Kreis Siegen-Wittgenstein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Siegen-Wittgenstein Deutschlandkarte, Position des Kreises Siegen-Wittgenstein hervorgehoben50.948.19Koordinaten: 50° 56′ N, 8° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Siegen
Fläche: 1.132,89 km²
Einwohner: 274.904 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 243 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: SI, BLB
Kreisschlüssel: 05 9 70
Kreisgliederung: 11 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Koblenzer Straße 73
57072 Siegen
Webpräsenz: www.siegen-wittgenstein.de
Landrat: Andreas Müller (SPD)
Lage des Kreises Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen
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Über dieses Bild

Der Kreis Siegen-Wittgenstein liegt im Südosten von Nordrhein-Westfalen. Er gehört zum Regierungsbezirk Arnsberg und ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Sitz des Kreises ist Siegen.

Geographie[Bearbeiten]

Räumliche Lage[Bearbeiten]

Der Kreis ist der südlichste in Westfalen und wird im Norden durch das Rothaargebirge und im Süden durch den Westerwald begrenzt. Im Osten geht das Gebiet des Kreises ohne natürliche Grenzen in den nordhessischen Bereich über. Die Hauptflüsse sind im Westen die Sieg und im Osten Lahn und Eder. Der Kreis – wie das sich nordwestlich anschließende Sauerland durch seinen Mittelgebirgscharakter geprägt – ist der waldreichste Kreis Deutschlands.[2] 64,7 Prozent der Fläche bestehen aus Wald.[3] Das gesamte Kreisgebiet gehört zur übergeordneten Naturlandschaft des rheinischen Schiefergebirges. Bezogen auf den Anteil der Forst- und Naturwaldflächen an der Gesamtfläche ist der Kreis Siegen-Wittgenstein der waldreichste Kommunalkreis der Bundesrepublik Deutschland.

Kreisgliederung[Bearbeiten]

Der Kreis Siegen-Wittgenstein gliedert sich in elf kreisangehörige Gemeinden, von denen zwei Mittlere kreisangehörige Städte sind und Siegen Große kreisangehörige Stadt ist.

(Einwohner am 31. Dezember 2013[4])

Städte

  1. Bad Berleburg (19.236)
  2. Bad Laasphe (13.977)
  3. Freudenberg (17.873)
  4. Hilchenbach (14.993)
  5. Kreuztal, Mittlere kreisangehörige Stadt (30.899)
  6. Netphen, Mittlere kreisangehörige Stadt (23.051)
  7. Siegen, Große kreisangehörige Stadt (99.403)

Gemeinden

  1. Burbach (14.418)
  2. Erndtebrück (7220)
  3. Neunkirchen (13.638)
  4. Wilnsdorf (20.196)
Rheinland-Pfalz Hessen Hochsauerlandkreis Kreis Olpe Bad Berleburg Bad Laasphe Burbach (Siegerland) Erndtebrück Freudenberg (Siegerland) Hilchenbach Kreuztal Netphen Neunkirchen (Siegerland) Siegen WilnsdorfMunicipalities in SI.svg
Über dieses Bild

Die Gemeinde Erndtebrück sowie die Kurbäder Bad Berleburg und Bad Laasphe gehören zum Wittgensteiner Land und kamen aus dem Kreis Wittgenstein, die anderen Städte und Gemeinden liegen im Siegerland und stammten aus dem Kreis Siegen.

Nachbarkreise[Bearbeiten]

Der Kreis Siegen-Wittgenstein grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an den Kreis Olpe und an den Hochsauerlandkreis (beide in Nordrhein-Westfalen), an die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill-Kreis (alle in Hessen) sowie an den Westerwaldkreis und an den Landkreis Altenkirchen (Westerwald) (beide in Rheinland-Pfalz).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kreis Siegen-Wittgenstein entstand aufgrund des Sauerland/Paderborn-Gesetzes am 1. Januar 1975 durch Zusammenfassung der Gemeinden Bad Berleburg, Burbach, Erndtebrück, Freudenberg, Hilchenbach, Kreuztal, Laasphe, Netphen, Neunkirchen, Siegen und Wilnsdorf. Die Rechtsvorgänger, die Kreise Siegen und Wittgenstein wurden aufgelöst.[5] Die geäußerte Unzufriedenheit der Bevölkerung im Wittgensteiner Land mit dem als einseitig empfundenen ursprünglichen neuen und alten Kreisnamen Kreis Siegen führte am 1. Januar 1984 zu dessen Umbenennung in „Kreis Siegen-Wittgenstein“.

Das Gebiet des Kreises Siegen war bereits vor Christi Geburt von einer keltischen Urbevölkerung besiedelt. Bereits vor circa 2500 Jahren wurde durch sein Reichtum an Eisenerz hier eine intensive Bergbau- und Eisenhüttenwirtschaft betrieben. In der keltischen Welt Westeuropas war das Siegerland zu der Zeit daher sehr wichtig. Für die Verhüttung wurde sehr viel Holz als Brennstoff benötigt. Durch den Raubbau an den Wäldern soll nach archäologischen Forschungen das Gebiet zwischen 100 bis etwa 800 n. Chr. entvölkert gewesen sein. Erst die Franken besiedelten zur Zeit Karls des Großen das heutige Siegerland erneut. Seit der Zeit herrschten verschiedene Fürsten aus dem Bereich Haiger/Dillenburg (Haus Oranien-Nassau). Diese waren eng verbunden mit den späteren Herrscherhäusern in Luxemburg und den Niederlanden. Wilhelm der Schweiger zog seine Heere zur Befreiung der Niederlande von den Spaniern auf der Ginsburg nahe Hilchenbach zusammen.

Während des Mittelalters gehörte das Siegerland zum Erzbistum Mainz und gewann wieder eine große Bedeutung als Bergrevier und in der Eisenerzeugung. Bis in die 1960er Jahre wurde der Eisenerzbergbau betrieben. Über 150 Jahre alte Stahlwerke wie die Edelstahlwerke Südwestfalen (früher Krupp Edelstahl, davor Stahlwerke Südwestfalen, davor Bremer Hütte) in Siegen-Geisweid sind noch heute in Betrieb, wenn auch mit spezielleren Produkten.

Die Siegerländer Mundart wird von Sprachforschern als nordöstlichster Teil des Moselfränkischen angesehen. Eine kulturelle Verbindung zu Westfalen, zu dem das Siegerland heute gehört, bestand nur teilweise. Heute noch erkennt man in den Wäldern die Befestigungsanlagen zwischen den Ländern der Franken und der Sachsen auf der Grenze zwischen dem Kreis Olpe und dem Kreis Siegen-Wittgenstein.

Die Wittgensteiner Mundart gehört im Gegensatz zum Siegerländer Dialekt zum oberhessischen Sprachraum.

Das Wittgensteiner Land war im späteren Mittelalter und in der Frühneuzeit Teil der Grafschaft Wittgenstein und als solche zuletzt geteilt unter den Linien Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Im Jahre 1806 fielen die mittlerweile gefürsteten Gebiete zunächst an Hessen-Darmstadt. In dieser Zeit mussten die Einwohner der beiden Gebiete die Steuerabgaben unverändert an die alten Herrschaften abführen und zusätzlich die Steuern der neuen Herrschaft Hessen-Darmstadt aufwenden, was zu einer zusätzlichen Verarmung der ohnehin schon wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung führte.

Seit der Einnahme des Landes durch Preußen gehörten Siegerland und Wittgenstein zunächst zum Regierungsbezirk Koblenz der Provinz Großherzogtum Niederrhein. Bei einer Neuordnung unter Ludwig von Vincke wurden die Kreise 1817 dem Regierungsbezirk Arnsberg in der der Provinz Westfalen zugeordnet.

Politik[Bearbeiten]

Kreistag[Bearbeiten]

Kreistagswahl 2014
Wahlbeteiligung: 51.68 %
 %
40
30
20
10
0
36,37 %
35,76 %
6,35 %
8,87 %
5,33 %
4,42 %
2,89 %
0,10 %
Sitzverteilung im Kreistag
Das am 27. Januar 1964 in Dienst gestellte[6] Kreishaus in Siegen vor der Sanierung

Die 54 Sitze des Kreistages verteilen sich nach der Kommunalwahl am 25 Mai 2014 wie folgt:

Gesamt: 54 Sitze

  • Landrat Andreas Müller (SPD)

Landrat[Bearbeiten]

