson-verteilten Anzahl von Ereignissen wird bei häufiger Wiederholung um den gemessenen Mittelwert
mit Standardabweichung
streuen. Wird nur einmal (ohne Wiederholen des Experiments) gezählt, dient das Ergebnis
als bester Schätzer für Mittelwert (n) der zugrunde liegenden Poisson-Verteilung sowie Unsicherheit
(Standardabweichung) der erhaltenen Anzahl. Um hier relative Genauigkeit von 1 % zu erzielen, braucht man also 'hohe Stastistik' von über 10000 Ereignissen!
Man kann die zu erwartende Schwankung der Zählergebnisse bei mehrfachen Stichproben auch ohne explizite Annahme einer zugrunde liegenden Poisson-Verteilung berechnen: Jeder Zählvorgang unterteilt die beobachteten n Ereignisse in zwei Kategorien, die k gezählten und die n-k nicht mit gezählten. Eine Untersuchung interessiert sich z.B. für den Anteil der Personen, deren Körpergrösse zwischen 1,70m und 1,71m liegt. Dazu wird eine Stichprobe von n Personen vermessen und k davon erfüllen das Zählkriterium. Die Wahrscheinlichkeit, daß die nächste vermessene Person in die Zählklasse fällt, liegt dann bei
. Die Statistik dieser Messung ist binomial, d.h.
beschreibt die Wahrscheinlichkeit, ein Zählergebnis k zu erhalten. Die Varianz von k beträgt folglich
und der Messfehler (Standardabweichung) demnach
. Falls k << n, ähnelt die Binomial-Verteilung einer Poisson-Verteilung, und es gilt
.
[Bearbeiten] Ineffiziente Zählung
Ein Beobachter einer poisson-verteilten Zufallsvariable mit Parameter λ registriert diese möglicherweise nicht vollständig, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit p < 1. Wenn also ursprünglich n Ereignisse da sind, werden entsprechend der Binomial-Verteilung Bn,p(r) nur r Ereignisse gefunden. In diesem Fall ist der wahre Wert n unbekannt und variiert zwischen dem gemessenen Wert r (alle vorhandenen Ereignisse gesehen) und unendlich (es gab mehr Ereignisse, als gesehen wurden). Die Wahrscheinlichkeit eines Messwertes r findet man dann mittels des Produktes der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Messung Bn,p(r) und der ursprünglichen Poisson-Verteilung Pλ(n), summiert über alle möglichen Werte n:
Die gefundenen Werte r bei Nachweiswahrscheinlichkeit p sind also wieder poisson-verteilt. Die Nachweiswahrscheinlichkeit p reduziert den Parameter λ der ursprünglichen Poisson-Verteilung zu pλ.
[Bearbeiten] Blitzeinschläge
Die Blitzhäufigkeit in Deutschland beträgt 10 Einschläge pro km², was 0,1 Einschlägen pro ha und Jahr entspricht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in einer Parzelle von 1 ha zu k Blitzeinschlägen in einem Jahr kommt?
λ = 0,1 Einschläge pro Hektar und Jahr.
- P0,1(k = 0) (kein Einschlag im betrachteten Jahr): 90 %
- P0,1(k = 1) (ein Einschlag im betrachteten Jahr): 9 %
- P0,1(k = 2) (zwei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,5 %
- P0,1(k = 3) (drei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,02 %
Statistisch ist es nicht verwunderlich, wenn ein Blitz innerhalb von 200 Jahren zweimal am gleichen Ort einschlägt, wobei es außerordentlich unwahrscheinlich ist, den Ort voraussagen zu können (Siehe hierzu auch Geburtstagsparadoxon).
[Bearbeiten] Verstreute Reiskörner
Das Bild rechts zeigt einen Ausschnitt eines Fußbodens mit quadratischen Fliesen, auf dem Reiskörner verstreut wurden. Die n = 49 Felder enthalten je
Reiskörner und insgesamt befinden sich N = 66 Reiskörner im betrachteten Ausschnitt. Der Vergleich zwischen Experiment und berechneter Poisson-Verteilung P(X = k), wobei λ = N / n = 66 / 49 = 1,35 Reiskörner/Quadrate ist, zeigt eine gute Übereinstimmung:
| k | gezählt | ![]() |
|
0 |
15 |
12,7 |
|
1 |
15 |
17,2 |
|
2 |
11 |
11,6 |
|
3 |
5 |
5,2 |
|
4 |
1 |
1,7 |
|
5 |
2 |
0,5 |
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Feld leer bleibt, ist etwa 26 %:

[Bearbeiten] Sportergebnisse
Die (zeitliche) Konstanz der Ereigniswahrscheinlichkeit - eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung der Poissonstatistik (siehe oben unter Poissonsche Annahmen) - ist bei Sportergebnissen natürlich höchstens näherungsweise gegeben. Es wirken viele im Einzelnen nicht isolierbare Einflüsse zusammen und ergeben eine Wahrscheinlichkeit für Punkte oder Tore, die man ohne besseres Wissen eben als konstant annimmt. Auch ob z.B. Tore unabhängig voneinander fallen, ist fraglich. Das Zutreffen dieser Annahmen lässt sich aber im Nachhinein an der Übereinstimmung von Daten und Poissonverteilung testen. Hier gibt es einen 'Spielraum' und keine Eindeutigkeit.
