Großenhain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Stadt Großenhain in Sachsen. Ein Ortsteil der Gemeinde Lintig im Landkreis Cuxhaven trägt ebenfalls den Namen Großenhain.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Großenhain
Großenhain
Deutschlandkarte, Position der Stadt Großenhain hervorgehoben
51.29194444444413.534166666667115Koordinaten: 51° 18′ N, 13° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Meißen
Höhe: 115 m ü. NHN
Fläche: 130,23 km²
Einwohner: 18.537 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 01558, 01561
Vorwahl: 03522
Kfz-Kennzeichen: MEI, GRH, RG, RIE
Gemeindeschlüssel: 14 6 27 060
Stadtgliederung: 5 Stadtteile, 20 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptmarkt 1
01558, 01561 Großenhain
Webpräsenz: www.grossenhain.de
Oberbürgermeister: Burkhard Müller (CDU)
Lage der Stadt Großenhain im Landkreis Meißen
Coswig (Sachsen) Diera-Zehren Ebersbach (bei Großenhain) Glaubitz Gröditz Großenhain Hirschstein Käbschütztal Nossen Klipphausen Lampertswalde Nossen Lommatzsch Meißen Moritzburg Gröditz Niederau Nossen Nünchritz Priestewitz Radebeul Radeburg Riesa Röderaue Schönfeld Stauchitz Strehla Tauscha Thiendorf Klipphausen Weinböhla Lampertswalde Wülknitz Zeithain Sachsen Dresden Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Großenhain, früher als Hayn bezeichnet, ist eine Große Kreisstadt in Sachsen an der Großen Röder im Landkreis Meißen. Der Bekanntheitsgrad der „freundlichen Stadt im Grünen“ wurde durch die Landesgartenschau 2002 gesteigert.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend: Merzdorf, Gröden, Hirschfeld, Lampertswalde, Ebersbach, Priestewitz, Nünchritz, Glaubitz, Wülknitz und Röderaue.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtteile: Zschieschen (1961), Mülbitz (1913), Großraschütz (1960), Kleinraschütz (1950), Naundorf (1937).

Ortsteile/Ortschaften: Folbern (1999), Rostig (1995), Skassa (1994), Weßnitz (1995), Zschauitz (1994), Walda (Oktober 2009), Kleinthiemig (Oktober 2009), Wildenhain (Oktober 2009), Bauda (Oktober 2009), Colmnitz (Oktober 2009). Seit Januar 2010: Zabeltitz, Görzig, Treugeböhla, Krauschütz, Nasseböhla, Skäßchen, Skaup, Strauch, Stroga, Uebigau.

Klima[Bearbeiten]

Großenhain liegt im Klimaeinflussbereich des Elbtales mit relativ milden Wintern und warmen Sommern. In Großenhain gibt es unterdurchschnittlich wenig Niederschlag, was dazu führte, dass der Großenhainer Flugplatz in den 30er Jahren zum Ausweichflugplatz von Dresden ausgebaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Großenhain um 1650
Napoleon in Großenhain am 10. Juli 1813 bei der Parade der privilegierten Schützen, AK nach einem Gemälde
Marktplatz in Großenhain um 1917

Besiedlung ab 1205[Bearbeiten]

Der Ort wurde 1205 als Hayn erstmals urkundlich erwähnt.[2] Dabei wird das Getreidemaß mensura Haynensis genannt, das als Maßeinheit für Zinszahlungen mehrerer Dörfer festgelegt wird, woraus man schließen kann, dass der Ort zu diesem Zeitpunkt schon eine gewisse regionale Bedeutung hatte. 1254 wurde der Ort als civitas erwähnt. 1291 wurde auf Geheiß Friedrichs des Freidigen und seines Bruders Dietzmann die Stadt befestigt und eine Stadtmauer erbaut. Im Jahre 1292 wurde die Stadt durch Markgrafen von Brandenburg erfolglos belagert. Von 1312 bis 1316 gehörte Hayn zu Brandenburg, als Pfand für das Lösegeld des in Gefangenschaft geratenen Friedrich. Die Stadt (Großen)Hayn schloss 1398 zusammen mit Städten Dresden, Meißen und dem Oberlausitzer Sechsstädtebund einen Vertrag zur Erhöhung der Sicherheit der Hohen Landstraße ab, die von Leipzig über Wurzen, Oschatz, (Großen)Hain, Kamenz, Bautzen, Görlitz nach Breslau und weiter nach Osten führte. Im Jahre 1429 wurde die Stadt durch die Hussiten zerstört. 1443 erlangte Hayn das Stapelrecht für Kaufmannswaren, 1489 erfolgte eine Bestätigung des Waidhandelsrechts von Seiten des Markgrafen, der den Waidhandel von Görlitz nach Hayn verlegte.[3] Die ansässigen Tuchmacher produzierten Waren für den Fernhandel und profitierten vom Handel mit Waid.[4] Dadurch erlebte die Stadt im 15. und 16. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit und entwickelte sich zum wichtigen Handelsplatz an der sehr wichtigen Handels- und Heerstraße, der Hohen Landstraße. Im Jahre 1704 wurde die Stadt während des Nordischen Krieges zerstört.

