Medellín

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Medellín (Begriffsklärung) aufgeführt.
Medellín
Medellín (Kolumbien)
Red pog.svg
Koordinaten 6° 15′ N, 75° 35′ W6.24574-75.5822Koordinaten: 6° 15′ N, 75° 35′ W
Symbole
Flagge
Flagge
Basisdaten
Staat Kolumbien

Departement

Antioquia
Höhe 1538 m
Fläche 380,6 km²
Einwohner 2.743.049 (2012)
Metropolregion 3.592.100 (2012)
Dichte 7206,4 Ew./km²
Gründung 1675
Webauftritt www.medellin.gov.co/
Politik
Bürgermeister Aníbal Gaviria
Sonstiges
Offizielle Gliederung 20 Gebiete
Gemeinden 16
Bezirke & Vororte 249
Grundstein Las Cruces Nro.6Vorlage:Infobox Ort/Wartung/Anmerkung
Das Aburrá-Tal
Das Aburrá-Tal

Medellín ist die Hauptstadt des Departamento Antioquia in Kolumbien. Mit mehr als 2,7 Millionen Einwohnern ist Medellín die zweitgrößte Stadt und gleichzeitig mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropolregion Kolumbiens nach der Hauptstadt Bogotá. (Stand 2012)

Geografie[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet von Medellín, die Área Metropolitana de Medellín, die offiziell Área Metropolitana del Valle de Aburrá genannt wird, umfasst heute neun umliegende Ortschaften.

Medellín erstreckt sich durch das ganze Aburrá-Tal, ein Tal des mittleren Bergzugs der Anden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von 1538 m. Medellín wird daher auch Capital de la Montaña, Hauptstadt der Berge, genannt.

Die Metropolregion von Medellín besteht aus den folgenden Städten (von Süden nach Norden):

Die Stadt ist berühmt für ihre Gartenanlagen, ihre Blumen und die Vielfalt der Orchideen, die dort heimisch sind. Deswegen hat sie auch den Beinamen Capital de las Flores (Hauptstadt der Blumen).

Dem Stadtviertel Sierra wurde 2005 der Dokumentationsfilm La Sierra (dt. alt. La Sierra – zum Killer geboren) gewidmet. Er handelt von den jugendlichen Kämpfern der Bande Bloque Metro, die im internen bewaffneten Konflikt ihr Stadtviertel zu verteidigen versuchen.

Administrative Aufteilung der Stadt

Medellín ist in 249 Stadtteile, barrios, unterteilt. Siehe Barrios von Medellín.

Klima[Bearbeiten]

Ihre Einwohner geben der Stadt Medellín stolz Namen wie Bella Villa oder Capital de la Eterna Primavera, Hauptstadt des ewigen Frühlings, da die Temperaturen selten über 30 Grad klettern oder unter 16 Grad fallen. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 22 Grad.

Medellín
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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17
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: ideam.gov.co
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Medellín
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 27,7 28,0 28,0 27,6 27,4 27,9 28,3 28,2 27,7 26,8 27,0 27,1 Ø 27,6
Min. Temperatur (°C) 16,7 16,9 17,2 17,4 17,3 17,0 16,5 16,6 16,5 16,6 16,9 16,7 Ø 16,9
Temperatur (°C) 21,9 22,1 22,1 22,0 21,8 22,4 22,5 22,4 21,8 21,1 21,2 21,4 Ø 21,9
Niederschlag (mm) 61,4 76,1 120,6 163,1 199,5 147,7 118,9 154,0 171,7 221,0 151,1 87,8 Σ 1.672,9
Sonnenstunden (h/d) 5,7 5,3 5,0 4,3 4,5 5,6 6,6 6,2 5,0 4,3 4,6 5,0 Ø 5,2
Regentage (d) 12 13 17 21 24 18 16 20 22 25 21 15 Σ 224
Luftfeuchtigkeit (%) 66 65 67 71 72 70 65 66 70 74 71 71 Ø 69
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171,7
221,0
151,1
87,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: ideam.gov.co

Geschichte[Bearbeiten]

Medellín wurde 1616 von Francisco Herrera Campuzano gegründet. Die Bedeutung von Medellín fand ihren Ursprung in der ständig wachsenden Nachfrage und Produktion von Kaffee. Die Industrialisierung des Gebietes begann am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Stadt entwickelte sich aber erst in den 1930er Jahren zu einem wichtigen Industriezentrum. In den 1980er Jahren litt das öffentliche Leben der Stadt unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm.

Mit dem Namen der Stadt verbindet sich auch die II. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopats vom 24. August bis 6. September 1968, auf der die katholische Kirche des Subkontinents eine historische Wende vollzog und sich zur Option für die Armen bekannte.

Zuletzt wurde von der Stadtverwaltung eine Aufwertung der ärmsten Stadtteile durch architektonisch anspruchsvolle Bauprogramme unternommen, die der Stadt die vom Urban Land Institute vergebene Auszeichnung 'innovativste Stadt des Jahres' eingebracht hat.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung Medellíns setzt sich zum großen Teil aus den Nachfahren baskischer Einwanderer zusammen. Die Einwohner der Stadt und des Departamento Antioquia nennen sich selbst Paisas.

Kriminalität[Bearbeiten]

Paramilitärische Milizen wurden vertrieben und entwaffnet. Die Mordrate sank drastisch von 6.500 Fällen (1991, 381/100.000 Einwohner) auf 778 Fälle (2005, 32/100.000 Einwohner) und lag somit unter dem Durchschnitt anderer lateinamerikanischer Großstädte. In den vergangenen drei Jahren stieg die Anzahl der Morde aber drastisch an und lag 2009 bei 2.189 Fällen.[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zentrum mit der Kathedrale Zentrum mit der Kathedrale (rechts)
  • Kathedrale des Erzbistums Medellin Die Kathedrale, die das Stadtzentrum überragt, ist eine neuromanische Lehmziegel-Basilika; Baubeginn war 1890, Fertigstellung und Weihe 1931. Sie verfügt über eine große, dreimanualige, romantisch disponierte Orgel des deutschen Orgelbauers Oskar Walcker[3] aus Ludwigsburg. Mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung wurde sie im Jahr 2009/10 von der deutschen Orgelbauwerkstatt „Oberlinger“ restauriert, sodass sie sowohl für den Gottesdienst als auch Orgelkonzerte bestens geeignet ist.
  • Botanischen Garten: Sehenswert sind das Orquideorama, eine Sammlung von Orchideen im Botanischen Garten.
  • Im Museo de Antioquia sind zahlreiche Werke des weltbekannten Künstlers Fernando Botero zu sehen.
  • Auch der bekannte Bildhauer Rodrigo Arenas Betancur zeigt in der Stadt mehrere seiner Arbeiten als Monumente.
  • Riesen-Freiluftrolltreppe: Am 27. Dezember 2011 wurde die längste Rolltreppe der Welt eingeweiht.[4] Sie befindet sich im Stadtviertel Comuna 13 und überwindet einen Höhenunterschied von umgerechnet 28 Stockwerken. Die Benutzung ist kostenlos. Sie hat ca. 5 Millionen Euro gekostet.
  • Planetario Municipal Jesus Emilio Ramirez Gonzalez, das erste in einer südamerikanische Stadt, welches ein computergesteuertes Planetarium hat.

Regelmäßige Veranstaltungen / Feste[Bearbeiten]

Medellin ist über die Grenzen Kolumbiens bekannt für seine Feste; zu diesen zählen:

  • Feria de Flores (Blumenfestival)
  • Festival Internacional de Poesía de Medellín (Internationales Poesiefestival Medellín) jährlich seit 1991
  • Fiesta de Luz (Lichterfestival): Beim Lichterfestival wird jedes Jahr zur Weihnachtszeit der Fluss Medellin mit Millionen von Lichtern ausgeleuchtet

Sport[Bearbeiten]

In Medellín findet seit 1995 jedes Jahr ein Halbmarathon statt. Mit Independiente Medellín und Atlético Nacional hat Medellín zwei Fußballteams, die in der Primera A spielen. 2010 fanden die Südamerikaspiele in Medellín statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In der Stadt befinden sich Betriebe der Textilindustrie, der Konfektion, der Nahrungsmittel- und Tabakindustrie, der Herstellung von Landwirtschaftsmaschinen, der metallurgischen und chemischen Industrie, der Zementherstellung, der Möbelindustrie und anderer Industriezweige. Damit steht Medellín inzwischen an zweiter Stelle der nationalen Industrieproduktion und an erster Stelle in Südamerika in Bezug auf die Textilherstellung. Inzwischen hat sich neben der Industrie aber auch ein sehr breiter tertiärer Sektor entwickelt. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein ist die Blumenproduktion. Hauptsächlich werden Orchideen für den Export in die USA, nach Europa oder Asien gezüchtet. Zu Ehren dieses bedeutenden Wirtschaftszweigs veranstaltet Medellín seit 1957 die Feria de Flores.

Verkehr[Bearbeiten]

Medellín verfügt als einzige Stadt Kolumbiens über eine Hochbahn (eröffnet 1995), die die Stadt mit ihrer Umgebung verbindet. Die Metro de Medellín hat zwei Linien mit insgesamt 42 km Schienennetz. Die Stadt betreibt auch zwei Seilbahnlinien zu den Armenvierteln Santo Domingo und San Javier. Pro Jahr transportieren die Seilbahnlinien rund 100 Millionen Passagiere. Der Betrieb und Ausbau der Linien finanziert sich über das UN-Konzept zum Klimaschutz durch Emissionshandel. Da das Seilbahnsystem jährlich etwa 20.000 Tonnen CO2 einspart, ist die Stadt in der Lage, entsprechende Emissionszertifikate zu verkaufen. Die Auswirkungen des Seilbahnsystems werden hinsichtlich Abgasemissionen, Kriminalität und Strukturveränderungen in den einbezogenen Armenviertel positiv bewertet.[5]

Die Stadt hat 2012 den Sustainable Transport Award gewonnen.[6]

Die Flughäfen Olaya Herrera und Jose Maria Córdova werden auch international angeflogen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Universität Antioquia (Universidad de Antioquia, gegründet 1803), die Nationaluniversität von Kolumbien (Zweigstelle Medellín), die Universität Medellín (eröffnet 1950), die Päpstliche Universität Bolivariana (eröffnet 1936), die Universität EAFIT (eröffnet 1960) und die Autonome Lateinamerikanische Universität (eröffnet 1966) sind in der Stadt beheimatet. Unter dem Bürgermeister Sergio Fajardo Valderrama wurde eine großangelegte Bildungskampagne gestartet, zum Beispiel wurde für sechs Millionen US-Dollar die Bibliothek und umgebende Anlage „Parque Biblioteca España“ im Slum Santo Domingo errichtet.

Zu einer besonderen Bedeutung brachte es auch die „Deutsche Schule“, die Anfang 2011 einen sowohl in akustischer als auch in architektonischer Sicht hervorragenden Konzertsaal für 600 Besucher erhielt, auf dessen großer Bühne mit einer 2012 fertiggestellten Pfeifenorgel alle Konzerte in Originalinstrumentierung und Besetzung aufgeführt werden können.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Kultur, Politik und Religion
Sport
Kriminalität

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://luigimonzo.wordpress.com/2014/06/24/wurde-durch-architektur/
  2. DINÁMICA DEL HOMICIDIO - Alcaldía de Medellín
  3. [1] Die Orgelbauerfamilie Walcker und ihre Orgeln
  4. Freiluftfahren: Riesenrolltreppe für kolumbianische Arme. auf: N24.de
  5. Patrick Benning: Kolumbien - ohne Abgase. In: Die Zeit. 1. Dezember 2011, Wirtschaftsteil, S. 26.
  6. Martin Randelhoff: Gewinner des Sustainable Transport Award 2012: San Francisco und Medellin. auf: zukunft-mobilitaet.net

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medellín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien