Kirschblüten – Hanami
| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | Kirschblüten – Hanami |
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Länge | 121 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK 12 |
| Stab | |
| Regie | Doris Dörrie |
| Drehbuch | Doris Dörrie |
| Produktion | Molly von Fürstenberg, Harald Kügler |
| Musik | Claus Bantzer |
| Kamera | Hanno Lentz |
| Schnitt | Inez Regnier |
| Besetzung | |
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Kirschblüten – Hanami ist ein Filmdrama von Regisseurin Doris Dörrie aus dem Jahr 2008 mit Elmar Wepper, Hannelore Elsner und Aya Irizuki in den Hauptrollen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Handlung
Trudi und Rudi Angermeier leben in einem kleinen bayerischen Dorf. Trudi erfährt nach einer ärztlichen Untersuchung, dass ihr Ehemann schwer krank ist und nicht mehr lange zu leben hat. Der Arzt schlägt eine letzte gemeinsame Unternehmung vor. Trudi beschließt, die Erkrankung geheim zu halten und den Rat zu befolgen. Sie überredet Rudi, mit ihr einige ihrer Kinder und Enkelkinder in Berlin zu besuchen. Dort angekommen stellen die beiden jedoch fest, dass ihre Kinder mit ihrem eigenen Leben so beschäftigt sind, dass sie sich nicht um die Eltern kümmern.
Sie beschließen daraufhin, an die Ostsee zu fahren. Dort stirbt Trudi unerwartet. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als er dann auch noch von der Freundin seiner Tochter erfährt, dass Trudi eigene Lebenspläne ihm zuliebe aufgegeben hatte, sieht er seine verstorbene Frau mit neuen Augen.
Rudi versucht, Trudis versäumtes Leben nachzuholen. Da ihre heimliche Leidenschaft Japan und dem japanischen Ausdruckstanz Butoh galt, reist Rudi zu seinem in Tokio arbeitenden Sohn Karl und zieht in dessen Wohnung ein. Karl ist von der Situation aber bald überfordert und wünscht seinen Vater wieder fort. Da lernt Rudi zur Zeit der Kirschblüte in einem Park die junge Japanerin Yu kennen, die ihm auffällt, weil sie dort täglich den Butoh tanzt. Yu lebt in einem Zelt, hat erst vor einem Jahr ihre Mutter verloren, kann Rudis Situation gut nachvollziehen und hilft ihm, sich in der Großstadt zurechtzufinden. Trotz sprachlicher Verständigungsprobleme und großer kultureller Unterschiede verstehen sich die beiden bald sehr gut.
Da Trudi gern den heiligen Berg Fuji gesehen hätte, überredet Rudi seine neue Freundin, mit ihm dorthin zu fahren. Der Berggipfel liegt jedoch hinter einer dichten Wolkendecke, und so beziehen die beiden ein Zimmer in einer traditionellen Pension an einem See und warten tagelang auf besseres Wetter. Rudis Gesundheitszustand verschlechtert sich. Als er eines Nachts erwacht und vor die Tür tritt, liegt der Fuji wolkenfrei im hellen Mondlicht. Rudi zieht die Kleider seiner Frau an, schminkt sich wie eine japanische Tänzerin und beginnt, am Seeufer die langsamen Bewegungen des Butoh nachzuahmen. In einer Vision erscheint ihm seine verstorbene Frau, nimmt ihn bei den Händen, und beide vereinen sich zum gemeinsamen Tanz vor der erhabenen Kulisse von Wasser und Berg.
Als Yu am folgenden Morgen Rudis leeres Bett sieht und nach ihm sucht, entdeckt sie ihn tot am Ufer des Sees. In seinem Gepäck findet sich ein Päckchen („For You, Yu“), in dem Rudi ihr seine gesamten Ersparnisse hinterlassen hat.
Zwei kontrastierende Szenen beschließen den Film: einerseits die Feuerbestattung Rudis in Japan, bei der sein Sohn Karl und Yu in einer feierlichen Zeremonie die in der Asche verbliebenen Knochenreste mit Stäbchen in eine japanische Urne legen; andererseits das von völligem Unverständnis geprägte Tischgespräch seiner übrigen Kinder in Deutschland, die sich über den kauzigen Vater und sein skandalöses Faible für Trudis Kleider und die Freundschaft zu der jungen Frau empören.
[Bearbeiten] Hintergrund
- Der Film hatte seine Premiere im Rahmen des Wettbewerbs der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2008.
- Filmstart in den deutschen Kinos war am 6. März 2008 im Majestic Filmverleih. Die Erstausstrahlung im TV erfolgte am 25. Februar 2010 durch den Fernsehsender ARTE.
- Der Film wurde produziert von "Olga Film GmbH", "ARD Degeto Film", "Bayerischer Rundfunk" und "ARTE".
- Nach 27 Wochen in den Kinos wurde der millionste Kinobesucher gezählt, damit wurde der Film zum bislang meistbesuchten Arthouse-Film und einer der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres 2008.
[Bearbeiten] Schauplätze in Japan
Karls Tokioter Wohnung liegt im Westen von Shinjuku, in unmittelbarer Nähe des von Kenzō Tange erbauten Wolkenkratzers, in dem die Tokioter Präfekturregierung sitzt (der Wolkenkratzer ist bei den Szenen, die am Hauseingang spielen, im Hintergrund zu sehen). Die Bahnhofsszenen, in denen Rudi auf seinen Sohn wartet und später mit Yu Fahrkarten kauft, zeigen den Südausgang des Bahnhofs Shinjuku, des größten Bahnhofs der Welt.