Landrat ist Andreas Müller (SPD). Er konnte sich am 15. Juni 2014 bei der Stichwahl des Landrates mit knapp 60% gegen den seinerzeitigen Amtsinhaber Paul Breuer (CDU) durchsetzen.[7]

Bisherige Landräte des Kreises Siegen-Wittgenstein:

Amtszeit und Name der Oberkreisdirektoren:

Landtagsabgeordnete[Bearbeiten]

Folgende Abgeordnete vertraten bzw. vertreten den Kreis Siegen bzw.den Siegen-Wittgenstein seit 1946 im Landtag Nordrhein-Westfalen oder stammten aus Siegen/Siegerland und vertraten andere Wahlkreise in NRW im Landtag[8]:

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wird für den 1975 gebildeten Kreis Siegen-Wittgenstein verwendet. Der Altkreis Siegen sowie der Landkreis Wittgenstein besitzen jeweils auch eigene Wappen.

Zunächst wurde das Wappen des Altkreises Siegen, analog zur Bezeichnung des neuen Landkreises, weiterverwendet. Nach der Namensänderung auf Siegen-Wittgenstein wurde das hintere Feld den Farben des Altkreises Wittgenstein angepasst, so dass das Feld silbern (weiß) und die Grubenlampe und der Haubergsknipp (=Messer) schwarz dargestellt wurden.

Auf dem seit dem 1. Oktober 1999 gültigen Wappen ist in dem hinteren Feld der nassauische Löwe dargestellt. Das vordere Feld geht aus dem Wappen des bei der 1975 bereits vorgenommenen Kreisreform hinzugekommenen Kreises Wittgenstein hervor. Im unteren Bereich ist eine Grubenlampe als Symbol für den Bergbau und ein Knipp als Symbol für die Waldwirtschaft abgebildet, die ebenfalls aus dem Wappen des Kreises Siegen stammen.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Obere Schloss in Siegen bei Sonnenuntergang

Oberes Schloss zu Siegen[Bearbeiten]

Die Höhenburg des Oberen Schlosses auf dem Siegberg wurde 1259 erstmals urkundlich erwähnt und war im Mittelalter die Stammburg des Hauses Nassau. Seit 1905 befindet sich hier das Siegerlandmuseum. Hier findet man neben Zeugnissen aus der Region, darunter einem (künstlich angelegten) Schaubergwerk, auch zahlreiche Gemälde. Den Schwerpunkt bilden dabei Arbeiten des wohl bekanntesten Sohns der Stadt, Peter Paul Rubens. Zudem befindet sich hier eine umfangreiche Porträtsammlung der Nassauer und Oranier. Das Dachgeschoss ist der Wohnkultur des 19. Jahrhunderts gewidmet. Eine Küche aus dem Siegerland, eine Schlafstube und zahlreiche Möbel aus der Biedermeierzeit vermitteln einen Eindruck vom Leben in der Region.

Unteres Schloss zu Siegen[Bearbeiten]

Am Ende des 17. Jahrhunderts entstand das Untere Schloss in seiner heutigen einem offenen Rechteck gleichenden Bauform. Die evangelische Linie des Hauses Nassau-Siegen residierte dort. Zu dem Schloss gehört auch der „Dicke Turm“ mit Glockenspiel. Im Jahr 1959 richtete die Stadt Siegen dort eine Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ein. In dem Schloss befindet sich auch die Gruft des evangelischen Teils des Nassauischen Fürstenhauses.

Heute dient das Schloss als Landesbehördenhaus, in dem das Arbeitsgericht Siegen, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, das Staatliche Umweltamt Siegen, das Amt für Arbeitsschutz und die Justizvollzugsanstalt Attendorn – Zweiganstalt Siegen ansässig sind. Nach Plänen der Stadt sollen in das Untere Schloss in den nächsten Jahren Teile der Universität ziehen, die Realisierung scheitert derzeit aber noch an der Finanzierung.

