Lahntal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Gebiet entlang des Flusses siehe Lahn, zum ehemaligen Stadtbezirk Lahntal siehe Stadt Lahn.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lahntal
Lahntal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lahntal hervorgehoben
50.8644444444448.6933333333333217Koordinaten: 50° 52′ N, 8° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 217 m ü. NHN
Fläche: 40,49 km²
Einwohner: 6855 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35094
Vorwahlen: 06420, 06423
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 012
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Oberdorfer Straße 1
35094 Lahntal
Webpräsenz: www.lahntal.de
Bürgermeister: Manfred Apell (SPD)
Lage der Gemeinde Lahntal im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg) Biedenkopf Breidenbach Steffenberg Angelburg Bad Endbach Dautphetal Gladenbach Lohra Fronhausen Wetter (Hessen) Lahntal Rauschenberg Wohratal Cölbe Weimar (Lahn) Marburg Ebsdorfergrund Neustadt (Hessen) Kirchhain Amöneburg Stadtallendorf Nordrhein-Westfalen Landkreis Waldeck-Frankenberg Schwalm-Eder-Kreis Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Lahntal befindet sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf im nordwestlichen Mittelhessen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lahntal liegt an der oberen Lahn etwa 83 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main und zirka sieben Kilometer nordwestlich von Marburg.

Westlich der Gemeinde ragt der 498 Meter hohe Rimberg auf.

Naturraum[Bearbeiten]

Die Lahn flussabwärts von Westen nach Osten betrachtet gehören Brungershausen, Kernbach und Caldern naturräumlich zum Oberen Lahntal, während Sterzhausen, Goßfelden, Sarnau und Göttingen in der Wetschaft-Senke liegen. Das Obere Lahntal ist die nördliche Nahtstelle des Gladenbacher Berglandes zu den Ausläufern des Rothaargebirges (Wittgensteiner Bergland und Sackpfeife nebst Vorhöhen).

Klima[Bearbeiten]

Das Gebiet Lahntals liegt im warm-gemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer im oberen Lahntal ungefähr 15–16 °C unteren (Wetschaftssenke)16–17 °C und im Winter etwa –1 °C bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt im oberen Lahntal zirka 800–1000 mm, im unteren 700–800 mm [2].

Gewässer[Bearbeiten]

Die Mündung der Wetschaft in die Lahn

Das größte Fließgewässer in Lahntal ist die Lahn. Sie durchfließt das Gemeindegebiet im nördlichen Bereich von Westen (Gemeinde Dautphetal) nach Osten (Gemeinde Cölbe), teils Richtung Südosten. Die Wetschaft fließt ihr von Norden (Wetter (Hessen)) zu. Südöstlich von Göttingen mündet die Wetschaft auf 192 m ü. NN linksseitig in die Lahn. Alle anderen Bäche innerhalb Lahntals sind aus geographischen Gründen sehr kurz und speisen ebenfalls mittelbar oder unmittelbar die Lahn, wie beispielsweise die Sarnau, die bei dem Ortsteil Sarnau in die Lahn mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Lahntal grenzt im Norden und Osten an die Stadt Wetter, im Südosten an die Gemeinde Cölbe, im Süden an die Stadt Marburg, sowie im Westen an die Gemeinde Dautphetal (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Lahntal besteht aus den folgenden Ortsteilen (in Klammern Einwohnerzahlen[3]):

Geschichte[Bearbeiten]

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen schlossen sich am 31. Dezember 1971 die bisher selbständigen Gemeinden Caldern (mit den ehemaligen Gemeinden Caldern und Kernbach) und Sterzhausen zu einer Gemeinde mit dem Namen Lahntal zusammen. Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Lahntal mit den Gemeinden Brungershausen, Göttingen und Lahnfels (mit den ehemaligen Gemeinden Goßfelden und Sarnau) zu einer Gemeinde mit dem Namen Lahntal zusammengeschlossen.[4] Die einzelnen Ortsteile haben voneinander unabhängige historische Wurzeln.[5]

In der Nähe des Ortsteils Brungershausen wurde 1992 ein Burgstall, der Burgstall Brungershausen, aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, entdeckt. Ob die Burg, über die es keine Belege gibt, in Verbindung mit der Adelsfamilie „de Brungodeshusen“ steht, ist bisher ungeklärt.

Die Kirche in Caldern war Mittelpunkt eines Zisterzienserinnen-Klosters von der noch Reste erhalten sind und die als landgräfliches Gericht um 800 n.Chr. erwähnt wurde.

Der Ortsteil Göttingen wurde erstmals im Jahre 1306 erwähnt und war aufgrund seiner Lage von jeher ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Seit dem Dreißigjährigen Krieg führte die Handelsstraße von Frankfurt nach Bremen durch Göttingen und Cölbe und die alte Niederrheinische Straße von Göttingen nach der Eibenhardt am Chausseehaus von Bürgeln vorbei.

