Schlacht um Budapest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Belagerung von Budapest
Rotarmisten während der Eroberung Budapests 1945
Rotarmisten während der Eroberung Budapests 1945
Datum 29. Oktober 1944 bis 13. Februar 1945[1]
Ort Budapest, Ungarn
Ausgang sowjetischer Sieg
Konfliktparteien
Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Ungarn 1940Ungarn Ungarn
Befehlshaber
Rodion Malinowski,
Fjodor Tolbuchin
Otto Wöhler, Karl Pfeffer-Wildenbruch, Iván Hindy.
Truppenstärke
156.000 70.000
Verluste
80.000 tote Soldaten 47.000 tote Soldaten
38.000 tote Zivilisten[2][3]

Als Schlacht um Budapest werden die Kämpfe in und rund um das belagerte Budapest zwischen der sowjetischen Roten Armee und der deutschen Wehrmacht vom 29. Oktober 1944 bis 13. Februar 1945[4], in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, bezeichnet.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am 8. September 1944 begann die Rote Armee die Ostkarpatische Operation. Deren zweiter Teil, die Debrecener Operation, dauerte vom 6. bis zum 27./28. Oktober 1944. Unter anderem kämpfte die 8. Armee der Heeresgruppe Süd unter dem Kommando von General Wöhler. Nach dem Fall von Debrecen (20. Oktober) durchbrachen die sowjetischen Truppen Ende November zwischen den Flüssen Donau und Drau mehrere Verteidigungslinien und besetzten den südlichen Teil Westungarns, ohne dort auf wesentlichen Widerstand zu stoßen. Nachdem Reserven aus der Ost-Slowakei und Ungarn für die Ardennenoffensive an der Westfront abgezogen worden waren, mussten sich die vier Armeen der Heeresgruppe auch im Norden Ungarns langsam nach Westen zurückziehen.

Mitte Oktober wollte der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy die deutschen Verbündeten entwaffnen und mit der Sowjetunion einen separaten Waffenstillstand schließen. Dieses Vorhaben scheiterte, und die Kleinpartei der extrem antisemitischen Pfeilkreuzler unter Ferenc Szálasi wurde ab November neuer politischer Verbündeter Nazideutschlands. Die monarchistisch eingestellte Armee verhielt sich loyal, aber die Pogrome und provokanten Aufmärsche der schwarzhemdigen Miliz schwächten den Widerstandswillen der Zivilbevölkerung. Die Erdölförderung Ungarns wurde nach dem Fall Rumäniens immer wichtiger für Deutschland. Anfang Dezember erklärte Adolf Hitler die Stadt zur Festung.

Verlauf[Bearbeiten]

Am 25. Dezember war Budapest völlig eingeschlossen. Im entstandenen Kessel befanden sich neben nurmehr 800.000 verbliebenen Einwohnern 70.000 Soldaten, und zwar 33.000 deutsche – unter ihnen die beiden SS-Kavallerie-Divisionen Florian Geyer und Maria Theresia – sowie 37.000 ungarische Soldaten der 3. ungarischen Armee unter dem Befehl des SS-Obergruppenführers und General der Polizei Karl Pfeffer-Wildenbruch und General Iván Hindy. Die 156.000 Belagerer Budapests waren die 2. Ukrainische Front Marschall Malinowskis, die kurz zuvor dazugestoßenen Truppen der 3. Ukrainischen Front Tolbuchins, die rumänische Armee und ungarische rote Freiwilligeneinheiten.

Im Januar 1945 scheiterten mehrere Entsatzversuche und der Mangel an Munition und Verpflegung wurde immer bedrohlicher. Am 20. Januar schloss das offizielle Ungarn mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand und trat in den Krieg gegen das Deutsche Reich ein.[5] Am 11. Februar versuchten 17.000 Eingeschlossene einen verzweifelten Ausbruchsversuch, der im Desaster endete. Nur etwa 300 Soldaten erreichten die Stellungen der Wehrmacht. Am 13. Februar kapitulierten die letzten Einheiten. Das Oberkommando der Wehrmacht begründete die Kraftanstrengung in Budapest mit der strategischen Mission, dort Wien zu verteidigen. Der Kampf um Budapest kostete alleine 100.000 deutschen und ungarischen Soldaten das Leben, darunter knapp 50.000 Tote unter den Eingeschlossenen. 20 Divisionen und fast 1.000 Flugzeuge der Roten Armee wurden aber 51 Tage lang gebunden, da die sowjetische Führung die Einnahme Budapests als Voraussetzung für den weiteren Vormarsch ansah.[6] Von über 160.000 Toten beider Seiten im Budapester Stadtgebiet konnten nur etwa 5.000 Soldaten und Zivilisten namentlich festgestellt werden. Tausende Leichen trug die Donau fort und Zehntausende liegen noch heute in den Parks, im Stadtwald und in den Budaer Bergen verscharrt.[7]

Trotz der Verstärkung durch die 6. SS-Panzerarmee, die nach dem Scheitern der Ardennenoffensive im Februar rasch wieder zurück nach Ungarn verlegt wurde, waren die deutschen Truppen nicht in der Lage, die Stadt freizukämpfen. Auch die darauffolgende Plattenseeoffensive vom 6. bis 14. März konnte die sowjetische Offensive nach Nordwesten ab 16. März, das Überschreiten der Grenze des Deutschen Reichs im Burgenland am 29. März und die Schlacht um Wien ab 3. April nicht verhindern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Krisztián Ungváry:
    • Die Schlacht um Budapest 1944/45. Stalingrad an der Donau, F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 1999, ISBN 3-7766-2120-6.
    • Kriegsschauplatz Ungarn in Karl-Heinz Frieser (Hg.): Die Ostfront 1943/44 (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 8), Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 849–958.
    • The Siege of Budapest: One Hundred Days in World War II. Yale University Press (November 2006), ISBN 978-0-300-11985-5.
  • Peter Gosztony (* 1931 in Budapest; † 1999 in Bern): Der Kampf um Budapest 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau, 14. Jahrg. (Frankfurt/Main 1964) (Anmerkung: 1963 erwarb Gosztony an der Universität Zürich die Doktorwürde mit der Arbeit «Der deutsch-russische Krieg in Ungarn 1944/45 unter besonderer Berücksichtigung der Kämpfe um Budapest» (87 Seiten). 1969 erschien die Dissertation in erweiterter Form unter dem Titel «Endkampf an der Donau 1944/45» (Molden, Wien 1978, ISBN 3-217-05126-2)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht um Budapest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitraum der „Operation Budapest“ der Roten Armee
  2. LeMO [1]: Die Schlacht um Budapest 1944: [2]
  3. Kalendarium der Stadt Wien, „Wien 1945“/13. Februar: Der Kampf um Budapest ist zu Ende, die letzten deutschen Soldaten kapitulieren. Im Kampf um Budapest verzeichnete die deutsche Wehrmacht 49.000 Tote und 110.000 Gefangene. Die Zahl der sowjetischen Opfer ist nicht bekannt, war aber sicher sehr hoch, ebenso die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung. Budapest ist ein Trümmerhaufen.[3]
  4. Zeitraum der „Operation Budapest“ der Roten Armee
  5. LeMO – Chronik 1945: [4]
  6. Manfried Rauchensteiner, Der Krieg in Österreich 1945. In: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (Militärwissenschaftliches Institut). Österreichischer Bundesverlag, Wien 1984. S. 103.
  7. Kai Guleikoff, „Junge Freiheit“: Stalingrad an der Donau: Ungvárys Buch zur Schlacht um Budapest:[5]