Obernzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Obernzell
Obernzell
Deutschlandkarte, Position des Marktes Obernzell hervorgehoben
48.55444444444413.638055555556294Koordinaten: 48° 33′ N, 13° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 294 m ü. NHN
Fläche: 18,25 km²
Einwohner: 3743 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 205 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 94130,
94107 (Rollhäusl)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 08591
Kfz-Kennzeichen: PA
Gemeindeschlüssel: 09 2 75 137
Marktgliederung: 21 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 42
94130 Obernzell
Webpräsenz: www.obernzell.de
Bürgermeister: Josef Würzinger (CSU)
Lage des Marktes Obernzell im Landkreis Passau
Landkreis Deggendorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Freyung-Grafenau Passau Witzmannsberg Windorf Wegscheid Vilshofen an der Donau Untergriesbach Tittling Tiefenbach (bei Passau) Thyrnau Tettenweis Sonnen Salzweg Ruhstorf an der Rott Ruderting Rotthalmünster Pocking Ortenburg Obernzell Neukirchen vorm Wald Neuhaus am Inn Neuburg am Inn Malching Kößlarn Kirchham (Landkreis Passau) Hutthurm Hofkirchen (Donau) Hauzenberg Haarbach Bad Griesbach im Rottal Fürstenzell Fürstenstein Eging am See Büchlberg Breitenberg (Niederbayern) Beutelsbach Bad Füssing Aldersbach Aidenbach Aicha vorm Wald ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Obernzell ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Obernzell liegt in der Region Donau-Wald direkt an der Donau. Die Flussmitte der Donau bildet die Grenze zu Oberösterreich.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

In Bayern (Landkreis Passau):

In Oberösterreich:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Obernzell hat 21 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen Ederlsdorf, Kellberg und Obernzell.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf Obernzell von der gegenüberliegenden Donauseite
Epitaph Lukas Kern, Schiffermeister

Der Ort, hervorgegangen aus einer Mönchszelle, war zunächst Besitz der Herren von Griesbach und gehörte seit 1217 zum Hochstift Passau. Als Griesbach am niederen Markt oder Niedergriesbach in der Zell bildete es weiterhin eine Einheit mit Untergriesbach. 1283 besaß es eine Pfarrei, 1359 erhielt es das Marktrecht.

In dieser Zeit wurde die Verarbeitung von Ton und Graphit Obernzells bedeutendster Wirtschaftsfaktor. Bereits 1516 besaß die Obernzeller Graphitschmelztiegelhafnerei eine eigene Zunftordnung. Um 1530 wurde der Ort erstmals Hafnerzell nach den hier ansässigen Hafnern benannt. Die hergestellten Schmelztiegel bestanden zu 50 % aus Graphit, 40 % aus Ton und 10 % Quarz. Sie wurden vor allem von Alchimisten, Metallgießern und Münzstätten gebraucht. Die Schmelztiegel machten Obernzell so berühmt, dass Bernhard Grueber und Adalbert Müller 1846 in ihrem Buch Der bayrische Wald schrieben:

„Obernzell ist ungeachtet seiner Kleinheit im Auslande bekannter, als manche deutsche Residenzstadt. Diesen Ruf verdankt es den unübertrefflichen Schmelztiegeln, welche hier verfertigt und in die halbe Welt versendet werden.“[3]

Auch Joseph Kyselak (* 1799 Wien; † 1831 ebenda), dessen grosse Wanderung von 1825 ihn nach Hafnerzell führt, beschreibt den blühenden Handel:

„Dem Dörfchen Pirwang gegenüber, macht die Donau eine mondförmige Krümmung, und man naht am linken Ufer dem einzig seiner Art wichtigen Hafnerzell. Wir landeten, und ich fürchtete, weil es etwas windig war, schon übernachten zu müssen; doch wurden nur einige Fässer und Körbe der sogenannten schwarzen Passauer-Schmelztiegel (zum Gold und Silberschmelzen unentbehrlich, und darum von hier aus durch die halbe Welt verführt,) aufgeladen. Diese Tiegel, wozu die Bauern die Masse auf ihren Äckern selbst graben und dann verarbeiten, erwerben dem Markte bedeutendes Vermögen; auch Ziegel, grosse Platten u. dgl. zu mancherlei Feuerarbeit, werden gleichfalls da bestellt und verfertigt. Noch merkwürdig macht diesen Ort die hier heimische Porzellan-Erde, womit eben ein Schiff für die Wiener-Fabrik befrachtet wurde.“[4]


Ab Mitte des 17. Jahrhunderts setzte sich der Name Obernzell als Ortsbezeichnung durch. Im Schloss hatte bis zur Säkularisation der fürstbischöfliche Pfleger seinen Sitz. Obernzell wurde 1803 mit dem größten Teil des Passauer Gebietes zugunsten Ferdinands von Toskana säkularisiert und fiel erst 1805 an Bayern. Erst 1940 stellte die letzte Obernzeller Schmelztiegelfabrik die Produktion ein.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ederlsdorf eingegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 3.426 Einwohner
  • 1987: 3.425 Einwohner
  • 2000: 3.790 Einwohner
  • 2011: 3.850 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus von Obernzell

Erster Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2008 Josef Würzinger (CSU). Er wurde bei den Kommunalwahlen am 2. März 2008 mit 94,49 % gewählt und löste Manfred Riedl (SPD) ab.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 1949 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 618 T€.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat setzt sich seit 1. Mai 2008 folgendermaßen zusammen:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Obernzell unterhält Partnerschaften mit der österreichischen Marktgemeinde Aschach an der Donau sowie mit der ungarischen Gemeinde Szigliget (seit 2005).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Obernzell

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 7, im produzierenden Gewerbe 1664 und im Bereich Handel und Verkehr 88 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 287 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1238. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 5 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 30 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 515 ha, davon waren 268 ha Ackerfläche und 247 ha Dauergrünfläche. Es gibt 3 Lederfirmen, davon sind 2 Hersteller mit eigenen Kollektionen, außerdem sind ein weiteres besonderes Merkmal 2 Töpfereien, die die Tradition der Hafner fortführen.

Verkehr[Bearbeiten]

Autofähre Obernzell

Über die B 388 erreicht man das 16 km entfernte Passau und in Gegenrichtung Wegscheid (16 km) an der Grenze zu Oberösterreich.

Seit 1904 hat Obernzell mit seinem Bahnhof in Erlau (b. Passau) Anschluss an die Bahnstrecke Passau–Hauzenberg. Der Personenverkehr wurde hier 1970 eingestellt. Der Güterverkehr wurde 1997 eingestellt. 2001 wurde die Strecke stillgelegt. Es gibt Bestrebungen sie zu reaktivieren.

Autofähre Obernzell[Bearbeiten]

Eine Autofähre verbindet Obernzell mit dem gegenüberliegenden (österreichischen) Donauufer, wo die B 130 Nibelungen Straße über Engelhartszell a.d.D. (9 km) und Eferding (40 km) nach Linz (65 km) führt. Die Fähre ist der einzige autotaugliche Donauübergang zwischen Passau und der Donaubrücke Niederranna, sonst gibt es nur noch die Fußgängerfähre Engelhartszell–Jochenstein. Die Fähre quert regelmäßig das ganze Jahr, aber nur tagsüber.[6]

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 100 Kindergartenplätze mit 102 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 15 Lehrern und 221 Schülern

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Obernzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111117/200538&attr=OBJ&val=752
  3. Bernhard Grueber, Adalbert Müller: Der bayrische Wald, 1846, Nachdruck: Morsak Verlag, Grafenau 1993, S. 135
  4.  Joseph Kyselak: Skizzen einer Fußreise durch Österreich. Jung und Jung, Salzburg 2009, ISBN 978-3-902497-52-9 (Neuauflage des ungekürzten Originaltexts von 1829, begleitet von den Ergebnissen des Forschungsprojekts).
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 590.
  6. Donaufähre Obernzell: Fährzeiten. obernzell.de