In vielen Sportarten geht es zum Siegen in einem Wettbewerb darum, innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehr zählende Ereignisse zu erwirken, als der Gegner.
Die durchschnittliche Anzahl von Toren pro Spiel und Mannschaft betrug während der Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 der Herren in Südafrika 1,05 (101 Tore in 48 Spielen). Mit diesem Wert können mit Hilfe der Poisson-Verteilung die Verteilung der Tore und die Verteilung der Endergebnisse der Begegnungen berechnet werden. Die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Endergebnis ergibt sich hierbei aus dem Produkt der Wahrscheinlichkeiten der beiden Gegner für die entsprechenden Torerfolge. Auch hier ist die Summe aller Wahrscheinlichkeiten 100 %.
Die folgende Tabelle zeigt die berechneten Anteile der Endergebnisse auf der linken Seite und die tatsächlichen Anteile der Endergebnisse auf der rechten Seite. Die Übereinstimmung ist gut, und die Abweichungen zwischen tatsächlichen und berechneten Ergebnissen für einen bestimmten Spielendstand sind weit unten im einstelligen Prozentbereich. Ein Spiel entspricht einem Anteil von 1/48 (= 2,083 %) aller Spiele. In nur einem Fall (Endergebnis 0:1) beträgt die Abweichung zwischen der Berechnung und der tatsächlichen Anzahl von Spielen 2 (oder 3,81 %), in allen anderen Fällen ist sie maximal eins.
| Tore (Parameter k) |
berechnet | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | geschossen | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | Differenz | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 |
| P (λ = 1,05) |
35 % | 37 % | 19 % | 7 % | 2 % | |||||||||||||
| 0 | 35 % | 12 % | 13 % | 7 % | 2 % | 1 % | 13 % | 17 % | 6 % | 4 % | 0 % | -1 % | -4 % | 1 % | -2 % | 1 % | ||
| 1 | 37 % | 13 % | 14 % | 7 % | 2 % | 1 % | 10 % | 13 % | 8 % | 2 % | 0 % | 3 % | 1 % | -1 % | 0 % | 1 % | ||
| 2 | 19 % | 7 % | 7 % | 4 % | 1 % | 0 % | 6 % | 6 % | 4 % | 0 % | 0 % | 1 % | 1 % | 0 % | 1 % | 0 % | ||
| 3 | 7 % | 2 % | 2 % | 1 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 2 % | 0 % | 0 % | 2 % | 0 % | -1 % | 0 % | 0% | ||
| 4 | 2 % | 1 % | 1 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | -1 % | -1 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 5 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 6 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | ||
| 7 | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % | -2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 0 % |
Der Physiker Metin Tolan hat in seinem Buch zum Fußballspiel die Anwendbarkeit der Poisson-Verteilung im Sport ausführlich untersucht.
[Bearbeiten] Grenzwertüberschreitung
Die Anzahl nup poissonverteilter Ereignisse, die mit vorgegebener Wahrscheinlichkeit p < 1 nicht überschritten wird, lässt sich aus der Inversion der Verteilungsfunktion berechnen:
Nun ist keine elementare Form der Inversion der Verteilungsfunktion, bezogen auf ihr erstes Argument, bekannt. Außer dem punktweisen Berechnen der Inversion gibt es aber noch folgende Möglichkeit:
Man findet für λ > 0,15, dass zum Beispiel folgende Ausdrücke der Verteilungsfunktion kaum (< 1 %) von λ abhängen:
Allgemein liegt für hohe Werte von p > 0,9 die Verteilungsfunktion
sehr nahe bei p, wobei xp das einseitige Quantil der Standardnormalverteilung darstellt und xp als Funktion der Wahrscheinlichkeit p durch
bestimmt ist. Die rechte Seite der Gleichung für xp entsteht aus der Umkehrfunktion des Fehlerintegrals Φ(xp). Eine auch für den Taschenrechner geeignete Näherung liefert
mit
(Abweichung bei p > 0,95 kleiner als 0,5 %).