Auch Rudis einsame Trinktour mit anschließendem Zug durch Striplokale und Massagesalons spielt sich in Shinjuku ab, und zwar in Kabuki-cho, dem größten und bekanntesten Vergnügungsviertel Japans.
Die Hanami-Szenen wurden hauptsächlich an drei Orten im Großraum Tokio gedreht, die alle berühmt sind für Hanami:
- Die Szenen am Fluss zeigen die Flusspromenade in Meguro.
- Die Hanami-Party, bei der sich Karl hemmungslos betrinkt und das japanische Gaijin-Klischee bedient und Rudi von einem anderen Nicht-Japaner die Symbolik der Vergänglichkeit der Kirschblüte erklärt bekommt, findet im Yoyogi-Park statt.
- Der Park um den See, an dem Rudi Yu kennenlernt und mit ihr Butoh übt, ist der Inokashira-Park. Zu diesem Park kommt man von Shinjuku aus mit der Chūō-Hauptlinie (S-Bahn), die, wie im Film gezeigt, rote Waggons hat.
Die traditionelle japanische Pension „Maruyaso“ (丸弥荘), in der Rudi und Yu am Ende des Films übernachten, liegt am Kawaguchi-See in der Präfektur Yamanashi, am Fuße des Fuji.
[Bearbeiten] Kritiken
„… wenn sie (Doris Dörrie) zu ihren finalen Bildern kommt, Bildern von beinah unwirklicher Schönheit, hält man ungläubig den Atem an: weil sie die Größe hat, diesen Triumph so gar nicht auszukosten, weil sie den Moment mit einer Leichtigkeit wieder ziehen lässt, dass man ihn festhalten will wie eine kostbare Erscheinung, wie das Glück selbst. … “
– Süddeutsche Zeitung, 11. Februar 2008
„Ein Werk, das wirklich zu Herzen geht. Und nie ins Peinliche abgleitet. Das ist vor allem auch den Hauptdarstellern zu verdanken, die sich hier alt und ungeschminkt zeigen: Hannelore Elsner, die man nach der ersten Stunde schmerzlich vermisst, und Elmar Wepper, den die Dörrie spät noch fürs große Kino entdeckt hat.“
– Berliner Morgenpost, 12. Februar 2008
„… bewegend und ohne falsche Sentimentalität - nicht zuletzt wegen der grandiosen Leistungen von Hannelore Elsner und Elmar Wepper, der hier mit der ersten Hauptrolle im Kino gleich die Rolle seines Lebens spielt.“
– programmkino.de, 12. Februar 2008
„Wieder einmal hat Doris Dörrie Figuren erschaffen, die weder sie noch der Rest der Welt sonderlich ernst nehmen muss. Sich deren Auseinandersetzung mit dem Tod vom Leib zu halten fällt etwa so leicht wie die Lektüre der Brigitte im Wartezimmer.“
– TAZ, 13. Februar 2008
„Das Beste, was die deutsche Filmproduktion derzeit zu bieten hat.“
– film-dienst, Heft:04/08, VÖ: 14. Februar 2008
„… zu Tränen rührend und erstklassig besetzt, erzählt der gefeierte Berlinale-Beitrag von einem Paar, das in gewisser Weise erst durch den Tod wieder zueinander findet.“
– HÖRZU, Heft: 10, VÖ: 29. Februar 2008
„Auf ebenso berührende wie melancholische Weise kreist Doris Dörries neuer Film um die wiederkehrenden Themen ihres Werkes, um Liebe und Tod, um Trauerarbeit und Familienbeziehungen und um Japan als Perspektive für neuen Lebenssinn.“
– epd Film Das Kino-Magazin, Heft: 03/08, VÖ: 29. Februar 2008
„Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ ist ein Wolf im Schafspelz – der nur oberflächliche Anstrich mit fernöstlicher Lebensphilosophie verdeckt einen substanzlosen Film, der in der zweiten Hälfte auch noch ins Lächerliche abgleitet.“
– filmstarts.de, Februar 2008
[Bearbeiten] Auszeichnungen
- 2008: Bayerischer Filmpreis an Elmar Wepper als Bester Darsteller und an Olga Film - Molly von Fürstenberg/Harald Kügler als Bester Produzent
- 2008: Nominierung für den Goldenen Bären der Berlinale 2008
- 2008: Deutscher Filmpreis für den Besten männlichen Hauptdarsteller Elmar Wepper, Filmpreis in Silber in der Kategorie Bester Spielfilm, Filmpreis für Bestes Kostümbild. Weitere Nominierungen in den Kategorien Beste Regie, Drehbuch und Nebendarstellerin (Hannelore Elsner)
- 2008: Nominierungen für den Europäischer Filmpreis in der Kategorie Bester Darsteller (Elmar Wepper)
- 2008: Gilde-Filmpreis
- 2009: Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie Bester Darsteller (Elmar Wepper)
2008 kam der Film gemeinsam mit Tom Schreibers Dr. Alemán, Dennis Gansels Die Welle und Andreas Dresens Wolke Neun in die engere Auswahl als deutscher Bewerber für den Auslands-Oscar nominiert zu werden, hatte aber gegenüber Uli Edels Der Baader Meinhof Komplex das Nachsehen.[1]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ vgl. Neuer RAF-Film soll Oscar für Deutschland holen bei heute.de, 16. September 2008
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Webseite
- Kirschblüten – Hanami in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Kirschblüten – Hanami bei filmportal.de
- Zusammenstellung von Pressekritiken auf film-zeit.de
- Interview mit Doris Dörrie über „Kirschblüten – Hanami“, BERLINER ZEITUNG
- Interview mit Doris Dörrie über „Kirschblüten – Hanami“, DIE ZEIT
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