In Großenhain wurden 1506-1688 Hexenverfolgungen durchgeführt: Vier Personen gerieten in Hexenprozesse, drei davon wurden hingerichtet.[5] Der Ortsteil Zschauitz war 1646 von Hexenverfolgung betroffen. Der Schulmeister Hans Georg Kroll geriet in einen Hexenprozess.[6]

Garnisonsstadt ab 1744[Bearbeiten]

Am 8. Juni 1744 wurde Großenhain durch den größten Stadtbrand seiner Geschichte vollständig zerstört. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war Großenhain manchmal, nach dem Wiederaufbau nach dem Stadtbrand 1744 fast ständig mit Garnisonen belegt. Zuerst waren es vor allem Infanteriebataillone, nach den Koalitionskriegen Kavallerie, für die ab 1875 die Kaserne errichtet wurde. Die zwei am längsten in Großenhain stationierten Regimenter waren zum einen das Linien-Infanterie-Regiment „Prinz Anton“ und das 1. Husaren-Regiment „König Albert“ Nr. 18, dessen letzter Ehrenoberst König Friedrich August III. war, der in diesem Regiment auch seinen Militärdienst ableistete. Zwischen den Weltkriegen waren zwei Schwadronen Reichswehrkavallerie stationiert und während des Zweiten Weltkrieges wurde eine Remonteschule eingerichtet. Das NVA-Panzerregiment 16 „Leo Jogiches“ war in Großenhain stationiert.

Am 15. November 1913 wurde im Auftrag des Militärs der Bau eines Flugplatzes begonnen. Auf diesem landete bereits am 21. Februar 1914 das erste Flugzeug, die in Leipzig gebaute DFW Stahl-Taube mit der Militärzulassungsnummer A 183.13. Seit 1914 gab es in Großenhain einen Militärflugplatz mit der „Flieger-Ersatz-Abteilung 6", die Piloten und Beobachter ausbildete, und einer „Kampfeinsitzerschule“. Zwischen 1914 und 1918 erfolgte hier die Ausbildung von ca. 60.000 Mann (andere Schätzungen gehen eher von 6.000 aus) zum Beobachter oder Piloten. Auch der berühmte Manfred von Richthofen wurde unter anderem hier zum Beobachter ausgebildet. Seither wurde der Flugplatz als Militärfliegerstation, Not- und Verkehrslandeplatz, Fliegerhorst der Luftwaffe und sowjetischer Militärflugplatz der 105. Jagdbombenfliegerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt. Ab 1991 parallel und seit 1993 ausschließlich erfolgt die zivile Nutzung.

Im November 1918 wurde in Großenhain der erste Arbeiter- und Soldatenrat Sachsens gebildet.

Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt von Kampfhandlungen verschont. Am 22. April 1945 wurde Großenhain kampflos von der Roten Armee eingenommen.

