Wetter (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wetter (Hessen)
Wetter (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wetter (Hessen) hervorgehoben
50.9016666666678.7225220Koordinaten: 50° 54′ N, 8° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 104,56 km²
Einwohner: 8885 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35083
Vorwahl: 06423
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 021
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
35083 Wetter (Hessen)
Webpräsenz: www.wetter-hessen.de
Bürgermeister: Kai Uwe Spanka
Lage der Stadt Wetter (Hessen) im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg) Biedenkopf Breidenbach Steffenberg Angelburg Bad Endbach Dautphetal Gladenbach Lohra Fronhausen Wetter (Hessen) Lahntal Rauschenberg Wohratal Cölbe Weimar (Lahn) Marburg Ebsdorfergrund Neustadt (Hessen) Kirchhain Amöneburg Stadtallendorf Nordrhein-Westfalen Landkreis Waldeck-Frankenberg Schwalm-Eder-Kreis Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Wetter (Hessen) ist eine Kleinstadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Hessen, Deutschland. Die eher ungebräuchliche Bezeichnung Wetter (Hessen-Nassau) stammt aus der Zeit der Zugehörigkeit zur gleichnamigen preußischen Provinz und wurde im Wesentlichen nur von der Eisenbahn benutzt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wetter liegt am Westrand des Burgwaldes im Tal der Wetschaft und seinen Randbereichen ungefähr 14 km nördlich von Marburg. Die westlichen Stadtteile an der Grenze zur Gemeinde Biedenkopf bzw. Dautphetal gehen hingegen bereits in das Rothaargebirge über. Dort, in den sogenannten Sackpfeifen-Vorhöhen, befindet sich mit dem 510 m hohen Hollerberg auch die höchste Erhebung der Ortsgemarkung.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wetter grenzt im Norden an die Stadt Rosenthal (Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Osten an die Stadt Rauschenberg und die Gemeinde Cölbe, im Süden an die Gemeinde Lahntal, im Südwesten an die Gemeinde Dautphetal, sowie im Westen an die Stadt Biedenkopf und die Gemeinde Münchhausen (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Neben der Kernstadt besteht Wetter aus den folgenden äußeren Stadtteilen (Einwohnerzahlen[2] in Klammern):

Geschichte[Bearbeiten]

Wetter – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Wetter wird das erste Mal im Codex Eberhardi (1150–1160) genannt. Es wird ein karolingischer Königshof inmitten eines ausgedehnten Bezirks an Reichsgut vermutet. Er dürfte mit dem fränkischen Kastell auf dem nahe gelegenen Christenberg in Verbindung gestanden haben. Der Hof lag an einem Flussübergang der nord-südlich verlaufenden sogenannten Weinstraße (Wagenstraße), einer bedeutenden überregionalen Verbindung aus dem Frankfurter Raum in das Sachsenland (Paderborn). Eine Besiedlung des Klosterberges konnte durch archäologische Grabungen bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ab dem 11. Jahrhundert ist auch die Nutztierhaltung nachweisbar, was durch hunderte Tierknochen belegt ist.

Der Marktflecken Wetter selbst wird 1223 als „civitas“ bezeichnet und ist damit eine der frühesten Städte in Hessen. Bereits 1235 finden fünf Bürger und Schöppen Erwähnung, womit ein Stadtgericht belegt ist. Mit der Schließung des Amtsgerichts Wetter 1945 endete die Tradition der Rechtsprechung in Wetter.

Das Stift Wetter entstand wohl im beginnenden 11. Jahrhundert; eine Verbindung zum ottonischen Königshaus wird vermutet. Es wurde im Jahr 1108 erstmals erwähnt. Das Stift diente später neben der Aufnahme von weiblichen Adeligen auch als Bildungsanstalt. 1266 war ein „Magister Konrad“, 1323 ein Rektor Heinrich an der Schule des Stifts tätig.

Die Entwicklung der Stadt, die später Sitz eines Amtes wurde, wurde durch die Tätigkeit von Elisabeth von Thüringen in Marburg und die spätere Wallfahrt zum Grab der Heiligen gebremst. Nachdem Marburg zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte in Deutschland geworden war und im 16. Jahrhundert die Philipps-Universität Marburg gegründet wurde, rutschte Wetter in die Bedeutungslosigkeit ab. Auch mehrere Stadtbrände (u. a. 1622, 1626, 1629 und 1649), die nur wenige Bauwerke, darunter die Stiftskirche, überstanden, warfen die Stadt in ihrer Entwicklung immer wieder zurück.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 die Eingliederung der Gemeinden Amönau, Mellnau, Niederwetter, Oberndorf, Oberrosphe, Todenhausen und Unterrosphe in die Stadt Wetter (Hessen-Nassau) im damaligen Landkreis Marburg.[3] Die Gemeinden Treisbach und Warzenbach folgten kraft Gesetzes am 1. Juli 1974.[4]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[5]

Gemeindewahl in Wetter 2011
 %
50
40
30
20
10
0
43,1 %
29,9 %
16,7 %
5,7 %
4,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+4,0 %p
-10,6 %p
+8,2 %p
+3,1 %p
-4,8 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 43,1 13 39,1 12
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,9 9 40,5 12
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,7 5 8,5 3
DIE LINKE Die Linke 5,7 2 2,6 1
FDP Freie Demokratische Partei 4,6 2 9,4 3
Gesamt 100 31 100 31
Wahlbeteiligung in % 51,4 49,4

Bei der Direktwahl des Bürgermeisters am 4. März 2012 wurde der bisherige parteilose Bürgermeister Kai-Uwe Spanka mit 70,76 % (3134 Stimmen) für weitere sechs Jahre (ab 1. Juli 2012) wiedergewählt.[6]

Präsentationsrecht für den Pfarrer[Bearbeiten]

Nachdem das Präsentationsrecht für den Pfarrer von Wetter infolge der Reformation durch Landgraf Philipp von Hessen dem Stift genommen wurde, erhielt dieses der Magistrat. Bis heute hat der Magistrat bei einer vakanten Pfarrstelle das Recht, dem Landesbischof einen Bewerber vorzuschlagen. Dafür ist die Stadt mit verantwortlich für den Unterhalt der Kirchengebäude.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Im goldenen (gelben) Schild auf grünem Dreiberg ein grüner Lilienzweig mit drei silbernen (weißen) Blüten beseitet von zwei geneigten Schilden, darin vorne der hessische Löwe, hinten das Mainzer Rad.“

Die beiden Schilde erinnern an die ehemalige gemeinsame Herrschaft der Landgrafen von Hessen und der Mainzer Erzbischöfe über die Stadt.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet verläuft in nord-südlicher Richtung die Bundesstraße 252 aus Ostwestfalen-Lippe über Korbach und Frankenberg (Eder) bis nach Göttingen (Gemeinde Lahntal). Um den starken Verkehr aus den Orten des Wetschafttales zu entfernen, ist der Bau einer Umgehungsstraße geplant. Dieser ist jedoch höchst umstritten, da durch den Bau der sogenannten Westumgehung für die Stadt wichtige Naturschutz- und Naherholungsgebiete betroffen würden. Auch würde die Entlastung des Wetschaftstales mit einer deutlichen Mehrbelastung von Wetter-West erkauft, was bei der Kosten-Nutzen-Analyse des Bauvorhabens ebenfalls in Gewicht fällt.

Die Burgwaldbahn verbindet die Stadt mit Marburg und Frankenberg. Die die Bahnlinie betreibende Kurhessenbahn beabsichtigt die Wiedereröffnung der Fortsetzung der Strecke zwischen Frankenberg und Korbach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtarchiv[Bearbeiten]

Das 1993 gegründete Archiv der Stadt Wetter verwahrt die im 16. Jahrhundert beginnende Überlieferung der Stadtverwaltung und des Magistrates. Darüber hinaus werden die örtlichen Mitteilungsblätter der Stadt und Kirchgemeinde gesammelt. Bedeutend ist die Sammlung der im 17. Jahrhundert beginnenden Amtsbücher. Einige Bucheinbände konnten als hochmittelalterliche Klosterhandschriften des aufgelösten Stiftes Wetter identifiziert werden.

Die Urkunden des Stiftes Wetter werden im Staatsarchiv Marburg (Bestand A II 30) verwahrt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Stiftskirche
Bonifatiuskirche
  • Ehemalige Stiftskirche St. Maria, jetzt evangelische Pfarrkirche. Die kreuzförmige, ursprünglich turmlose Hallenkirche mit Dachreiter wurde wohl in der Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. Der Westturm wurde 1506 hinzugefügt. Mit seinem spitzen Helm galt er einstmals als der höchste Kirchturm Hessens. 1783 gekürzt, wurde er 1869 bis 1871 abgenommen und erst 1957/58 durch den jetzigen Spitzhelm ersetzt. 1859 bis 1864 wurde der Bau durch Georg Gottlob Ungewitter umfassend restauriert. Die kräftige Innenfarbigkeit wurde 1962 nach Befund wiederhergestellt. Ähnliche Farbfassungen finden sich in der Elisabethkirche (Marburg) und in der Klosterkirche Haina. Bedeutendstes Ausstattungsstück ist ein hölzernes Altarretabel aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Es zählt zu den frühesten Retabeln überhaupt. Zur weiteren Ausstattung gehören ein Taufstein des 13. Jahrhunderts mit Löwenköpfen, der 1466 gestiftete gotische Zelebrantenstuhl und die prächtige Orgel von Johann Andreas Heinemann (1763–1766). Die 23 Glasfenster wurden von dem deutschen Künstler Hans Gottfried von Stockhausen gestaltet.
  • Rathaus – In den Obergeschossen verschieferter Fachwerkbau mit Zwerchhaus, errichtet um 1680. Das Erdgeschoss massiv. Jüngst durch Neubauten erweitert.
  • Ehemalige Synagoge – Der zweigeschossige quadratische Fachwerkbau mit polygonalem Dachreiter wurde wohl in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Zwar wurde die Synagoge in der Reichspogromnacht im Innern zerstört und ausgeräumt. Der Bau entging jedoch – wohl aufgrund der unmittelbaren Nähe zur angrenzenden Fachwerk-Wohnbebauung, die bei einem Brand sicherlich Schaden genommen hätte – der völligen Vernichtung. Nach 1945 diente er als Abstellraum, Stall und Lager. Um das mittlerweile heruntergekommene Gebäude auf Dauer zu erhalten, wurde Mitte der 1980er Jahre die Dachdeckung in Schiefer erneuert. Im Jahr 2000 ging die Synagoge schließlich in den Besitz der Stadt über. 2004 konnte dann eine umfassende Restaurierung vorgenommen werden. Heute wird das Gebäude als „Haus des Gedenkens“ für diverse Veranstaltungen (Ausstellungen und Lesungen) genutzt.
Fuhrstraße – typische giebelständige Fachwerkhäuser mit Stiftskirche im Hintergrund
  • Wohnbauten – Das noch weitgehend geschlossene Ortsbild wird in erster Linie durch giebelständige Fachwerkhäuser geprägt, von denen die meisten jedoch verschiefert oder verputzt sind. Nach zwei Stadtbränden (1629 und 1649) sind allerdings nur noch wenige, vor 1629 entstandene Bauten vorhanden. Die ältesten und bedeutendsten Häuser des Ortes finden sich an der Westseite des Marktplatzes. Besonders stattlich ist Markt 7, das 1570 von dem hessischen Amtmann zu Nidda, Hermann Pincier erbaut wurde: Über zwei massive Untergeschossen erheben sich zwei Obergeschosse aus Fachwerk. Das Haus ist mit einem polygonalen Eckerker und einem Renaissanceportal ausgestattet, das "1570" bezeichnet ist. Aus dieser Zeit dürfte auch das ehemalige Gasthaus zum Engel am Markt 11 stammen. Der verputzte und mehrfach veränderte Fachwerkbau wurde laut Inschrift 1575 erbaut. Etwas früher als diese beiden Häuser ist wohl Markt 9 entstanden, das in das 1. Drittel des 16. Jahrhunderts datiert wird. Das zweite Obergeschoss soll allerdings erst um 1700 aufgesetzt worden sein. Bemerkenswert sind auch Markt 8 (17. Jahrhundert) und das etwas oberhalb gelegene frühere Amtshaus, Obertor 2. Wie Markt 7 verfügt es über einen Eckerker, der allerdings komplett verschiefert ist. Weitere sehenswerte Fachwerkbauten weist die nahe Krämergasse auf. Während der Wandständerbau mit der Hausnummer 10 noch aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts stammen dürfte, entstand das mit geschnitzten Füllbrettern versehene Haus Nr. 14 laut Balkeninschrift erst nach dem großen Stadtbrand von 1649: "MITT GOTTES HÜLF DIS HAUS ERBAUET * JOHAN PHILIPS VOLMAR WIE IHR SCHAUET * UND ANNA GERDRUT DESSEN WEIB. * DER HÖCHST BEWAHRE SIE DER ZEITt * VOR KRIEG UND BRA.D UND ALLEM LEIDD * ANNO 1671" Darüber hinaus weisen noch mehrere Häuser klassizistische Türen auf.
Der Diebsturm
  • Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit zwei Türmen haben sich vor allem im Süden und im Westen erhalten. An der Leitergasse befindet sich ein um 1200 entstandener Rundturm. Östlich der Kirche steht der sogenannte Diebsturm (größtenteils 15. Jahrhundert), dessen Dach kürzlich erneuert wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Alle sieben Jahre findet das Grenzgangfest statt, das nächste im August 2015.[7] Anlässlich des Grenzgangfestes 1939 dichtete Karl Albert aus Wetter das Grenzbeganglied, welches zu jedem Fest von den Wetteraner Bürgern gesungen wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Gottfried von Stockhausen: Die Stiftskirche zu Wetter und ihre Glasmalereien. Hirmer, München 2007, ISBN 978-3-7774-3875-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wetter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Zahlen von der Stadthomepage, abgerufen am 25. Juni 2012; 2011 wurden bereits identische Zahlen angezeigt
  3. Bekanntgabe von Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden durch den Hessischen Minister des Innern vom 20. Dezember 1971 (StAnz. 1972 S. 47) S. 7 der tif-Datei 4,73 MB
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  5. Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Wetter, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 7. April 2011.
  6. Bekanntmachung des Wahlausschusses zum Ergebnis der Direktwahl 2012 (PDF; 64 kB)
  7. Grenzegang Wetter auf der Website der Stadt