Gaggenau

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Gaggenau. Weitere Bedeutungen sind unter Gaggenau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gaggenau
Gaggenau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gaggenau hervorgehoben
48.8038888888898.3194444444444141Koordinaten: 48° 48′ N, 8° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 65,05 km²
Einwohner: 28.546 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 439 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76571
Vorwahlen: 07225, 07224 (Hörden), 07222 (Oberweier)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: RA, BH
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 015
Stadtgliederung: Kernstadt und 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 71
76571 Gaggenau
Webpräsenz: www.gaggenau.de
Oberbürgermeister: Christof Florus (parteilos)
Lage der Stadt Gaggenau im Landkreis Rastatt
Rhein Frankreich Rheinland-Pfalz Enzkreis Sinzheim Sinzheim Sinzheim Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Karlsruhe Landkreis Calw Landkreis Freudenstadt Landkreis Karlsruhe Landkreis Karlsruhe Ortenaukreis Ortenaukreis Ortenaukreis Au am Rhein Bietigheim Bischweier Bühlertal Bühlertal Bühlertal Bühl (Baden) Durmersheim Elchesheim-Illingen Forbach (Baden) Gaggenau Gernsbach Hügelsheim Iffezheim Kuppenheim Lichtenau (Baden) Loffenau Muggensturm Muggensturm Ötigheim Ottersweier Ottersweier Rastatt Rheinmünster Rheinmünster Rheinmünster Rheinmünster Sinzheim Steinmauern Weisenbach RheinKarte
Über dieses Bild

Gaggenau ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, rund acht Kilometer nordöstlich von Baden-Baden. Sie verfügt über große Industrieansiedlungen, ist nach der Kreisstadt Rastatt und der Stadt Bühl die drittgrößte Stadt des Landkreises Rastatt und bildet zusammen mit der südlichen Nachbarstadt Gernsbach ein Mittelzentrum innerhalb der Region Mittlerer Oberrhein. Seit 1. Januar 1971 ist Gaggenau Große Kreisstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Blick von Süden aufs Stadtzentrum

Gaggenau liegt beiderseits der Murg in einer Erweiterung des Murgtales an der Bundesstraße 462 Rastatt–Freudenstadt (Schwarzwald-Tälerstraße).

Der höchste Punkt im Stadtgebiet misst 750 m, der niedrigste Punkt 134 m ü. NN. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 10,6 km und in West-Ost-Richtung 10,3 km.

Nachbarkommunen[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Gaggenau (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Malsch, Marxzell (beide Landkreis Karlsruhe), Bad Herrenalb (Landkreis Calw), Loffenau und Gernsbach (beide Landkreis Rastatt), Baden-Baden (Stadtkreis) sowie Kuppenheim, Bischweier und Muggensturm (alle Landkreis Rastatt).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Gaggenaus gliedert sich in die Kernstadt Gaggenau und die acht Stadtteile Bad Rotenfels, Freiolsheim, Hörden, Michelbach, Oberweier, Ottenau, Selbach und Sulzbach. Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wobei die Kernstadt und die Stadtteile Ottenau und Bad Rotenfels zu einem Wohnbezirk zusammengefasst werden. Mit Ausnahme in den Stadtteilen Bad Rotenfels und Ottenau sind in den Stadtteilen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Für diese Ortschaften gibt es jeweils einen vom Volk gewählten Ortschaftsrat, der aus acht bis zehn Mitgliedern zu bestehen hat. Vorsitzender des Gremiums ist der Ortsvorsteher. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.[2]

Zum Stadtteil Freiolsheim gehören das Dorf Freiolsheim und die Weiler Mittelberg und Moosbronn. Zur Stadt Gaggenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1969 gehören die Stadt Gaggenau, das Dorf Ottenau (mit Gaggenau zusammengewachsen) und das Gehöft Amalienberg. Zu den Stadtteilen Hörden, Michelbach, Selbach und Sulzbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Oberweier gehören die Dörfer Oberweier und Niederweier. Zum Stadtteil Rotenfels gehören das Dorf Rotenfels und der Weiler Winkel.

