Ralph Fiennes

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Ralph Fiennes bei der Präsentation seines Films Coriolanus auf der Berlinale 2011

Ralph Nathaniel Twisleton-Wykeham-Fiennes, gewöhnlich verkürzt auf Ralph Fiennes, Aussprache: ɹɑɫf faɪnz, (* 22. Dezember 1962 in Ipswich, Suffolk, England) ist ein britischer Schauspieler und Filmregisseur.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Ralph Fiennes ist der älteste Sohn von Mark (Fotograf und Illustrator, 1933–2004) und Jini Fiennes (Schriftstellerin; Künstlername: Jennifer Lash; 1938–1993). Aus dieser Ehe stammten ferner Magnus Hubert (Komponist und Musikproduzent), die Zwillinge Joseph Fiennes (ebenfalls Schauspieler – Shakespeare in Love, Luther) und Jacob Mark (Förster), außerdem die Töchter Martha Maria (Regisseurin) und Sophia Victoria (Dokumentarfilmregisseurin). Als Pflegebruder wuchs Michael Emery (Archäologe) mit ihnen auf. Der weitverzweigten Adelsfamilie Twisleton-Wykeham-Fiennes gehört auch der Forscher und Abenteurer Sir Ranulph Fiennes an. Fiennes ist Neffe des Theologieprofessors Nicholas Lash und Großneffe des Benediktinerpaters Dom Sebastian Moore.

Fiennes und seine Geschwister lebten – durch die Berufswechsel des Vaters bedingt – an verschiedenen Orten in England und Irland und wohnten unter anderem in West Cork.

Von 1993 bis 1997 war Ralph Fiennes mit der Schauspielerin Alex Kingston verheiratet, mit der er schon die Schauspielschule besucht hatte.

Zwischen 1995 und 2006 war er mit der britischen Schauspielerin Francesca Annis liiert, die er bei einer Hamlet-Produktion kennenlernte (Annis spielte darin Hamlets Mutter).

Ausbildung und Karriere[Bearbeiten]

Fiennes 2006 bei der Verleihung der Tony Awards

Schon in jungen Jahren fiel seine künstlerische Begabung seiner Mutter auf, die ihn und seine Geschwister intensiv förderte. Ralph Fiennes übernahm in zwei Filmen seiner Schwester (Onegin und Chromophobia) die Titelrolle.

Ralph Fiennes begann nach der Schule zunächst ein Studium in bildender Kunst an der Chelsea School of Art, wechselte aber nach einem Jahr ins Schauspielfach. Nach erfolgreichem Abschluss an der Royal Academy of Dramatic Art wurde er 1988 von der Royal Shakespeare Company engagiert. Seit 1987 ist er Mitglied des Royal National Theatre.

Fiennes ist der Bühne bis heute eng verbunden. So war er auch nach seinem internationalen Durchbruch mehrfach auf der Bühne zu sehen, beispielsweise als Shakespeares Hamlet oder in Ibsens Brand. Oft wird er deshalb mit Laurence Olivier verglichen.

Im Frühjahr 2006 wirkte er als Frank Hardy In Brian Friels Faith Healer auf der Bühne des Gate Theatre, Dublin, mit. Die erfolgreiche Produktion wechselte im Sommer an den Broadway in New York.

Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt jedoch im Sektor Film.

Die Darstellung des KZ-Kommandanten Amon Göth in Schindlers Liste brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein, ebenso die Rolle des Laszlo Almasy in Der englische Patient. Fiennes drang in seiner Darstellung des Mörders Göth und des tragischen Liebhabers Almasy in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche ein.

Seine Rollenauswahl reicht von historischen Figuren wie T. E. Lawrence, Marcel Proust über Romanverfilmungen, z. B. Michael Ondaatjes Der englische Patient, Peter Careys Oscar und Lucinda, Graham Greenes Das Ende einer Affäre, Alexander Puschkins Eugen Onegin, moralisch fragwürdige Menschen (oder Bösewichten) (Quiz Show, Roter Drache) bis zu romantischen Helden wie in Maid in Manhattan.

1998 wirkte er in dem Remake von Mit Schirm, Charme und Melone an der Seite von Sean Connery und Uma Thurman mit. Der Film floppte jedoch an den Kinokassen.

Ab dem vierten Teil der Verfilmung der Harry-Potter-Reihe (Harry Potter und der Feuerkelch) übernahm Ralph Fiennes die Rolle des Lord Voldemort, Harry Potters Erzfeind.

Darüber hinaus war Fiennes auch als Sprecher in zahlreichen Hörbuchproduktionen bzw. als Synchronsprecher für Trickfilme Wallace & Gromit aktiv.

Sozial engagiert er sich für Unicef (Unite for Children, Unite against AIDS), Wildaid und The Constant Gardener Trust.

2011 erhielt Fiennes für Coriolanus, sein Spielfilmdebüt als Regisseur, eine Einladung in den Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Berlin. Dabei handelt es sich um eine moderne Variante des gleichnamigen Shakespeare-Stoffes. 2013 inszenierte er mit The Invisible Woman seinen zweiten Film.

Im Jahr 2012 spielte Fiennes im James Bond-Film Skyfall den ehemaligen Geheimagenten Gareth Mallory, der im Verlauf des Films zum neuen „M“ wird. Somit übernimmt Fiennes Rolle die Position von Judi Denchs Figur, die sie in insgesamt sieben Bond-Filmen innehatte.

In dem Film Grand Budapest Hotel, der bei den Berliner Filmfestspielen 2014 den Silbernem Bären erhielt, spielte er die Hauptrolle.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1993: Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als Bester Nebendarsteller für Schindlers Liste
  • 1994: BAFTA Award als Bester Nebendarsteller für Schindlers Liste
  • 1995: Tony Award als Bester Hauptdarsteller für Hamlet
  • 1996: Saturn Award-Nominierung als Bester Hauptdarsteller für Strange Days
  • 1997: Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller für Der englische Patient
  • 1997: BAFTA-Nominierung als Bester Hauptdarsteller für Der englische Patient
  • 1999: Goldene Himbeere-Nominierungen als Schlechtester Schauspieler und Schlechtestes Leinwandpaar (mit Uma Thurman) für Mit Schirm, Charme und Melone
  • 2000: BAFTA-Nominierung als Bester Hauptdarsteller für Das Ende einer Affäre
  • 2000: Europäischer Filmpreis als Bester Darsteller für Ein Hauch von Sonnenschein
  • 2005: British Independent Film Award als Bester Hauptdarsteller für Der ewige Gärtner
  • 2005: BAFTA-Nominierung als Bester Hauptdarsteller für Der ewige Gärtner
  • 2006: Evening Standard British Film Award als Bester Hauptdarsteller für Der ewige Gärtner
  • 2009: Golden-Globe-Nominierung als Bester Nebendarsteller für Die Herzogin
  • 2009: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller' in einer Mini-Serie oder Fernsehfilm für Bernard and Doris
  • 2009: British Independent Film Awards-Nominierung als Bester Nebendarsteller für Die Herzogin

Sprecher (Auswahl)[Bearbeiten]

Ralph Fiennes hat mehrfach Prosa und Gedichte für Audiomedien eingelesen:[1]

  • Peter Carey: Oscar and Lucinda, Random House, 1997, ISBN 0679460985 (gekürzte Fassung, Audiocassetten)
  • Rudyard Kipling Readings by Ralph Fiennes at Bateman’s with incidental music, Droffig, 2003 (CD); Neuauflage: Orchid Classics, 2010 (CD)
  • Love Bade Me Welcome: Songs and Poetry from the Renaissance, BIS, 2005 (CD)
  • Michael Ondaatje: The English Patient, Random House Audio, 2007, ISBN 0739343947 (gekürzte Fassung; CD)
  • T. S. Eliot: Four Quartets, Faber & Faber, 2009, ISBN 0571249590 (CD)

Deutsche Synchronstimmen[Bearbeiten]

Fiennes wurde im Deutschen bisher primär von den einander sehr ähnlichen Stimmen von Peter Faerber (Schindlers Liste) und Udo Schenk (unter anderem in Der englische Patient, Onegin – Eine Liebe in St. Petersburg und Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein) synchronisiert, an dritter Stelle lieh ihm auch Marcus Off (z. B. in Der ewige Gärtner) mehrere Male seine Stimme.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ralph Fiennes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralph Fiennes: Audiobooks, audio cassettes and audio CDs