Polen-Litauen
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Der Staat Polen-Litauen (polnisch Rzeczpospolita Obojga Narodów, litauisch Abiejų Tautų Respublika, ruthenisch Рѣчъ посполитая ѡбоига народовъ - übersetzt etwa Gemeinwesen oder Staat [oft auch als Adelsrepublik wiedergegeben] beider Nationen oder Völker) oder (Erste) Rzeczpospolita genannt, bestand von 1569 bis 1791 in Mittel- und Osteuropa. Die offizielle Eigenbezeichnung war Gemeinwesen (oder Adelsrepublik) der polnischen Krone und des Großfürstentums Litauen (polnisch Rzeczpospolita Korony Polskiej i Wielkiego Księstwa Litewskiego, litauisch Žečpospolita). Die beiden namensgebenden Länder waren das Königreich Polen (polnisch meist einfach Korona, „die Krone“, genannt) und das Großfürstentum Litauen. Deren Gebiet umfasste in seiner größten territorialen Ausdehnung um 1600 die heutigen Staatsgebiete von Polen, Litauen, Lettland, Weißrussland sowie Teile Russlands, Estlands, Rumäniens und der Ukraine.
Das Staatswesen war ein Vielvölkerstaat, dessen heterogene Bevölkerungsethnien den unterschiedlichsten Glaubensbekenntnissen folgten: katholische, protestantische und orthodoxe Christen, Juden und Moslems lebten hier mit- und nebeneinander.
Mit der Realunion verschmolzen das Großfürstentum Litauen, das Königreich Polen, das Königliche Preußen und das Herzogtum Livland zu einem Gemeinwesen. Auch die ländlichen Gebiete des Königlichen Preußen wurden von polnischen Starosten verwaltet, jedoch erhielten sich einige Städte (Danzig, Thorn und Elbing) aber auch das Fürstbistum Ermland ein großes Maß an Autonomie. Andere Gebiete unterstanden Polen-Litauen nur als Lehen, so das Herzogtum Preußen, das Herzogtum Kurland und Semgallen, und zeitweilig das Fürstentum Moldau. Polen-Litauen verfügte außerdem bis 1772 über die Zipser Städte, die 1421 vom Königreich Ungarn an das Königreich Polen verpfändet worden waren.
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[Bearbeiten] Die Realunion von Lublin
Durch die Lubliner Union, vom 12. August 1569, wurde die in der Union von Krewo 1385 entstandene Personalunion mangels Thronfolger von Polen und Litauen in eine Realunion umgewandelt. Der neue Staat wurde „Gemeinwesen beider Nationen“ genannt, es war eine Wahlmonarchie mit gemeinsamer Währung, gemeinsamen Parlament (dem Sejm) und Monarchen. Beteiligt an der Wahl war lediglich der Adel, der aber im Gegensatz zu den meisten übrigen europäischen Staaten mehr Personen, ungefähr 10 % der Bevölkerung, ausmachte. Dem polnischen Adel gehörten ein niederer Stand an, die Szlachta, und ein hoher, die Magnaten. Aufgrund seiner aristokratischen Elemente (Wahlkönigtum mit starker Stellung des Adelsparlaments) wird dieser Staat auch als Adelsrepublik bezeichnet. Er existierte bis 1795.
[Bearbeiten] Internationale Könige
Die Liste der polnischen Herrscher, zu der schon französische Kapetinger und ursprünglich litauische Jagiellonen zählten, wurde durch die Wahl des Monarchen auch mit einigen Ausländern fortgesetzt, etwa aus dem schwedischen Haus Wasa, oder mit sächsischen Wettinern. Der erste neutrale oder finanzstarke Erwählte war der Kapetinger Heinrich von Valois, der jedoch bald zugunsten der Krone Frankreich verzichtete, gefolgt von dem Ungar Stephan Báthory, der jedoch erst die damals bereits 53 Jahre alte Anna Jagiellonica ehelichen musste, die als König (nicht Königin) gewählt wurde. Auch die vier Könige polnisch-litauischer Abstammung wurden in Städten geboren, die nicht zum heutigen Polen gehören.
[Bearbeiten] Die Blütezeit
Im frühen 17. Jahrhundert hielt sich Polen-Litauen aus dem Dreißigjährigen Krieg heraus, und expandierte nach Osten, wobei im Polnisch-Russischen Krieg 1609–1618 der Kreml in Moskau besetzt wurde (1610), oder die Küste am Schwarzen Meer. Im späten 17. Jahrhundert haben dann die „Schwedische Flut“ sowie die erstarkenden Nachbarn Russland und Brandenburg-Preußen die Macht von Polen-Litauen eingeschränkt.
[Bearbeiten] Der Einheitsstaat
Die im Zuge der Unabhängigkeit der USA und der Französischen Revolution entstandene liberale Verfassung vom 3. Mai 1791, die der Ersten Teilung Polens folgte, hob die Dualität zwischen Polen und Litauen auf. Die verbliebenen Teile der Adelsrepublik wurden in einem Einheitsstaat vereint. Die absolutistisch regierten Nachbarmonarchien nahmen zwei Jahre später die Zweite Teilung Polens vor, und weitere zwei Jahre später die dritte und vollständige Aufteilung. Polen und Litauen verschwanden, wie schon zahlreiche andere einst souveräne Staaten, bis 1918 von den politischen Landkarten Europas. An den Teilungen nahmen teil: das Königreich Preußen, das Haus Österreich und das Zarenreich Russland.
[Bearbeiten] Administrative Einteilung
Abgesehen von den königlichen Freistädten (Danzig, Thorn, Elbing und Riga bis 1621) war Polen-Litauen in Woiwodschaften eingeteilt (siehe obige Karte). Die Einteilung des Gebietes der Krone Polen in die Provinzen Großpolen und Kleinpolen hatte rein traditionelle Bedeutung. Einige Herrschaften waren einer Woiwodschaft gleichgestellt.
- Krone Polen, Großpolen:
- Posen
- Kalisz (Kalisch)
- Gniezno (Gnesen)
- Sieradz
- Łęczyca
- Brześć Kujawski
- Inowrocław (Hohensalza)
- Płock
- Rawa
- Masowien (Hauptstadt Warschau)
- Königlich Preußen:
- Chełmno (Kulm)
- Marienburg
- Pommerellen
- Fürstbistum Ermland (Hauptstadt Heilsberg)
- Krone Polen, Kleinpolen:
- Krakau
- Sandomierz
- Lublin
- Podlachien (Hauptstadt Drohiczyn)
- Ruthenien (Hauptstadt Lemberg)
- Bełz
- Wolhynien (Hauptstadt Łuck, ukrain. Luzk)
- Podolien (Hauptstadt Kamieniec Podolski, ukrain. Kamjanez-Podilskyj)
- Bracław (ukr. Brazlaw)
- Kijów (Kiew)
- Czernihów (ukr. Tschernihiw)
- Herzogtum Siewierz (seit 1790)
- Großfürstentum Litauen:
- Wilna
- Troki (lit. Trakai)
- Nowogródek (weißruss. Nawahradak)
- Brześć Litewski (Brest-Litowsk)
- Minsk
- Mścisław (weißruss. Mszislau)
- Smolensk
- Witebsk (weißruss. Wizebsk)
- Połock (weißruss. Polazk)
- Herzogtum Samogitien (Hauptstadt Wornie, lit. Varniai)
- Herzogtum Livland (Polnisch Livland):
[Bearbeiten] Verweise
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Fußnoten
- ↑ Lat.: "Wenn Gott mit uns, wer dann gegen uns?"; seit dem 18. Jahrhundert Pro Fide, Lege et Rege ("Für den Glauben, das Recht und den König").
- ↑ Der erste: Sigismund II. August I.; der letzte: Stanislaus II. August IV. Poniatowski.