Gegenwart[Bearbeiten]

Ehemalige Papierfabrik Großenhain mit dem beim Tornado eingestürzten Schornstein (Höhe vor Einsturz 96 Meter)[7]

Am 24. Mai 2010 verwüstete ein Tornado der Stärke F2+ auf der Fujita-Skala große Teile Großenhains und der angrenzenden Gemeinden. In der Stadt wurden etwa vierzig Menschen teilweise schwer verletzt und ein Kind durch einen umstürzenden Baum getötet. In den Stadtteilen Walda und Kleinthiemig wurden 80 Prozent der Hausdächer zerstört.[8]

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten]

Als Folge der Beschlüsse des Wiener Kongresses verlor das kursächsische Amt Hayn große Teile seines Gebietes. Das Amt zerfiel in Gerichtsbezirke, welche erst 1874 mit der Bildung der Amtshauptmannschaft Großenhain wieder vereint von Großenhain aus verwaltet wurden. 1939 erhielt die Amtshauptmannschaft Großenhain die reichseinheitliche Bezeichnung Landkreis.

Bei der Verwaltungsneugliederung und faktischen Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 wurde der Kreis Großenhain aus dem Ostteil des ehemaligen Landkreises Großenhain gebildet. Großenhain wurde die Kreisstadt.

Noch vor der Wiedervereinigung 1990 wurde der Kreis Großenhain ein Landkreis nach Maßgabe der neuen Kommunalverfassung der DDR vom 17. Mai 1990, die am 3. Oktober 1990 nach den Vorschriften des Einigungsvertrages zu sächsischem Landesrecht wurde.

Am 1. August 1994 entstand durch Zusammenlegung der Landkreise Riesa und Großenhain der Landkreis Riesa-Großenhain. Großenhain blieb weiterhin Kreisstadt. Am 1. August 2008 wurde der Kreis zusammen mit dem Landkreis Meißen (1996–2008) zum neuen Landkreis Meißen vereint, dessen Kreisstadt Meißen ist. Großenhain verlor nach über fünfzig Jahren den Kreisstadtstatus.

Religionen[Bearbeiten]

Die Stadt Großenhain ist seit Einführung der Reformation 1548 Sitz des Superintendenten des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirkes Großenhain. Ihm ist das heutige Kirchspiel Großenhainer Land mit der Ephoralkirche Marienkirche Großenhain unterstellt. Durch Eingemeindungen von umliegenden Orten liegen inzwischen auch der Pfarrbereich Wildenhain komplett und der Pfarrbereich Skäßchen teilweise innerhalb des Großenhainer Stadtgebietes. Die zugehörigen Kirchen befinden sich in den Ortsteilen Bauda, Görzig, Skäßchen, Skassa, Strauch, Walda, Wildenhain und Zabeltitz.

Seit 1907 besteht in Großenhain wieder eine offizielle Katholische Kirchengemeinde, die Katholische Pfarrei St. Katharina Großenhain. Sie besitzt die bis 1907 neuerrichtete gleichnamige Pfarrkirche und ist dem 1921 wiedererrichteten Bistum Dresden-Meißen untergeordnet.[9][10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1834 bis 1960

  • 1834 – 05.755
  • 1875 – 10.686
  • 1880 – 11.045
  • 1933 – 13.510
  • 1939 – 16.488
  • 1946 – 17.708 1
  • 1950 – 18.847 2
  • 1960 – 19.514

1981 bis 2002

  • 1981 – 18.079
  • 1984 – 19.117
  • 1995 – 18.037
  • 1998 – 18.055
  • 1999 – 17.703
  • 2000 – 17.475
  • 2001 – 17.222
  • 2002 – 17.011

2003 bis 2010

  • 2003 – 16.793
  • 2004 – 16.554
  • 2005 – 16.798
  • 2007 – 15.652
  • 2009 – 19.682
  • 2010 – 19.566

Bei den Einwohnerzahlen sind die Eingemeindungen zu berücksichtigen.
1 29. Oktober, 2 31. August, ab 1960 am 31. Dezember

