Germaringen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Germaringen
Germaringen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Germaringen hervorgehoben
47.93138888888910.678888888889660Koordinaten: 47° 56′ N, 10° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Höhe: 660 m ü. NHN
Fläche: 22,88 km²
Einwohner: 3772 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 165 Einwohner je km²
Postleitzahl: 87656
Vorwahl: 08341
Kfz-Kennzeichen: OAL, FÜS, MOD
Gemeindeschlüssel: 09 7 77 130
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Westendorfer Straße 4a
87656 Germaringen
Webpräsenz: www.germaringen.de
Bürgermeister: Kaspar Rager (Freie Wgem. Untergermaringen)
Lage der Gemeinde Germaringen im Landkreis Ostallgäu
Österreich Kempten (Allgäu) Landkreis Oberallgäu Kaufbeuren Landkreis Augsburg Landkreis Unterallgäu Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Landsberg am Lech Rettenbach am Auerberg Westendorf (Allgäu) Wald (Allgäu) Waal (Allgäu) Untrasried Unterthingau Halblech Stöttwang Stötten am Auerberg Seeg Schwangau Rückholz Ruderatshofen Roßhaupten Ronsberg Rieden (bei Kaufbeuren) Rieden am Forggensee Pfronten Pforzen Osterzell Oberostendorf Obergünzburg Nesselwang Mauerstetten Marktoberdorf Lengenwang Lechbruck am See Lamerdingen Kraftisried Kaltental Jengen Irsee Günzach Hopferau Görisried Germaringen Füssen Friesenried Eisenberg (Allgäu) Eggenthal Buchloe Bidingen Baisweil Biessenhofen AitrangKarte
Über dieses Bild

Germaringen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu.

Geografie[Bearbeiten]

Germaringen liegt in der Planungsregion Allgäu (Landkreis Ostallgäu)

Es existieren folgende Gemarkungen: Ketterschwang, Obergermaringen, Untergermaringen, Schwäbishofen.

Ortsteile sind (in Klammern: Einwohner am 31. Dezember 2012): Obergermaringen (2529), Untergermaringen (786), Ketterschwang (396), Schwäbishofen (18) und Riederloh (59)

Zur nahe gelegenen Stadt Kaufbeuren sind es 7 km, nach Bad Wörishofen 15 km, der nächstgelegene Autobahnanschluss zur A 96 Lindau – München bei Buchloe ist 14 km und die Stadt Buchloe selbst ist 18 km entfernt. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Kaufbeuren mit Anschlüssen nach München, Lindau und Oberstdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Germaringen gehörte zur Freien Reichsstadt Kaufbeuren. Zu Germaringen gehörten die Gemeindeteile Ober- und Untergermaringen sowie das Riederloh. Ketterschwang kam im Jahr 1803 durch die Säkularisation der Reichsabtei Irsee (der der gesamte Ort bis auf den Weiler Schwäbishof gehörte) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Obergermaringen und Untergermaringen am 1. Juli 1972 zur neuen Gemeinde Germaringen zusammengeschlossen.[2] Ketterschwang kam am 1. Mai 1978 hinzu.[3]

Einwohnerentwicklung seit 1840[Bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2008 wuchs Germaringen um 916 Einwohner bzw. ca. 32%.

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden gezählt:

Jahr Einwohner
1840 875
1895 1.168
1910 1.235
1933 1.275
1946 1.966
1961[3] 2.042
1970[3] 2.388
1980 2.515
1990 2.978
2000 3.668
Jahr Einwohner
2005 3.818
2006 3.777
2007 3.800
2008 3.816
2009 3.767
2010 3.759
2011 3.793
2012 3.788

vor 1961 ohne Schwäbishofen und Riederloh; Quelle: Gemeinde Germaringen

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder. Bei der Gemeinderatswahl vom 2. März 2008 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Bürgerblock Obergermaringen  10 Sitze
Freie Wählergemeinschaft Untergermaringen  4 Sitze
Freie Wählergemeinschaft Ketterschwang  2 Sitze

Quelle: Gemeinde Germaringen

Bürgermeister ist Kaspar Rager (Freie Wählergemeinschaft Untergermaringen).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2012 umgerechnet 1.785.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 1.401.000 €. Im Jahr 2011 lag die Pro-Kopf Verschuldung bei nur 35 Euro/Einwohner.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Germaringen hat mit der französischen Gemeinde La Verrie in der Vendée 1992 bzw. 1994 einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Doch schon seit 1976 finden regelmäßige Besuche im 4-Jahres-Rhythmus der Gemeinden statt. Im Jahre 2000 wurde das Partnerschaftsdenkmal in Germaringen offiziell eingeweiht. 2001 wurde die 25-jährige Freundschaft gefeiert. Beim Besuch im Jahr 2008 wurde am Gemeindeamt die Skulptur der Partnerschaft (Titel: Freundschaft überwindet Grenzen) feierlich eingeweiht. Die Skulptur besteht aus zwei geschwungenen Stelen, welche für die gemeinsame Geschichte der beiden Länder Deutschland und Frankreich stehen. Die französische Säule ist blau und die deutsche golden, beides Farben der Landesflaggen. Beide Staaten schufen durch ihre Aussöhnung das Fundament für die europäische Einigung und haben jeweils drei entscheidende Begriffe als Wahlspruch formuliert, die immer Gültigkeit haben werden. Für Frankreich steht: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. In Deutschland heißt es: Einigkeit, Recht, Freiheit. Diese fundamentalen Worte stehen als Grundlage des Miteinander auf der dreiseitigen Granitplatte, welche die Skulptur der Partnerschaft trägt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Landschafts- und Ortsbild ist wesentlich von den Kirchen mitgeprägt. Nennenswert sind St. Georg auf dem Georgiberg in Untergermaringen und St. Wendelin in Obergermaringen.

St. Georg[Bearbeiten]

Romanische Kirche St. Georg, Untergermaringen, inmitten des Friedhofs auf dem Georgiberg - historische Ansicht

Zur St. Georgskirche pilgerten früher Gläubige am Georgifest (23. April) aus der näheren und weiteren Umgebung. Der Fußweg auf den Berg ist gesäumt von alten Linden und fünf barocken gemauerten Wegstationen aus den Jahren um 1700.

Der geostete Tuffquaderbau stammt aus der Romanik um 1180. Der Satteldachturm in Ziegelmauerwerk wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet. Der Bau wurde von 1966 bis 1970 umfassend renoviert und weitgehend in den ursprünglichen romanischen Baustil zurückgeführt; dabei auch barocke Anbauten abgebrochen. Im Inneren konnte ein romanisches Apsisfresko und Fragmente späterer Ausmalungen (neutestamentliche Szenen, Georgslegende und überlebensgroßer St. Christophorus) freigelegt werden. In der Apsis ist Christus als Pantokrator in einer Mandorla dargestellt, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten thronend über dem himmlischen Jerusalem. Begleitet wird Christus beidseits von je einem Engel und einem Heiligen. Unterhalb der Mandorla sind nach Mt. 25, 1-13 als Halbfiguren die 5 klugen und 5 törichten Jungfrauen dargestellt. Unterhalb der Jungfrauen sind zwölf Männer dargestellt,eine Deutung als die zwölf Aposteln liegt somit nahe. Allerdings ungewöhnlich ist das Fehlen der üblichen Attribute der Aposteln wie z. B. Schlüssel oder Andreaskreuz. Einheitlich hält jeder der Dargestellten ein Buch in den Händen. Bei sonst gutem Erhaltungszustand sind leider die unteren Bereiche nicht erhalten. Die Bedeutung der Apsisausmalung von St.Georg beruht auf ihrer Qualität mit reichlicher Verwendung des kostbaren Lapislazuli-Blaus und ihrer Einzigartigkeit in Bayerisch- Schwaben.

Romanische Apsisausmalung in St. Georg, Untergermaringen

An der Südseite des Langhauses die Kopie des romanischen Kruzifixus, das Original (jetzt im Bayerischen Nationalmuseum) war ursprünglich inmitten des Chorbogens angebracht.

