HK G3

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HK G3
HK G3 von oben: HK G3A4, G3A3
Allgemeine Information
Zivile Bezeichnung: Gewehr 3
Militärische Bezeichnung: G3
Einsatzland: Deutschland, Großbritannien, Türkei, Schweden, Norwegen, Niederlande, Dänemark, Iran, Pakistan
Entwickler/Hersteller: Heckler & Koch und andere
Entwicklungsjahr: 1950
Herstellerland: Deutschland und andere
Produktionszeit: seit 1958
Modellvarianten: siehe Modellvarianten
Waffenkategorie: Sturmgewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: 1025 mm
Gesamthöhe: 220 mm
Gesamtbreite: 58 mm
Gewicht: (ungeladen) 4,38 kg
Technische Daten
Kaliber: 7,62 × 51 mm NATO
Mögliche Magazinfüllungen: 5/10/20 Patronen
Munitionszufuhr: Stangenmagazin
Kadenz: 600 Schuss/min
Anzahl Züge: 4
Drall: rechts
Visier: Diopter
Verschluss: beweglich abgestützter Rollenverschluss
Ladeprinzip: Rückstoßlader
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Das G3 (Gewehr 3) ist ein Sturmgewehr des deutschen Waffenherstellers Heckler & Koch (HK). Im Jahr 1959 als Standardgewehr in der Bundeswehr eingeführt, fand und findet es weiterhin Verwendung in vielen anderen Armeen. Es verwendet die Patrone 7,62 × 51 mm NATO. Die Waffe wurde im Laufe der Jahre in viele Länder exportiert und in mindestens 15 Ländern in Lizenz gefertigt, wodurch die gebaute Gesamtstückzahl rund 7 Millionen Stück beträgt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Konzept des G3 geht auf die Mauser-Entwicklung des Sturmgewehrs 45 für die Wehrmacht zurück. Erste Prototypen der Mauser-intern zunächst als Gerät 06H bezeichneten Waffe wurden bereits im Frühjahr 1942 erprobt. Beim Konzept des später Sturmgewehr 45(M) genannten Gewehrs handelte es sich im Gegensatz zum in der Wehrmacht eingeführten Sturmgewehr 44 nicht um einen Gasdrucklader, sondern um einen Rückstoßlader mit Rollenverschluss, der aber auf Grund der langwierigen Entwicklungs- und Erprobungsphase erst kurz vor Kriegsende das Prototypenstadium verließ und nicht mehr in Serie produziert wurde. Angaben in der Literatur zufolge wurden aus den noch produzierten Teilen lediglich etwa 30 Waffen nach Kriegsende unter britischer Aufsicht zu Testzwecken montiert.

Teile der für die damalige Entwicklung verantwortlichen Gruppe unter dem Ingenieur Ludwig Vorgrimler begaben sich im Jahre 1946 nach Frankreich, um dort im Auftrag der Regierung ihr Gewehrkonzept fortzuentwickeln. Ergebnis dieser Entwicklung war die 1949 serienreife, als AME 49 oder Carabine Mitrailleuse 1950 bezeichnete Waffe, die jedoch aus finanziellen Gründen von der französischen Armee nicht mehr beschafft wurde. Die Gruppe unter Vorgrimler zog daraufhin 1950 nach Spanien weiter, wo auf Bitten der spanischen Regierung bei der eigens gegründeten Firma CETME („Centro de Estudios Técnicos de Materiales Especiales“) ein Sturmgewehr auf Basis des beweglichen Rollenverschlusses entwickelt werden sollte.

Bei der Entwicklung wurde – wie schon in Frankreich – zunächst eine für Kurzpatronen wie die 7,92 × 33 mm Kurz ausgelegte Waffe konzipiert. Ergebnis war eine zunächst im Kaliber 7,92 × 40 mm CETME gefertigte, als Modelo 2 bezeichnete Waffe. Nachdem bereits im Jahre 1953 erste offizielle Kontakte nach Deutschland geknüpft worden waren, erfolgten 1954 erste Tests des neuen Gewehrs beim Bundesgrenzschutz. Bei der im Januar 1955 durchgeführten offiziellen Vorführung stieß das Kaliber jedoch auf Ablehnung. Gefordert wurde seitens der deutschen Verantwortlichen die später auch mit dem belgischen FN FAL (G1) eingeführte Patrone 7,62 × 51 mm NATO. Das daraufhin umkalibrierte, als CETME Model A bezeichnete Gewehr wurde vom Herbst 1956 bis Januar 1957 ausführlichen Truppenversuchen bei der mittlerweile neu aufgestellten Bundeswehr unterzogen. Die daraufhin geforderten Veränderungen im Bereich der ergonomischen Auslegung von Vorder- und Hinterschaft führten zum CETME Model B. Weitere Änderungen im Bereich der Visiereinrichtung sowie des Pistolengriffes und der Wegfall des ursprünglich geplanten Zweibeins führten schließlich zu einer dem späteren CETME Model C ähnelnden Waffe. Diese sollte bei der Bundeswehr als Gewehr G3 eingeführt werden und dadurch das erst kurz zuvor beschaffte FN FAL ersetzen, nachdem eine deutsche Lizenzfertigung durch die Herstellerfirma FN abgelehnt worden war. Auch beim G3 standen Lizenzprobleme mit der Firma CETME im Weg, die jedoch durch den Erhalt einer Zweitlizenz, im Gegenzug für Munitionslieferaufträge, durch die niederländische Firma Nederlandse Wapen en Munitiefabrik (NWM) gelöst wurden. Dadurch konnte das G3 ab 1959 als Standardbewaffnung der deutschen Bundeswehr mit vermutlich mehr als einer Million Stück eingeführt werden.

Weiterhin wurde das G3 und seine Versionen in mindestens 80 Länder exportiert. Außerdem wurde es in Burma, Dänemark (Gv M/66), Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Iran, Malaysia, Mexiko, Norwegen (AG-3), Pakistan, Portugal (M1961), Saudi-Arabien, dem Sudan, Schweden (Ak4) und der Türkei in Lizenz hergestellt. In den meisten dieser Länder wurde neben dem Militär auch die Polizei mit dieser Waffe ausgerüstet. Auch in der Bundesrepublik wurde die Waffe bei der Landes- und Bundespolizei eingeführt. Bisher wohl noch kaum bei Schusswechseln mit Straftätern eingesetzt, wird sie wegen der gegenüber der Pistolenmunition stärkeren Energieabgabe hin und wieder zum Beispiel zum Töten von entlaufenem Nutzvieh benutzt. Auch bei der Justiz war und ist das G3 als Waffe zur Bewachung von Justizvollzugsanstalten im Einsatz. Einige Länder haben sie jedoch mittlerweile durch eine semiautomatische Variante des G36 ersetzt (z. B. Brandenburg, Sachsen)

Die Waffen wurden im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt. Neben der Einführung weiterer Versionen, beispielsweise mit einer einschiebbaren Schulterstütze, erfolgten kleinere und größere Modifikationen. So erfolgte an Vorder- und Hinterschaft der Wechsel von Holz- auf Kunststoffbauteile, die ursprüngliche Visiereinrichtung wurde durch die HK-typische Trommelvisierung ersetzt. Weiterhin erfolgte auch kurz vor Einführung des G36 bei der Bundeswehr noch eine Überarbeitung in zwei Punkten: Ein Hülsenabweiser soll abgeschossene Hülsen vom Schützen weg nach vorne/unten lenken und ein neues Griffstückgehäuse aus Kunststoff lässt den Sicherungshebel besser einrasten. [1]

Im englischen Sprachgebrauch wird das G3 wegen seiner Eigenschaften als Gefechtsgewehr (Battle Rifle) und nicht als Sturmgewehr (Assault Rifle) klassifiziert. Im deutschen Sprachgebrauch wird es aufgrund des konventionellen Gewehrkalibers fachlich als Maschinen- oder Schnellfeuerkarabiner bezeichnet.

Nach fast 40-jähriger Nutzung des G3 wurde im Dezember 1997 die Ablösung durch das neue G36 beschlossen. Im Zuge der Umrüstung wird ein Großteil der Waffen, zumeist ältere Jahrgänge, seit 2002 vernichtet, um eine ungewollte Verbreitung in Krisenregionen durch nicht mehr nachvollziehbare Folgeverkäufe zu verhindern. Trotzdem befinden sich in den Depots der Bundeswehr auch weiterhin mehrere hunderttausend G3-Gewehre für den Fall der Landesverteidigung, die auch weiterhin gewartet werden, zum Beispiel durch das Nachrüsten des oben genannten Hülsenabweisers. Außerdem sind auch in den Waffenkammern vieler Bundeswehreinheiten immer noch G3-Gewehre vorhanden und einsatzbereit.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das G3 ist ein Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und beweglich abgestütztem Rollenverschluss. Es ist in der Lage, sowohl halbautomatisches Einzelfeuer als auch Dauerfeuer zu schießen. Die Waffe verwendet zur Patronenzufuhr gerade Stangenmagazine aus Aluminium oder Stahlblech mit 20 Patronen Fassungsvermögen. Die theoretische Feuergeschwindigkeit beträgt 600 Schuss/min. Je nach Ausführung und verwendeter Munition beträgt die Mündungsgeschwindigkeit etwa 800 m/s bei 2900 bis 3400 Joule Mündungsenergie, das ist mehr als beim Sturmgewehr 44 oder Sturmgewehr 45 Kaliber 7,92 × 33 mm mit 690 m/s und 1928 Joule Mündungsenergie. Das vergleichbare AK-47 Kaliber 7,62 × 39 mm weist 710 m/s Mündungsgeschwindigkeit bei 1991 Joule Mündungsenergie auf. Gegenüber Sturmgewehren wie dem AK-74 oder dem M16 ist die Mündungsenergie der Munition doppelt so hoch.

Vor Auslieferung durchlief jedes Gewehr Funktionskontrollen und einen Probebeschuss. Dabei wurden mit besonders präzise laborierter Anschussmunition fünf Schüsse auf ein Ziel in 100 Meter Entfernung abgegeben. Der Streukreis der Geschosse durfte dabei nicht größer als 120 Millimeter sein. Besonders gut schießende Waffen, mit einem Streukreis von 80 Millimetern und weniger, wurden werksseitig mit einem 4-fach-Zielfernrohr versehen und als G3 A3 ZF ausgeliefert.

Während das G3 A3 ZF ansonsten ein standardmäßiges G3 A3 ist, handelt es sich bei der Version G3 SG 1 um eine modifizierte Waffe. Auch hier wurden wiederum besonders gut schießende Waffen aus der Serienproduktion entnommen und modifiziert. So wird ein festmontiertes, verstellbares 1,5 bis 6-fach Zielfernrohr verwendet, der Abzug verfügt über einen Stecher mit Abzugsstop, der Kolben besitzt eine Wangenauflage, und es wird ein Handschutz mit montiertem Zweibein verwendet.

Funktionsbeschreibung[Bearbeiten]

Wird die Waffe fertig geladen, das heißt, dem vor dem Lauf befindlichen Patronenlager eine Patrone zugeführt und der Verschluss verriegelt, kann nach dem Entsichern ein Schuss abgegeben werden. Durch Zurückziehen des Abzuges wird das im Abzugskasten integrierte Schlagstück frei und schlägt auf den Schlagbolzen. Dieser trifft auf das Zündhütchen der Patrone und zündet diese. Die aus der Patrone austretenden Pulvergase treiben das Geschoss durch den Lauf. Gleichzeitig drücken die Pulvergase, die wegen des sich im Lauf befindlichen Geschosses nicht aus dem ansonsten geschlossenen Laufsystem entweichen können, auf die Patronenhülse. Die dabei auf den Verschlusskopf wirkende Kraft, die eine Rücklaufbewegung desselben zur Folge hat, wird über die im Verschlusskopf integrierten Verschlussrollen zum einen auf das Waffengehäuse, zum anderen über das Steuerstück auf den Verschlussträger übertragen. Speziell abgestimmte Winkelverhältnisse der Flächen des Steuerstückes verzögern dabei den Austritt der Verschlussrollen aus den Widerlagern und verzögern damit die Rücklaufbewegung des Verschlusskopfes. Dadurch wird gewährleistet, dass die vom Verschluss abgestützte Hülse den Lauf so lange abdichtet, bis das Geschoss die Laufmündung verlassen hat. Nach vollständigem Eintritt der Verschlussrollen in den Verschlusskopf gleitet der Verschluss im Waffengehäuse weiter nach hinten. Dabei wird die Patronenhülse über den im Verschlusskopf integrierten Auszieher aus dem Patronenlager des Rohres gezogen. Die Patronenhülse wird vom Auswerfer schließlich ausgeworfen. Der weiter zurücklaufende Verschlussträger spannt die Schließfeder und drückt den Schlaghahn nach unten in dessen Ausgangsstellung. Nachdem die restliche Rücklaufenergie des Verschlusses von einer Puffereinrichtung aufgenommen wurde, erfolgt die Bewegungsumkehr.

Gewehr G3, Druckausgleichsrillen im Patronenlager sichtbar

Die gespannte Schließfeder drückt den Verschlussträger wieder in die Ausgangsstellung, wobei durch den Vorlauf eine neue Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager geführt wird. Der Auszieher greift dabei in die Ausziehrille der Patrone, die Verschlussrollen werden durch die schrägen Flächen des Steuerstückes aus dem Verschlusskopf heraus in die sogenannten Abstützflächen des Waffengehäuses gedrückt und verriegeln so den Verschluss. Darauf ist die Waffe sofort wieder schussbereit. Bei Einzelschussabgabe wird das Schlagstück während des Rücklaufprozesses von einer Fangklinke in seiner Ausgangsstellung gehalten. In der Sicherungseinstellung „Dauerfeuer“ ist das nicht der Fall. Der Hahn trifft nach Verriegelung des Verschlusses unmittelbar auf den Schlagbolzen und wiederholt den Schussvorgang so lange, bis der Abzug losgelassen wird oder die im Magazin befindliche Munition verschossen wurde.

Da beim Schuss der Verschlusskopf nicht blockiert ist, sondern kontinuierlich geringfügig nach hinten läuft, muss vermieden werden, dass die Hülse bei noch hohem Gasdruck zerrissen wird. Dazu werden bei Waffen mit verzögertem Masseverschluss Druckausgleichsrillen in den sich vorne verjüngenden Teil des Patronenlagers eingefräst. Der Innendruck auf den Hülsenkonus und den zylindrischen Teil der Hülse wird damit ausgeglichen.

Baugruppen[Bearbeiten]

G3 A3 einmal zusammengesetzt und einmal in seine Baugruppen zerlegt

Wie die meisten Infanteriewaffen kann das G3 mit einfachen Handgriffen ohne Werkzeug durch das Lösen von vier Metallbolzen in seine sechs Hauptbaugruppen zerlegt werden. Außerdem sind einige Baugruppen weiter in ihre einzelnen Bauteile zerlegbar:

  • Gehäuse mit Rohr, Lade- und Visiereinrichtung
    • Gehäuse mit darin eingepresstem Rohr und Visiereinrichtung
    • Mündungsfeuerdämpfer, austauschbar gegen Manöverpatronengerät
  • Verschluss
    • Verschlussträger
    • Verschlusskopf mit Auszieher
    • Steuerstück
    • Schlagbolzen
    • Schlagbolzenfeder
  • Griffstück, vollständig
    • Griffstück
    • Abzugskasten
    • Sicherungshebel
  • Schulterstütze mit Bodenstück
  • Handschutz
  • Magazin

Zubehör[Bearbeiten]

G3 mit aktivem Infrarotzielgerät Eltro B8-V
G3-Bajonett mit Scheide

Als lieferbares Zubehör stehen zunächst ein Trageriemen und das auch als Rückstoßverstärker bezeichnete Manöverpatronengerät zur Verfügung. Letzteres ist notwendig, da die bei Übungen benutzten Platzpatronen, wegen des fehlenden Geschosses, das den Druck innerhalb des Laufs kurzzeitig erhöht, keinen ausreichenden Rückstoß liefern, um eine einwandfreie Funktion des Verschlusssystems zu gewährleisten. Weiterhin benutzt die Bundeswehr neben einem durch eine Klemmmontage montierbaren 4-fach Zielfernrohr Infrarotzielgeräte und Bildverstärkerzielfernrohre. Für die Schießausbildung gibt es einen Einstecklauf mit Übungsverschluss im Kaliber 5,6 × 15 mm (zivile Bezeichnung: .22 lfB). Das Aufpflanzen eines Bajonetts ist ebenfalls möglich. Zudem können mit allen Waffen mit langem Lauf Gewehrgranaten verschossen werden. Dafür wird eine platzpatronenähnliche Treibladungspatrone von Hand über das Patronenauswurffenster dem Patronenlager zugeführt und eine bereits mit Visier versehene Gewehrgranate über den Lauf aufgeschoben. Zudem existiert ein an Stelle des Handschutzes anzubringender Granatwerfer, das HK79 im Kaliber 40 mm. Sowohl dieses als auch das Bajonett wurden bei der Bundeswehr nicht regulär eingeführt, wohl aber bei einigen Export- und Lizenznehmern.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Da das G3 aus Stahlstanzteilen und Kunststoffbeschlägen besteht, ist es günstig zu produzieren. Das G3 ist zudem sehr zuverlässig, Ladehemmungen und andere Fehlfunktionen sind relativ selten.

In trocken-heißen Klimazonen kann sich der Spannschieber als Teil der Ladevorrichtung durch den halboffenen Ausschnitt mit Sand zusetzen und klemmen bzw. erhöhten Reinigungsaufwand notwendig machen.

Bedingt durch das große Kaliber besitzt das G3 zwar eine für eine Ordonnanzwaffe hohe Feuerkraft, hat jedoch auch einen stärkeren Rückstoß, der die Waffe für einen ungeübten Schützen oder im Feuerstoß schwerer beherrschbar macht. Außerdem verfügt es in den meisten Versionen nur über ein mechanisches Visier, während modernere Waffen in der Regel mit optischen Zielhilfen ausgerüstet sind. Um diesen Nachteil gegenüber moderneren Konstruktionen auszugleichen, wurde bei einigen DMR (siehe G3 in Afghanistan) im Rahmen des „Einsatzbedingten Sofortbedarfs“ das Gewehr mit nachträglich angebrachten Picatinny-Schienen modernisiert. Mit dieser Maßnahme kann auf dem Gewehr die volle Bandbreite handelsüblicher aber auch militärischer Zieloptiken montiert werden. Dazu gehören unter anderem Nachtsichtgeräte aller Art, Reflexvisier und Zielfernrohre für Handfeuerwaffen.

Ein weiterer Kritikpunkt war die im Gegensatz zu anderen Sturmgewehren, wie dem M16 oder dem G36, erschwerte „Tragbarkeit“ durch das Fehlen eines Tragegriffs über dem Schwerpunkt, der einen leichten, einhändigen Transport erlaubt. Bemängelt wurde, dass das G3 nicht mit einer Hand bequem getragen werden kann. Dieser Kritikpunkt widerspricht allerdings der normalen Trageweise mit Schulterriemen vor der Brust schräg nach unten oder mit Tragegurt über der Schulter untergehängt in der militärischen Jägertrageweise.

Modellvarianten[Bearbeiten]

  • HK G3, Ur-Version mit Schulterstütze aus Holz und Klappvisier.
  • HK G3 A1, Version mit klappbarer (Holz-)Schulterstütze.
  • HK G3 A2, Version mit fester Schulterstütze und neuem, drehbarem Dioptertrommelvisier.
  • HK G3 A3, Version mit fester Schulterstütze aus Kunststoff und freischwingendem Lauf.
  • HK G3 A3ZF, Zielfernrohrgewehr aus Serienproduktion.
  • HK G3 A4, G3 A3 mit einschiebbarer Metallschulterstütze.
  • HK G3 SG 1, Scharfschützengewehr mit Stecher, Zielfernrohr und Zweibein.
  • HK G3 DMR, ein leistungsgesteigertes G3 SG1 mit höhen- und längenverstellbarer Schulterstütze, Zweibein und Sturmgriff.
  • HK G3 K, Version mit kurzem (315 mm) Lauf und einschiebbarer Schulterstütze.
  • HK G3 TGS, Bezeichnung für ein G3 mit montiertem 40-mm-Granatenwerfer HK 79.
  • HK 41 halbautomatisches Reservistengewehr.
  • HK 91 halbautomatisches HK41 − Exportmodell (hauptsächlich für den US-Markt).
  • HK SL7 halbautomatisches Sportschützen- und Jagdgewehr mit Holzschäftung.
  • MC 51, vom britischen Hersteller FR Ordnance gefertigte Kompaktversion, ähnlich dem HK 53.[2]

Zudem basieren die bei der Firma Heckler & Koch als „Sonderwaffen“ geführten und auch nach Produktionseinstellung des G3 weiterhin hergestellten Scharfschützengewehre MSG90 / MSG3 und PSG 1 auf dem G3-Gehäusesystem, auch wenn diese zum Teil stark modifiziert wurden.

Mit Stand 2013 werden von verschiedensten Herstellern zivile, für Sportschützen und Jäger erwerbbare halbautomatische Gewehre angeboten. Diese basieren auf der HK41 Version des G3. Durch Modifikation am Griffstück und Verschluss ist es bei diesen Gewehren nicht möglich, Teile aus vollautomatisch funktionierenden G3 einzusetzen; der Rückbau in eine für Zivilisten verbotene Kriegswaffe wird mit diesen Maßnahmen ausgeschlossen.

G3 in Afghanistan[Bearbeiten]

Bundeswehrsoldat eines Scharfschützentrupps in Chahar Darreh, Kunduz, mit einem angepassten G3ZF

Das G3 DMR wird von den Scharfschützentrupps der Bundeswehr wieder verwendet, um Ziele auf Entfernungen bis zu 600 m zu bekämpfen oder um Unterdrückungsfeuer auf bis zu 800 m zu leisten. Die Änderungen an der Waffe umfassen ein Schmidt & Bender 3–12 × 50PMII auf STANAG-Spannmontage, Handschutz mit Picatinny-Schiene für LLM01, Harris-Zweibein und Sturmgriff sowie auf Einzelfeuer gesperrtem Griffstück. Die G3 DMR dienen bei der Bundeswehr als Lückenschluss zwischen G36 und G22.[3]

Verbreitung[Bearbeiten]

G3-Gewehre wurden in Fabrikationsstätten in Deutschland, Lateinamerika, im Nahen Osten und in Südostasien produziert. Bis heute zählt das G3, welches etwa 7 Millionen Mal produziert wurde, neben der Kalaschnikow AK-47, dem M16 und der FN FAL zu den weltweit am weitesten verbreiteten militärischen Schnellfeuergewehren.[4]

Im Iran werden verschiedene Typen des G3 bis heute von der Firma Defense Industries Organization in unbekannter Menge hergestellt und weltweit vertrieben.[5]

Jahr der Lizenzvergabe Lizenzempfänger Produzent/ Standort
1961 Portugal Fabrica de Braco de Prata (FBDP)
Industrias Nacionais de Defesa EP
1963 Pakistan Pakistan Ordnance Factory (POF)
1964 Schweden FFV
1967 Norwegen Norsk Fors
1967 Iran MWF, Mosalsalsasi
1967 Türkei MKE
1969 Saudi-Arabien Al-Khardi A.
1970 Frankreich MAS
1970 Großbritannien Royal Small Arms Factory, Enfield
1971 Thailand AWPC
1976 Brasilien
1977 Griechenland EBO
1979 Mexiko Fabrica de Armas
1981 Myanmar (Burma) Staatliches Werk
Philippinen
Malaysia Munora Holdings

Quellen:[6]

Kontroverse um Produktionslizenzen[Bearbeiten]

Aufgrund der Vergabe von G3-Produktionslizenzen an 15 Länder, darunter auch den Iran und Myanmar, wurde Heckler & Koch mehrmals scharf kritisiert.[7][8][9] Im Jahr 1989 konstatierte das Rüstungs-Informationsbüro Oberndorf, es gebe „wohl kaum noch ein Land der Dritten Welt ohne G-3-Gewehre“.[8] Die Erlaubnis zum Export wird von dem unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Bundessicherheitsrat der Bundesregierung erteilt.

[Bearbeiten]

Logo der DFG-VK

Ein G3 als zerbrochenes Gewehr wird von der DFG-VK in ihrem Logo genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heckler & Koch G3 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK94uyk-ILMKr3yxLT4xNJivQwgQy_d2Ey_INtREQBV9wzc/
  2. Pierangelo Tendas: FR Ordnance MC51. E-Image Agency, archiviert vom Original am 13. Februar 2008, abgerufen am 20. Juli 2009 (SecurityArms.com., englisch).
  3. Alexander Przewdzick/Björn Jüttner: Bereit zum Schuss. In: Y Das Magazin der Bundeswehr. Bundeswehr, 2. November 2010, abgerufen am 8. November 2010.
  4. http://www.controlarms.org/en/documents%20and%20files/reports/english-reports/shattered-lives-report (Version vom 2. September 2009 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  5. Website des iranischen Rüstungsproduzenten DIO (Defense Industries Organization). (englisch)
  6. Der Spiegel, 25. Dezember 1989: Deutsch around the world. Abgerufen 15. August 2012; Gideon Burrows: The No-Nonsense Guide to the Arms Trade. Verso Books, 2002, ISBN 1-85984-426-X, S. 24; Jürgen Grässlin: Versteck dich, wenn sie schießen. München 2003, S. 364
  7. Jürgen Grässlin: Versteck dich, wenn sie schießen. Die wahre Geschichte von Samiira, Hayrettin und einem deutschen Gewehr (PDF; 3,1 MB). Droemer Knaur, München 2003, S. 392.
  8. a b Waffen. Deutsch around the world. Weltweit schießen Polizisten und Kriminelle, Militärs und Guerrilleros mit einem westdeutschen Sturmgewehr. In: Der Spiegel Nr. 52, 25. Dezember 1989.
  9. Vgl. die detaillierte Auflistung in Jürgen Grässlin: Versteck dich, wenn sie schießen. Die wahre Geschichte von Samiira, Hayrettin und einem deutschen Gewehr (PDF; 3,1 MB). Droemer Knaur, München 2003, S. 393.