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Bauda 1. März 1994 Eingemeindung nach Wildenhain
Colmnitz 1. März 1994 Eingemeindung nach Wildenhain
Folbern 1. Januar 1999
Görzig 1. März 1994 Zusammenschluss mit vier weiteren Gemeinden zu Zabeltitz
Großraschütz 1. September 1960
Kleinraschütz 1. Juli 1950
Kleinthiemig 1. Januar 1960 Zusammenschluss mit Walda zu Walda-Kleinthiemig
Krauschütz 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Skäßchen
Mülbitz 1. April 1913
Nasseböhla 1. März 1994 Zusammenschluss mit vier weiteren Gemeinden zu Zabeltitz
Naundorf 1. April 1937
Rostig 1. September 1961 Eingemeindung nach Weßnitz
Skassa 1. Januar 1994
Skäßchen 1. März 1994 Zusammenschluss mit vier weiteren Gemeinden zu Zabeltitz
Skaup 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Skäßchen
Strauch 1. März 1994 Zusammenschluss mit vier weiteren Gemeinden zu Zabeltitz
Stroga, Ortsteil von Zabeltitz 1. Juli 1950 Umgemeindung nach Nasseböhla
Treugeböhla 1. Januar 1973 Zusammenschluss mit Zabeltitz zu Zabeltitz-Treugeböhla
Uebigau 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Skäßchen
Walda 1. Januar 1960 Zusammenschluss mit Kleinthiemig zu Walda-Kleinthiemig
Walda-Kleinthiemig 1. März 1994 Eingemeindung nach Wildenhain
Weßnitz 1. Januar 1995
Wildenhain 1. Oktober 2009
Zabeltitz 1. Januar 2010
Zabeltitz-Treugeböhla 1. März 1994 Zusammenschluss mit vier weiteren Gemeinden zu Zabeltitz
Zschauitz 1. Januar 1994
Zschieschen 1. September 1961

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Teile dieses Artikels scheinen seit 2014 nicht mehr aktuell zu sein. Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend

Großenhain ist mit seinen 18.537[11] Einwohnern eine Kleinstadt, die konservativ geprägt ist. Die größte politische Vereinigung ist mit ca. 100 Mitgliedern[12] die CDU, welcher Johannes Fiolka vorsitzt.[13] Die nächstgrößere politische Vereinigung ist die Linken, vertreten durch Ulrich Köhler[14], gefolgt von der SPD, vertreten durch Andrea Kreisz.[15] Als neue politische Kraft trat zur letzten Stadtratswahl im Juni 2004 der von einem ehemaligen SPD-Mitglied angeführte Arbeitslosenverband. Während die CDU 47,4 % und 11 Mandate (+1) erzielte, verloren PDS (28,1 %, 6 Mandate (-1)) und SPD (8,1 %, 2 Mandate (-2)). Die FDP verbesserte sich zwar auf stattliche 6,8 %, erzielte damit aber nur 1 Sitz. Der Arbeitslosenverband erhielt überraschend 9,6 % und 2 Mandate.

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:[16]

Partei Stimmen (%) Sitze
CDU 48,5 11 (+0)
Die Linke 25,8 6 (+0)
SPD 7,8 1 (-1)
FDP 12,4 3 (+2)
ALV 5,5 1 (-1)

Durch die Eingemeindung von Wildenhain am 1. Oktober 2009 und Zabeltitz am 1. Januar 2010 vergrößerte sich der Stadtrat auf nunmehr 30 Mitglieder mit folgender Zusammensetzung:[17]

Partei Sitze
CDU 16
Die Linke 6
SPD 1
FDP 4
ALV 1
Alternative Liste 2

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Oberbürgermeister (bis 31. Juli 2008 Bürgermeister) Burkhard Müller (CDU) amtiert seit 1993 (1. Direktwahl 1994) und wurde im Jahr 2008 mit über 81,7 % erneut bestätigt.

Bundestagsabgeordnete[Bearbeiten]

Großenhain ist Teil des Bundestagswahlkreises Meißen (Wahlkreis 156). Der zur Bundestagswahl 2009 gewählte Thomas de Maizière, der derzeitige deutsche Bundesminister des Innern, unterhält ein Wahlkreisbüro in der Großenhainer Innenstadt.[18] Außerdem ist de Maizière Mitglied im CDU-Ortsverband Großenhain.[19]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Großenhain unterhält eine Städtepartnerschaft mit Öhringen in Baden-Württemberg und Kecskemét in Ungarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Das bekannteste Kirchenbauwerk in Großenhain ist die evangelische Marienkirche, die von 1746 bis 1748 vom Dresdner Ratszimmermeister Johann Georg Schmidt und dem Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre an der Stelle einer spätgotischen Hallenkirche erbaut worden ist. „Von Schmidts großen Kirchenbauten ist nur noch die Großenhainer Marienkirche im weitestgehenden Originalzustand erhalten“.[20] Der Sakralbau zählt laut Prof. Heinrich Magirius „zu den originellsten Raumschöpfungen der sächsischen Kirchenkunst des späten Barock“.[21] Sie gilt wegen ihres t-förmigen Grundrisses, auch Kleeblattform genannt, und der Galerie von Betstuben im Innenraum als kunsthistorische Besonderheit.

Am Marktplatz befindet sich neben der Marienkirche das auf das 19. Jahrhundert zurückgehende Großenhainer Rathaus mit seinem schlanken Turm. Es wurde von 1873 bis 1876 von Bruno Adam und Oskar Hähnel erbaut und gilt neben der Großenhainer Marienkirche als ein Wahrzeichen der Stadt. Andere historische Bauwerke der Innenstadt sind die alte Lateinschule, das heute als Museum genutzt wird, Reste eines Klosters im Stil der Gotik, das heute die Karl-Preusker-Bücherei beherbergt und die original erhaltenen Teile der früheren Stadtbefestigungs- und Wallanlage. Am Promenadenring befindet sich die Zschille-Villa, die als ein „Schmuckstück in der Innenstadt“ gilt.

Denkmäler[Bearbeiten]

Für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurden in den mehreren Großenhainer Vororten und heute eingemeindeten Dörfern Denkmäler errichtet. Ein Fliegerdenkmal im Großenhainer Stadtpark und ein Kaiser-Wilhelm-Brunnen vor der Marienkirche wurden nach 1945 entfernt.

In der Großenhainer Innenstadt befinden sich zwei Gedenkstätten für die Opfer der Zeit des Nationalsozialismus. Ein VVN-Gedenkstein wurde im Jahre 1949 aus einem vorherigen Husarendenkmal geschaffen. Weiterhin existiert ein Geschwister Scholl-Denkmal. Auf dem Großenhainer Friedhof liegt eine Grabstätte und ein Gedenkstein für 100 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden, sowie ein Gedenkstein für italienische Militärinternierte. In der Nähe des Friedhofes befindet sich ein sowjetischer Ehrenfriedhof.

In der Marienkirche Großenhain wurde im Jahre 2007 ein Mahnmal für die Opfer von Krieg, Vertreibung und politischer Gewaltherrschaft geschaffen.[22]

Kultur[Bearbeiten]

Die Karl-Preusker-Bücherei wurde 1828 von Karl Benjamin Preusker als erste Volksbücherei Deutschlands in Großenhain gegründet. Sie wurde die „Vaterländische Bürger-Bibliothek“ genannt. Zwei Jahre später rief er die gewerbliche Sonntagsschule ins Leben, aus der die heutige Berufsschule hervorgegangen ist.[23] Außerdem legte Preusker privat eine der ersten ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen in Sachsen an und vermachte sie dem späteren Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden. Damit gehört er zu den Begründern der sächsischen Archäologie.

Kulturschloss Großenhain

Das Kulturzentrum Großenhain Kulturschloss beherbergt zahlreiche Räume für Kultur, Kunst, Tagungen und Veranstaltungen. Sowohl klassische Theateraufführungen als auch große Sinfoniekonzerte aber auch Kleinkunst und Chanson- und Jazzabende finden dort statt.[24]

Die Großenhainer Spielbühne (gegründet 1961 als Pioniertheater Natalia Saz) hat 35  Mitglieder.[25]

Museen[Bearbeiten]

Das Museum Alte Lateinschule befindet sich in der alten Lateinschule hinter der Marienkirche in Großenhain.[26]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Der PKW-Anhänger-Hersteller STEMA Metalleichtbau GmbH wurde im Jahre 1951 als VEB Stema Ofenbau in Großenhain gegründet und 1991 privatisiert. Die STEMA ist seit 1997 Marktführer bei PKW-Anhängern in Deutschland und 2009 wurde der millionste Anhänger für den weltweiten Verkauf produziert.[27]

Ein Großenhainer Teilbetrieb des Kombinates Textima, der ehemalige Textilmaschinenbau Großenhain, der nach 1990 in die Großenhainer Textilmaschinen GmbH überführt wurde, stellte früher Baumwoll- und Kammgarnflyer in Großenhain her, die weltweit vertrieben wurden. Heute befindet sich in Großenhain noch ein Vertriebsbüro.

Die Polartherm Flachglas GmbH, ein Hersteller verschiedener Flachglas-Produkte, gründete 1993 eine Niederlassung in Großenhain, die später zum Hauptsitz erweitert wurde.

Durch die Erschließung des Gewerbegebietes am Flugplatz Großenhain haben sich eine Vielzahl von Unternehmen in Großenhain angesiedelt – unter anderem der Kompressorenhersteller Boge.[28] Des Weiteren ist zum Beispiel der Flugzeugteile-Zulieferer 3D ICOM & Co. KG, die Modekette Schneider Moden KG, die Spedition Pflaum GmbH und der Lichtwerbungsbauer Creative Factory GmbH im Gewerbegebiet Flugplatz ansässig.[29]

Verkehr[Bearbeiten]

Cottbuser Bahnhof

Großenhain liegt an der Berlin-Dresdner Eisenbahn, der Cottbus-Dresdner Eisenbahn und an den Bundesstraßen 98 und 101.

Den ersten Eisenbahnanschluss der Stadt stellte 1862 die Großenhainer Zweigbahn mit dem ersten Großenhainer Bahnhof, dem Cottbuser Bahnhof, zur Leipzig-Dresdner Eisenbahn her. Die seit 1868 gebaute Strecke CottbusSenftenberg – Großenhain der Cottbus-Großenhainer Eisenbahn-Gesellschaft wurde im Jahre 1870 eröffnet. Zwischen 1873 und 1875 wurde weiterhin die Strecke zwischen Dresden und Elsterwerda über den zweiten Großenhainer Bahnhof, dem Berliner Bahnhof, fertiggestellt. Parallel wurde auch eine Verbindungsbahn zwischen beiden Bahnhöfen geschaffen. Diese wird heute von der RB 31 (Dresden Hbf – Großenhain Cottb Bf – Elsterwerda) benutzt.

Seit 2002 wird nur noch der Cottbuser Bahnhof inklusive einer neu geschaffenen modernen Übergangsstelle zum Stadt- und Regionalbusverkehr als Personenbahnhof genutzt.

Im Ortsteil Zabeltitz existiert noch ein Haltepunkt der Berlin-Dresdner Eisenbahn.

Nahverkehrslinien:

Neben zahlreichen Busverbindungen in die umliegenden Gemeinden gibt es auch Verbindungen nach Dresden, Riesa und Meißen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Großenhainer Pflege (= Werte der deutschen Heimat. Band 70). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 3-412-09706-6.
  • Bibliographie zur mittelalterlichen Geschichte Großenhains
  • Carl Wilhelm Hering: Geschichte der Stadt und Ephorie Großenhain oder der einstigen Hainer Pflege. Bornemann, Großenhain/Oederan 1849 (Digitalisat)
  • Siegfried Hoffmann, Dietrich Heerde: Großenhain eine Bilderchronik. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1991, ISBN 3-89264-531-0
  • Rat der Stadt Großenhain: Großenhain im Wandel der Zeiten. Großenhain 1954
  • Rat der Stadt Großenhain, Stadtmuseum: Grossenhain, Eine heimatgeschichtliche Bilderfolge. Großenhain 1954
  • Reinhard Spehr: Reflexionen eines Archäologen über die Gründung und älteste Geschichte von Großenhain. in Heimatkalender
  • Heinrich Stöcker, Verein „Heimatfreunde der Großenhainer Pflege“ e. V.: Krieg, Pest und Brand im Großenhainer Land. Gräser Verlag Großenhain 2005, ISBN 3-932913-07-8
  • Gustav W. Schuberth: Chronik der Stadt Großenhain vom Jahre 1088 bis auf die Gegenwart. Illustriert von Camillo Ehregott Zschille, Verlag Hermann Starke, Großenhain 1887-1892 (Digitalisat)
  • Gustav W. Schuberth: Die wichtigsten Ergebnisse der Chronik von Großenhain. Großenhain 1897 (Digitalisat)
  • Gustav W. Schuberth: Großenhain in Sachsen und Umgebung in Wort und Bild. Verlag Arthur Geil, Chemnitz 1913 (Digitalisat)
  • Verein „Heimatfreunde der Großenhainer Pflege“ e. V.: Großenhain Streifzug durch eine sächsische Kleinstadt. Gräser Verlag, Großenhain 2002, ISBN 3-932913-24-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großenhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Großenhain – Reiseführer

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Kulturschloss – Auszug aus der Geschichte der Schlossanlage Großenhain. Kulturzentrum Großenhain, abgerufen am 2. Februar 2011.
  3. Historische Altstadt. Stadtverwaltung Großenhain, 2009, abgerufen am 25. Mai 2013.
  4. Großenhain, Streifzug durch eine sächsische Kleinstadt 2002, Gräser Verlag
  5. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 510
  6. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 488.
  7. Jörg Mosch: Großenhain: Schornstein als Tornado-Denkmal. Sächsische Zeitung, 5. Juni 2010, abgerufen am 2. Februar 2011.
  8. Tornados in Ostdeutschland – Aufräumen nach dem Sturm – Trauer um totes Mädchen. Hamburger Abendblatt, 25. Mai 2010, abgerufen am 2. Februar 2011.
  9. Gemeindechronik (in Auswahl). Katholische Pfarrei St. Katharina, abgerufen am 2. Februar 2011.
  10. Zur Geschichte des katholischen Kirchenchores "St. Katharina" Großenhain. Katholische Pfarrei St. Katharina, abgerufen am 2. Februar 2011.
  11. Bevölkerung des Freistaates Sachsen. Freistaat Sachsen, abgerufen am 8. Juni 2014.
  12. CDU Stadtverband Großenhain – WIR. CDU Großenhain, abgerufen am 8. Juni 2014.
  13. CDU Stadtverband Großenhain – Vorstand. CDU Großenhain, abgerufen am 8. Juni 2014.
  14. Die Linke Kreisverband Meißen – Großenhain. Die Linke Großenhain, abgerufen am 8. Juni 2014.
  15. SPD Nünchritz Vorstand. SPD Nünchritz, abgerufen am 8. Juni 2014.
  16. Gemeinderatswahlen am 7. Juni 2009. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 2. Februar 2011.
  17. Der Großenhainer Stadtrat. Stadtverwaltung Großenhain, 2009, abgerufen am 12. September 2012.
  18. Thomas de Maizière – Kontakt/Impressum. Thomas de Maizière, abgerufen am 2. Februar 2011.
  19. SZ-Online:„Großenhain mag ich besonders“. Abgerufen am 21. Juni 2013.
  20. Großenhain erleben – Marienkirche Großenhain. Stadtverwaltung Großenhain, 2009, archiviert vom Original, abgerufen am 2. Februar 2011.
  21. Geschichte: Die Marienkirche. Evangelisch-Lutherisches Kirchspiel Großenhainer Land, abgerufen am 2. Februar 2011.
  22. Nachrichten Großenhain: Stein ist Opfern gewidmet. Sächsische Zeitung, 12. November 2007, abgerufen am 2. Februar 2011.
  23. Die Geschichte des Hauses. Museum Alte Lateinschule, abgerufen am 2. Februar 2011.
  24. Das Kulturzentrum Großenhain. Kulturzentrum Großenhain, abgerufen am 2. Februar 2011.
  25. Nachrichten Großenhain: Spielbühne feierte 48. Geburtstag mit Kindertheater und Wiedersehen. Sächsische Zeitung, 26. Oktober 2009, abgerufen am 2. Februar 2011.
  26. Großenhain erleben – Museum Alte Lateinschule. Stadtverwaltung Großenhain, 2009, abgerufen am 12. September 2012.
  27. Presseinformation – STEMA im Portrait. STEMA Metalleichtbau GmbH, 26. August 2009, S. 3, abgerufen am 2. Februar 2011 (PDF).
  28. Unternehmen in Großenhain. Große Kreisstadt Großenhain, 8. Juni 2014, S. 3, abgerufen am 6. August 2014 (PDF).
  29. Belegungsplan Gewerbegebiet Flugplatz. Große Kreisstadt Großenhain, 8. Juni 2014, S. 3, abgerufen am 6. August 2014 (PDF).