Weibull-Verteilung
Die Weibull-Verteilung ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung über der Menge der positiven reellen Zahlen, die beispielsweise zur Beschreibung von Lebensdauern und Ausfallhäufigkeiten von elektronischen Bauelementen oder (spröden) Werkstoffen (etwa in der Qualitätssicherung), aber auch für die statistische Untersuchung von Windgeschwindigkeiten verwendet wird. Benannt ist sie nach dem schwedischen Ingenieur und Mathematiker Waloddi Weibull.
Die Weibull-Verteilung kann zur Beschreibung steigender, konstanter und fallender Ausfallraten technischer Systeme verwendet werden. In der Praxis ist die Weibull-Verteilung neben der Exponentialverteilung, welche ein Spezialfall der allgemeineren Weibull-Verteilung ist, die am häufigsten verwendete Lebensdauerverteilung.
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Definition [Bearbeiten]
Die Weibull-Verteilung hat zwei Parameter.
Skalen-Parameter [Bearbeiten]
Der Skalierungsparameter, Skalenparameter oder Skalierungsfaktor ist
.
In manchen Anwendungen, insbesondere bei Zeitabhängigkeiten wird er durch seinen Kehrwert, die charakteristische Lebensdauer
ersetzt.
ist bei Lebensdauer-Analysen jene Zeitspanne, nach der ca. 63,2 % Einheiten ausgefallen sind. Dieser Wert ist eine Kenngröße der Weibull-Verteilung.
.
Wird kein Skalen-Parameter angegeben, so ist implizit
gemeint.
Form-Parameter [Bearbeiten]
Der Formparameter oder Gestaltparameter oder Weibull-Modul ist der Parameter
.
Alternativ werden gerne die Buchstaben
oder
verwendet.
In der Praxis typisch sind Wertebereich zwischen
.
Durch den Formparameter
lassen sich verschiedene speziellere Wahrscheinlichkeitsverteilungen realisieren:
- Für
ergibt sich die Exponentialverteilung mit konstanter Ausfallrate. - Für
ergibt sich die Rayleigh-Verteilung. - Für
ergibt sich eine Verteilung mit verschwindender Schiefe (ähnlich der Normalverteilung).
Dichte, Verteilung etc. [Bearbeiten]
Gegeben sei eine Weibull-Verteilung mit Parametern
.
Die Dichtefunktion ist:
Die Verteilungsfunktion ist:
Die Zuverlässigkeit oder Überlebenswahrscheinlichkeit ist:
Die Ausfallrate ist:
Eigenschaften [Bearbeiten]
Erwartungswert [Bearbeiten]
Der Erwartungswert der Weibull-Verteilung ist
mit der Gammafunktion
.
Varianz [Bearbeiten]
Die Varianz der Verteilung ist
.
Schiefe [Bearbeiten]
Die Schiefe der Verteilung ist
mit dem Mittelwert
und der Standardabweichung
.
Entropie [Bearbeiten]
Die Entropie der Weibull-Verteilung (ausgedrückt in nats) beträgt
wobei
die Euler-Mascheroni-Konstante bezeichnet.
Anwendungen [Bearbeiten]
Bei Systemen mit unterschiedlichen Ausfallursachen, wie beispielsweise technische Komponenten, lassen sich diese mit drei Weibull-Verteilungen so abbilden, dass sich eine „Badewannen-Kurve“ darstellen lässt.[1]. Die Verteilungen decken dann diese drei Bereiche ab:[2]
- Frühausfälle mit
, beispielsweise in der Einlaufphase - Zufällige Ausfälle mit
in der Betriebsphase - Ermüdungs- und Verschleißausfälle am Ende der Produktlebensdauer mit

In der mechanischen Verfahrenstechnik findet die Weibull-Verteilung Anwendung als eine spezielle Partikelgrößenverteilung. Hier wird sie allerdings als RRSB-Verteilung (nach Rosin, Rammler, Sperling und Bennet) bezeichnet.
Weibullnetz [Bearbeiten]
Trägt man die Verteilung in der Form
in einem doppelt logarithmischen Diagramm auf, welches auch als Weibullnetz bezeichnet wird, ergibt sich eine Gerade, bei der man den Parameter
leicht als Steigung ablesen kann. Die charakteristische Lebensdauer
kann dann folgendermaßen bestimmt werden:
.
Hierbei bezeichnet
den y-Achsenabschnitt.
Oft kommt es vor, dass trotz Beanspruchung erst nach einer anfänglichen Betriebszeit
Ausfälle eintreten (beispielsweise infolge des Verschleiß von Bremsbelägen). Dies kann in der Weibull-Verteilungsfunktion berücksichtigt werden. Sie hat dann folgendes Aussehen:
Trägt man die Funktion wieder auf, ergibt sich keine Gerade, sondern eine nach oben konvexe Kurve. Verschiebt man alle Punkte um den Wert
, so geht die Kurve in eine Gerade über.
Beziehung zu anderen Verteilungen [Bearbeiten]
Beziehung zur Exponentialverteilung [Bearbeiten]
- Man sieht, dass der Fall
die Exponentialverteilung
ergibt. Mit anderen Worten: Die Exponentialverteilung behandelt Probleme mit konstanter Ausfallrate
. Untersucht man jedoch Fragestellungen mit steigender (
) oder fallender (
) Ausfallrate, dann geht man von der Exponentialverteilung zur Weibull-Verteilung über. - Ist der Parameter
, dann wird ein System mit einer mit der Zeit ansteigenden Ausfallrate, also ein alterndes System, beschrieben. - Besitzt
eine Exponentialverteilung
mit Parameter
, dann besitzt die Zufallsvariable
eine Weibull-Verteilung
. Zum Beweis betrachte man die Verteilungsfunktion von
:
.
Das ist die Verteilungsfunktion einer Weibull-Verteilung.
Gestreckte Exponentialfunktion [Bearbeiten]
Die Funktion
wird als gestreckte Exponentialfunktion bezeichnet.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Bernard W. Lindgren: Statistical Theory. Chapman & Hall, New York u. a. 1993, ISBN 0-412-04181-2.
- Marek Fisz: Wahrscheinlichkeitsrechnung und mathematische Statistik. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1970.
- Joachim Hartung, Bärbel Elpelt, Karl-Heinz Klösener: Statistik. Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-25905-9.
- Horst Rinne, Hans-Joachim Mittag: Statistische Methoden der Qualitätssicherung. Hanser, München/Wien 2002, ISBN 3-446-15503-1.
- Holger Wilker: Weibull-Statistik in der Praxis, Leitfaden zur Zuverlässigkeitsermittlung technischer Produkte. BoD, Norderstedt 2004.
Weblinks [Bearbeiten]
- Weibull-Verteilung in der Zuverlässigkeitsanalyse
- Weibull-Verteilung und deren Anwendung bei Keramiken
- Praktikumsanleitung zur Bestimmung der Weibull-Verteilung bei Keramiken
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ Siehe auch:en:Exponentiated Weibull distribution
- ↑ Zuverlässigkeitssicherung bei Automobilherstellern und Lieferanten. 3. Auflage. VDA, Frankfurt a. M. 2000, ISSN 0943-9412, Abschnitt 2.4.3. (Qualitätsmanagement in der Automobilindustrie 3)
Diskrete univariate Verteilungen für endliche Mengen:
Benford | Bernoulli | beta-binomial | binomial | kategorial | hypergeometrisch | Rademacher | Zipf | Zipf-Mandelbrot
Diskrete univariate Verteilungen für unendliche Mengen:
Boltzmann | Conway-Maxwell-Poisson | negativ binomial | erweitert negativ binomial | Compound-Poisson | diskret uniform | discrete-Phase-Type | Gauss-Kuzmin | geometrisch | logarithmisch | parabolisch-fraktal | Poisson | Poisson-Gamma | Skellam | Yule-Simon | Zeta
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit kompaktem Intervall:
Beta | Cantor | Kumaraswamy | raised Cosine | Dreieck | U-quadratisch | stetig uniform | Wigner-Halbkreis
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit halboffenem Intervall:
Beta prime | Bose-Einstein | Burr | Chi-Quadrat | Coxian | Erlang | Exponential | F | Fermi-Dirac | Folded normal | Fréchet | Gamma | Gamma-Gamma | Extremwert | verallgemeinert invers Gauß | halblogistisch | halbnormal | Hotellings T-Quadrat | hyper-exponentiale | hypoexponential | invers Chi-Quadrat | scale-invers Chi-Quadrat | Invers Normal | Invers Gamma | Lévy | log-normal | log-logistisch | Maxwell-Boltzmann | Maxwell-Speed | Nakagami | nichtzentriert Chi-Quadrat | Pareto | Phase-Type | Rayleigh | relativistisch Breit-Wigner | Rice | Rosin-Rammler | shifted Gompertz | truncated normal | Type-2-Gumbel | Weibull | Wilks’ Lambda
Kontinuierliche univariate Verteilungen mit unbeschränktem Intervall:
Cauchy | Extremwert | exponential Power | Fishers z | Fisher-Tippett (Gumbel) | generalized hyperbolic | Hyperbolic-secant | Landau | Laplace | alpha-stabil | logistisch | normal (Gauß) | normal-invers Gauß’sch | Skew-normal | Studentsche t | Type-1-Gumbel | Variance-Gamma | Voigt
Diskrete multivariate Verteilungen:
Ewen | multinomial | Dirichlet compound multinomial
Kontinuierliche multivariate Verteilungen:
Dirichlet | generalized Dirichlet | multivariat normal | multivariat Student | normalskaliert invers Gamma | Normal-Gamma
Multivariate Matrixverteilungen:
Invers Wishart | Matrix-normal | Wishart
.
ergibt sich die
ergibt sich die
ergibt sich eine Verteilung mit verschwindender Schiefe (ähnlich der 




.

, beispielsweise in der Einlaufphase

.
ergibt. Mit anderen Worten: Die Exponentialverteilung behandelt Probleme mit konstanter
. Untersucht man jedoch Fragestellungen mit steigender (
eine Exponentialverteilung
eine Weibull-Verteilung
. Zum Beweis betrachte man die Verteilungsfunktion von
:
.