Der Ansatz für g(λ) in
ist zunächst motiviert durch die Tatsache, dass die Poisson-Verteilung für große λ in eine Normalverteilung mit Obergrenze
übergeht. Das zusätzliche
verbessert die Konstanz der Verteilungsfunktion bei kleinem λ.
Für Mittelwerte λ < 0,15 wird mit Wahrscheinlichkeit p = 0,99 (99 %) maximal 1 Ereignis auftreten. Ist λ größer, dann berechnet sich die mit Wahrscheinlichkeit p zu erwartende größte Häufigkeit von Ereignissen nup in guter Näherung aus der einfachen Formel
Es empfiehlt sich, das Ergebnis aufzurunden. Damit wird bei vielfachen Wiederholungen (oder anders formuliert: auf lange Sicht) die Wahrscheinlichkeit, mit der Zahl der Ereignisse unter der Grenze zu bleiben, etwas erhöht. Mit p = 0,95 (entspricht xp = 1,645) und λ = 6 sind also nicht mehr als nup = 10 Ereignisse zu erwarten.
[Bearbeiten] Zufallszahlen
Zufallszahlen zur Poisson-Verteilung werden üblicherweise mit Hilfe der Inversionsmethode erzeugt.
[Bearbeiten] Literatur
- Erich Härtter: Wahrscheinlichkeitsrechnung für Wirtschafts- und Naturwissenschaftler. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1974, ISBN 3-525-03114-9
- Frodesen, Skjeggestad, Tofte: Probability and Statistics in Particle Physics, Universitetsforlaget, Bergen - Oslo - Tromsö
[Bearbeiten] Weblinks
- Universität Konstanz – Interaktive Animation
- StatWiki – Herleitung der momenterzeugenden Funktion
- PoissonDiagrammer – Programm zum zeichnen der Poisson-Verteilung(auch für hohe Erwartungswerte)
Diskrete univariate Verteilungen für endliche Mengen:
Benford | Bernoulli | beta-binomial | binomial | kategorial | hypergeometrisch | Rademacher | Zipf | Zipf-Mandelbrot
Diskrete univariate Verteilungen für unendliche Mengen:
Boltzmann | Conway-Maxwell-Poisson | negativ binomial | erweitert negativ binomial | Compound-Poisson | diskret uniform | discrete-Phase-Type | Gauss-Kuzmin | geometrisch | logarithmisch | parabolisch-fraktal | Poisson | Poisson-Gamma | Skellam | Yule-Simon | Zeta
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit kompaktem Intervall:
Beta | Cantor | Kumaraswamy | raised Cosine | Dreieck | U-quadratisch | stetig uniform | Wigner-Halbkreis
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit halboffenem Intervall:
Beta prime | Bose-Einstein | Burr | Chi-Quadrat | Coxian | Erlang | Exponential | F | Fermi-Dirac | Folded normal | Fréchet | Gamma | Gamma-Gamma | Extremwert | verallgemeinert invers Gauß | halblogistisch | halbnormal | Hotellings T-Quadrat | hyper-exponentiale | hypoexponential | invers Chi-Quadrat | scale-invers Chi-Quadrat | Invers Normal | Invers Gamma | Lévy | log-normal | log-logistisch | Maxwell-Boltzmann | Maxwell-Speed | Nakagami | nichtzentriert Chi-Quadrat | Pareto | Phase-Type | Rayleigh | relativistisch Breit-Wigner | Rice | Rosin-Rammler | shifted Gompertz | truncated normal | Type-2-Gumbel | Weibull | Wilks’ Lambda
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit unbeschränktem Intervall:
Cauchy | Extremwert | exponential Power | Fishers z | Fisher-Tippett (Gumbel) | generalized hyperbolic | Hyperbolic-secant | Landau | Laplace | alpha-stabil | logistisch | normal (Gauß) | normal-invers Gauß’sch | Skew-normal | Studentsche t | Type-1-Gumbel | Variance-Gamma | Voigt
Diskrete multivariate Verteilungen:
Ewen | multinomial | Dirichlet compound multinomial
Kontinuierliche multivariate Verteilungen:
Dirichlet | generalized Dirichlet | multivariat normal | multivariat Student | normalskaliert invers Gamma | Normal-Gamma
Multivariate Matrixverteilungen:
Invers Wishart | Matrix-normal | Wishart






.





.
.
.
.
.



. Der zufällige Abstand (Strecke oder Zeit) bis zum Eintreffen des
. Dabei bezeichnet g die Zahl der erwarteten Ereignisse pro Einheitsintervall.
ist dann die Verteilungsdichte des Abstands x, der bis zum Eintreffen des nächsten Ereignisses vergehen wird, wie auch des Abstandes zwischen zwei aufeinanderfolgen Ereignissen.