Ginsburg[Bearbeiten]

Ruine der Ginsburg über Hilchenbach-Grund

Die Ginsburg, hoch über Hilchenbach-Grund gelegen wird im Jahre 1255 als nassauische Grenzbefestigung erwähnt. Geschichtliche Bedeutung erlangt die Burg im Jahre 1568 als Wilhelm I. auf der Burg Pläne für die Befreiung der Niederlande entwirft und dort die letzten Feldzugsvorbereitungen trifft. Auf der Ginsburger Heide war der Sammelpunkt der dritten Heeresgruppe unter Graf Ludwig von Nassau, was die Ginsburg, und somit Hilchenbach, zu einem Ausgangspunkt des niederländischen Freiheitskampfes macht. Heute ist von der Burg nur noch der Bergfried vollständig erhalten, die restliche Anlage als Ruine.

Schloss Bad Berleburg[Bearbeiten]

Schloss Berleburg wurde im 13. Jahrhundert als Höhenburg angelegt. Am 30. März 1258 ging das Schloss auf den Grafen Siegfried I. und den Klostervogt Adolf I. von Grafschaft über. Die Beendigung der Doppelherrschaft in Berleburg durch Widekind von Grafschaft endete im Jahr 1332, als dieser zu Gunsten Siegfrieds II. von Wittgenstein im Jahr 1322 auf seine Rechte an der Stadt verzichtete. Nachdem dieser als letzter in dem Geschlecht der Wittgensteiner Grafen starb, trat sein Schwiegersohn Salentin von Sayn das Erbe an. Er begründete das Haus Sayn-Wittgenstein.

Schloss Berleburg

In den Jahren 1555 bis 1557 wurde der zweigeschossige Nordflügel des Schlosses erweitert. 1585 folgte der Bau des Torhauses.[9] Während der Regierungszeit des Grafen Casimir errichtete man von 1731 bis 1733 den dreigeschossigen Mittelflügel, der 1902 nochmals umgebaut wurde. Von 1732 bis 1739 wurde das Corps de Logis von Schloss Berleburg nach den Plänen von Julius Ludwig Rothweil ausgeführt. Friedrich von Thiersch fügte anlässlich eines Umbaus im Jahre 1912 die flankierenden Türme hinzu und veränderte das Treppenhaus. Das Schloss ist heute im Besitz der Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Schloss Wittgenstein[Bearbeiten]

Eine Burg wurde 1187 erstmals als „Widenkindigstein“ urkundlich erwähnt. Mit der Anlage dieser Burg sicherte das Haus Battenberg seinen Einfluss im Wittgensteiner Land an der oberen Lahn. Im Jahr 1238 folgte die Teilung des Hauses Battenberg in eine Battenberger und eine Wittgensteiner Linie durch die Söhne Widekinds I. Die Burg Wittgenstein und die Stadt Laasphe kamen an Siegfried I., der sich nunmehr Graf von Wittgenstein nannte. Mit dem Aussterben der Grafen von Wittgenstein im Mannesstamm 1359 fiel die Burg an das Haus Sayn-Wittgenstein. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Schloss 1634 besetzt und erheblich beschädigt, wurde jedoch wieder instand gesetzt. Bis 1950 diente es als Wohnsitz der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Nachdem die Fürsten in das Schloss Schwarzenau umgezogen waren, wurde das Wohnheim eines Internats im Schloss untergebracht. Während der 1960er Jahre wurde dieses in das Gymnasium Schloss Wittgenstein umgewandelt.

Die unregelmäßige Dreiflügelanlage des Schlosses erstreckt sich über eine Länge von ungefähr 125 Meter. Die Anlage wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet und weist keinen einheitlichen Baustil auf. Überwiegend ist das Gebäude der Renaissance und dem Barock zuzurechnen.

Stift Keppel[Bearbeiten]

Stift Keppel: Ansicht der Wappenhalle mit Seufzerbrücke zum Abteiflügel, des Neuen Hauses und der Stiftskirche

Das ehemalige Prämonstratenserinnenstift Keppel bei Hilchenbach-Allenbach ist eines der bedeutendsten barocken Kleinode des Siegerlandes: Besonders sehenswert sind die romanisch-gotische Stiftkirche mit barocker Innenausstattung, das Neue Haus, der Konventssaal und das kleine Stiftsmuseum.

Keppel wurde vor 1239 von Friedrich vom Hain gestiftet und stand unter dem Protektorat des Grafen- und Fürstenhauses Nassau-Oranien, später des preußischen Königshauses. Nach der Reformation wurde Keppel 1547 ein adeliges Damenstift mit einer Mädchenschule, später ein Oberlyzeum und Lehrerinnenseminar. Heute ist Stift Keppel ein Gymnasium mit Tagungs- und Gästehaus und einem kleinen Museum.

Breitenbachtalsperre[Bearbeiten]

Zwischen den Hilchenbach-Dahlbruch und Hilchenbach-Allenbach befindet sich die Breitenbachtalsperre, die mit ihrem Stausee der Wasserversorgung des Siegerlands dient. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen.

Martinikirche[Bearbeiten]

Die Martinikirche in Netphen ist eine Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Bei einbrechender Dunkelheit und in der Nacht wird der romanische Turm der Kirche beleuchtet.

Obernautalsperre[Bearbeiten]

Die Obernautalsperre in Netphen-Brauersdorf ist mit 15 Mio. m³ die größte Trinkwassertalsperre des Siegerlands. Ein rund 9,6 km langer Wirtschaftsweg, der komplett um die Talsperre herumführt, lädt zu Wanderungen ein. Sie wird überragt von der Alten Burg (632,9 m ü. NN), einer Fluchtburg und Kultstätte aus der La-Tène-Zeit ab 500 v. Chr. Jedes Jahr wird am 31. Dezember dort ein Volkslauf ausgetragen.

Wasserburg Hainchen[Bearbeiten]

In Netphen-Hainchen befindet sich die wiederaufgebaute Wasserburg Hainchen.

Kultur[Bearbeiten]

Das „Kultur!Büro“ des Kreises Siegen-Wittgenstein veranstaltet jährlich an Pfingsten das Kultur-Festival KulturPur auf dem Giller bei Hilchenbach.

Die in Hilchenbach angesiedelte Philharmonie Südwestfalen erfreut seit 50 Jahren die Liebhaber klassischer Musik nicht nur in der Region, sondern auch im Ausland. Zum Jahreswechsel 2006/2007 gastierte das Orchester sogar in China. Mit dem Chefdirigenten Charles Olivieri-Munroe (seit der Spielzeit 2011/2012 engagiert) überrascht das Orchester die Zuhörer mit einem breitgefächerten Repertoire.

Nicht zuletzt haben inzwischen auch die Dilldappen seit 1982 einen festen Platz in der Kulturlandschaft Siegen-Wittgenstein.

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Auf der Lipper Höhe bei Burbach befindet sich der Verkehrsflughafen Siegerland. Weltweite Verbindungen werden über die Flughäfen in Düsseldorf, Dortmund, Frankfurt am Main und Köln abgewickelt.

Schienen- und Busverkehr[Bearbeiten]

Der Kreis Siegen-Wittgenstein wird von sechs Eisenbahnstrecken erschlossen:

im Schienenpersonennahverkehr
der Ruhr-Sieg-Express (RE 16) und
die Ruhr-Sieg-Bahn (RB 91) verkehren.
der Main-Sieg-Express (RE 99) und
die Sieg-Dill-Bahn (RB 95) (nur von/bis Dillenburg) verkehren.
  • der Hellertalbahn, auf der die HellertalBahn (RB 96) verkehrt.
  • der zweigleisigen elektrifizierten Siegstrecke, auf der
der Rhein-Sieg-Express (RE 9) und
die Sieg-Dill-Bahn (RB 95) (nur von/bis Au (Sieg)) verkehren.

Für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.

Der Kreis betätigt sich auch selbst als Verkehrsunternehmer, u. a. mit der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein. In Siegen-Weidenau besteht ein Gleisanschluss nach Netphen zur Bedienung mehrerer Industriebetriebe. Die Strecke ab Netphen weiter nach Deuz und Werthenbach wurde 2004 komplett stillgelegt. 2009 wurden dann die dortigen Schienen und Schwellen der stillgelegten Strecke vollständig entfernt.

Stillgelegt wurden die Bahnstrecken von Bad Berleburg nach Frankenberg über Hatzfeld (Eder) sowie von Erndtebrück-Birkelbach nach Kirchhundem im Norden des Kreises und von Olpe nach Betzdorf über Freudenberg im Westen des Kreises.

Straßen[Bearbeiten]

Der Kreis Siegen-Wittgenstein wird von den Bundesautobahnen

erschlossen.

