Linkenheim-Hochstetten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten
Linkenheim-Hochstetten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten hervorgehoben
49.1261111111118.41110Koordinaten: 49° 8′ N, 8° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 110 m ü. NHN
Fläche: 23,6 km²
Einwohner: 11.577 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 491 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76351
Vorwahl: 07247
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 105
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Karlsruher Straße 41
76351 Linkenheim-Hochstetten
Webpräsenz: www.linkenheim-hochstetten.de
Bürgermeister: Günther Johs
Lage der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Linkenheim-Hochstetten ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 17 Kilometer nördlich von Karlsruhe.

Geographie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Linkenheim-Hochstetten besteht aus den ehemaligen Gemeinden Hochstetten und Linkenheim. Zur ehemaligen Gemeinde Hochstetten gehört das Dorf Hochstetten. Zur ehemaligen Gemeinde Linkenheim gehören das Dorf Linkenheim und das Haus Forsthaus. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hochstetten liegt die abgegangene Ortschaft Ovestat, die 1103 erwähnt wurde, möglicherweise jedoch mit Hochstetten identisch ist. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Linkenheim liegen die Wüstungen Wanesheim (Wansheim) und teilweise auch in der Gemeinde Frecanstetten bzw. Frechstatt.[2]

Prähistorie, Römische Kaiserzeit und Frühmittelalter[Bearbeiten]

Neolithikum[Bearbeiten]

Die früheste Besiedlung der Gemarkung Linkenheim-Hochstetten geht wohl bereits ins Neolithikum zurück. Als Beweis für frühe menschliche Aktivitäten können zwei Steinartefakte gelten. Beim ersten handelt es sich um ein Steinbeil aus Amphibolit, welches bereits 1985 in Hochstetten gefunden wurde[3]. 1993 wurde ein weiteres Steinbeil aus grünlichem Silitstein im Osten der Linkenheimer Gemarkung gefunden. Besonders daran ist dessen Herkunft. Diese Gesteinsart stammt ursprünglich aus dem Südschwarzwald oder dem Schiefergebirge. Beile aus Stein sind jedoch nicht die einzigen Zeugen des Neolithikums. Aus den Baggerseen Rohr- und Streitköpfle kennen wir durch die unermüdliche Sammelleistung von F. Wagner, heute eine Vielzahl von Geweihhacken und anderen knöchernen Artefakten.[4]

Bronzezeit[Bearbeiten]

Frühbronzezeit[Bearbeiten]

Aus der Bronzezeit gibt es bis heute leider nur wenige Funde. Darunter ein Randleistenbeil aus Bronze, welches im Hardtwald westlich von Linkenheim gefunden wurde. Das Stück ist heute in der Dauerausstellung des Badischen Landesmuseum zu betrachten.

Spätbronzezeit/Urnenfelderzeit[Bearbeiten]

Von den für die Urnenfelderzeit typischen Vasenkopfnadeln kennen wir zwei Stücke aus dem Baggersee Rohrköpfle.[5]

Eisenzeit[Bearbeiten]

Ein besonderes Stück aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit stellt ein verzierter Gürtelhaken aus Bronze dar, der ein Bestandteil der keltischen Frauentracht war.[6]

Römische Kaiserzeit[Bearbeiten]

Bisher beschränken sich die Hinterlassenschaften auf der Gemarkung Linkenheim-Hochstetten auf Einzel- oder Verlustfunde. Ab der Römerzeit können wir jedoch erstmals auch Siedlungsreste und andere Bauwerke nachweisen. So verläuft östlich der Doppelgemeinde im Hardtwald in einer Nord-Süd-Achse eine Römerstraße. Es handelt sich dabei um einen heute noch im Gelände erkennbaren Wall aus Erde und Kies, welcher noch bis zu 50 cm hoch erhalten ist. Veranlasst wurde der Bau dieser Straße 74 n. Chr. von Kaiser Vespasian. Die Straße führte von Offenburg, über Ladenburg/Lopodunum nach Mainz/Mogontiacum, welches die Hauptstadt der Provinz Germania Superior bildete.

Die römische Anwesenheit unter der Herrschaft von Vespasian belegt neben der Römerstraße auch ein Denar mit seinem Bildnis aus dem Baggersee Rohrköpfle[7]. Neben weiteren 96 Münzen fanden sich hier römische Fibeln (z.B.: Kniefibel), ein goldener Ohrring, Fingerringfragmente zum Teil mit Inschrift, sowie mehrere Bronzegefäße. Darunter eine Kasserolle, eine Schale und ein Hemmoorer Eimer.