Von einer Erneuerung gegen Ende des 17.Jahrhunderts haben sich die barocke Kassettendecke im Langhaus (datiert 1690) und Statuen und Gemälde erhalten.

St. Wendelin[Bearbeiten]

St. Wendelin in Obergermaringen wird bereits im 16. Jahrhundert als Wallfahrtskirche zum Hl. Wendelin schriftlich erwähnt. An Stelle der ursprünglichen Kapelle wurde 1697 mit dem Bau einer Barockkirche begonnen. Der Bauplan stammt wahrscheinlich von dem Wessobrunner Baumeister und Stuckateur Johann Schmuzer. 1727 wurde der Bau mit zwei Kuppeltürmen fertiggestellt.

Im Inneren der Kirche sind eine Fülle von Wand- und Deckengemälden sowie reichhaltige Stuckaturen von Wessobrunner Meistern erhalten. An den Wänden sind zahlreiche Fresken mit Darstellungen aus dem Leben und der Legende des Hl. Wendelins. Die Gewölbefelder schmücken Gemälde mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, umrahmt von üppigen Stuckornamenten.

In der Kirche bewahrt wird eine Reliquie des Hl. Wendelins, gefasst in eine prächtige Reliquienmonstranz. Noch heute kommen Pilger zu Wallfahrten. Der traditionelle Wendelinsritt wurde wieder ins Leben gerufen und findet alle drei Jahre statt. Der erste große nachweisbare Umritt mit Pferden und Gespannen fand am 12. Juni 1924 zum 1300. Todestag des Viehpatrons statt. Jedes Jahr zum Wendelinsfest im Oktober (Dienstag nach Kirchweih) finden auch Viehsegnungen statt. Der Heilige Wendelin wird nach wie vor von der Obergermaringer Kirchengemeinde sehr verehrt. Dazu finden Wallfahrten und Hirtenfeste statt. Immer am Ostermontag findet zu Ehren des Heiligen Wendelin ein Festgottesdienst mit Reliquienverehrung statt.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 25, im Produzierenden Gewerbe 387 und im Bereich Handel und Verkehr 128 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 115 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1.139. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) gab es keine, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 69 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1.993 ha. Davon waren 625 ha Ackerfläche und 1.367 ha Dauergrünfläche.

Bedeutende ansässige Unternehmen:

  • Otto Nocker GmbH, Fleisch- und Wurstwaren
  • GRUMA Nutzfahrzeuge GmbH, Landmaschinentechnik
  • Internationale Spedition Karl-Heinz Dietrich GmbH&Co. KG, Fracht- und Transportwesen

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ortsteil Obergermaringen ist direkt an die Bundesstraße 12 angebunden.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2012):

  • zwei Kindergärten: St. Michael in Obergermaringen mit einer Ganztags- und drei Halbtagsgruppen, sowie einer Krippe und St. Georg in Untergermaringen mit einer Ganztagsgruppe
  • eine Grund- und Mittelschule mit M-Zweig (Möglichkeit der Mittleren Reife)

Vereine[Bearbeiten]

Neben dem Sportverein SVO Germaringen e. V. ca. 40 weitere Vereine und Gruppen.

Galerie[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Der Schriftsteller Peter Dörfler wurde am 29. April 1878 in einem Bauernhof in Untergermaringen geboren.
  • In Untergermaringen lebte der Musiker Ernst Mosch, Leiter der Egerländer Musikanten. Mosch betrieb einen Musikverlag mit einem extravaganten Verlagsgebäude an der Hauptstraße in Obergermaringen. Sein gegründeter Musikverlag besteht noch heute.
  • Der in Obergermaringen geborene Rupert Egenberger war ein bekannter Sonder-/Heilpädagoge.
  • Der Paralympics-Sieger von 2010 in Vancouver im 12,5 km Biathlon Willi Brem.
  • Der in Germaringen geborene Carambolagespieler Wolfgang Zenkner errang 2009 den Weltmeistertitel im Einband.

Literatur[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 erschien die Germaringer Chronik. Ein umfassendes Werk über die Geschichte des Ortes und aktuelle Informationen mit 448 Seiten ist in der Gemeindeverwaltung Germaringen erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Germaringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 492.
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 779.