In der Stadt Gaggenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1969 (auf Gemarkung Gaggenau, in etwa Gewann Heil) liegt die Wüstung Außermichelbach und im Stadtteil Oberweier die Wüstung Mittelweyer.[3]

Raumplanung[Bearbeiten]

Gaggenau bildet zusammen mit der südlichen Nachbarstadt Gernsbach ein Mittelzentrum innerhalb der Region Mittlerer Oberrhein, in welcher Karlsruhe die Position des Oberzentrums einnimmt. Zum Mittelbereich Gaggenau/Gernsbach gehören neben den beiden Städten Gaggenau und Gernsbach noch die Gemeinden Loffenau und Weisenbach.

Panorama des unteren Murgtals mit Gaggenau von der Ruine Ebersteinburg

Geschichte[Bearbeiten]

Gaggenau wurde 1243 unter dem Namen „Gaggenaw“ erstmals urkundlich erwähnt. Älter als die Kernstadt ist unter anderem der heutige Stadtteil Bad Rotenfels, der in einem kaiserlichen Schenkungsbrief bereits im Jahre 1041 genannt wurde. Bis ins 19. Jahrhundert blieb Gaggenau ein kleineres Dorf, das ursprünglich zum Ufgau, ab dem 13. Jahrhundert zur Markgrafschaft Baden bzw. ab 1535 zur Markgrafschaft Baden-Baden gehörte. Bis 1689 gehörte der Ort zum Amt Kuppenheim und dann zum Amt Rastatt, aus dem später der Landkreis Rastatt hervorging. 1691 wurde der Ort im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen fast vollständig zerstört. 1772 entstand unterhalb des Dorfes die Rindenschwendersche Glashütte und mit ihr mehrere Betriebswohnungen und Werkstätten.

Benz Gaggenau

Der eigentliche industrielle Aufschwung begann ab 1873 durch Gründung der Eisenwerke Michael Flürscheims, die auf das markgräfliche Hammerwerk zurückgehen. 1895 wurde hier bereits das 5-PS Automobil Orient Express gebaut, ab 1905 nannten sie sich Süddeutsche Automobilfabrik GmbH Gaggenau. 1907 erfolgte die Übernahme durch die Firma Benz & Cie. aus Mannheim bis zum Zusammenschluss 1926 zur Daimler-Benz AG.

Dadurch wuchs die Siedlung Gaggenau stark an und wurde schließlich am 15. September 1922 aufgrund ihrer Wirtschaftskraft zur Stadt erhoben.

Die NS-Machthaber errichteten im September 1944 im heutigen Ortsteil Rotenfels das Sicherungslager Rotenfels, wo in sechs Baracken etwa 1600 Frauen und Männer interniert wurden, die in den Daimler-Benz-Werken und anderen Betrieben Zwangsarbeit verrichten mussten. Etwa 500 von ihnen sind ums Leben gekommen. An sie erinnert seit 1985 im jetzigen Kurpark eine Gedenktafel, die im Beisein einstiger französischer Häftlinge angebracht wurde. Eine weitere Gedenkstätte am Waldfriedhof erinnert an 27 ermordete Häftlinge.[4]

Das Rathaus

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu etwa 70 % zerstört. Am 10. September 1944 griffen 140 Bomber vom Typ B-17 der 8. US-Luftflotte die örtliche Fahrzeugindustrie an, am 3. Oktober folgte ein Angriff durch 139 B-24. Nach dem Krieg wurde die Stadt mit regelmäßigem Straßennetz wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau wurde mit dem Neubau des Rathauses (1957–1958) abgeschlossen. Von 1951 bis 2002 wurde im Gaggenauer Daimler-Werk der Unimog gebaut, bevor die Produktion 2002 nach Wörth am Rhein verlegt wurde.

Anfang der 1970er Jahre wurden sechs Umlandgemeinden nach Gaggenau eingegliedert, dadurch verdoppelte sich die Einwohnerzahl und die Gemarkungsfläche verfünffachte sich, insbesondere durch die ehem. Gemeinde Rotenfels, die im Grundbesitz einer sehr großen Waldfläche (bis einschließlich zum Bernstein) war. Dadurch wurde die Mindestzahl von 20.000 Einwohnern für die Erhebung zur Großen Kreisstadt überschritten, weshalb die Landesregierung von Baden-Württemberg diese auf Antrag der Stadtverwaltung mit Wirkung vom 1. Januar 1971 beschloss.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Freiolsheim vom Mahlberg aus gesehen

Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Gaggenau eingegliedert. Sie gehörten alle zum Amt bzw. Landkreis Rastatt:

  • 1935: Ottenau
  • 1. Januar 1970: Rotenfels, Heilbad, mit dessen Ortsteil Winkel (heute: Bad Rotenfels)
  • 1. April 1970: Selbach
  • 1. September 1971: Freiolsheim mit dem Weiler Moosbronn und der Siedlung Mittelberg
  • 1. April 1972: Oberweier mit Niederweier
  • 1. April 1973: Sulzbach
  • 1. Januar 1975: Hörden und Michelbach

Bad Rotenfels, Gaggenau und Ottenau bilden zusammen eine „Ortschaft“ entsprechend der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohnerzahlen
1450 100
1550 350
1650 160
1790 520
1833 1.071
1. Dezember 1880 ¹ 1.522
1. Dezember 1905 ¹ 2.400
1. Dezember 1910 ¹ 3.120
1926 4.162
1935 6.600
17. Mai 1939 ¹ 7.741
Jahr Einwohnerzahlen
1945 ¹ 4.500
13. September 1950 ¹ 7.526
6. Juni 1961 ¹ 12.537
27. Mai 1970 ¹ 21.132
31. Dezember 1975 28.846
31. Dezember 1980 28.533
27. Mai 1987 ¹ 28.116
31. Dezember 1990 28.761
31. Dezember 1995 29.531
31. Dezember 2000 29.703
31. Dezember 2005 29.709

¹ Volkszählungsergebnis

Religionen[Bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Josef im Stadtzentrum

Gaggenau gehörte zum Bistum Speyer und war dem Landkapitel Kuppenheim zugeordnet. Ab 1555 wurde die Reformation eingeführt. Doch musste der Ort in der Folgezeit sechs mal die Konfession wechseln, bevor er dann fast ausnahmslos katholisch blieb. Bis 1891 war Gaggenau ein Filialort von Rotenfels, dessen Kirche Mutterkirche für das gesamte Umland war. Die heutige Kirche stammt jedoch aus der Barockzeit, die Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert. In Gaggenau gab es seit dem 17. Jahrhundert eine dem Hl. Wendelin geweihte Kapelle. 1899 erhielt Gaggenau dann eine eigene Pfarrkirche St. Josef. Auch die anderen Stadtteile Gaggenaus haben meist ältere katholische Kirchen. Alle Pfarrgemeinden kamen 1821/27 zum neu gegründeten Erzbistums Freiburg. Sie wurden dem Dekanat Murgtal zugeordnet. Heute gibt es im Stadtgebiet Gaggenaus folgende Kirchengemeinden: St. Josef Gaggenau, St. Marien Gaggenau, Maria Hilf Moosbronn-Freiolsheim, St. Johann Nepomuk Hörden, St. Michael Michelbach, St. Johannes der Täufer Oberweier, St. Laurentius Bad Rotenfels, St. Nikolaus Selbach, St. Anna Sulzbach und St. Jodocus in Ottenau.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Protestanten nach Gaggenau. Sie gründeten eine eigene Gemeinde und 1891 erhielt diese ihre eigene Kirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1953 jedoch wieder aufgebaut wurde. Die Gemeinde, der auch die Protestanten der meisten heutigen Stadtteile Gaggenaus angehören, gehört zum Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Gaggenau auch weitere christliche Gemeinden, wie etwa die Neuapostolische Kirche und die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Ferner leben in Gaggenau über 1100 (überwiegend türkische) Muslime. Die Sultan-Ahmet Moschee, die der DİTİB (Die Diyanet İşleri Türk İslam Birliği) angehört, liegt im Stadtteil Bad Rotenfels und hat über 200 Mitglieder.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[5]
Wahlbeteiligung: 46,8 % (2009: 49,7 %)
 %
40
30
20
10
0
32,3 %
27,0 %
23,7 %
7,5 %
9,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,41 %p
+0,24 %p
+3,57 %p
-4,58 %p
+0,37 %p

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat der Stadt Gaggenau hat insgesamt 26 Mitglieder, die den Titel Stadtrat führen. Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 brachte folgendes Ergebnis:[6]

Partei / Liste Sitze
CDU 9
FW 6
SPD 7
GRÜNE 2
FDP 2

Gegenüber der Wahl 2009 verlor die FDP einen Sitz, einen Sitz gewannen die Freien Wähler hinzu. Die sonstige Sitzverteilung blieb gleich.

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze des Ortes stand der vom Landesherrn auf Lebenszeit eingesetzte Schultheiß. Daneben gab es sechs Gerichtsleute. Später leitete ein von der Gemeindebevölkerung gewählter Bürgermeister und der Rat (Dorfgeschworene) die Gemeinde. 1832 wurde die Badische Gemeindeordnung, 1935 die deutsche Gemeindeordnung eingeführt, welche die Durchsetzung des Führerprinzips auf Gemeindeebene vorsah. Seit 1971 trägt das Stadtoberhaupt den Titel Oberbürgermeister. Sein Vertreter ist der Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.

Vögte, Bürgermeister und Oberbürgermeister

  • 1809–1820: Michael Merkel, Vogt
  • 1821: Jacob Holl, Vogt
  • 1822: Josef Schmidt, Vogt
  • 1823–1836: August Henkele
  • 1837–1840: Florian Götzmann
  • 1840–1849: Adam Hirth
  • 1849–1870: Daniel Henger
  • 1870–1877: Hieronymus Merkel
  • 1877: Kilian Fütterer
  • 1878–1881: Karl Lang
  • 1881–1902: Franz Bracht
  • 1902–1919: Karl Kohlbecker

Florus setzte sich am 25. März 2007 im zweiten Wahlgang durch. Gegenkandidaten waren Alois Degler, Wolfgang Seckler und der bisherige Oberbürgermeister Michael Schulz.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Gaggenau zeigt „in Rot einen silbernen Sester“ (= ein altes Getreidemaß). Die Stadtflagge ist weiß-rot.

Das Wappenbild ist schon in den Siegeln des Ortes aus dem 18. Jahrhunderts nachweisbar, doch erhielt der Ort 1901 zunächst ein Wappen, das in gespaltenem Schild ein halbes Zahnrad (die Industrie symbolisierend) und einen Glasbecher (für die Glasindustrie) zeigte. 1938 wurde das Wappen nach Eingliederung der Gemeinde Ottenau verändert. Es zeigte nunmehr erstmals den Gaggenauer Sester und das Ottenauer Rebmesser. 1958 setzte man beide Bilder in einen gespaltenen Schild. Nach der Gemeindereform konzentrierte man sich jedoch auf das alleinige Gaggenauer Zeichen, den Sester. Dieses Wappen wurde der Stadt Gaggenau am 7. Januar 1971 vom Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gaggenau unterhält seit 1970 mit der Stadt Annemasse in Frankreich und seit 2000 mit der Stadt Sieradz in Polen Städtepartnerschaften.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Die „klag-Bühne“ Gaggenau ist eine überregional bekannte Bühne für Kleinkunst, Musik und Theater mit Bewirtung. Veranstalter ist in der Hauptsache das Kulturamt der Stadt Gaggenau.

Museen[Bearbeiten]

  • Das Museum Haus Kast im Stadtteil Hörden zeigt Flößerei, Wald, Jagdgeschichte, Märchen und Sagen.
  • Im Stadtteil Michelbach gibt es ein Heimatmuseum.
  • Beim Stadtteil Bad Rotenfels, jedoch bereits auf Gemarkung von Kuppenheim-Oberndorf, befindet sich das von einem privaten Verein betriebene Unimog-Museum.

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Rotenfels

Die katholische Pfarrkirche St. Josef stammt aus dem Jahr 1899, die evangelische Markuskirche ursprünglich aus dem Jahr 1891. Beide wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt beziehungsweise zerstört und danach stark verändert wieder aufgebaut. Das Rathaus wurde 1957 erbaut, nachdem der Vorgängerbau ebenfalls zusammen mit den meisten Bauwerken im Stadtkern während der Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.