Nördlich der Gemeinde Hochstetten, unter dem heutigen Industriegebiete, direkt an der Gestadtekante entdeckte A. Bonnet 1898 eine kleine Ansiedlung aus vier Hütten, welche zwischen 1898 und 1900 ausgegraben wurde[8]. Nach Bonet handelt es sich dabei um Hütten, die zum Teil in den Boden eingetieft waren und eine Größe von bis zu 3,80 m x 2,10 m erreichten. Die Keramikfunde zeugen von einer langen Besiedlungsdauer der Siedlung, welche wohl mit der verkehrsgünstigen Lage zusammenhängen. Es ist möglich dass die Siedlung einen Fährübergang über den Rhein kontrollierte, über den Töpferwaren aus Rheinzabern (Tabernae) ins rechtsrheinische Gebiet gelangten.[9]

Frühmittelalter[Bearbeiten]

Neuste Funde zeigen, dass diese kleine Siedlung scheinbar auch im Frühmittelalter weiterhin eine wichtige Rolle gespielt hat. Nach einem kleinen Hiatus nach dem Abzug der Römer im 4. Jh. scheint die Siedlung im späten 7. Jh wiederbesiedelt worden zu sein. Davon zeugen Stücke der frühen älteren gelben Drehscheibenware [10], einer Keramikart, die links und rechts des Rheins, sowie im mittleren Neckarraum verbreitet ist[11]. Die feintonige Beschaffenheit, sowie bestimmte Dekore der Hochstettener Stücke deuten auf eine Herkunft aus Töpfereien im nördlichen Elsass hin. Einen weiteren Hinweis auf nachantike Besiedlung brachte neben diesen Funden der älteren gelben Drehscheibenware ein Silberdenar von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn und Nachfolger Karls des Großen. Dieser Denartyp wurde 822 n. Chr. von Ludwig dem Frommen eingeführt, der sich durch immer häufiger auftretende Fälschungen gezwungen sah den vorhergegangen Typ mit mehrzeiligem Münzstättennamen und kaiserlicher Titulatur zu verrufen[12]. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt der Denar aus der Münzstätte von Dorestad, einem bedeutenden karolingerzeitlichen Handelszentrum in den nördlichen Niederlanden. Er ist der erste einschlägige Fund am Oberrhein.[13] Eine Ausgrabung des Regierungspräsidiums Karlsruhe (Referates 26, Archäologische Denkmalpflege) im Jahre 2008 erbrachte weitere Gebäudegrundrisse und erhärtete den Verdacht auf eine mittelalterliche Siedlung.

Und auch im Rohrköpfle fanden sich einige eindrucksvolle Stücke aus dem Frühmittelalter. Darunter Teile von Pferdezaumzeug, wie zwei Schrägrandbügel aus Eisen mit feinen Tauschierungen aus Silber. Hier wurde auch ein weiterer Silberdenar aus der Kölner Münze geborgen.[14]

Geschichte[Bearbeiten]

Linkenheim[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Linkenheims ist im Jahre 777 in einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch.

Linkenheim hatte ursprünglich eine rein bäuerliche Struktur. Während der Industrialisierung im Deutschen Kaiserreich begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, da vorwiegend in Karlsruhe viele Arbeitsplätze entstanden. Von da an begann die Bevölkerungszahl stetig zu steigen.

1827 wurde im Zuge der Rheinbegradigung von der Lautermündung bis Roxheim der Verlauf des Rheins bei Linkenheim korrigiert. Die früheren Rheinschleifen sind auf Satellitenbildern noch gut zu erkennen und sind z.T. als Gewässer in Form von Bade- und Anglerseen erhalten.

Hochstetten[Bearbeiten]

Auch Hochstetten war zunächst ein rein bäuerliches Dorf. Die Nähe der Stadt Karlsruhe veranlasste jedoch die Bauern früh, sich auf den Anbau von Gemüse und Tabak zu spezialisieren. Vor dem Ersten Weltkrieg war der Ort für den Spargelanbau bekannt.

Die endgültige Wandlung des einstigen Bauern- und Arbeiterdorfes zur heutigen Wohngemeinde begann in der Zeit nach 1945. Dies wurde durch die Entstehung der Möbelfabrik (Imkereibedarf und Küchenmöbel) "Husser" eingeleitet und vorangebracht.

Linkenheim-Hochstetten[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1975 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Linkenheim und Hochstetten zur neuen Gemeinde Linkenheim-Hochstetten zusammen. Der Zusammenschluss erfolgte im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg.

Im Jahr 1989 erfolgte ein Anschluss mit der Stadtbahn (Linie S1/S11) an das Öffentliche Verkehrsnetz der Stadt Karlsruhe (KVV).

Religionen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Linkenheim befinden sich die Kirche Maria Königin der katholischen Pfarrei Linkenheim/Dettenheim, eine evangelische Kirche, eine Gemeinde des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes und eine Neuapostolische Kirche. Hochstetten hat eine evangelische Kirche und eine der ältesten freien evangelischen Gemeinden in Süddeutschland. Landeskirchliche Gemeinschaften spielen eine große Rolle. Der CVJM Hochstetten gehört aufgrund seiner Jugendarbeit zu den bedeutendsten CVJM's in der ganzen Umgebung. 2006 wurde das charismatische „czhardt“ gegründet. Das spiegelt auch ungefähr die Konfessionenverteilung wider: Es gibt mehr als doppelt so viele Protestanten wie Katholiken.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014 brachten folgendes Wahlergebnis:

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau mit goldenem Innenbord schräggekreuzt eine goldene Schifferstange und ein goldenes Ruder.“

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Linkenheim-Hochstetten pflegt seit dem 29. Mai 1966 eine Städtepartnerschaft mit Jarny in Frankreich. Seit dem 14. September 1990 besteht zudem eine Partnerschaft mit der Stadt Gröditz in Sachsen, die informell (erstes Treffen der Bürgermeister) bereits 1984 begann.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Haltestelle „Linkenheim Rathaus“

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Bundesstraße 36 (Mannheim - Lahr/Schwarzwald). Außerdem verkehren auf der Hardtbahn, die insgesamt sieben Haltestellen im Gemeindegebiet unterhält, nach Karlsruhe die S1 und die S11 der Stadtbahn Karlsruhe. Zusätzlich besitzt der Ort einen kleinen Flughafen für Kleinflugzeuge. Es sind aber auch schon große Transportflugzeuge gelandet.

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es die Grundschule Hochstetten, die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Linkenheim, die Realschule Linkenheim sowie die Förderschule für Lernbehinderte Albert-Schweitzer-Schule. Seit 2008 gibt es außerdem eine christliche Bekenntnisschule, die Christliche Schule Hardt.

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Linkenheim-Hochstetten existiert seit der Gemeindereform. Sie entstand aus den zuvor selbstständigen Feuerwehren aus Linkenheim und Hochstetten. Im Jahre 2006 wurde das neue Feuerwehrhaus übergeben. Damit konnten die beiden Feuerwehrhäuser in Linkenheim und Hochstetten aufgegeben werden. Die Baukosten beliefen sich auf 3,3 Millionen Euro.

Sport[Bearbeiten]

Basketball[Bearbeiten]

Die Damen-Mannschaft des Basketball Vereins Linkenheim-Hochstetten e.V. spielt in der Regionalliga Südwest. Die Herren-Mannschaft spielt in der Landesliga.

Fußball[Bearbeiten]

Der FV Linkenheim spielt seit der Saison 2010/2011 wieder in der Kreisliga. Der FV Hochstetten spielt wiederum in der Kreisklasse A. Ein sportlicher Höhepunkt für den FV Linkenheim ist der jährlich ausgetragene U19-Indoor Cup.

Handball[Bearbeiten]

Die HSG Linkenheim-Hochstetten-Liedolsheim, auch Hardttigers genannt, besteht aus den drei alten Handballabteilungen des TV Linkenheim, TV Liedolsheim und des TV Hochstetten. Die HSG Li-Ho-Li spielt in der Badenliga.

Reiten[Bearbeiten]

Die Reitsportgruppe (RSG) Linkenheim-Hochstetten besteht seit 1979. Lange Zeit wurden in Linkenheim auf der Anlage des Hubertushof Baden auch schwere Turniere ausgetragen. Auf der Reitanlage wird Reitunterricht in Dressur und Springen, sowie Voltigieren und Therapeutisches Reiten angeboten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 101–102
  3. Fundberichte Baden-Württemberg 15, 1990 S.526 Tafel 20
  4. Fritz Wagner, Funde aus dem Rohrköpfle, Anno Dazumal Heft 5, 2005
  5. Fritz Wagner, Funde aus dem Rohrköpfle, Anno Dazumal Heft 5, 2005
  6. Fritz Wagner, Funde aus dem Rohrköpfle, Anno Dazumal Heft 5, 2005
  7. Fritz Wagner, Funde aus dem Rohrköpfle, Anno Dazumal Heft 5, 2005
  8. K. Schuhmacher, Vorgeschichtliche Funde aus der Umgegend von Karlsruhe, von A. Bonnet, Veröffentlichungen der Grossherzoglichen Badischen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe und des Karlsruher Altertumsvereins 3, 1902, 43 f.
  9. Robin Dürr, Frühmittelalterliche Besiedlung im Gewann „Auf die alte Sandgrube“, Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe, Archäologische Nachrichten aus Baden 52, 2012, 34- 39
  10. Robin Dürr, Frühmittelalterliche Besiedlung im Gewann „Auf die alte Sandgrube“, Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe, Archäologische Nachrichten aus Baden 52, 2012, 34- 39
  11. R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland, Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Tübingen 1998
  12. C. M. Haertle, Karolingische Münzfunde aus dem 9. Jahrhundert Teil 2 (Köln/Weimar/Wien 1997)
  13. Robin Dürr, Frühmittelalterliche Besiedlung im Gewann „Auf die alte Sandgrube“, Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe, Archäologische Nachrichten aus Baden 52, 2012, 34- 39
  14. Fritz Wagner, Funde aus dem Rohrköpfle, Anno Dazumal Heft 5, 2005

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Linkenheim-Hochstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien