Jean-Luc Mélenchon

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Jean-Luc Mélenchon (2011)
Jean-Luc Mélenchon (Toulouse, 2013)

Jean-Luc Mélenchon (* 19. August 1951 in Tanger) ist ein französischer sozialistischer Politiker. Er ist Europaabgeordneter und Vorsitzender des Parti de Gauche. Er war Präsidentschaftskandidat des Wahlbündnisses Front de gauche bei der Präsidentschaftswahl 2012.

Mélenchon war von 1986 bis 2010 mit Unterbrechungen Mitglied des französischen Senats für das Département Essonne, wo er seit 1983 bereits Stadtverordneter, später auch stellvertretender Bürgermeister von Massy war. Von März 2000 bis Mai 2002 war er Minister für Berufsbildung im Kabinett Jospin. Gemeinsam mit Henri Emmanuelli vertrat Mélenchon die linkssozialistische Strömung Nouveau Monde innerhalb des Parti socialiste (PS). Obwohl sich die Partei in einer Urabstimmung für ein Ja zur europäischen Verfassung ausgesprochen hatte, betrieb Mélenchon Wahlkampf für ein Nein beim französischen Referendum über die Verfassung.

Im Jahr 2008 trat Mélenchon aus dem PS aus, als Ségolène Royal in einer Probeabstimmung um das Parteipräsidium den ersten Rang erreichte. Er warf Royal vor, einen "Rechtskurs" zu verfolgen, und kündigte an, mit dem Parti de Gauche eine neue linke Sammlungspartei gründen zu wollen.[1]

Bei der Europawahl in Frankreich 2009 war er Spitzenkandidat der neugegründeten Partei im Wahlkreis Sud-Ouest und zog als Abgeordneter in das Europäische Parlament ein. Wegen seiner im Vergleich zu anderen Abgeordneten häufigen Abwesenheit bei den Abstimmungen im Parlament[2] wurde Mélenchon in der Folge angegriffen.[3]

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 trat er als Kandidat an. Sein Wahlkampf fand in Medien und Öffentlichkeit starke Beachtung.[4] Im ersten Wahlgang erreichte er rund elf Prozent der Stimmen und damit den vierten Platz. Für den zweiten Wahlgang, in dem sich noch die Kandidaten François Hollande und Nicolas Sarkozy gegenüberstanden, sprach er eine Wahlempfehlung für Hollande aus.[5]

Bei der kurz nach der Präsidentschaftswahl stattfindenden Wahl zur Nationalversammlung trat er im Pas-de-Calais zur Wahl an[6], um nach eigenen Worten der dort in demselben Wahlkreis kandidierenden Anführerin des rechtsradikalen Front National, Marine Le Pen, "den Weg zu versperren". Mélenchon erreichte jedoch im ersten Wahlgang nur 21,5% der Stimmen und endete damit abgeschlagen hinter Le Pen (42,3%) und dem sozialistischen Kandidaten Philippe Kemel (23,7%).[7]

Mélenchon ist bekannt und berüchtigt, in weiten Kreisen auch beliebt für seinen unnachgiebigen, polemischen und - auch im Zwiegespräch mit Journalisten - häufig aggressiven Diskurs.[4][8][9] In Deutschland sorgten im Juni 2013 Äußerungen Mélenchons in einem Radiointerview auf France Inter für Aufregung, in denen er spöttische Kritik an den Deutschen übte.[10][11]

In der Krimkrise 2014 kritisierte er die Ukraine-Politik der USA und der EU. Das Vorhaben, die Nato-Grenzen näher an Russland zu verschieben, sei inakzeptabel, stupid, verantwortungslos und provokatorisch. Die USA bezeichnete er in diesem Zusammenhang als "nordamerikanische Marionettenspieler" und Teile der neuen ukrainischen Regierung als "pro-europäische Nazis".[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Luc Mélenchon – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Mélenchon et Dolez quittent le PS après la victoire de Royal. France24.com / Agence France Presse, 7. November 2008, abgerufen am 11. Juni 2013 (französisch).
  2. Jean-Luc Mélenchon. VoteWatch Europe, abgerufen am 11. Juni 2013 (englisch): „Participation in roll-call votes: 62.88% [...] Ranking: 727th.“
  3. Judith Duportail: Jean-Luc Mélenchon, cancre du Parlement européen. Le Figaro (online), 11. April 2013, abgerufen am 11. Juni 2013 (französisch).
  4. a b Stefan Simons: Roter Volkstribun spaltet das linke Lager. Spiegel Online, 28. März 2013, abgerufen am 12. Juni 2013.
  5. Erste Wahlrunde in Frankreich: Hollande siegt, Le Pen schockiert viele Franzosen. Spiegel Online, 23. April 2012, abgerufen am 11. Juni 2013.
  6. Wahlkampf in Frankreichs Norden: Duell der Populisten. Spiegel Online, 5. Juni 2012, abgerufen am 11. Juni 2013.
  7. Klarer Sieg der Linken in Frankreich. Schweizer Radio DRS, 11. Juni 2012, abgerufen am 11. Juni 2013.
  8. Congrès du Parti de gauche: le discours se durcit. L'Express (online), 24. März 2013, abgerufen am 12. Juni 2013 (französisch).
  9. Pour un Français sur trois, Mélenchon "a raison" de parler haut et fort. L'Express (online), 3. Mai 2013, abgerufen am 12. Juni 2013 (französisch).
  10. Michaela Wiegel: Unlustige Deutsche. Frankfurter Allgemeine Zeitung (online), 10. Juni 2013, abgerufen am 11. Juni 2013.
  11. Jean-Luc Mélenchon: Frankreichs Linken-Chef lästert über Deutschland. Spiegel Online, 10. Juni 2013, abgerufen am 11. Juni 2013.
  12. Mélenchon: les Occidentaux "irresponsables". Le Figaro (online)/AFP, 10. März 2014, abgerufen am 11. März 2014 (französisch).