Im Stadtteil Bad Rotenfels befinden sich der Kurpark und an seinem Rand die Akademie Schloss Rotenfels. Das Hauptgebäude der Akademie ist ein repräsentativer Bau mit klassizistischem Säulenportikus. 1818–1827 wurde die bisherige Fabrikationshalle einer Steinzeugfabrik nach Entwurf von Friedrich Weinbrenner zum Landschloss umgebaut. Die barocke Pfarrkirche St. Laurentius in Bad Rotenfels wurde 1752–1766 durch Ignaz Franz Krohmer erbaut. Bei einer Renovierung 1902–1903 erhielt die Fassade neobarocke Überformungen. Es handelt sich dabei um das dritte Kirchengebäude an dieser Stelle. Die katholische Kirche St. Laurentius war eine Tochtergründung der vormaligen Pfarrei St.Sixtus in Kuppenheim und wird gerne als Mutterkirche des Murgtals bezeichnet. Von der Pfarrei Rotenfels wurden im Lauf der Jahrhunderte kleinere Kirchengemeinden in die Selbständigkeit abgespalten. Weitere Kirchen im Stadtgebiet sind die katholische Kirche St. Johann Nepomuk in Hörden (Baujahr 1894), die katholische Marienkirche im Fachwerkdorf Michelbach aus dem 13. Jahrhundert mit späteren Veränderungen, die katholische spätgotische Kirche St. Johannes der Täufer in Oberweier, die katholische Kirche Selbach aus dem Jahr 1756, die neuromanische Kirche von 1884 in Sulzbach und die neugotische Pfarrkirche von 1906 in Ottenau.

Im Oberdorf von Bad Rotenfels, am Ortsausgang Richtung Winkel, liegt die 1747–1752 erbaute Sebastianskapelle mit offener Vorhalle und Dachreiter, die kleiner ist als die umliegenden ländlichen Wohnhäuser.

In der Innenstadt und den Stadtteilen stehen viele Brunnen. Der bekannteste ist der 1981 erbaute Gänsebrunnen von Gudrun Schreiner am Bahnhofsplatz. Er greift die Gründungssage Gaggenaus auf, die besagt, dass dort, wo sich heute die Stadt Gaggenau befindet, einst ein Tümpel war, an dem sich die Gänse der Gegend tränkten. Durch das Gegackere der Gänse soll der Name Gaggenau entstanden sein. Auch Hörden hat einen interessanten Brunnen, den Flößerbrunnen. Er erinnert an das traditionelle Handwerk des Flößers. Die Wasserspeier stellen traditionelle Figuren des Hördener Karnevals dar: Den Fürig Barthel, die Schlempe und den Domino. Im früheren Ortskern von Bad Rotenfels, in der unteren Eichelbergstraße, wurde in den 1990er Jahren durch den Heimatverein ein alter Ziehbrunnen-Schacht wiederentdeckt, restauriert und als Zeitzeuge der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

1985 wurde mit der von dem Zürcher Architekten Justus Dahinden die einzigartige Kettenhaussiedlung „Gass“ fertiggestellt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Maimarkt (heute: „Gaggenauer Maitage“), aus den Marktrechten des früheren Bad Rotenfelser Jahrmarktes entstanden
  • Umweltmarkt
  • Herbstmesse
  • Künstler- und Handwerkermarkt
  • Nikolausmarkt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Stadtbahn im Bahnhof Gaggenau

Verkehr[Bearbeiten]

Gaggenau liegt an der Bundesstraße 462 Rastatt–Freudenstadt (Schwarzwald-Tälerstraße). Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Rastatt an der Bundesautobahn 5 Karlsruhe–Basel.

Ebenfalls durch die Stadt führt die Bahnlinie Rastatt–Freudenstadt (Murgtalbahn), auf der seit der durchgehenden Elektrifizierung im Jahr 2002 eine von Karlsruhe kommende Stadtbahnlinie verkehrt. Seither hat Gaggenau direkten Anschluss ans Straßenbahnnetz der Großstadt.

Bekannte ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Mercedes-Benz-Werk Gaggenau

Medien[Bearbeiten]

Über das lokale Geschehen in Gaggenau und dem Murgtal berichten die Tageszeitungen Badisches Tagblatt (BT) mit Sitz in Baden-Baden/Lokalredaktion Gaggenau und ihrer Lokalausgabe Der Murgtäler mit einer täglich verbreiteten Auflage von etwa 20.900 Exemplaren (Ausgabe Rastatt/Murgtal) und die Badische Neueste Nachrichten (BNN) – Sitz Karlsruhe/Lokalredaktion Gaggenau – mit der Lokalausgabe Rastatt/Gaggenau – verbreitete Tagesauflage hier etwa 9.500 Exemplare (Ausgabe "Mittelbaden" (Bereich Baden-Baden, Rastatt und Murgtal)). Stand 2012.

Als weiteres Medium fungiert die Gaggenauer Woche, welche unter anderem als amtliches Mitteilungsblatt dient und einmal pro Woche (donnerstags) an die Gaggenauer Haushalte kostenlos mit einer Auflage von etwa 16.000 Exemplaren verteilt wird. Dieses Mitteilungsblatt wird von Nussbaum Medien mit Sitz in Weil der Stadt verlegt, welche ein Außenbüro in der Stadt unterhalten.

Des Weiteren werden ebenfalls vom Badischen Tagblatt als Herausgeber, zwei kostenlose Anzeigen- und Lokalwirtschaftsnachrichtenjournale namens Wochenjournal WO – Ausgabe Murgtal und WO am Sonntag – Ausgabe Rastatt/Murgtal an die Haushalte kostenlos zugestellt. Auflage Wochenjournal WO: etwa 25.500 (Ausgabe Murgtal), Auflage WO am Sonntag: etwa 73.500 (Ausgabe Rastatt/Murgtal).

Bei entsprechenden Anlässen werden auch TV-Beiträge über Gaggenau und die Region vom Südwestrundfunk dem Regional-Fernsehsender R.TV Karlsruhe ausgestrahlt.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt Gaggenau hat ein Gymnasium (Goethe-Gymnasium), eine Realschule (Realschule Gaggenau), ferner drei Grund- und Hauptschulen mit Werkrealschule (Eichelbergschule Bad Rotenfels, Hebelschule und Merkurschule) sowie die Hans-Thoma-Grundschule und je eine Grundschule in den Stadtteilen Selbach (Eberstein-Grundschule), Hörden, Michelbach, Oberweier und Sulzbach. Weiterhin ist im Schulzentrum Dachgrub Bad Rotenfels eine vom Landkreis Rastatt getragene Förderschule (Erich Kästner-Schule) eingerichtet. Der Landkreis ist auch Träger der Carl-Benz-Schule, einer berufsbildenden Schule.

In Schloss Rotenfels ist seit 1996 die Akademie Schloss Rotenfels eingerichtet, die baden-württembergische Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Stadt Gaggenau hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • 1920: Theodor Bergmann (Unternehmer), Kommerzienrat, Begründer der Gaggenauer Automobilindustrie
  • 1928: Josef Vogt, Dekan, Ehrenbürger von Ottenau
  • 1929: Alois Degler, Brauereibesitzer
  • 1929: Felix Lohrmann, Industrieller
  • 1930: Karl Kohlbecker, Bürgermeister
  • 1958: Karl Degler, Brauereibesitzer
  • 1958: Wilhelm Rommel, Schmiedemeister
  • 1968: Josef Hollerbach, Bürgermeister
  • 1976: Kurt A. Dambach, Industrieller
  • 1977: Josef Grötz
  • 1977: Willi Roth
  • 1980: Josef Götzmann
  • 1984: Helmut Dahringer, Oberbürgermeister
  • 1984: Theodor Hurrle, Landtagsabgeordneter
  • 2010: Christoph Kohlbecker, Architekt
  • 2012: Friedrich Weiler, Rektor a.D.
  • 2013: Heinz Goll, Politiker

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere bekannte Persönlichkeiten in Gaggenau[Bearbeiten]

  • Jakob Scheuring (1912–2001), Sprint-Europameister 1938, startete für den Turnerbund Ottenau
  • Werner O. Feißt (1929–2006), SWR-Moderator und Fernsehproduzent, lebte seit Jahrzehnten bis zu seinem Tod in Gaggenau-Selbach

Literatur[Bearbeiten]

  •  Erich Keyser (Hrsg.): Badisches Städtebuch. In: Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages. Band IV, 2. Teilband, Stuttgart 1959.
  • Roland Feitenhansl: Von der Erzschmelze zur Schulkunstschmiede. Schloss Rotenfels im Murgtal (Gaggenau, Lkr. Rastatt). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jg. 2011, Heft 4, S. 241 f. (PDF)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gaggenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Gaggenau vom 13. März 1995, zuletzt geändert am 22. September 2008 (PDF; 1,4 MB; abgerufen am 17. September 2012)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 163–167
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 37, ISBN 3-89331-208-0
  5. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2014
  6. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2014