Die A 4 zwischen der AS 28 Wenden und Kreuztal wurde neu gebaut. In Höhe des Kreuztaler Ortsteils Krombach geht sie in die Hüttentalstraße (B 54/B 62) über. Auf dem zwölf Kilometer langen Abschnitt entstanden acht Talbrücken sowie zehn Unter- und Überführungen.

Der umstrittene Weiterbau der A 4 durch das nördliche Kreisgebiet bis zur A 4 bei Bad Hersfeld/Hessen ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan, der seit 2004 Rechtskraft hat, nicht mehr berücksichtigt worden und aus der Planung herausgenommen worden. Die Gründe dafür waren in der politischen Konstellation beim Bund und in den beiden beteiligten Bundesländern wie auch in der aufwändigen Finanzierung des Fernstraßenprojektes durch große zusammenhängende und geschützte Landschaftsgebiete zu sehen, sie ergaben sich auch aus der zur Fortschreibung des Bundesfernstraßenbedarfsplans in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie des Bundesverkehrsministers (1999) und deren zusammenfassender Beurteilung.

Die Gutachter wiesen in ihrer Machbarkeitsstudie auf die „außerordentliche(n) Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“ hin, die mit dem Weiterbau der A 4 durch das Rothaargebirge und im benachbarten Hessen entstehen würden, Beeinträchtigungen, die die Gutachter – wie bereits eine Reihe früherer Gutachter – für „nicht vertretbar“ hielten. Die weiterhin erhobene – und bestehende – Forderung der politischen Mehrheit im Kreistag, eine alternative West-/Ost-Fernstraßenplanung – mit nahezu gleicher Dimensionierung – in die Fernstraßenbedarfsplanung aufzunehmen, fand bei der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans im Juli 2004 keine Berücksichtung mehr.

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Die Wasserversorgung im Siegerland wird über den Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) gewährleistet. Dieser hält zur Verteilung des Trinkwassers ein 306 Kilometer langes Transportleitungsnetz bereit. Der Durchmesser der Rohrleitungen variiert zwischen 100 und 800 mm. Im Kreisgebiet dienen, unterstützt von 27 Pumpwerken, 24 Hochbehälter mit einem Gesamtfassungsvermögen von 54.000 m³ der Aufrechterhaltung der Wasserverteilung in der Region. Einer dieser Hochbehälter ist beispielsweise der „Bürbacher Kopf“ in Siegen. Zu den Pumpwerken zählt das Grundwasserwerk „Pützhorn“ an der Eiserfelder Straße. Letzteres wurde in den Jahren 1939 und 1940 erbaut und verursachte Baukosten von 250.000 Reichsmark.[10] Zum Wasserversorgungssystem zählen ebenso die beiden Talsperren Obernautalsperre und Breitenbachtalsperre wie auch die in Dreis-Tiefenbach befindliche Aufbereitungsanlage.[11]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft des früheren Kreises Siegen ist von der bis ins Jahr 600 v. Chr. zurückreichenden Eisenverhüttung und -verarbeitung geprägt, während in der Region des früheren Kreises Wittgenstein hauptsächlich die Forstwirtschaft sowie der Kurbäderbetrieb von Bedeutung sind. Im Siegerland gibt es zudem verarbeitendes Gewerbe und Produktion, darunter u. a. Kfz.-Anhänger eines wichtigen Fabrikanten, sowie mehrere größere Brauereien, von denen zwei überregional von Bedeutung sind; unter letzteren befindet sich auch die Krombacher Brauerei, die derzeit größte Privatbrauerei Deutschlands.

Rettungsdienst[Bearbeiten]

Geschichte des Rettungsdienstes[12][Bearbeiten]

Zu Beginn der 1960er Jahre beginnen einige ehrenamtliche Sanitätsbereitschaften Krankentransporte durchzuführen. Mitte der 1960er Jahre wurden erste Krankenwagenfahrer fest eingestellt und auch einige Rettungsstationen entstanden. In den 1970er Jahren wurden einige Rettungsstationen vom DRK Kreisverband Siegen-Wittgenstein e.V., dem heutigen Leistungserbringer des Rettungsdienstes im Kreisgebiet, übernommen. Anfang der 1980er Jahre entstehen die Rettungswachen Erndtebrück und Wahlbach. Die anderen heute noch bestehenden Rettungswachen bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits. 1981 wurden die ersten Rettungssanitäter ausgebildet und die seit 1980 bestehende Leitstelle bei der Feuerwehr Siegen ist von nun an über die Notrufnummer 112 aus dem gesamten Kreisgebiet zu erreichen. 1982 wurde der Rettungshubschrauber Christoph 25 am Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus stationiert. 2005 wurde ein Ausbildungszentrum für Notfallmedizin eröffnet.

Allgemeines[Bearbeiten]

Leistungserbringer des öffentlichen Rettungsdienstes im Kreisgebiet ist der DRK Kreisverband Siegen-Wittgenstein e.V. und die Feuerwehr Siegen im Stadtgebiet Siegen. Jeweils eine Rettungswache gibt es in Kreuztal-Ferndorf, Netphen, Bad Berleburg, Wilnsdorf, Bad Laasphe, Freudenberg, Burbach-Wahlbach, Erndtebrück und Siegen-Weidenau. An allen Rettungswachen, außer an der in Erndtebrück, sind neben mindestens einem Rettungswagen (RTW) auch ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) stationiert. Das NEF der Feuerwehr Siegen ist in der Regel an einem der Siegener Krankenhäuser stationiert. Alarmierungen werden kreisweit über den Notruf 112 angenommen und digital durch die Kreisleitstelle in Siegen-Weidenau (Rufname: Leitstelle Siegen-Wittgenstein) durchgeführt.

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis Siegen bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen SI zugewiesen. Es wird im Kreis Siegen-Wittgenstein durchgängig bis heute ausgegeben.

Bis in die 1990er Jahre erhielten Fahrzeuge aus dem Altkreis Wittgenstein Kennzeichen mit den Buchstabenpaaren HA bis HZ sowie LA bis LZ und den Zahlen von 1 bis 999.

Seit dem 13. November 2012 ist auch das Unterscheidungszeichen BLB (Bad Berleburg) erhältlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Bergmann, Thomas Frank, Philipp R. Hömberg: Der Kreis Siegen Wittgenstein. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Bd. 25. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1092-6.
  • Klaus Dietermann, Johanna Morgenstern-Wulff, Ruth Röcher: Die jüdischen Friedhöfe im Kreis Siegen-Wittgenstein. Siegen 1991, DNB 920574610. (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland. Dokumentation. Bd. 8)
  • Hartmut Eichenauer, Alois Mayr, Klaus Temlitz: Der Kreis Siegen-Wittgenstein. Ardey, Münster 1995, ISBN 3-87023-064-9. (Städte und Gemeinden in Westfalen. Bd. 2)
  • Jochen Luckhardt, Michael Schmitt: Kreis Siegen-Wittgenstein. Westfalen, Bielefeld 1988, ISBN 3-88918-053-1. (Westfalia Picta. Bd. 3)
  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Siegen. Schöningh, Münster 1903. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Bd. 12)
  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wittgenstein. Schöningh, Münster 1903, DNB 36117327X. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Bd. 13)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreis Siegen-Wittgenstein – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. April - 30. April 2007 auf www.siegen-wittgenstein.de, abgerufen am 13. Januar 2013
  3. IT.NRW bestätigt: Siegen-Wittgenstein ist waldreichster Kreis im Land, abgerufen am 13. Januar 2013
  4. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 336.
  6. "Zurückgeblättert...", Siegener Zeitung vom 29. Januar 2011
  7. SPD-Sensation in Siegen-Wittgenstein. Andreas Müller neuer Landrat. Siegener Zeitung, 15. Juni 2014, abgerufen am 16. Juni 2014.
  8. http://www.siegen-wittgenstein.de/standard/page.sys/758.htm
  9. Friedhelm Ackermann, Alfred Bruns: Burgen, Schlösser und Klöster im Sauerland. Strobel-Verlag, Arnsberg 1985, ISBN 3-88793-006-14 (formal falsche ISBN), S. 54.
  10. "Wasserversorgung in der Stadt Siegen", Siegerländer Heimatkalender 1991, S. 57ff, 66. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag für Heimatliteratur
  11. Informationen auf der Internetpräsenz des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein
  12. http://www.drk-siegen-wittgenstein.de/framesets/f_rettungsdienst_Geschichte.htm