Endphaseverbrechen

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Als Endphaseverbrechen oder Verbrechen der Endphase werden nationalsozialistische Verbrechen bezeichnet, die in den letzten Wochen und Monaten des Zweiten Weltkrieges begangen wurden; meist wird dabei Endphase definiert als Zeitraum zwischen Januar 1945 und dem örtlich unterschiedlichen Ende der Kriegshandlungen.[1] Der Begriff wurde im Umfeld der Strafverfolgung dieser Verbrechen in Deutschland und Österreich nach 1945 geprägt. In der Gerichtsurteilssammlung Justiz und NS-Verbrechen werden 410 Urteile zum Tatkomplex „Verbrechen der Endphase“ dargestellt.

Täter und Opfer[Bearbeiten]

Typische Täter waren Angehörige staatlicher Organe und nationalsozialistischer Organisationen wie Gestapo, SS sowie der Wehrmacht, nach Blatmans zusammenfassender Studie oft Zivilisten aus HJ, Volkssturm, Wachmänner irgendwelcher Herkunft und auch unorganisierte Bürger. Typische Opfer waren Menschen (Zivilisten und Soldaten), die der Wehrkraftzersetzung oder der Fahnenflucht beschuldigt wurden, KZ-Häftlinge auf ihren Todesmärschen sowie Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus anderen Ländern.

Ferdinand Schörner, von Hitler am 30. April 1945 in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt, wurde als der „blutige Ferdinand“ bekannt; er galt und gilt als „der brutalste von Hitlers Feldmarschällen“[2] Regelmäßig riss er zurückweichenden Offizieren Orden und Rangabzeichen herunter und verurteilte versprengte Soldaten zum Tode. Viele Soldaten und Volkssturmmänner schickte er auf sogenannte Himmelfahrtskommandos. Im März 1945 wollte Schörner General Hanns von Rohr hinrichten lassen, weil dieser sich weigerte, Soldaten, die vor sowjetischen Panzern geflüchtet waren, zu erschießen. Das OKH milderte das Todesurteil zu Degradierung und Bewährungseinsatz.

Juristische Aufarbeitung[Bearbeiten]

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 4 vom 20. Oktober 1945[3] zur Umgestaltung des deutschen Gerichtswesens war es deutschen Gerichten ermöglicht worden, auch eine Strafverfolgung von Verbrechen der NS-Zeit aufzunehmen, aber nur im begrenzten Umfang. Verbrechen gegen Staatsangehörige der Alliierten durften zunächst noch nicht verfolgt werden, diesen Bereich behielten sich die alliierten Militärbehörden noch selbst vor. Ihre Hauptprozesse, der Nürnberger Prozess sowie dessen Folgeprozesse, die gegen die hochrangigen Täter geführt wurden, begannen etwa zur selben Zeit. Mit diesem Kontrollratsgesetz war die Zuständigkeit deutscher Gerichte und Staatsanwälte zunächst vorwiegend auf Verbrechen an Deutschen oder Österreichern beschränkt. Bedingt durch die zeitliche Nähe, die die Beweislage begünstigte, kamen daher in den ersten Jahren viele Verbrechen der letzten Kriegswochen, die sogenannten Endphaseverbrechen, vor Gericht. Angeklagt wurden dabei in der Regel zunächst diejenigen, die die Verbrechen ausgeführt hatten. Verfahren gegen Schreibtischtäter wurden erst in späteren Jahren in größerer Zahl angestrengt.[4]

Viele westdeutsche Gerichte stellten heraus, dass die Endphaseverbrechen in einer „allgemeinen Untergangs- und Endzeitstimmung“, einer „Endkampf- und Massenpsychose“, einer Stimmung des Terrors und des Zusammenbruchs der staatlichen Ordnung stattfanden und werteten dieses als schuldentlastend und strafmildernd. Ein Straffreiheitsgesetz von 1954 sah eine teilweise Amnestie vor für Straftaten, die „unter dem Einfluß der außergewöhnlichen Verhältnisse zwischen dem 1. Oktober 1944 und dem 31. Juli 1945 in der Annahme einer Amts-, Dienst- oder Rechtspflicht, insbesondere auf Grund eines Befehls“ begangen worden waren.[5] Verfahren, in denen Freiheitsstrafen unterhalb von drei Jahren zu erwarten waren, wurden eingestellt. Die Strafbefreiung bzw. Verfahrenseinstellung nach § 6 betraf im ersten Jahr 77 Fälle, darunter 44 wegen Totschlag bzw. Totschlag in minderschweren Fällen.[6]

Der Gesetzestext nahm das Motiv „auf Grund eines Befehls“ auf und beflügelte die Kontroverse um den so genannten Befehlsnotstand. Der Historiker Norbert Frei sieht als Folge der Amnestie eine „politische und gesellschaftliche Deligitimation von Strafverfolgungsbemühungen“, die sich in einem „dramatischen Rückgang der neu eingeleiteten Ermittlungsverfahren“ gegen NS-Täter abzeichnete.[7]

Die Verbrechen[Bearbeiten]

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Die Gestapokommandos und SS-Führungen wurden im Januar 1945 von den Gestapoleitstellen auf Anweisung des Reichsführers SS Heinrich Himmler und des Gestapo-Chefs Heinrich Müller vom Berliner Reichssicherheitshauptamt angewiesen, „umstürzlerischer“ Betätigung deutscher Linker und ausländischer Arbeiter vorzubeugen. „Die Betreffenden sind zu vernichten“, hieß es in Befehlen dazu.

So wurden folgende Aktionen durchgeführt:

Dies entsprach dem Nachkriegs- und Überlebenskonzept des Nationalsozialismus. Die Befehlshaber, Kommandeure und Unterführer sollten den feindlichen Armeen nur verbrannte Erde hinterlassen (Politik der Verbrannten Erde). Außerdem sollten keine Demokraten, Kommunisten, Sozialdemokraten, „widerspenstige“ Pfarrer und sonstige Dissidenten übrig bleiben. Auch die Spuren der NS-Verbrechen (zum Beispiel die Gaskammern in Auschwitz, die Konzentrationslager im Reich) sollten verwischt werden.

Gestapo-Chef Heinrich Müller: „Wir werden nicht den gleichen Fehler machen, der 1918 begangen wurde; wir werden unsere innerdeutschen Feinde nicht am Leben lassen.“

Der erste Prozess[Bearbeiten]

Der erste NS-Prozess wegen eines Endphaseverbrechens in der späteren Bundesrepublik Deutschland begann am 6. September 1945 vor dem Landgericht Gießen. Fünf Männer wurden beschuldigt, am 10. April 1945 einen 64 Jahre alten Postbeamten durch Genickschuss ermordet zu haben, weil er mit den vorrückenden amerikanischen Truppen Kontakt gesucht hatte. Die Angeklagten wurden zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele für Kriegsendphasenverbrechen in Deutschland und Österreich sind (alphabetisch nach Ort):

Aachen[Bearbeiten]

25. März 1945: Franz Oppenhoff, nach der Einnahme Aachens durch die US-Armee von den Amerikanern als Oberbürgermeister eingesetzt, wird vor seinem Haus von Männern der SS und der Luftwaffe, die mit einem erbeuteten US-Flugzeug die Frontlinie überquert hatten, auf Befehl Heinrich Himmlers ermordet.

Apolda[Bearbeiten]

Im April 1945 wurden auf dem Sportplatz "Bismarck-Höhe" sechs fahnenflüchtige Wehrmachtsdeserteure erschossen. Zum Gedenken an die drei namentlich bekannten jungen Soldaten Gerd Funke, Anton Müller und Gerhard Volk wurden am 18. August 2009 unweit des Tatortes drei Stolpersteine gelegt.

Aschendorfer Moor, Emslandlager[Bearbeiten]

12. bis 19. April 1945: Im Aschendorfer Moor werden etwa 150 Häftlinge aus den Emslandlagern durch eine Truppe um den selbsternannten Hauptmann Willi Herold erschossen.

Berlin[Bearbeiten]

Blankenhain[Bearbeiten]

Bei der Annäherung US-amerikanischer Truppen an den Ort am 8. April 1945 versuchte Bürgermeister Konrad Fuß eine weiße Fahne zu hissen, wobei er erschossen wurde.

Bremen[Bearbeiten]

Frühjahr 1945: 15 Deportierte aus dem Dorf Meensel-Kiezegem/Belgien kommen im KZ Neuengamme/Nebenlager Bremen-Blumenthal ums Leben. Am 1. August und 11. August 1944 wird das Dorf von SS und belgischen Faschisten überfallen, viele Dorfbewohner werden deportiert, darunter 22 nach Blumenthal zur Zwangsarbeit im Stahlwerk. 61 Einwohner werden ins KZ Neuengamme deportiert. Auf der AG Weser sterben 15 von ihnen. In Bremen gibt es schon im März 1944 Evakuierungslisten der SS, nach denen alle Zwangsarbeiter (nicht nur der KZ-Außenlager) in größere Sammelpunkte getrieben werden sollten, um von dort beim Anrücken der Alliierten in Marsch gesetzt zu werden. Kein Gefangener sollte lebend in die Hände der Alliierten fallen. Im ersten Quartal 1945 sind einem Arztbericht vom März 1945 zufolge in den sieben Bremer Neuengamme-Außenkommandos 515 KZ-Häftlinge ums Leben gekommen (verhungert, an Entkräftung verstorben, erfroren, erschlagen), 249 alleine im Kommando Schützenhof namentlich belegt, 55 im Kommando Blumenthal, 203 im KZ Farge, 68 Tote im Lager Rießpott/Osterort. Bei einem Transport von 100 KZ-Häftlingen am 11. Januar 1945 aus diesem Außenlager kommen drei Häftlinge lebend in Neuengamme an. Der Todesmarsch von 2500 bis 3000 Häftlingen beginnt am 9. April 1945 in Farge und führt über Neuengamme an die Lübecker Bucht, wo die Überlebenden zusammen mit anderen Opfern der „Evakuierungsmärsche“ auf die Cap Arcona, Thielbek und Athen verladen werden. (Die Schiffe wurden durch britische Bomben versenkt, die Insassen kamen zumeist ums Leben). Ein Teil der Transportunfähigen wurde im Kriegsgefangenenlager Sandbostel mit Flecktyphus und Ruhr zurückgelassen. Alleine in Brillit (Kreis Rotenburg) wurden über 300 Tote begraben.

Brettheim und Reubach[Bearbeiten]

Drei Bürger des Dorfes Brettheim bei Rot am See werden von SS und Wehrmacht unmittelbar vor Kriegsende erhängt. Sie hatten HJ-Mitgliedern, die weiterkämpfen wollten, die Waffen abgenommen.

Celle[Bearbeiten]

8. April 1945: Während der Bombardierung des Celler Güterbahnhofs befand sich dort auch ein KZ-Häftlingstransport. Die flüchtenden Überlebenden wurden verfolgt und von SS-Leuten erschossen, dabei beteiligten sich auch Polizei und Zivilpersonen an diesem Massaker von Celle. Augenzeugen verglichen die Angriffe auf die flüchtenden Häftlinge mit einer „Hasenjagd“.

Chemnitz[Bearbeiten]

27. März 1945: Chemnitzer Gestapoleute erschießen im Wald bei Neukirchen sieben aus der Haft geflohene Antifaschisten.

Deutsch Schützen[Bearbeiten]

29. März 1945: Massaker von Deutsch Schützen

Dortmund[Bearbeiten]

Düsseldorf[Bearbeiten]

16. April 1945: Versuch einiger Düsseldorfer Bürger, darunter der stellvertretende Polizeipräsident Franz Jürgens, die lokalen nationalsozialistischen Autoritäten festzusetzen, um Düsseldorf kampflos den amerikanischen Truppen zu übergeben. Fünf Bürger werden nach Urteil eines Standgerichts und auf Befehl des Gauleiters Friedrich Karl Florian erschossen. Das Urteil des Standgerichts wurde 1952 vom Bundesgerichtshof bestätigt und erst 1999 infolge des Gesetzes „zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile“ aufgehoben.

Siehe auch Hauptartikel Aktion Rheinland.

Emslandlager und Leer/Ostfr.[Bearbeiten]

  • Der Gefreite Willi Herold, „der Henker vom Emsland“ genannt, wurde von seiner Einheit getrennt und „beförderte“ sich selbst zum Hauptmann. Er tötete zwischen dem 11. April und dem 8. Mai 1945 zusammen mit anderen 125 Menschen u.a. im Lager II der Emslandlager und in Leer/Ostfr.

Essen[Bearbeiten]

  • 21. Februar 1945: Die Jüdinnen Klara Adolph und Julie Risse aus Essen werden verhaftet und später in Dortmund umgebracht.
  • Montagsloch, 12. März 1945: 35 sowjetische Zwangsarbeiter und möglicherweise noch weitere Personen werden von der Essener Gestapo ermordet und vergraben.

Frankfurt am Main[Bearbeiten]

  • 24. März 1945: Todesmarsch von etwa 400 Häftlingen des KZ Frankfurt/Adlerwerke, ein Außenlager des KZ Natzweiler, nach Buchenwald. Der Zug ging über Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern, Neuhof, Eichenzell, Fulda nach Hünfeld. Mit dem Zug wurden sie von Hünfeld nach Buchenwald transportiert. Am 30. März 1945 trafen dort 280 Häftlinge ein. Nach einem weiteren Marsch nach Dachau kamen dort noch nicht einmal 40 Häftlinge aus den Adlerwerken lebend an und wurden später befreit.
  • 26. März 1945: 82 Frauen aus dem Gefängnis Frankfurt am Main werden nach Hirzenhain transportiert und dort von der SS erschossen.

Freistadt[Bearbeiten]

  • Am 24. April 1945 wurden die so genannten Sozialistenmorde in Freistadt (Oberösterreich) verübt. Vier Freistädter und ein polnischer Landarbeiter wurden am 24. April vom Volkssturm unter Geheimhaltung festgenommen und noch in der Nacht zum 25. April an der Jaunitzbrücke im Süden der Stadt ermordet.
  • Im Oktober 1944 wurden einige Freistädter der Widerstandsgruppe Neues freies Österreich verhaftet und insgesamt wurden 16 Personen verurteilt, davon 8 zum Tode. Am 1. Mai 1945 wurden sieben Freistädter und ein Linzer in Treffling von einem Volkssturm-Kommando erschossen.

Götting[Bearbeiten]

Hagen[Bearbeiten]

  • 12. April 1945: Die Gestapo erschießt in der Donnerkuhle bei Hagen zwölf Gefangene aus Hagener Gefängnissen, es waren acht deutsche und vier sowjetische Gefangene. Unter den deutschen Häftlingen befanden sich zwei „fahnenflüchtige“ Wehrmachtsangehörige, ferner Bürger aus Altena, Düsseldorf, Wermelskirchen und Wuppertal.[11]

Hagen-Rummenohl[Bearbeiten]

Sterbeckerhammer, 5. April 1945: 118 Zwangsarbeiter des Stalag VI A in Hemer aus Montenegro/Jugoslawien werden auf Befehl des Gauleiters Albert Hoffmann „abgeführt“. Ziel (so die Akten im Lüdenscheider Stadtarchiv) „unbekannt“. Später gehören 107 Jugoslawen, die erst kurz zuvor angekommen waren, zu den Mitte April 1945 von den US-Truppen befreiten rund 23.000 Kriegsgefangenen. Wenn es sich um die Häftlinge von Sterbeckerhammer handelte, so ist von mindestens elf auf Befehl Hoffmanns Ermordeten auszugehen. Die von einem Journalisten und damaligen VVN-Funktionär im Stadtarchiv recherchierten Quellen werden hinsichtlich ihrer Ansprache als Endphasenverbrechen von Fachhistorikern angezweifelt.

Hamburg[Bearbeiten]

Hannover[Bearbeiten]

Am 6. April 1945 befanden sich etwa 850 Häftlinge im KZ-Außenlager Hannover-Ahlem. Die SS trieb 600 Häftlinge in einem Todesmarsch in das KZ Bergen-Belsen. Rund 250 nicht marschfähige Häftlinge blieben zurück. Auf dem Marsch wurden mehrere Häftlinge erschossen. Am 8. April erreichten die überlebenden Häftlinge Bergen-Belsen.

Am 6. April 1945 trafen in Fuhrberg drei „Todesmärsche“ aus KZ-Außenstellen Hannovers ein. Die entkräfteten Gefangenen „übernachteten“ in Fuhrberg in mehreren Scheunen und wurden am nächsten Tag zum Konzentrationslager Bergen-Belsen weitergetrieben.[12][13][14]

Angehörige der Gestapo-Dienststelle in der früheren Israelitischen Gartenbauschule Ahlem trieben vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf den Seelhorster Friedhof in Hannover und töteten 154 Menschen. Am 10. April 1945 erreichten amerikanische Truppen Ahlem und befreiten die verbliebenen Häftlinge. Am 2. Mai 1945 wurden „belastete Nazis“ von der US-Armee gezwungen, das Massengrab in Seelhorst auszuheben: 526 Leichen werden entdeckt. 386 werden in einem Trauerzug zum Maschsee gefahren und am Nordufer bestattet.

Hemer[Bearbeiten]

10./11. April 1945: Acht Gefangene werden in Hemer von der Dortmunder Gestapo, die sich nach Hemer abgesetzt hatte, erschossen.

Herne[Bearbeiten]

Ende März 1945: Verbringung von Gefangenen nach Dortmund. Dort vermutlich Exekution im Rombergpark

Herten[Bearbeiten]

29. März 1945: Acht sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene werden im Hertener Wald von der SS erschossen und in einem Bombentrichter verscharrt. Gauleiter Albert Hoffmann soll dafür verantwortlich sein.

Hessentaler Todesmarsch[Bearbeiten]

5. April 1945: Evakuierungsmarsch (Hessentaler Todesmarsch) von Häftlingen der Konzentrationslager Hessental und Kochendorf.

Hirzenhain[Bearbeiten]

23. März 1945: 49 Frauen werden aus dem Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim zur Außenstelle nach Hirzenhain transportiert. Während des Transports flohen 5 Frauen. Die verbliebenen 44 wurden mit 37 weiteren Frauen und 6 Häftlingen aus dem Lager am 26. März 1945 durch die SS erschossen.

Isenschnibbe bei Gardelegen[Bearbeiten]

Isenschnibber Feldscheune

April 1945: Massaker in einer Scheune bei Isenschnibbe bei Gardelegen. 1017 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, darunter 63 jüdische Häftlinge, werden dabei ermordet. 24 Stunden vor der Befreiung durch die US Army wurden die Häftlinge am Ende eines Todesmarsches in eine steinerne Scheune eingepfercht. Die SS-Wachmannschaften steckten diese anschließend in Brand. Bei einem ersten Versuch konnten die Gefangen das Feuer austreten, doch beim zweiten Versuch wurden alle, die zu entkommen versuchten, mit Maschinengewehren erschossen. Zusätzlich warf man Handgranaten in die Scheune.[15]

Iserlohn[Bearbeiten]

Mitte Februar 1945: Verhaftungen französischer Zwangsarbeiter in Iserlohn, Exekution im Rombergpark/Bittermark.

Jasenovac[Bearbeiten]

22. April 1945: Während eines Ausbruchsversuchs aus dem KZ Jasenovac südöstlich von Zagreb werden 520 Menschen getötet. Die übrigen der ca. 1050 Gefangengehaltenen werden ermordet, kurz bevor Partisanen das Lager am 5. Mai befreien und auflösen können.

Kassel[Bearbeiten]

Karfreitag 1945: Es werden 12 Gefangene des Zuchthauses Kassel-Wehlheiden (unter ihnen ein Wehrmachtsdeserteur) von der Gestapo liquidiert. Am Tag zuvor ermorden Gestapo und Polizei italienische Zwangsarbeiter, die am Bahnhof Wilhelmshöhe aus einem bombardierten Güterzug Lebensmittel erbeutet hatten.

Köln[Bearbeiten]

  • 25. Oktober 1944: Elf ausländische Zwangsarbeiter werden in Köln-Ehrenfeld gehängt.
  • 10. November 1944: Öffentliche Hinrichtung von 13 Antifaschisten in Köln-Ehrenfeld, darunter der 16-jährige Bartholomäus Schink von den Edelweißpiraten.
  • 24. und 27. November 1944: Massenverhaftung der Kölner Gruppe des „Nationalkomitees Freies Deutschland“. Die führenden Köpfe der Gruppe, Engelbert Brinker, Otto Richter und Wilhelm Tollmann, werden bei der Festnahme ermordet.
  • 10. Dezember 1944: Acht Widerstandskämpfer werden in Köln nach einem Feuergefecht mit der Gestapo in ihrem Unterschlupf in die Luft gesprengt.
  • 18. Januar 1945: Hinrichtung der deutsch-französischen Widerstandsgruppe um Martha Heublein aus Köln nach einem Volksgerichtsurteil in Siegburg.
  • 30. Januar 1945: An diesem Tag berichtet die Gestapo aus Köln, sie habe 500 Personen, darunter 220 Deutsche, verhaftet. Von Januar bis März 1945 wurden in Köln 1800 in- und ausländische Widerstandskämpfer ermordet.

Koselitz[Bearbeiten]

17. April 1945: Ungefähr 180 Zwangsarbeiter aus dem KZ Flossenbürg, welche im Außenlager Gröditz eingesetzt waren, wurden nahe der sächsischen Gemeinde Koselitz zusammengeschossen und verscharrt.

Krems an der Donau[Bearbeiten]

6. April 1945, Massaker in der Strafanstalt Stein: Der Leiter der Strafanstalt Stein an der Donau, Franz Kodré, Onkel des Ritterkreuzträgers Heinrich Kodré, verfügt die Freilassung der Gefangenen. Waffen-SS, Wehrmacht, Polizei und Volkssturm erschießen unter dem Vorwand, eine Revolte niederzuschlagen, in der Anstalt selbst 229 Menschen.[16] Rund um Krems beginnt eine regelrechte Jagd auf entkommene Häftlinge, die als Kremser Hasenjagd bezeichnet wird.[17] Allein in Hadersdorf werden am 7. April 61 Häftlinge von der Waffen-SS ermordet.

Leipzig[Bearbeiten]

  • 12. April 1945: 53 deutsche und ausländische Häftlinge aus zwei Leipziger Gefängnissen werden am Stadtrand ermordet.
  • 13. April 1945: 32 deutsche, französische, österreichische und tschechoslowakische Polizeihäftlinge werden in einer Leipziger Wehrmachtskaserne ermordet.
  • 18. April 1945: Mindestens 80 Häftlinge des KZ-Außenlagers Leipzig-Thekla werden beim Massaker von Abtnaundorf erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannt.

Lippstadt[Bearbeiten]

17. Dezember 1944: Verhaftungen in Lippstadt; drei Tage später Verbringung der Gefangenen nach Herne, von dort Ende März 1945 nach Dortmund zur Exekution im Rombergpark/Bittermark.

Lüdenscheid[Bearbeiten]

  • 4. Februar 1945: Exekution von mindestens 14 sowjetischen Gestapo-Häftlingen im Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid. Die Lüdenscheider Bürger Paul Anton Weber und Alex Usseler werden nach Dortmund gebracht und dort im März/April 1945 ermordet.
  • 9. April 1945: Exekution der drei deutschen Soldaten Alex Kamp, Fritz Gass, Heini Wiegmann, denen Fahnenflucht vorgeworfen wurde, in Lüdenscheid. Ihre Leichen werden zur „Abschreckung“ öffentlich zur Schau gestellt. Noch eine halbe Stunde vor Einmarsch der US-Truppen tötete ein Zahlmeister der Wehrmacht den als Gegner des NS-Regimes bekannten Friseur Hermann Massalsky, weil er Soldaten zur Desertion aufgefordert hatte.

Lüneburg[Bearbeiten]

Mahnmal im Tiergarten in Lüneburg

In den Tagen vom 7. bis 11. April 1945 kamen 256 KZ-Häftlinge in Lüneburg ums Leben. Sie kamen aus einem KZ-Außenlager in Wilhelmshaven und waren auf dem Weg nach Neuengamme. Die Häftlinge waren größtenteils antifaschistische Widerstandskämpfer der französischen Résistance.

Ein Teil der Häftlinge starb am 7. April 1945 bei einem Bombenangriff auf den Lüneburger Bahnhof zusammengepfercht in Viehwaggons oder wurde in den Tagen danach durch Marinesoldaten und einen SS-Mann erschossen. Allein am 11. April 1945 fielen 60 bis 80 Männer einer Hinrichtung zum Opfer. Geflohene Häftlinge wurden von Polizei und einigen Lüneburger Bürgern gejagt und wieder gefasst und so einige Tage vor Kriegsende noch ermordet. Die Toten wurden später in einem Waldstück bestattet, wo das Mahnmal im Tiergarten die Toten ehrt und die Geschichte dieses Verbrechens wachhält.

Lünen[Bearbeiten]

November 1944: Verhaftungen in Lünen, Betroffene werden später in Dortmund getötet.

Meinerzhagen[Bearbeiten]

29. März 1945 (Gründonnerstag): Verhaftungen in Meinerzhagen; die Opfer (acht Mitglieder der Meinerzhagener antifaschistischen Widerstandsgruppe, Arbeiter bei der Fa. Otto Fuchs des Wehrwirtschaftsführers Hans Joachim Fuchs) werden später in Dortmund ermordet.

„Mühlviertler Hasenjagd“[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mühlviertler Hasenjagd

1./2. Februar 1945: Ungefähr 500 Häftlinge unternahmen einen Fluchtversuch aus dem Todesblock 20 des KZs Mauthausen. Nur 150 von ihnen gelang vorerst die Flucht. Alle, die nicht in die Wälder entkommen konnten, und 75 im Block zurückgebliebene Kranke wurden in derselben Nacht noch exekutiert. Der Großteil der Flüchtigen wurde aufgegriffen und meist an Ort und Stelle erschossen oder erschlagen. Nur 11 Geflohene überlebten.[18]

München[Bearbeiten]

29. April 1945: Im Perlacher Forst werden etwa 150 Gestapohäftlinge von ihren Bewachern ermordet.

Neuss[Bearbeiten]

Anfang Mai 1945: Der Neusser Bürger Heinrich Glasmacher, Maat auf dem Minensucher „M 612“, wird mit zehn weiteren jungen Matrosen in Sønderborg/Dänemark auf Anweisung der Marineleitung erschossen. Unter Führung von Glasmacher hatten die Matrosen das Auslaufen des Schiffes verhindert, um den Kampf nicht weiter fortzusetzen.

Nierstein[Bearbeiten]

Gedenkstein für die sechs Opfer des Kornsandverbrechens

21. März 1945: Am Nierstein gegenüberliegenden Rheinufer werden Georg Eberhardt, Cerry Eller, Johann Eller, Nikolaus Lerch, Jakob Schuch (alle Nierstein) und Rudolf Gruber (Oppenheim) ermordet. Vor der Hinrichtung wurden mehrere Opfer grausam misshandelt. Der Arzt Dr. Zimmermann schreibt nach der Obduktion von körperlichen Misshandlungen und „die linke Hand des Schuch bei Faustschluß festverkrampft“. Als letztes Zeichen des Widerstandes hatte Jakob Schuch noch einmal die linke Faust als Zeichen seiner Sympathie mit sozialistischen Vorstellungen erhoben.

Ohrdruf[Bearbeiten]

30. Januar 1945: Eintausend Zwangsarbeiter werden nach Bergen-Belsen transportiert, unzählige sterben. Sie hatten als Sklavenarbeiter im Außenkommando Ohrdruf S III vom KZ Buchenwald seit November 1944 ein unterirdisches Hauptquartier für Adolf Hitler gebaut.

Oschatz[Bearbeiten]

In der Nacht zum 1. Mai 1945 werden im Dorf Ganzig nahe Oschatz 10 polnische und ukrainische Zwangsarbeiter von einer Wehrmachtseinheit erschossen.

Palmnicken in Ostpreußen[Bearbeiten]

31. Januar 1945: Ermordung mehrerer Tausend weiblicher KZ-Gefangener an der Bernsteinküste in Palmnicken durch ihre Wärter. War der erste Plan, die Frauen lebendig in einen Stollen einzugraben, an örtlichem Widerstand gescheitert, so jagte die SS die Gefangenen Ende Januar 1945 auf das brüchige Ostsee-Eis und erschoss sie dort. Sehr wenige (ca. 15) Überlebende, keine Sühne für die Täter. Das Verbrechen wurde nach 1994 öffentlich bekannt, Zeitzeugen hatten bis dahin geschwiegen.[19]

Penzberg[Bearbeiten]

Ehrengräber der Opfer der Penzberger Mordnacht

Ende April 1945: Angesichts der bevorstehenden Verwüstung der oberbayerischen Bergwerksstadt Penzberg übernahmen Antifaschisten im Zusammenhang mit der „Freiheitsaktion Bayern“ gewaltsam die Verwaltung, um die Stadt kampflos zu übergeben. Wehrmacht, SS und „Werwölfe“ gingen gegen die Antifaschisten vor und ermordeten 16 Bürger. Das Verbrechen wurde als Penzberger Mordnacht bekannt.

Plettenberg[Bearbeiten]

Anfang März 1945: Zwei Arbeiter aus Plettenberg werden verhaftet, nach Dortmund gebracht und dort exekutiert.

Ratingen[Bearbeiten]

6. April 1945: Mindestens zwölf Personen werden im Kalkumer Wald bei Ratingen von drei Düsseldorfer Gestapobeamten erschossen. Es waren sechs Deutsche, drei Sowjetbürger und drei Niederländer. Kriminalkommissar Harnischfeger war der Exekutionsleiter. Harnischfeger wurde zum Tode verurteilt, auf lebenslänglich begnadigt und bald entlassen; später wurde er leitender Kriminalkommissar in einer deutschen Großstadt.[20]

Rechnitz[Bearbeiten]

24./25. März 1945: Beim Massaker von Rechnitz im österreichischen Burgenland werden ungefähr 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in der Nähe des sogenannten Kreuzstadls ermordet.

Regensburg[Bearbeiten]

Am 22. April 1945 forderte Gauleiter (Gau Bayreuth) und Reichsverteidigungskommissar Ludwig Ruckdeschel in einer fanatischen Rede bzw. Rundfunkansprache im Velodrom die Verteidigung der Stadt bis zum letzten Stein. Regensburg war 1944 zur „Festung“ erklärt worden. Als amerikanische Truppen anrückten, wollte Domprediger Johann Maier der Stadt und den Bewohnern einen aussichtslosen Kampf mit vielen Toten ersparen. Daher erbat er am 23. April 1945 auf einer Kundgebung die kampflose Übergabe Regensburgs an die Amerikaner. Maier wurde sofort verhaftet und noch am gleichen Abend in einem Scheinverfahren, als Standgericht bezeichnet, wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung zum Tode durch den Strang verurteilt. Am folgenden Tag wurde er zusammen mit dem Regensburger Bürger Josef Zirkl und dem pensionierten Gendarmeriebeamten Michael Lottner auf dem Moltkeplatz (heute Dachauplatz) öffentlich gehängt; um den Hals trug er ein Pappschild mit der Aufschrift „Ich bin ein Saboteur“. An der Hinrichtungsstelle am Dachauplatz wurde ein Mahnmal errichtet und Maiers Gebeine 2005 in den Regensburger Dom überführt. In der Nacht des 26. April verließen der Kampfkommandant der Wehrmachteinheiten und der NSDAP-Kreisleiter Wolfgang Weigert Regensburg in Richtung Süden. Am 27. April leitete Major Othmar Matzke in Absprache mit Oberbürgermeister Otto Schottenheim die kampflose Übergabe Stadt Regensburg an die 3. US-Armee in die Wege.

Rinteln[Bearbeiten]

5. April 1945: Friedrich-Wilhelm Ande, der sich während der Kämpfe um Rinteln beim deutschen Kampfkommandanten der Stadt für die Freilassung zweier festgesetzter amerikanischer Parlamentäre einsetzte, die von der 5th Armoured Division der US-Army zu Übergabeverhandlungen nach Rinteln gesandt worden waren, wurde von anwesenden höheren NS-Parteifunktionären und SS-Offizieren wegen „Feigheit vor dem Feind“ verhaftetet und später erschossen in Garbsen in der Nähe von Hannover aufgefunden.

Römhild[Bearbeiten]

Beim Arbeitserziehungslager Römhild[Anmerkung 1] werden kurz vor Kriegsende 25 bis 92[21] marschunfähige Häftlinge in einer Sandhöhle am Osthang des Großen Gleichbergs erschossen. Anschließend wird der Höhleneingang gesprengt.[22] Ende Januar 1947 wird das Massengrab gefunden.

Sandbostel[Bearbeiten]

In den letzten Kriegswochen bis April 1945: 3000 Insassen des KZ Neuengamme werden in das Strafgefangenen- und KZ-Auffanglager Sandbostel, nordöstlich von Bremen, gebracht und kommen dort ums Leben.

Schwerin[Bearbeiten]

Am 2. Mai 1945 wird in Schwerin, eine Stunde vor dem Einmarsch der US-Truppen, Marianne Grunthal von SS-Männern auf dem Bahnhofsvorplatz gehängt. Sie hatte sich positiv über Hitlers Tod und den nahenden Frieden geäußert.

Schwetig[Bearbeiten]

31. Januar 1945: Die Häftlinge des Gestapo-Arbeitserziehungslagers „Oderblick“ werden mit dem Ziel KZ Sachsenhausen deportiert und auf Transport, d. h. Todesmarsch geschickt. Etwa 70 kranke Häftlinge werden in die Krankenbaracke eingeschlossen und verbrannt. Danach werden auch alle anderen Baracken niedergebrannt.

Siegen-Wittgenstein[Bearbeiten]

  • November 1944: eine unbestimmte Zahl von Zwangsarbeitskräften, von denen nur eine – Nadja Potemkina – dem Namen nach bekannt ist, wird in Siegen an der Mauer des Kaisergarten-Bunkers erschossen.
  • Am 3. April 1945 wird in Klafeld Ignatz Bruck wegen Hissens einer weißen Fahne von Volkssturmangehörigen festgenommen, misshandelt und öffentlich erschossen, nachdem die Täter zunächst erfolglos versuchten, ihn zu erhängen.
  • Im April 1945 werden in Eiserfeld drei Zwangsarbeiter, die angeblich versuchten, zu den herannahenden US-Truppen überzulaufen, durch Genickschuss hingerichtet. Weitere Tötungen von Zwangsarbeitskräften in der Endphase sind überliefert aus Aue, dem Raum Berleburg, aus Erndtebrück, Feudingen, Netphen, Niederschelden, Siegen, Steinbach, Weidenau, Womelsdorf. Täter waren Angehörige der Gestapo, der SS und der Wehrmacht.[23]

Sonnenburg[Bearbeiten]

31. Januar 1945: Mehr als 810 Häftlinge des Zuchthauses Sonnenburg werden ermordet.

Sprockhövel[Bearbeiten]

Im Waldgebiet Hilgenpütt an der Stadtgrenze zu Wuppertal wurden zwei Tage vor Einmarsch der Amerikaner in einem heute zugeschütteten Steinbruch zwei bislang unbekannte fahnenflüchtige deutsche Soldaten von der Feldgendarmerie erschossen und liegengelassen.[24]

St. Oswald in Freiland[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des Arbeitsdienst-Lagers in St. Oswald wurden am 1. April 1945 fünf gefangengenommene Partisanen auf Geheiß des Kreisleiters von Deutschlandsberg nach einem Verhör erschossen, einer von ihnen war vorher noch trotz schwerer Verletzungen hilflos liegengelassen worden.[25][26]

St. Pölten[Bearbeiten]

Am 13. April 1945 werden knapp zwei Tage vor Einmarsch der Roten Armee 13 Mitglieder der Widerstandsgruppe Kirchl-Trauttmansdorff ohne fairen Prozess zum Tode verurteilt und noch am selben Tag erschossen.

Stukenbrock[Bearbeiten]

31. März 1945 (Ostermontag): Das Stalag 326 Stukenbrock wird von den Deutschen geräumt. Vorher werden Teile der Lagerbelegschaft nach Osten verlegt.

Treuenbrietzen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker von Treuenbrietzen

23. April 1945: 131 italienische Militärinternierte, die als Zwangsarbeiter in einer Munitionsfabrik in Treuenbrietzen arbeiten mussten, wurden von Wehrmachtsangehörigen in ein nahegelegenes Waldstück getrieben, wo sie bis auf vier Überlebende erschossen wurden.

Warstein, Langenbachtal, Eversberg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker im Arnsberger Wald

20.–22. März 1945: 57 ausländische Zwangsarbeiter aus dem Lager in Warstein werden auf Befehl des SS-Generals Hans Kammler am 20. März erschossen. Am nächsten Tag werden 71 Arbeiter aus dem Lager Sauerlandhalle geholt und erschossen. Am 22. März werden 80 Ausländer aus demselben Lager abgeholt und bei Eversberg ermordet. Anschließend wird die Sauerlandhalle von der SS angezündet. Französischen Arbeitern gelingt es, tausende eingeschlossene Russen aus der Halle zu befreien. Kammler hatte nach einer Reise nach Berlin verkündet: „Das Fremdarbeiterproblem wird für die deutsche Bevölkerung existenzbedrohend. Wir müssen jetzt Vergeltung üben. Wir müssen die Zahl der Fremdarbeiter dezimieren.“

Wedel[Bearbeiten]

Frühjahr 1945: Zehn Männer aus dem niederländischen Putten kommen im Außenlager Wedel des KZ Neuengamme ums Leben. Am 2. Oktober 1944 hatten SS und Wehrmacht in Putten eine „Vergeltungsaktion“ durchgeführt: 661 Männer wurden aus dem zuvor zerstörten Dorf bei Amersfoort entführt, nur 49 überlebten die Deportation, alle anderen wurden in Deutschland ermordet, darunter viele im KZ Neuengamme.

Weimar[Bearbeiten]

5. April 1945: Gestapobeamte bringen 149 Insassen des Polizeigefängnisses in Weimar um. Unter dem Kommando von Oberregierungsrat und SS-Obersturmbannführer Hans-Helmut Wolff betrieb die Gestapo die „planmäßige“ Auflösung der Dienststelle Weimar. Kriminalkommissar und SS-Obersturmführer Felix Ritter exekutierte zusammen mit zehn weiteren Beamten die Gefangenen, darunter sieben Frauen, und verscharrte sie notdürftig in Bombentrichtern. Danach begab sich die Weimarer Gestapo auf den „geordneten Rückzug“ nach Böhmen. Unterwegs erschossen sie noch weitere 13 Menschen, Militär- und Zivilpersonen, geflohene Zwangsarbeiter und Häftlinge. Bei der Exhumierung der Toten konnten im Juli 1945 noch 43 Personen namentlich identifiziert werden. Die Opfer wurden im Juli 1945 eingeäschert und im August 1946 in einem Grabfeld auf dem Weimarer Hauptfriedhof beigesetzt. Der Gedenkstein wurde am 3. August 1963 im Webicht eingeweiht, später versetzte man ihn an die Tiefurter Allee nahe dem Ortseingangsschild Tiefurt.

5. April 1945: Einen Tag nach der Kapitulation Gothas wurde Josef Ritter von Gadolla[27] in der Weimarer Mackensen-Kaserne wegen der „Aufgabe des festen Platzes Gotha“ zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen. Als seine letzten Worte sind überliefert: Damit Gotha leben kann, muss ich sterben! Mit dem Todesurteil wurde von Gadolla ein Opfer der NS-Militärjustiz. Das Urteil wurde 1997 aufgehoben und er damit rehabilitiert.[28]

Wenzelnbergschlucht in Langenfeld[Bearbeiten]

13. April 1945: 71 Gefangene werden drei Tage vor dem Einmarsch der Alliierten auf Befehl von SS-Obergruppenführer Karl Gutenberger und Generalfeldmarschall Walter Model, unterstützt vom Wuppertaler Gestapochef Josef Hufenstruhl, in der Wenzelnbergschlucht in den Sandbergen im zu Langenfeld (Rheinland) gehörenden Wiescheid an der Stadtgrenze zu Solingen umgebracht. Die Täter: Ein Kommando aus Solinger und Wuppertaler Gestapoleuten und Kripobeamten. 60 Ermordete kamen aus dem Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen (Direktor Dr. Karl Engelhardt, der versuchte, entgegen den Anweisungen eine möglichst geringe Zahl von Menschen zu benennen und aus eigenen Antrieb statt politischer Gefangene ersatzweise mehrheitlich schwere unpolitische Straftäter auswählte und sie gegenüber der Gestapo als politische Gefangene ausgab[29]), vier aus dem Gefängnis Wuppertal-Bendahl, vier Zwangsarbeiter aus dem Polizeigefängnis Ronsdorf, drei waren Unbekannte.

Wuppertal[Bearbeiten]

Ende Februar/Anfang März 1945: Auf dem Burggrafenberg im Staatsforst Burgholz auf einer Lichtung nahe dem Schießstand der Wuppertaler Polizei wurden unter Beihilfe der Wuppertaler Kriminalpolizei sechs Frauen und 24 Männer von der Gestapo erschossen. Es handelte sich um Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion. Die Namen der Erschossenen blieben unbekannt, mit Ausnahme von Helena Matrosova, einer ukrainischen Lehrerin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Paul: „Diese Erschießungen haben mich innerlich gar nicht mehr berührt“. Die Kriegsendphasenverbrechen der Gestapo 1944/45. In: Gerhard Paul, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.): Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. „Heimatfront“ und besetztes Europa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-89678-188-X.
  • Sven Keller: Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges – Überlegungen zu Abgrenzung, Methodik und Quellenkritik. In: Cord Arendes, Edgar Wolfrum, Jörg Zedler (Hrsg.): Terror nach Innen. Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkrieges. (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Band 6) Göttingen 2006.
  • Edgar Wolfrum: Widerstand in den letzten Kriegsmonaten und Endphasenverbrechen. In: Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933–1945. Lukas, Berlin 2004, ISBN 3-936872-37-6.
  • Ulrich Sander: Mörderisches Finale. NS-Verbrechen bei Kriegsende. Papyrossa Verlagsgesellschaft, Köln 2008, ISBN 978-3-89438-388-6.
  • Daniel Blatman: Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords. Aus dem Französischen v. Markus Lemke. Rowohlt, Reinbek 2011, ISBN 978-3-498-02127-6.
  • Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944–1945. (= Schriftenreihe, 1194). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2011; DVA, Stuttgart 2011. Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung 2012 (passim)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sven Keller: Volksgemeinschaft am Ende. München 2013, ISBN 978-3-486-72570-4, S. 5f.
  2. Mark Mazower: Militärische Gewalt und nationalsozialistische Werte – Die Wehrmacht in Griechenland 1941 bis 1944. In: Hannes Heer, Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburg 1995, S. 172.
  3. Kontrollratsgesetz Nr.4
  4. Justiz und NS-Verbrechen. Schwerpunkte der Strafverfolgung in Westdeutschland 1945–1997
  5. Gesetz über den Erlaß von Strafen und Geldbußen und die Niederschlagung von Strafverfahren und Bußgeldverfahren vom 17. Juli 1954, (RGBl I, S. 204), § 6.
  6. Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. dtv 30720, München 2003, ISBN 3-423-30720-X, S. 127.
  7. Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. dtv 30720, München 2003, ISBN 3-423-30720-X, S. 128.
  8. Die Mordaktionen zwischen dem 22. und 24. April 1945 gedenkstaettenforum.de (PDF; 274 kB)
  9. Karl Schippa im Kreuzbergmuseum
  10. Ausschuß der Hinterbliebenen und Mitgefangenen der Opfer im Rombergpark (Hrsg.): Katyn im Rombergpark. o. O. o. J. (um 1951); Ulrich Sander: Mord im Rombergpark. Tatsachenbericht. Grafit, Dortmund 1993; Lore Junge: Mit Stacheldraht gefesselt. Die Rombergparkmorde. Opfer und Täter. Bochum 1999.
  11. Der Hagener Gestapoprozeß 1946/1996. Essen 1996.
  12.  Rainer Fröbe, Claus Füllberg-Stollberg, Christoph Gutmann, Rolf Keller, Herbert Obenaus, Hans Herrmann Schröder: Konzentrationslager in Hannover: KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs; Teil II. Verlag August Lax, Hildesheim 1985, ISBN 3-7848-2422-6, S. 407–647.
  13. Todesmärsche auf „Netzwerk Erinnerung + Zukunft in der Region Hannover“
  14. Vom Bildungs- und Freizeitzentrum in Hannover-Mühlenberg wurde später jährlich ein Gedenkmarsch über Isernhagen, Burgwedel, Fuhrberg, Wietze und Winsen/A. zur katholischen Sühnekirche vom Kostbaren Blute in Bergen durchgeführt. Der Gedenkmarsch von Hannover nach Bergen-Belsen fand erstmals vom 12. bis 14. April 1985 statt und endete mit einer Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZs, siehe Frankfurter Rundschau vom 15. April 1985 und Antifaschistische Rundschau vom März 1985.
  15. Gardelegen Lexikon, abgerufen am 14. Juni 2010.
  16. Stein,6. April 1945. Das Urteil des Volksgerichts Wien (August 1946) gegen die Verantwortlichen des Massakers im Zuchthaus Stein – Eine Veröffentlichung des Bundesministeriums für Justiz, hrsg. von Gerhard Jagschitz und Wolfgang Neugebauer, Wien 1995, ISBN 3-901142-24-X.
  17. Der Dokumentarfilm Kremser Hasenjagd von Gerhard Pazderka und Robert Streibel befasst sich mit diesem Endphaseverbrechen; Die Kremser Hasenjagd www.kremser-hasenjagd.at
  18. Alphons Matt: Einer aus dem Dunkel. Die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen durch den Bankbeamten H. Zürich 1988; Thomas Karny: Die Hatz. Bilder zur Mühlviertler „Hasenjagd“. Grünbach, 1992; Walter Kohl: Auch auf dich wartet eine Mutter. Die Familie Langthaler inmitten der „Mühlviertler Hasenjagd”. Grünbach, 2005; Linda DeMeritt: Representations of History. The Mühlviertler Hasenjagd as Word and Image. In: Modern Austrian Literature. Nr. 32.4, 1999, S. 134–145.
  19. Leonberger Kreis-Zeitung. Lit. im Lemma Jantary
  20. Stadtarchiv Ratingen (Hrsg.): „Menschen wie wir“ – Mahnmal für die im Kalkumer Wald ermordeten Zwangsarbeiter. 2000.
  21. Gert Stoi: Das Arbeitslager Römhild 1943–1945 Dokumentation eines Verbrechens. Salier Verlag, Leipzig und Hildburghausen 2010, ISBN 978-3-939611-41-7, S. 93.
  22. Gert Stoi: Das Arbeitslager Römhild 1943–1945 Dokumentation eines Verbrechens. Salier Verlag, Leipzig und Hildburghausen 2010, ISBN 978-3-939611-41-7, S. 101.
  23. Siegerland: Hans Klappert: An der Bunkermauer erschossen. Nadja Potemkinas Weg nach Siegen ohne Wiederkehr. In: Siegener Zeitung. 12. März 1994; Ulrich Opfermann: HeimatFremde. „Ausländereinsatz“ im Siegerland, 1939 bis 1945: wie er ablief und was ihm vorausging. Siegen 1991, S. 106–110; Dieter Pfau (Hrsg.): Kriegsende 1945 in Siegen. Dokumentation der Ausstellung 2005. Bielefeld 2005, S. 147–158.
    Wittgenstein: Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, NW 1.091–17.390 (Hugo Feige), Aussage Hugo Feige, 16. August 1948; Ernst Born: Kriegsereignisse in Aue im Zweiten Weltkrieg. In: Albert Hof: Aue-Wingeshausen, am Südrand des Rothaargebirges. Wingeshausen 1995, S. 598 f; Heinz Strickhausen: Eine Kleinstadt am Rande des Krieges. 1945–1949. Bad Berleburg 1999, S. 167 f., 346; Wilhelm Völkel: Vom Kriegsgeschehen im Wittgensteiner Land. In: Krieg und Elend im Siegerland. Siegen 1981, S. 189–230, vor allem S. 197 , 206; Edgar Dietrich: Als die Bomben vom Himmel fielen. Erndtebrück 1995; Heinz Strickhausen: Berleburg. Eine Kleinstadt in der Nachkriegszeit. Bad Berleburg 2002, S. 479.
  24. Stad(t)tplan Sprockhövel im Nationalsozialismus 1933–1945, Herausgeber: Arbeitskreis Antifaschismus Ennepe-Ruhr und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN /Bund der Antifaschisten Kreisverband Ennepe-Ruhr unter Mitarbeit des Stadtarchivs Sprockhövel. Onlineversion (PDF; 201 kB)
  25. Martin F. Polaschek: Im Namen der Republik Österreich! Die Volksgerichte in der Steiermark 1945 bis 1955. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs. Band 23. Graz 1998. ISSN 0434-3891 ZDB-ID 561078-3. S. 160. (PDF; 996 kB)
  26. Christian Fleck: Koralmpartisanen - Über abweichende Karrieren politisch motivierter Widerstandskämpfer. Ludwig-Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaft, Materialien zur Historischen Sozialwissenschaft Band 4. Verlag Böhlau. Wien-Köln 1986, ISBN 3-205-07078-X ZDB-ID 252137-4, S. 162, S. 306.
  27. Bericht und Fotos auf der Seite 6 des Panzerregiments 4 (abgefragt am 25. Januar 2010)
  28. Richter heben NS-Urteil auf. Die Welt, 21. Januar 1998
  29. Dieter Nelles / Fritz Beinersdorf: Die Morde in der Wenzelnbergschlucht am 13. April 1945

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Eine Außenstelle in Poppenhausen (Hellingen) wird von Gert Stoi: Das Arbeitslager Römhild 1943–1945 Dokumentation eines Verbrechens nicht erwähnt.