Das bereits um 850 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda erstmals erwähnte Goßfelden war jahrhundertelang dem Deutschen Ritterorden in Marburg zugehörig. Zu der ab Beginn des 19. Jahrhunderts bestehenden Synagogengemeinde in Goßfelden[6] gehörten die jüdischen Bewohner von Caldern, Goßfelden, Sterzhausen und Wetter.

Der Wehrturm der Kirche von Sterzhausen, eines der ältesten Gebäude Lahntals

Erstmals wurde der Ortsteil Kernbach laut Aufzeichnungen des Staatsarchivs Marburg um 1130 mit dem Namen „Cagernbach“ erwähnt. Später wurde nach Urkunde aus dem des Klosters Caldern im Jahre 1254 der Ort unter dem Namen „Kerenbach“ geführt.

Der Name des Ortsteiles Sarnau ist keltischen und slawischen Ursprungs. Sarnowa bedeutet Rehaue oder Rehwiese. Keramische Funde lassen auf eine entsprechend frühe Besiedlung schließen. In einer Urkunde taucht Sarnau erstmals um das Jahr 1200 auf. 1322 verwaltet der Ritter Gottschalk von Sarnowe den Ritterhof in Sarnau.

Das Dorf Sterzhausen gehörte im 13. Jahrhundert zur Grafschaft Wetter, für das aus alten Urkunden und Aufzeichnungen verschiedene Schreibweisen bekannt sind, wie Steinerthusen (1280), Stereshusen (1330) und Stertzhausen (1570). Der weithin sichtbare Wehrturm der Kirche von Sterzhausen ist mit Abstand das älteste Gebäude. Sehr wahrscheinlich gehen die Grundmauern des Turmes auf eine romanische Kapelle zurück. Die ältesten Balken im Turm sind auf das Jahr 1246 datiert worden. Im Chorraum sind Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert erhalten.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Gemeindeauflösungen fanden in der Zeit vom 31. Dezember 1970 bis zum 1. Juli 1974 statt.[8]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Brungershausen 1. Juli 1974
Caldern 31. Dezember 1971 Gründung der Gemeinde Lahntal
Goßfelden 31. Dezember 1970 Zusammenschluss mit Sarnau zu Lahnfels
Göttingen 1. Juli 1974
Kernbach 31. Dezember 1970 Eingemeindung nach Caldern
Lahnfels 1. Juli 1974
Sarnau 31. Dezember 1970 Zusammenschluss mit Goßfelden zu Lahnfels
Sterzhausen 31. Dezember 1971 Gründung der Gemeinde Lahntal

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [9]

Gemeindewahl in Lahntal 2011
 %
50
40
30
20
10
0
48,0 %
20,4 %
16,4 %
15,2 %
n. k.
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-3,4 %p
-1,8 %p
+16,4 %p
+7,6 %p
-12,9 %p
-5,9 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 48,0 15 51,4 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 20,4 6 22,2 7
BLL Bürgerliste Lahntal 16,4 5
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,2 5 7,6 2
BÜRGERBLOCK Bürgerblock Goßfelden-Sarnau-Göttingen 12,9 4
WG Wählergemeinschaft Lahntal-Sterzhausen 5,9 2
Gesamt 100 31 100 31
Wahlbeteiligung in % 51,3 52,1

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Lahntal zeigt im roten, durch einen mit dem Deutschordensschild (schwarzes durchgehendes Kreuz in Silber) belegten silbernen Wellenbalken, geteilten Schild hinter dem Herzschild einen schräggestellten und nach innen gekehrten goldenen Äbtissinnenstab mit silbernem Velum, begleitet oben links von drei, unten von vier silbernen, dreiblättrigen Kleeblättern. Das Wappen wurde nach der Gemeindebildung im Rahmen der hessischen Gebietsreform angenommen, und verweist mit dem Wellenbalken auf den namensgebenden Fluss. Die Zahl der Kleeblätter entspricht der Anzahl der Ortsteile, von denen mit dem Äbtissinnenstab auf Caldern (ehemaliges Kloster) und mit dem Deutschordensschild auf den südlich der Lahn gelegenen Teil von Goßfelden verwiesen wird.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lahntal ist seit dem 6. April 1986 mit der französischen Gemeinde Sussargues verschwistert. Sussargues liegt im südfranzösischen Department l’Herault in unmittelbarer Nähe zu Montpellier (etwa 17 Kilometer) und zum Mittelmeer. Die Entfernung zwischen Lahntal und Sussargues beträgt in etwa 1050 Kilometer.
Zwischen der polnischen Gemeinde Stara Kiszewa und der Gemeinde Lahntal wurde am 10. Januar 2005 in Polen die Gemeindepartnerschaft in einem Festakt besiegelt. Die Unterzeichnung in Lahntal hat am 26. Mai 2006 stattgefunden. Die Gemeinde Stara Kiszewa hat rund 6200 Einwohner in etwa 20, teilweise sehr kleinen Ortsteilen und liegt im Landkreis Koscierzyna, etwa 80 Kilometer südlich von Gdansk (Danzig) und 80 Kilometer westlich von Malbork (Marienburg) in der touristisch interessanten Region Kaschubei.

Interkommunale Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lahntal arbeitet seit 2007 verstärkt mit den Kommunen Cölbe, Münchhausen und Wetter in mehreren Gebieten zusammen. Neben der Zusammenarbeit im sogenannten Nordkreis bei klassischen Verwaltungsaufgaben, wie Geschwindigkeitskontrolle und Bauhof, werden auch die wichtigen kommunalen Zukunftsaufgaben Demografischer Wandel, nachhaltige und klimaschonende Energieversorgung, sowie Kinder- und Jugendförderung interkommunal bearbeitet. Gemeinsam werden hierzu auch zwei Messen ausgerichtet, „Wohnen im Alter“ und die „Solarmesse“[10].

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet verläuft in West-Ost-Richtung die Bundesstraße 62 aus Richtung Biedenkopf nach Cölbe und weiter in Richtung Alsfeld. Im Ortsteil Göttingen endet die aus nördlicher Richtung kommende Bundesstraße 252 aus Diemelstadt bzw. Korbach.

Die Obere Lahntalbahn verbindet Marburg über Biedenkopf und Bad Laasphe mit Erndtebrück. Sie wird von der Kurhessenbahn betrieben. Es bestehen Haltepunkte in Caldern, Sterzhausen und Goßfelden. Der Bahnhof Sarnau wurde im Juli 2010 für den Personenverkehr aufgelassen und zum Betriebsbahnhof umgewandelt. Stattdessen wurde am 4. Juli 2010 der Haltepunkt Lahntal-Sarnau eröffnet.

Tourismus[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lahntal gehört mit Teilen ihres Gebietes jeweils zur Region Burgwald-Ederbergland, zur touristischen Destination Lahntal und zum Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Sie liegt am Lahntal-Radweg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Name Daten Verleihung am Ehrenbezeichnung
Ludwig Weiershäuser * 20. Mai 1915; † 10. Januar 2005 12. Oktober 1972 Gemeindeältester
Jakob Schmidt * 17. November 1914; † 7. August 2006 17. November 1984 Altbürgermeister
Hans Becker * 2. Dezember 1930; † 30. März 2002 17. März 1995 Ehrenortsbrandmeister
Helwig Veit * 9. Februar 1922; † 5. Juli 1996 8. Dezember 1995 Altbürgermeister
Jost Funk * 3. November 1926 16. Juni 1997 Altbürgermeister
Johannes Laukel * 5. Oktober 1928; † 27. Juli 2005 24. Juni 1999 Ehrenbeigeordneter
Justus Gimbel * 30. April 1934; † 18. Februar 2006 18. Juni 2001 Ehrenbeigeordneter
Matthias Peter * 3. Oktober 1927 18. Juni 2001 Ehrenbeigeordneter
Heinrich Ebert * 14. April 1935 26. August 2002 Ehrenortsvorsteher
Jakob Bickhard * 10. März 1933 17. Dezember 2003 Gemeindeältester
Jakob Opper * 4. Februar 1929 6. Juli 2006 Ehrenortsvorsteher
Hermann Kuhn * 21. Oktober 1949 6. Juli 2006 Ehrenortsvorsteher
Jakob Kraus * 11. Mai 1915 19. September 2006 Gemeindeältester
Otto Ruppersberg * 30. November 1931 19. September 2006 Gemeindeältester
Wilhelm Damm * 28. März 1931 19. September 2006 Gemeindeältester
Helmut Heck * 12. Oktober 1951 30. Januar 2007 Gemeindeältester
Werner Reinl * 15. November 1950 30. Januar 2007 Gemeindeältester
Paul-Heinz Schmidt * 24. März 1933; † 30. Oktober 2007 28. Juni 2007 Ehrenbeigeordneter
Ludwig Schmidt * 18. Oktober 1934 18. Oktober 2009 Ehrenbeigeordneter und Ehrenstandesbeamter

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Umweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006]
  3. Zahlen von Juni 2008, lahntal.de (abgerufen am 25. Juni 2012)
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) vom 12. März 1974 (GVBl. I S. 154)
  5. lahntal.de: Ortsteile der Gemeinde Lahntal, Geschichte
  6. synagoge-wetter.de: Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Wetter e. V.
  7. lahntal.de/kg: Pfarramt von Sterzhausen, Unsere Kirche (Version vom 15. Juli 2007 im Internet Archive)
  8. Historisches Ortslexikon des Landes Hessen, LAGIS: Lahntal (Landkreis Marburg-Biedenkopf)
  9. Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Lahntal, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 31. März 2011.
  10. klimax-nordkreis.de Webseite zum Klimaschutz und zur Solarmesse des Nordkreises

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lahntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien