Schongau
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Weilheim-Schongau | |
| Höhe: | 726 m ü. NN | |
| Fläche: | 21,35 km² | |
| Einwohner: |
12.150 (31. Dez. 2011)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 569 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 86956 | |
| Vorwahl: | 08861 | |
| Kfz-Kennzeichen: | WM | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 90 148 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Münzstraße 13 86956 Schongau |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Karl-Heinz Gerbl (SPD) | |
| Lage der Stadt Schongau im Landkreis Weilheim-Schongau | ||
Schongau ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Der Hauptanteil der Stadt liegt am Westufer des Lechs im Pfaffenwinkel. Die gut erhaltene Altstadt wurde auf einem Lechberg errichtet und verfügt noch über eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer. Schongau ist die am westlichsten gelegene Stadt des Regierungsbezirks Oberbayern, und da der Lech recht genau die Sprachgrenze zwischen bairisch und schwäbisch markiert, wird der Lechrainer Dialekt gesprochen, der sowohl bayerische als auch alemannische Anteile enthält.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Der ovale Hügel, der von der alten Stadtmauer umringt wird, wurde in früherer Zeit von beiden Seiten vom Lech umflossen und wird deswegen Lechumlaufberg genannt. Auf diesem Berg befindet sich der Kern der Altstadt. Ein neueres Bebauungsgebiet ist Schongau-West.
Die Stadt ist Station an der Romantischen Straße zwischen Augsburg und Füssen und liegt somit oft auf dem Weg vieler Touristen, die zu den Königsschlössern nach Schwangau oder zur Wieskirche fahren.
Nachbargemeinden [Bearbeiten]
In unmittelbarer Nähe der Stadt befindet sich die Marktgemeinde Peiting auf der Ostseite des Lechs. Die Kreisstadt Weilheim in Oberbayern liegt ca. 25 km östlich. Lechabwärts, ebenfalls ca. 25 km entfernt, liegt die Große Kreisstadt Landsberg am Lech des benachbarten Landkreises. In näherer Umgebung findet man nördlich der Stadt die Dörfer Hohenfurch, Kinsau, Apfeldorf und Birkland. Eher westlich liegen die Dörfer Altenstadt (mit Ortsteil Schwabniederhofen), Schwabsoien (mit Ortsteil Sachsenried) und Ingenried. In Richtung Füssen (ca. 35 km entfernt) liegen die Dörfer Burggen und Bernbeuren. Ca. 25 km westlich von Schongau liegt Marktoberdorf, die Kreisstadt des Landkreises Ostallgäu, sowie die kreisfreie Stadt Kaufbeuren.
Geschichte [Bearbeiten]
Der Ursprung Schongaus ist das jetzige Altenstadt, ein großer Teil der Bewohner zog im 13. Jahrhundert nur wenige Kilometer weiter in die auf dem Lechumlaufberg gegründete Siedlung am Lech und nahm den Ortsnamen mit. Die Hügellage war bei weitem besser zu verteidigen. Die Stadt Schongau liegt ganz in der Nähe der ehemaligen Römerstraße nach Augsburg, der Via Claudia Augusta (47 nach Christus) und verdankt damit ihren Ursprung den Römern. Im Mittelalter war sie ein bedeutsamer Knotenpunkt und wichtiger Handelsplatz auf der Verkehrslinie Verona–Augsburg–Nürnberg und auf der Salzstraße vom Berchtesgadener Land ins Allgäu. Der Lechrain stand im 12. Jahrhundert unter der Herrschaft der Welfen, deren Zepter von der Nordsee bis zum Mittelmeer reichte. Nach dem Tode Welfs VI. im Jahre 1191 fielen die lechrainischen Güter an die Hohenstaufen. 1268 kam Schongau unter die Herrschaft der bayerischen Herzöge aus dem Hause Wittelsbach. Kaiser Ludwig der Bayer hatte Schongau 1331 ein eigenes Rechtsbuch mit Münzrecht verliehen.[2] Herzog Christoph der Starke hielt sich gerne ist der Stadt auf,[3] nach ihm ist die Christophstraße in der Altstadt benannt. Am 22. Mai 1493 vernichtete ein verheerender Brand weite Teile der Oberstadt und das herzogliche Pflegeschloss; erst 1514 war der Wiederaufbau größtenteils abgeschlossen.[2][3] Schongau war mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt und war öfter Durchgangs- bzw. Aufenthaltsort von freundlichen und feindlichen Truppen.
Durch Handel und den regen Fleiß seiner Bürger erlebte Schongau eine Blütezeit bis zur Zeit um die Entdeckung Amerikas, die eine Verlegung der großen Handelsstraßen zur Folge hatte. In der Folge wurde die Stadt so arm, dass bedeutende Gebäude wie das Schloss oder das Ballenhaus teilweise einfielen oder rückgebaut wurden, weil das Geld für die Dachsanierung fehlte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen Stadt und Umland durch Flüchtlinge deutlich an Einwohnern und entwickelten sich durch den prosperierenden Mittelstand zu einem Bezirk mit verhältnismäßig geringer Arbeitslosigkeit.
Den ersten Eisenbahnanschluss hatte die Stadt am 16. November 1886 durch die Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau und der Bahnanschluss in Richtung Weilheim wurde am 12. Januar 1917 durch das Teilstück von Peißenberg nach Schongau auf der Bahnstrecke Weilheim–Schongau eröffnet. Ursprünglich wegen des Bergbaus in Peiting gab es zwischen 1923 bis 1977 die Bahnstrecke Kaufbeuren–Schongau.
Schongau war früher Kreisstadt eines gleichnamigen Landkreises. Durch die bayerische Landkreisreform 1972 verschmolz dieser mit dem Landkreis Weilheim zum heutigen Landkreis Weilheim-Schongau. In der Stadt finden die Bürger auch heute noch einige Institutionen der Kreisbehörde, auch die Bezeichnung Altlandkreis Schongau wird heute gelegentlich verwendet.
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | 1840 | 1900 | 1939 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2000 | 2005 |
| Anzahl der Einwohner[4] | 1.555 | 2.472 | 3.647 | 6.599 | 8.832 | 11.006 | 10.182 | 12.168 | 12.449 |
Politik [Bearbeiten]
Bürgermeister [Bearbeiten]
Seit 1. Mai 2008 ist Karl-Heinz Gerbl (SPD) 1. Bürgermeister von Schongau. Er setzte sich bei der Kommunalwahl am 2. März 2008 gegen seine Kontrahenten Luitpold jun. Braun (CSU) und Michael Motz (Unabhängige Wählervereinigung) durch.
Stadtrat [Bearbeiten]
| Partei / Liste | Wahl 2008[5] | Wahl 2002[6] | ||
|---|---|---|---|---|
| Stimmenanteil | Sitze | Stimmenanteil | Sitze | |
| CSU | 38,6 % | 9 | 39,7 % | 10 |
| SPD | 33,0 % | 8 | 33,6 % | 8 |
| Unabh. Wählervereinigung Schongau | 20,8 % | 5 | 21,3 % | 5 |
| Alternative Liste Schongau/Grüne | 7,6 % | 2 | 5,4 % | 1 |
| Gesamt | 100 % | 24 | 100 % | 24 |
| Wahlbeteiligung | 61,1 % | 64,2 % | ||
Wappen [Bearbeiten]
Blasonierung: „In Gold ein schwarzer Adler mit roter Zunge, im Brustschild die bayerischen Rauten.“[7] Das Wappen wurde der Stadt 1331 durch den Kaiser Ludwig dem Bayern verliehen.[8]
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
| Die Schongauer Städtepartnerschaften | ||||
|---|---|---|---|---|
| Colmar | Elsass, Frankreich | seit 1962 | ||
| Lucca | Toskana, Italien | seit 1962 | ||
| Sint-Niklaas | Flandern, Belgien | seit 1962 | ||
| Abingdon | Oxfordshire, Vereinigtes Königreich | seit 1970 | ||
| Gogolin | Woiwodschaft Oppeln, Polen | seit 1996 | ||
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Schongau
- Altstadt Schongau: Die Altstadt von Schongau ist auf Basis des Denkmalschutzgesetzes vom 1. Oktober 1973 ein Ensemble.
- Ballenhaus: Das Erdgeschoss war früher Lagerraum und Schranne für die Warenströme der Handelsstraßen. In den Obergeschossen war die Stadtverwaltung.[9] 1858 bis 1860 wurde wegen Schäden fast ein Drittel des Gebäudes abgetragen.[9][10]
- Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt: Kirche mit Rokokoausstattung mit Fresken von Matthäus Günther und Stuck der Wessobrunner Schule.[11]
- Stadtmauer: Diese Mauer stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie hatte früher fünf Tore und sechzehn Türme.[12]
- Polizeidienerturm: Im 19. Jahrhundert wurde das ehemalige umgebaute Stadttor von einem Polizeidiener bewohnt.[13]
- Münzgebäude: An der nördlichen Stadtmauer gelegen wurde dort bis Mitte des 16. Jahrhunderts das Münzrecht ausgeübt. 1771 wurde es nochmal neu erbaut.[10]
- In der Nähe von Schongau (Gemeindegebiet Peiting) befindet sich heutzutage mit dem Funkturm Rottenbuch der höchste Holzturm in Deutschland.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Verkehr [Bearbeiten]
Straße: In Schongau kreuzten sich zwei Bundesstraßen, bis diese 1997 gemeinsam auf einer gut ausgebauten Umgehungsstraße westlich und südlich über die Lechtalbrücke Schongau um Schongau und Peiting herumgeführt wurden. Die B 472 kommt aus Richtung Bad Tölz und führt weiter nach Marktoberdorf, die B 17 erreicht Schongau auf ihrem Weg von Augsburg nach Füssen. Letztere ist zwischen Landsberg am Lech und Schongau zu einer größtenteils dreispurigen Schnellstraße ausgebaut.
Schiene: Schongau ist Endpunkt der sogenannten Pfaffenwinkelbahn, die von Weilheim über Peißenberg und Peiting nach Schongau führt. Auf dieser Strecke verkehren stündlich Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. Eine weitere funktionstüchtige Schienenverbindung existiert in Richtung Landsberg am Lech (über Denklingen und Fuchstal), auf ihr findet nur noch Güterverkehr statt, der durch die Augsburger Localbahn abgewickelt wird. Die Initiative Fuchstalbahn e. V. macht sich für eine Reaktivierung des Personenverkehrs auf dieser Strecke stark. Bis in die 1970er-Jahre existierte zudem noch eine Nebenstrecke nach Kaufbeuren (Bahnstrecke Kaufbeuren–Schongau). Heute befindet sich auf einem großen Abschnitt der ehemaligen Trasse ein Radweg, der Teil der sogenannten Dampflokrunde ist. Früher hatte Schongau ein eigenes Bahnbetriebswerk, das Gebäude stand noch bis ins Jahr 1997.[14][15]
Ansässige Unternehmen [Bearbeiten]
Schongau war bis ins 19. Jahrhundert das Handels- und Verwaltungszentrum der Region. Das Schloss (heute Teil des Landratsamtes) und das noch vorhandene Amtsgericht zeugen davon. Danach entwickelte es sich zu einer Industriestadt im Grünen. Das umsatzstärkste Unternehmen ist der Papierhersteller UPM-Kymmene (vormals Haindl), der mit dem Rohstoff Altpapier einen überregionalen Einzugsbereich (Süddeutschland und angrenzende Staaten) hat. Der größte Arbeitgeber im Ort ist die Firma Hoerbiger (Industrie- und Fahrzeugkomponenten). Relativ stark vertreten sind auch die Transportunternehmen. Des Weiteren finden sich hier Zuliefererbetriebe für die Automobilindustrie (Hirschvogel Komponenten GmbH, ein Tochterunternehmen der Hirschvogel Automotive Group), Textilproduktion und Dienstleistungen u. a. auch für den Tourismus.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Johannes Schlitpacher (1403–1482), Mönch, Theologe, Mitbegründer der Melker Reform
- Hans Reichle (* ca. 1565–70; † 1642), Bildhauer und Architekt
- Uwe Dick (* 1942), Schriftsteller
- Reinhold Bocklet (* 1943), CSU-Politiker
- Günther Sigl (* 1947), Gründungsmitglied, Sänger und Bassist der Spider Murphy Gang
- Franz Dobler (* 1959), Journalist und DJ
- Helmut Schleich (* 1967), Kabarettist
- Christian Pfeiffer (* 1970), Stunt-, Trial- und Endurofahrer
- Andreas Loth (* 1972), Eishockeyspieler
- Michael Kreitl (* 1975), Eishockeyspieler
- Christian Veit (* 1980), Profi-Snowboarder, Juniorenweltmeister 1999, Nationalmannschaft 1999–2007
- Stefan Schauer (* 1983), Eishockeyspieler
- Christoph Melischko (* 1983), Eishockeyspieler
- Simon Maier (* 1987), Eishockeyspieler
- Bernhard Ebner (* 1990), Eishockeyspieler
Persönlichkeiten, die in dieser Stadt gewirkt haben [Bearbeiten]
- Heinrich Huber (1879–1916), Kirchenkomponist
- Fritz Dopfer (* 1987), Alpiner Skilauf
Literatur [Bearbeiten]
- Geschichte und Denkwürdigkeiten der Stadt Schongau. Erstauflage von 1852, Nachdruck von 1969 durch den Verlag der Schongauer Nachrichten.
Weblinks [Bearbeiten]
- Schongau: Wappengeschichte vom HdBG
- Links zum Thema Schongau im Open Directory Project
- Schongau: Amtliche Statistik des LStDV (PDF; 1,24 MB)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
- ↑ a b Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Band 2, Lipp Verlag, München 2003, ISBN 3-87490-585-3, S. 372.
- ↑ a b Sigfrid Hofmann: Geschichte der Stadt Schongau. In: Schongau Herzstück des Pfaffenwinkels. S. 46.
- ↑ Kommunalstatistik von Schongau, abgerufen am 23. Oktober 2010 (PDF; 1,06 MB)
- ↑ Ergebnis der Kommunalwahl 2008, abgerufen am 23. Mai 2011
- ↑ Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 23. Mai 2011
- ↑ Schongau: Wappengeschichte vom HdBG
- ↑ Website der Stadt Schongau: Stadtgeschichte & Wappenbeschreibung, abgerufen am 1. November 2009
- ↑ a b Hans und Karl Pörnbacher: Schongau – Tor zum Pfaffenwinkel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008, ISBN 978-3-89870-516-5, S. 20.
- ↑ a b Sigfrid Hofmann: Kurze Stadtgeschichte von Schongau. In: Lech-Isar-Land. 1974, S. 149.
- ↑ Hans und Karl Pörnbacher: Schongau – Tor zum Pfaffenwinkel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008, ISBN 978-3-89870-516-5, S. 15ff.
- ↑ Hans und Karl Pörnbacher: Schongau – Tor zum Pfaffenwinkel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008, ISBN 978-3-89870-516-5, S. 26.
- ↑ Schild mit Inschrift am Turm
- ↑ Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. EOS Verlag, St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7455-9, S. 212–215
- ↑ Das Bw Schongau. In: Eisenbahn Journal Ausgabe 6/1985 vom September, ISSN 0720-051X, Verlag: H. Merker, S. 36 ff
Altenstadt | Antdorf | Bernbeuren | Bernried am Starnberger See | Böbing | Burggen | Eberfing | Eglfing | Habach | Hohenfurch | Hohenpeißenberg | Huglfing | Iffeldorf | Ingenried | Oberhausen | Obersöchering | Pähl | Peißenberg | Peiting | Penzberg | Polling | Prem | Raisting | Rottenbuch | Schongau | Schwabbruck | Schwabsoien | Seeshaupt | Sindelsdorf | Steingaden | Weilheim i.OB | Wessobrunn | Wielenbach | Wildsteig
