Iffezheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Iffezheim
Iffezheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Iffezheim hervorgehoben
48.8205555555568.1422222222222123Koordinaten: 48° 49′ N, 8° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Höhe: 123 m ü. NN
Fläche: 19,95 km²
Einwohner: 4927 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76473
Vorwahl: 07229
Kfz-Kennzeichen: RA
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 023
Adresse der Gemeindeverwaltung: Hauptstraße 54
76473 Iffezheim
Webpräsenz:
Bürgermeister: Peter Werler (CDU)

Iffezheim ist eine Gemeinde im Landkreis Rastatt am Oberrhein. Zur Gemeinde Iffezheim gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften. Sie ist international bekannt durch die dreimal im Jahr stattfindenden Galopprennen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geographische Lage

Iffezheim liegt am rechten Ufer des Rheins in der 30 km breiten Oberrheinischen Tiefebene, die auf der einen Seite vom Schwarzwald und auf der anderen Seite von den französischen Vogesen begrenzt wird. Bei der Iffezheimer Staustufe mündet auf der gegenüberliegenden Rheinseite die Moder in den Rhein.

[Bearbeiten] Nachbarkommunen

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kreisstadt Rastatt, deren Ortsteile Ottersdorf und Wintersdorf daran grenzen, Sandweier, ein Ortsteil von Baden-Baden sowie die Gemeinde Hügelsheim. Im Westen wird die Gemarkung vom Rhein begrenzt, welcher auch die deutsch-französische Staatsgrenze darstellt.

[Bearbeiten] Geschichte

Archäologische Funde belegen eine seit Jahrtausenden andauernde Besiedlung der Iffezheimer Gemarkung. Die ersten Spuren stammen von steinzeitlichen Wohngruben, die etwa 2500 v. Chr. erbaut wurden.

Weitere Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit deuten auf eine durchgängige Besiedlung hin, die durch die Entdeckung eines Friedhofes im Jahre 1925 ab dem sechsten Jahrhundert als gesichert gelten kann. Iffezheim wurde erstmals als „Uffinsheim“ 1245 in einer Schenkungsurkunde der Markgrafen von Baden urkundlich erwähnt. Der Name, der sich im Laufe der Zeit über Uffesheim (1457), Uffisheim (1487), Uffentezheim (1512), Iffitzheim (1750), Iffetzheim (1800) und schließlich ab 1850 in Iffezheim wandelte, deutet auf eine Namensgebung zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert hin.

Die markgräflich badische Herrschaft über das Dorf manifestierte sich außer in Abgaben und Frondiensten in den vier großen Hofgütern: Frohnd- oder Herrenhof, Lettfuß-, Zoller- und Rusthof, deren Pachterträge in die Schatulle des Landesherrn wanderten. Wie in allen Gemeinden längs des Rheins lebten die Einwohner Iffezheims neben den Erträgen aus der Landwirtschaft vom Fischfang und der Rheinschifffahrt, was durch Anker und Paddel in dem Jahrhunderte alten Symbol im Wappen der Gemeinde ausgedrückt ist.

Im 14. und 15. Jahrhundert war Iffezheim ein bedeutender Marienwallfahrtsort, weil dort „die Mutter Godds viel Wunderzeichen bewirkt hatt“. Die Pilger konnten für ihren Besuch mit bis zu 100 Tagen Ablass rechnen.

1493 zählte Iffezheim zum Amt Stollhofen und bildete mit Sandweier eine politische und kirchliche Gemeinde. 1514 wurden die beiden Kirchspiele getrennt, kamen jedoch spätestens 1634 wieder zusammen. Erst ein Machtwort des Markgrafen brachte zu Beginn des 18. Jahrhunderts die endgültige, geordnete Teilung der Orte und Kirchspiele zustande.

Wegen Iffezheims Lage im zentralen Oberrheintal litt seine Bevölkerung unter den europäischen Kriegen der vergangenen Jahrhunderte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebte 1666 nur noch ein Drittel der Vorkriegsbevölkerung in dem zerstörten und verarmten Dorf. Kaum wiederaufgebaut, wurde das Dorf im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Soldaten des französischen Generals Mélac am 24./25. August 1689 mit Ausnahme dreier Häuser niedergebrannt. Nachfolgende Kriege brachten nicht mehr die totale Zerstörung, doch Einquartierungen, Frohnden und Unterhaltsleistungen führten das Dorf in den finanziellen Ruin.

Zur letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Iffezheimer Gemarkung kam es während der Niederschlagung der badischen Revolution am 30. Juni 1849, als preußische Ulanen und Infanterie eine zum Teil unbewaffnete Kompanie Korker Volkswehr gnadenlos niedermetzelten.

Am 28. Februar 1858 setzte Bürgermeister Severin Schäfer seine Unterschrift unter einen Pachtvertrag mit Oskar Eduard Bénazet über das bereits als Fasanenjagd von Baden-Baden genutzte Gelände „In der Bey“ und „Im Waichen“ für die Erstellung einer Pferderennbahn. Nachdem für 300 000 Francs eine von allen Seiten gelobte Rennbahn aus dem Boden gestampft worden war, hieß am 5. September 1858 kurz nach zwei Uhr die erste Siegerin „Amazone“. Seither ist das kleine Dorf am Rhein weltweit bekannt. Was für die Sportwelt und die mondänen Besucher des Weltbades Baden eine weitere Attraktion war, stellte für die Einwohner Iffezheims eine willkommene zusätzliche Einkommensquelle dar. Schlafzimmer und Ställe wurden geräumt und an die Renngäste und die vierbeinigen Stars vermietet. Ein Zubrot mit dem die kärglichen Erlöse aus Landwirtschaft, Fischerei und Handwerk aufgebessert wurden.

Im zweiten Weltkrieg am Nikolaustag 1942 wurde Iffezheim versehentlich von einem britischen Bomberpiloten angegriffen. Der Pilot, der sich in der Nacht an den Sternen orientieren musste, hielt einen Lichtschein für den Raststatter Bahnhof, der das Ziel seines Fluges war. Nach dem Ende des Krieges kehrte der Pilot nach Iffezheim zurück und entschuldigte sich bei dem damaligen Ratsschreiber.[2]

Noch 1957 zählte das Dorf bei 3000 Einwohnern 530 kleinbäuerliche Betriebe. Dies änderte sich in den folgenden Jahrzehnten rasant. 2003 zählte die Statistik noch 6 landwirtschaftliche Betriebe, die sich vor allem auf Spezialkulturen wie Spargel, Beeren und Saatgut spezialisiert haben. Mit der Kiesgewinnung und Kunststeinfabrik als Keimzelle bildete sich östlich des Dorfes ein Industriegebiet aus, dessen Firmen zusammen mit den innerörtlichen Gewerbe- und Handwerksbetrieben heute 1600 Arbeitsplätze anbieten.

Einer der frühesten Autofahrer in der Region kam aus Iffezheim, es war der Sägewerksbesitzer Thomas Schneider.

[Bearbeiten] Religionen

Katholische Kirchengemeinde St. Birgitta

Evangelische Kirchengemeinde Paul Gerhardt

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1847 1.376 30. Juni 2000 4.700
1850 1.508 30. Juni 2001 4.696
1900 1.782 30. Juni 2002 4.762
1914 1.961 30. Juni 2003 4.853
1918 2.053 30. Juni 2004 4.893
1930 2.251 30. Juni 2005 4.911
1939 2.374 30. Juni 2006 4.955
1950 2.504 30. Juni 2007 4.941
1960 3.082|
27. Mai 1970¹ 3.527|
30. Juni 1978² 3.728
30. Juni 1980 3.753
25. Mai 1987¹ 3.987
30. Juni 1987² 3.957
30. Juni 1995 4.608
30. Juni 1996 4.618
30. Juni 1997 4.633
30. Juni 1998 4.632
30. Juni 1999 4.699

¹ Volkszählung, ² Fortschreibung

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Bürgermeister

  • 1891–1893: Jakob Huber
  • 1893–1911: Konrad Mußler
  • 1911–1919: Johannes N. Huber
  • 1920–1932: Anton Oesterle
  • 1932–1939: Friedrich König
  • 1939–1945: Heinrich Hertweck
  • 1945–1961: Franz Xaver Huber
  • 1961–1978: Albin König
  • 1978–2002: Otto Himpel
  • Seit 2002: Peter Werler, CDU

[Bearbeiten] Gemeinderat

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

  1. CDU 44,8 % (-3,4) - 6 Sitze (-1)
  2. FWG 33,0 % (+2,9) - 5 Sitze (+1)
  3. SPD 22,2 % (+0,5) - 3 Sitze (=)

[Bearbeiten] Gemeindepartnerschaften

Iffezheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

[Bearbeiten] Wappen

Das heutige Wappen, welches bereits im 16. Jahrhundert gebräuchlich war, zeigt einen umgedrehten schwarzen Anker mit rotem Ruder auf weißem (silbernen) Grund. Offizielles Siegel der Gemeinde wurde es allerdings erst wieder 1900 auf Vorschlag des Generallandesarchives. Zwischenzeitlich war eine so genannte „Wolfsangel“ als Gemeindewappen gebräuchlich.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Verkehr

Iffezheim liegt verkehrsgünstig direkt an den Bundesstraßen B 36 und B 500 (die sogenannte Schwarzwaldhochstraße nach Waldshut) und die Autobahn A 5 kann über die Auffahrt Baden-Baden bzw. den Rasthof Baden-Baden innerhalb weniger Minuten erreicht werden.

Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Baden-Baden (ICE/IC) sowie in Rastatt. Mittelfristig ist der direkte Anschluss per Stadtbahn an den Karlsruher Verkehrsverbund geplant.

Südlich des Nachbarortes Hügelsheim befindet sich der Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airpark).

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Neben den Hauptarbeitgebern der Kies- und Betonindustrie haben sich im Industriegebiet zahlreiche andere Unternehmer angesiedelt.

Weiterhin befindet sich mit dem Rheinkraftwerk Iffezheim ein Laufwasserkraftwerk an der bei Iffezheim liegenden Staustufe des Rheins.

Aufgrund der Galoppsport-Rennbahn hat sich ein Trainingszentrum für Galopprennpferde sowie eine Pferdeklinik angesiedelt.

[Bearbeiten] Bildung

Iffezheim verfügt über eine Haupt- und Realschule sowie eine Grundschule. Der Landkreis Rastatt betreibt im Ort mit der Astrid-Lindgren-Schule eine Sprachheilschule (mit sonderpädagogischem Kindergarten). Zudem gibt es zwei römisch-katholische Kindergärten in Iffezheim.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sankt Birgitta Iffezheim im Weinbrenner-Stil

[Bearbeiten] Bauwerke

  • Im Ortskern steht die katholische Pfarrkirche Sankt Birgitta, die im sogenannten Weinbrenner-Stil (den formalen Regeln des Friedrich Weinbrenner folgend) 1830 erbaut wurde. Sie wurde vom Weinbrenner-Schüler Wilhelm Vierordt entworfen. Ihr besonderes Merkmal liegt in der Verbindung mit einem gotischen Vorgängerbau, von welchem der untere Teil des Turmes samt einigen Details erhalten blieb.
  • Staustufe Iffezheim mit Rheinkraftwerk Iffezheim, Schiffsschleuse und Fischtreppe. Die Schleuse Iffezheim besteht aus zwei Kammern und ist mit einer Länge von 270 m und einer Breite von 24 m bei einer Fallhöhe von ca. 11 m eine der größten deutschen Schiffsschleusen. Sie ist 24 Stunden in Betrieb, die Benutzung ist kostenlos.

[Bearbeiten] Internationale Galopprennen in Iffezheim

Seit 1858 finden auf dem Rennplatz Iffezheim Pferderennen statt, ab 1873 veranstaltet durch den Internationalen Club Baden-Baden. Dreimal im Jahr (bis 2003 nur zweimal) treten an insgesamt 15 Renntagen viele der besten Vollblüter aus Europa und teilweise aus Übersee gegeneinander an. Höhepunkt ist der mit 250.000 € dotierte Große Preis von Baden. 2004 wurde die für 10,2 Mio. € neu gebaute Bénazet-Tribüne eröffnet.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

Zu Ehren der Hl. Birgitta von Schweden findet alle vier Jahre rund um den Kirchplatz das Pfarrfest statt, zum nächsten mal wieder im Jahr 2011.

Erwähnenswert sind außerdem die jährlichen Fastnachtsveranstaltungen wie der Rathaussturm am Schmutzigen Donnerstag, der große Fastnachstumzug am Fastnachtssonntag und das „Chaisebuckelfest“ am Fastnachtsdienstag.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Ariane Stürmer: Verirrt über den Wolken. In: einestages - Zeitgeschichten auf Spiegel Online, 3.10.2008. Abgerufen am 4.10.2008

[Bearbeiten] Literatur

  • Kolpingsfamilie Iffezheim (Hrsg.): Iffezheim und seine Geschichte. Horst Dürrschnabel Druckerei und Verlag GmbH, Elchesheim-Illingen 1985.
  • Kurt Hochstuhl; Gemeinde Iffezheim (Hrsg.): Iffezheim. Die Geschichte eines Dorfes am Rhein. regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2006, ISBN 3-89735-465-9.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Iffezheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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